Stavudin

Allgemeines

Stavudin dient der Behandlung von Infektionen mit dem menschlichen Immunschwäche-Virus (HIV). Der Wirkstoff kann das Immunsystem HIV-infizierter Menschen stärken und die Immunschwächekrankheit AIDS bekämpfen beziehungsweise ihren Ausbruch verzögern. Er kann die Infektion nicht heilen, aber die Lebenserwartung verlängern sowie die Lebensqualität verbessern.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • körpereigene Abwehrkräfte bei HIV-Infektion stärken
  • Vermehrung von HIV hemmen
  • Zahl der Viren im Blut senken
  • AIDS vorbeugen
  • AIDS bekämpfen.

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Stavudin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Stavudin nicht verwendet werden?

Der Wirkstoff darf bei Überempfindlichkeit gegen Stavudin, schweren Störungen der Nierenfunktion oder einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) nicht eingesetzt werden.

Nur nach einer sorgfältigen Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Arzt ist der Wirkstoff bei Personen anzuwenden, die an Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Schmerzen in Händen oder Füßen leiden (periphere Neuropathie). Patienten mit Nierenerkrankungen oder Bauchspeicheldrüsenentzündungen in der Vorgeschichte müssen während der Behandlung mit Stavudin sorgfältig überwacht werden. Gleiches gilt im Fall einer Lebererkrankung, einer Leberentzündung (Hepatitis), einer vergrößerten Leber (Hepatomegalie) sowie bei Medikamenten- oder Alkoholabhängigkeit.

Da zur Anwendung bei Personen über 65 Jahren keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen, müssen ältere Menschen ebenfalls streng überwacht werden.

Die Behandlung von HIV-Patienten, die gleichzeitig mit Hepatitis-B-Viren und/oder Hepatitis-C-Viren infiziert sind, birgt zusätzliche Risiken und sollte nur unter der Aufsicht speziell geschulter Ärzte durchgeführt werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Stavudin sollte während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Arzt eingesetzt werden. In Tierversuchen zeigte der Wirkstoff eine schädigende Wirkung auf das Ungeborene. Inwieweit diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, ist unbekannt. Die Betreuung schwangerer Frauen mit HIV-Infektion sollte nur durch erfahrene Ärzte erfolgen.

HIV-infizierte Frauen sollten ihr neugeborenes Kind auf keinen Fall stillen, da das Virus mit der Muttermilch auf das Kind übertragen werden kann.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Da zur Anwendung bei Säuglingen und Neugeborenen keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen, sollte Stavudin bei Kindern unter drei Monaten nicht zum Einsatz kommen. Bei älteren Kindern muss die Dosis entsprechend dem Körpergewicht sowie je nach Verlauf der HIV-Infektion individuell angepasst werden. Eine sorgfältige ärztliche Überwachung ist notwendig. Im Allgemeinen ähneln die unerwünschten Wirkungen bei Kindern denen bei Erwachsenen; eine Störung der Nervenfunktion (periphere Neuropathie) hingegen tritt bei Kindern nur selten auf.

Welche Nebenwirkungen kann Stavudin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Stavudin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Schmerzen in Händen oder Füßen (periphere Neuropathie), Kopfschmerzen, Brustschmerzen, Rückenschmerzen, gesteigerte Anfälligkeit für Infektionen, Fieber, Schüttelfrost, vergrößerte Lymphknoten, grippeähnliche Symptome, Unwohlsein, Verdauungsstörungen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Abbau von Fettgewebe an den Armen und Beinen (Lipoatrophie).

Häufige Nebenwirkungen:
Muskel- und Gelenkschmerzen, leichte Störung der Leberfunktion, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Fettstoffwechselstörungen, Umverteilung des Körperfetts (Lipodystrophie), Schlafstörungen, Alpträume, Müdigkeit, Schwindelgefühl, Benommenheit, eingeschränktes Leistungsvermögen, verstärktes Schwitzen, Infektionen der Atemwege (Bronchitis, Lungenentzündung), Luftnot, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Verstopfung, Hautausschlag, Nesselsucht, allgemeiner Juckreiz der Haut, Bildung gutartiger Geschwülste in der Haut, Depressionen, Angstzustände, Körperübersäuerung (Laktatazidose).

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Vergrößerung der Brustdrüsen, Störung der Blutbildung im Knochenmark, Mangel an weißen Blutkörperchen und Blutplättchen, Blutarmut, schwere Funktionsstörung der Leber, Leberentzündung, Gelbsucht, erhöhter Milchsäure-Spiegel, der zu einer Übersäuerung des Blutes führen kann (Laktazidose).

Besonderheiten:
Insbesondere bei AIDS-Patienten lassen sich wirkstoffbedingte Nebenwirkungen und krankheitsbedingte Reaktionen häufig nicht sicher unterscheiden. Zudem treten unerwünschte Wirkung manchmal als Folge der Kombinationstherapie auf und sind nicht klar einem der Wirkstoffe zuzuordnen. Ferner beeinflussen Dosis und Therapiedauer die Stärke und die Häufigkeit der Nebenwirkungen.

Schwere Nebenwirkungen können manchmal durch Verringerung der Dosis behoben werden. Auch der Wechsel zu einem anderen reversen Transkriptasehemmer kann unerwünschte Wirkungen abschwächen.

