Luminal / Luminaletten

Hersteller: Desitin Arzneimittel GmbH
Wirkstoff: Phenobarbital
Darreichnungsform: Tablette
Rezeptpflichtig

Wirkung

Luminal / Luminaletten enthalten den Wirkstoff Phenobarbital.

Phenobarbital dient der Behandlung von Epilepsien. In Form von Tabletten kommt es hauptsächlich zur Vorbeugung gegen epileptische Anfälle zum Einsatz. Bei akuten Krampfanfällen und schweren Krankheitszuständen wie dem Status epilepticus wird Phenobarbital in die Venen gespritzt (intravenöse Gabe). Phenobarbital ist nicht wirksam bei kurzfristiger Geistesabwesenheit (Absencen) und auch nicht zur Vorbeugung und Therapie von Fieberkrämpfen.

Außer bei Epilepsien kann der Wirkstoff bei Operationen vor der eigentlichen Narkose als Beruhigungsmittel angewendet werden.


Zu folgenden Anwendungsgebieten von Phenobarbital sind vertiefende Informationen verfügbar:

Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Antiepileptika, zu welcher der Wirkstoff Phenobarbital gehört.

Anwendungsgebiete laut Herstellerangaben

  • verschiedene Formen der Epilepsie, beispielsweise Grand mal, Impulsiv-Petit mal
  • Grand-mal-Schutz bei Petit-mal-Anfällen im Kindesalter.

Dosierung

Der Arzt richtet die Dosierung nach Art und Schwere der Erkrankung. Aufgrund der hohen Unterschiede in der Verstoffwechselung des Wirkstoffs kann es erforderlich werden, dass der Arzt die Langzeit-Dosis im weiteren Verlauf der Therapie verändern muss.

Zur Behandlung von Krampfanfällen bei Erwachsenen werden 1 bis 3 Milligramm Phenobarbital pro Kilogramm Körpergewicht und bei Kindern 3 bis 4 Milligramm des Wirkstoffs pro Kilogramm Körpergewicht auf zwei Tagesdosen verteilt gegeben. Die Tabletten werden mit etwas Flüssigkeit eingenommen.

Über die Dauer der Therapie entscheidet der behandelnde Arzt. Sie richtet sich nach dem Krankheitsverlauf. Dabei muss der Arzt von Zeit zu Zeit prüfen, ob die Gabe noch notwendig ist. Bei längerer Anwendung von Phenobarbital besteht die Möglichkeit einer Abhängigkeitsentwicklung (Sucht). Es ist zu beachten, dass Das Medikament zur Linderung der BEschwerden dauerhaft gegeben wird und es nach dem Behandlungsende erneut zu heftigen Anfällen kommen kann. Daher wird empfohlen, die Dosis langsam zu verringern ("ausschleichen").

Sonstige Bestandteile

Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:

  • Lactose
  • Maisstärke
  • mikrokristalline Cellulose
  • Gelantine
  • Stearinsäure

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Müdigkeit, Schläfrigkeit, Benommenheit, verlängerte Reaktionszeiten, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Störung der Koordination von Bewegungsabläufen (Ataxie), Verwirrtheit.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Übelkeit und Erbrechen, Oberbauchbeschwerden, Leberfunktionsstörungen, Vermehrung bestimmter Leberenzyme im Blut, erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut (Photosensibilisierung), Unverträglichkeitsreaktionen wie Schwellung und Rötung der Haut.

Seltene Nebenwirkungen:
Depressionen, leichte Störungen der Blutbildung im Knochenmark, Blutarmut, Seh- und Sprachstörungen, Fieber, Veränderungen im Mineral-Haushalt (besonders des Kalzium-Stoffwechsels), erniedrigter Blutdruck, ein verlangsamter Herzschlag (Bradykardie), Herzrhythmusstörungen, Porphyrie; schwere Überempfindlichkeitsreaktionen wie Lupus erythematodes-ähnliche Symptome, exfoliative Dermatitis, Stevens-Johnson-Syndrom oder Lyell-Syndrom).

Sehr seltene Nebenwirkungen:
schwere Blutbildungsstörungen im Knochenmark (zum Beispiel Megaloblastenanämie, aplastische Anämie), Störungen der Blutgerinnung, Blutungen, Schockzustände (Herz-Kreislauf-Versagen, Atemstillstand), schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxisch epidermale Nekrolyse).

Besonderheiten:
Das Risiko für das Auftreten schwerer Hautreaktionen wie dem Stevens-Johnson-Syndrom und der toxisch epidermalen Nekrolyse ist in den ersten Behandlungswochen am höchsten. Treten zunehmender Hautausschlag, oft mit Blasenbildung oder begleitenden Schleimhautwunden auf, muss die Therapie mit Phenobarbital beendet werden. Der Patient darf in der Folge nie wieder mit dem Wirkstoff behandelt werden.

Wird Phenobarbital in die Venen gespritzt (intravenöse Gabe), kann es in seltenen Fällen eine lebensbedrohliche Atemlähmung auslösen. Diese atemdepressive Wirkung tritt bei einer Vorschädigung der Atemwege sowie bei Hirnschädigung verstärkt auf.

Bei Kindern und älteren Patienten kommt es häufig zu Unruhe, Aggressivität, Verwirrtheit (paradoxe Wirkung).

Der Wirkstoff kann, insbesondere bei Langzeitbehandlung, Abhängigkeit hervorrufen und bei abruptem Absetzen Entzugssymptome sowie Krampfanfälle auslösen.

Möglicherweise besteht zwischen der Behandlung mit Barbituraten und dem seltenen Auftreten einer Bindegewebsvermehrung (Polyfibromatose) ein Zusammenhang.

