Frau mit Schutzantug
© Getty Images/ Morsa Images

Omikron BA.5 – wie gefährlich ist die Variante?

Bei vielen Menschen rückt die Pandemie in den Hintergrund. Doch Lockerungen und mangelnde Vorsichtsmaßnahmen sorgen für einen raschen Anstieg der Neuinfektionen. Der Grund: Die Omikron-Variante BA.5, welche sich bereits in Portugal rapide ausbreitet. Warum die Variante gefährlicher als bisherige Omikron-Varianten sein kann, lesen Sie hier.

Das macht Omikron BA.5 so gefährlich

BA.5 ist eine Subvariante der Omikron-Variante von Sars-CoV-2, die Forschenden aktuell besonders Sorgen bereitet: Denn der Omikron-Subtyp sorgt in Portugal trotz einer hohen Impfquote für einen rapiden Anstieg der Neuinfektionen – auch die Zahl der schweren Erkrankungen nimmt zu.

Grund dafür sind verschiedenen Mutationen am Spike-Protein von BA.5. Die Variante ist wie andere Omikron-Varianten sehr infektiös und somit leicht übertragbar. Während bisherige Omikron-Varianten allerdings einen milden Krankheitsverlauf verursachten, kann bei BA.5 die Zahl der schweren Covid-19-Erkrankungen zunehmen.

Fachleute konnten bereits die L452R-Mutation am Spike-Protein nachweisen, welche in Laboruntersuchungen Ursache für eine höhere Virulenz sein kann. Eine Virulenz ist die Fähigkeit eines Erregers, sich im menschlichen Körper zu vermehren und Krankheiten hervorzurufen. Dieser Faktor ist bereits von der Delta-Variante des Coronavirus bekannt und könnte schwere Verläufe begünstigen.

Aufgrund der Veränderungen des Zelleintritts der Viren mittels bestimmter Enzyme (ACE2 und TMPRSS2) könnte ein stärkerer Lungenbefall erwartet werden.

Wie gut schützt die Corona-Impfung vor BA.4 und BA.5

Forschende der amerikanischen Ohio State University analysierten die Wirksamkeit der Corona-Impfung gegen die Varianten BA.4 und BA.5 sowie BA.2.12.1, welche sich besonders in Amerika verbreitet. Sie verglichen die Blutseren von zweifach und dreifach Geimpften und stellen fest:

 

  • Grundimmunisierung: Doppelt geimpfte Personen mit den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna erreichten laut Angaben der Fachleute keinen ausreichenden Impfschutz, um die Virusvarianten bekämpfen und neutralisieren zu können.
  • Boosterimpfung: Menschen, welche die Boosterimpfung mit den mRNA-Vakzinen erhalten haben, erhalten einen besseren Impfschutz gegen BA.4 und BA.5. Im Vergleich zu vorherigen Varianten fällt die Schutzwirkung gegen BA.4 und BA.5 allerdings geringer aus.

Impfstoffherstellende passen die Vakzine aktuell auf Virusvarianten wie Omikron an, um die Schutzwirkung zu erhöhen. Ab September dieses Jahres könnten die spezifischen Impfstoffe verimpft werden. Bisher wird eine vierte Impfung allerdings nicht allen Erwachsenen empfohlen.

Vierte Impfung: Hilft sie gegen BA.4 und BA.5?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) spricht sich aktuell gegen eine vierte Corona-Impfung der Allgemeinheit aus, da der Immunschutz gegen schwere Verläufe durch die Boosterimpfung über einen längeren Zeitraum bestehen kann. Personen, die aus persönlichen Gründen eine vierte Impfung in Anspruch nehmen wollen, können dies auch ohne die Empfehlung der STIKO tun. Es empfiehlt sich aber, sich im vorherein zu informieren, ob die Krankenkasse die Kosten hierfür übernimmt.

Bisher wird die vierte Impfung folgenden Personengruppen empfohlen:

  • Menschen mit einer Immunschwäche
  • Bewohnenden eines Pflegeheims
  • Menschen ab dem 70. Lebensjahr
  • Angestellte in medizinischen Einrichtungen

Die vierte Corona-Impfung soll Risikogruppen weiterhin vor schweren Verläufen schützen und das Hospitalisierungsrisiko reduzieren.

Übrigens: Das ist der Unterschied zwischen Variante und Mutation:

Variante: Ein Erreger, welcher über eine Mutation oder mehrere Mutationen im Vergleich zum Wildtyp verfügt, wird umgangssprachlich häufig als Virusvariante bezeichnet. In der Wissenschaft wird diese Mutante genannt.

Mutation: Eine Mutation kann auftreten, wenn sich Viren vermehren und sich im Rahmen dieser Vermehrung das Erbgut verändert. Mutationen sind also Abweichungen im Erbgut, die im Prozess der Replikation ein üblicher Nebeneffekt sind.

Aufgrund der Eigenschaften von BA.5 warnt Gesundheitsminister Karl Lauterbach bereits vor einer neuen Corona-Welle im Herbst.

Krankheitsverlauf und Symptome von BA.5

In Deutschland macht die BA.5 Variante Anfang Juni nur 5,2 Prozent der Neuinfektionen aus, in Portugal bereits 87 Prozent. Ersten Meldungen zufolge sollten Betroffene in Portugal besonders auf diese Symptome achten:

Expert*innen wie die Virologin Sandra Ciesek davon aus, dass BA.5 die dominierende Variante werden könnte. Über den Verlauf der Krankheit ist aktuell noch zu wenig bekannt.

Bund und Länder wollen dennoch zeitig über das im September auslaufende Infektionsschutzgesetz und mögliche Maßnahmen für die Wintermonate diskutieren.