Brot
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Wie gesund ist Dinkel?

Greifen Sie im Supermarkt auch lieber zu Nudeln und Brot aus Dinkel als zu Teigwaren und Gebäck aus Weizen? Viele glauben, Dinkel sei gesünder als Weizen. Doch ist das wirklich so? Hier erfahren Sie, was ihn von Weizen unterscheidet und welche Vorzüge und Nachteile er hat.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Wie gesund ist Dinkel?

Dinkel ist – im Gegensatz zu etwa Roggen, Hafer oder Gerste – keine eigene Getreideart, sondern gehört zur Weizenfamilie. Trotzdem gibt es wichtige Unterschiede zwischen Dinkel und dem Weizen, aus dessen Körnern die meisten Backwaren bestehen: Beim Dinkel sind die Körner fest mit ihrer äußeren holzigen Hülle verwachsen. Weizenkörner lassen sich dagegen leicht aus ihrer Hülle lösen. Somit ist ihre Verarbeitung mit weniger Aufwand verbunden als die von Dinkel.

Ein weiterer Unterschied: Dinkel ist "wilder" und ursprünglicher als der moderne Weizen. Letzterer wurde durch Züchtung optimal an die Ansprüche der Lebensmittelproduktion angepasst. Dinkel wurde zwar auch schon durch Züchtung verändert, aber noch nicht so stark wie der wirtschaftlich intensiv genutzte Brotweizen. Er gilt daher wie Einkorn und Emmer als sogenanntes Urgetreide. Macht ihn das auch gesünder?

Mineralstoffe und Vitamine – Dinkel vs. Weizen

Was die Mineralstoffe und Vitamine betrifft, gibt es keinen großen Unterschied zwischen Dinkel- und Weizenvollkornmehl. Der Gehalt an Eisen und Zink ist beim Dinkelvollkornmehl etwas höher. Dafür liefert Weizenvollkornmehl etwas mehr Magnesium, Vitamin E und Folsäure, wie die folgende Tabelle zeigt. Die Angaben beziehen sich auf eine Portion von ca. 20 Gramm Mehl, was etwa einem Esslöffel entspricht.

  Dinkel Weizen
Kalium 380 Milligramm (mg) 390 mg
Magnesium 110 mg 120 mg
Eisen 4,4 mg 3 mg
Zink 2,8 mg 2,3 mg
Calcium 24 mg 25 mg
Vitamin E 1,4 mg 2,1 mg
Vitamin B1 0,46 mg 0,47 mg
Vitamin B6 0,3 mg 0,46 mg
Folsäure 40 Mikrogramm (μg) 50 μg

Kalorien und Ballaststoffe: Dinkel zum Abnehmen?

Dass viele Abnehmwillige auf Weißbrot und helle Nudeln verzichten, hat gute Gründe: Weißmehl enthält im Gegensatz zu Vollkornmehl viele Kalorien aber wenig Ballaststoffe: 100 Gramm Mehl liefern etwa 350 Kilokalorien und 4,3 Gramm Ballaststoffe. Es sättigt daher nicht lange und eignet sich somit tatsächlich nicht gut zum Abnehmen.

Statt Weizen- einfach Dinkeltoast -oder kekse zu essen, ergibt allerdings wenig Sinn. Denn was ihre Nährwerte angeht, verhält es bei Backwaren aus Dinkelmehl wie bei Weizengebäck: Bestehen sie aus normalem Dinkelmehl, liefern sie genauso viele Kalorien wie Weizenmehl und sogar etwas weniger Ballaststoffe. Dinkel hält also nicht länger satt als Weizen, es sei denn. Nachhaltig sättigend – und damit figurfreundlich – ist bei beiden Mehlen nur die Vollkornvariante.

Das heißt: Wer Gewicht verlieren möchte, sollte grundsätzlich Vollkorn-Gebäck und -Teigwaren wählen. Ob Dinkel oder Weizen ist dabei unerheblich.

Steckt in Dinkel Gluten?

Wer Gluten nicht verträgt, sollte die Finger von Dinkel lassen. Dinkel ist nämlich keineswegs glutenfrei, sondern enthält – wie auch die anderen Urgetreide Emmer und Einkorn – sogar etwas mehr von dem Eiweiß als Weizen. Glutenfreie Alternativen sind

  • Buchweizenmehl,
  • glutenfreier Hafer,
  • Maismehl,
  • Reismehl,
  • Hirse,
  • Amaranth und
  • Mehl aus Hülsenfrüchten wie Kichererbsen.

Übrigens: Der hohe Glutengehalt von Dinkel ist nicht grundsätzlich von Nachteil. Er macht ihn auch zu einer wertvollen Proteinquelle für Veganer und Vegetarier. In einem Dinkelbrötchen stecken etwa 5 Gramm Eiweiß. Zur Orientierung: Ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener benötigt täglich etwa 50 bis 60 Gramm Protein.

Quellen

Online-Informationen des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE): www.bzfe.de (Abrufdatum: 23.10.2020)

Geisslitz, S.: Comparative Study on Gluten Protein Composition of Ancient (Einkorn, Emmer and Spelt) and Modern Wheat Species (Durum and Common Wheat). Foods, Vol. 8, Iss. 9, p. 409 (September 2019)

Elmadfa, I., et al.: Die große GU Nährwert-Kalorien-Tabelle. Gräfe & Unzer, München 2016/17

Biesalski, H.: Ernährungsmedizin. Thieme, Stuttgart 2017