Eine Langzeitbehandlung mit Antiepileptika wie Phenobarbital erhöht das Risiko für eine Osteoporose. Sollte diese Krankheit schon bestehen oder werden gleichzeitig Hydrocortison oder andere Glukokortikoide eingenommen, sollte ein Arzt befragt werden.

Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Gabe anderer auf das Nervensystem wirkender Substanzen (wie Benzodiazepine, Psychopharmaka, Narkosemittel, opioide Schmerzmittel, Alkohol) kann eine gegenseitige Wirkungsverstärkung auftreten.

MAO-Hemmer, tri- und tetrazyklische Antidepressiva und Valproinsäure verstärken die Wirkung von Phenobarbital.

Die Wirkung von Antikoagulanzien, Phenytoin (Antiepileptikum), Griseofulvin (Mittel gegen Hautpilz-Infektionen), hormonhaltigen Verhütungsmitteln (Pille), Herzglykosiden, Chinidin (Wirkstoff gegen Herzrhythmusstörungen), Rifampicin (Mittel gegen Tuberkulose) sowie von Tetrazyklinen kann durch den Wirkstoff abgeschwächt werden.

Die entzündungshemmende Wirkung von Glukokortikoiden kann vermindert sein.

Nebenwirkungen von Methotrexat (Wirkstoff bei der Krebstherapie) können verstärkt werden.

Gegenanzeigen

Phenobarbital darf nicht angewendet werden bei:
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Barbiturate,
  • akuten Vergiftungen mit Psychopharmaka, Schmerzmitteln oder Alkohol,
  • schweren Funktionsstörungen von Leber oder Nieren,
  • Porphyrie,
  • Luftnot-Krämpfen bei Asthma (Status asthmaticus),
  • schweren Herzerkrankungen, beispielsweise ausgeprägter Herzmuskelschwäche,
  • einem Kreislaufkollaps oder Herzversagen.
Nur nach einer sorgfältigen Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Arzt ist der Wirkstoff anzuwenden bei:
  • schweren Erkrankungen der Atemwege sowie Asthma,
  • Herz-Lungen-Erkrankungen wie Cor pulmonale,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • schweren Stoffwechselerkrankungen,
  • erheblicher Blutarmut (Anämie),
  • Blutvergiftung (Sepsis),
  • älteren Menschen sowie hyperaktiven Kindern, da bei ihnen ein Krampfanfall durch Gabe des Wirkstoffs verstärkt werden kann (paradoxe Wirkung),
  • Personen mit Bewusstseinsstörung, weil durch die Gabe von Phenobarbital sekundenlange Geistesabwesenheit (Absencen) ausgelöst werden können.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die Behandlung von schwangeren und stillenden Frauen mit Phenobarbital darf nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt erfolgen. Insbesondere bei einer Dauertherapie kann das Kind Schaden nehmen.

Phenobarbital in der Schwangerschaft kann später zu Störungen der Blutgerinnung beim Neugeborenen führen. Um diese zu vermeiden, sollte die Mutter im letzten Schwangerschaftsmonat Vitamin K erhalten.

Phenobarbital tritt in die Muttermilch über und kann beim Säugling zu Müdigkeit, Trinkschwäche sowie Übelkeit und Erbrechen führen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Grundsätzlich können Kinder mit Phenobarbital behandelt werden. Die Dosierung muss individuell nach Körpergewicht, Alter und Art der Erkrankung erfolgen. Insbesondere bei hyperaktiven Kindern kann der Wirkstoff Unruhe, Konzentrationsschwäche und aggressives Verhalten auslösen.

Warnhinweise

  • Das Medikament ruft Müdigkeit hervor und beeinträchtigt das Reaktionsvermögen. Autofahren und das Bedienen von Maschinen können daher gefährlich sein.
  • Das Medikament kann, insbesondere bei Langzeitbehandlung, Abhängigkeit hervorrufen.
  • Die Einnahme des Medikaments kann Krampfanfälle und Geistesabwesenheit (Absencen) auslösen.
  • Während der Behandlung mit dem Medikament sollten Blutbild und Leberfunktion regelmäßig ärztlich kontrolliert werden.
  • Das Medikament kann bei plötzlichem Absetzten zu heftigen epileptischen Anfällen führen. Eine Therapie ist daher nur mit langsam verminderter Dosierung zu beenden.
  • Das Medikament erhöht bei Langzeitbehandlung das Risiko für eine Osteoporose. Dies gilt besonders bei Vorbestehen der Erkrankung oder gleichzeitiger Einnahme von Kortison.
  • Treten zunehmende Hautausschläge, auch mit Blasenbildung auf, muss die Behandlung mit dem Medikament sofort beendet und darf nie wieder begonnen werden.
  • Das Medikament enthält Lactose (Milchzucker), die von manchen Patienten schlecht vertragen wird.

Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

Packungsgrößen

Packungsgröße und Darreichungsform
Wirkstoffgehalt (Dosierung pro Stück Tabletten)
45 Stück Tabletten
15 Milligramm Phenobarbital
95 Stück Tabletten
15 Milligramm Phenobarbital
50 Stück Tabletten
100 Milligramm Phenobarbital
100 Stück Tabletten
100 Milligramm Phenobarbital
50 Stück Tabletten
15 Milligramm Phenobarbital
100 Stück Tabletten
15 Milligramm Phenobarbital

Vergleichbare Medikamente

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Luminal / Luminaletten sowie weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Phenobarbital (ggf. auch Generika).

Medikament
Darreichungsform
Injektionslösung

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.