Die Übersäuerung des Blutes durch Milchsäure (Laktazidose) kann in Einzelfällen lebensbedrohlich sein. Oft ist sie von einer Lebervergrößerung begleitet. Starke Bauchschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen, Durchfall und deutlicher Gewichtsverlust können erste Anzeichen einer Laktazidose sein. Bei einem starken und schnellen Ansteigen des Milchsäure-Spiegels im Blut sollte die Behandlung abgebrochen werden. Auch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung kann in Einzelfällen zum Tod führen.

Die Umverteilung des Körperfetts (Lipodystrophie) tritt als Verlust von Unterhautfettgewebe im Gesicht und am Körper sowie als verstärkte Fetteinlagerung im Nacken und im Bauchbereich in Erscheinung. Das Risiko für diese Nebenwirkung nimmt mit dem Alter des Patienten und der Therapiedauer zu.

Reverse Transkriptasehemmer wie Stavudin können bestimmte Organellen der Körperzellen, die so genannten Mitochondrien, schädigen. Fehlfunktionen der Mitochondrien können zu Störungen der Blutbildung, Stoffwechselstörungen, erhöhtem Blutdruck, Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens sowie zu Krampfanfällen führen.

Eine weitere mögliche Nebenwirkung ist eine verminderte Reaktionsfähigkeit der Körperzellen auf das den Blutzuckerspiegel regulierende Hormon Insulin. In der Folge kann der Zuckerspiegel im Blut erhöht sein.

Insbesondere zu Beginn der Behandlung kommt es bei AIDS-Patienten gelegentlich zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes, weil das gestärkte Immunsystem auf im Körper vorhandene Krankheitserreger (Bakterien, Viren, Pilze und andere Parasiten) reagiert. Man nennt dies ein Immun-Reaktivierungs-Syndrom. Spricht der Patient jedoch auf die Behandlung mit dem Transkriptasehemmer an, gehen die Krankheitssymptome nach einigen Wochen deutlich zurück.

Welche Wechselwirkungen zeigt Stavudin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Eine Kombinationsbehandlung von Stavudin und dem Transkriptasehemmer Zidovudin ist nicht empfehlenswert, da eine gegenseitige Wirkungsabschwächung auftritt.
Auch Doxorubicin (Wirkstoff zur Tumorbekämpfung), Ribavirin (Mittel zur Bekämpfung der Hepatitis C), Sulfonamide und Trimethoprim können die Wirksamkeit von Stavudin abschwächen. Eine Behandlung mit Co-trimoxazol vorbeugend gegen eine Lungenentzündung durch Pneumocystis carinii ist jedoch möglich.

Die gleichzeitige Behandlung mit Stavudin, Didanosin und Hydroxycarbamid (ein Zytostatika-Wirkstoff) oder mit dem Tuberkulose-Mittel Isoniazid sowie übertriebener Alkoholgenuss erhöhen das Risiko für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse und Störungen der Nervenfunktion.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • HIV-Infizierte, die mit virenhemmenden Mitteln behandelt werden, können weiterhin das Virus auf andere Menschen übertragen.
  • Während der Behandlung sollten sowohl weibliche als auch männliche Patienten empfängnisverhütende Maßnahmen treffen.
  • Das Medikament sollte aufgrund seiner schweren Nebenwirkungen nur zum Einsatz kommen, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt.
  • Der Wirkstoff kann das Reaktionsvermögen einschränken, so dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt ist.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Stavudin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Stavudin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Stavudin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Stavudin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen virenhemmende Mittel, Reverse-Transkriptase-Hemmer, zu welcher der Wirkstoff Stavudin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Stavudin

Stavudin dient der Behandlung von Infektionen mit dem menschlichen Immunschwäche-Virus (HIV). Der Wirkstoff kann das Immunsystem HIV-infizierter Menschen stärken und die Immunschwächekrankheit AIDS bekämpfen beziehungsweise ihren Ausbruch verzögern. Er kann die Infektion nicht heilen, aber die Lebenserwartung verlängern sowie die Lebensqualität verbessern.

Aufgrund seines Risikos schwerer Nebenwirkungen darf Stavudin nur dann verwendet werden, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt und in diesem Fall nur über den kürzest möglichen Zeitraum.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Stavudin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Stavudin

Stavudin ist ein nukleosidischer reverser Transkriptasehemmer (NRTI). Es handelt sich um eine Wirkstoff-Vorstufe (Prodrug), die selbst nicht gegen die Viren wirksam ist, sondern erst im Körper zum eigentlichen Wirkstoff umgebaut wird. Dieser hemmt das Enzym reverse Transkriptase und unterdrückt auf diese Weise die Vermehrung des menschlichen Immunschwäche-Virus (HIV). Er kann die Viruslast (Zahl der Viren im Blut) senken, dadurch steigt die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen (CD4-positive T-Lymphozyten) an und die Immunabwehr des Körpers wird gestärkt.

Weil HIV sehr wandlungs- und anpassungsfähig ist, wird das Virus schnell unempfindlich (resistent) gegen eine einzelne Substanz. Daher wird die HIV-Infektion stets im Rahmen einer Kombinationstherapie mit mehreren Wirkstoffen (zumeist drei) gleichzeitig bekämpft.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.