Povidon-Jod

Allgemeines

Povidon-Jod wird als antiseptisches Mittel auf der intakten äußeren Haut und auf den Schleimhäuten beispielsweise vor Operationen, Probeentnahmen, Blutentnahmen oder Injektionen einmalig angewendet, um das betreffende Gebiet zu desinfizieren. Im Mundbereich wird der Wirkstoff vor allem bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem vor medizinischen Eingriffen eingesetzt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Wachstum von Keimen auf der Haut hemmen
  • Keime auf der Haut abtöten

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Povidon-Jod im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Povidon-Jod nicht verwendet werden?

Povidon-Jod darf bei Überempfindlichkeit gegen Jod und bei Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) nicht eingesetzt werden. Auch vor und nach einer Radiojodtherapie im Rahmen der Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung darf kein Povidon-Jod benutzt werden.

Eine weitere Einschränkung für die Anwendung des Wirkstoffs stellt die infektiöse Hauterkrankung Dermatitis herpetiformis Duhring dar.

Nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt darf Povidon-Jod eingesetzt werden bei Patienten mit bisher beschwerdefreiem Kropf, nach Schilddrüsenerkrankungen sowie bei erblich belasteten (besonders älteren) Patienten mit hormonproduzierenden Schilddrüsenvergrößerungen. Hier ist vor allem die Anwendung über längere Zeit (mehr als 14 Tage) und großflächig (über zehn Prozent der Körperoberfläche) gefährlich.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Povidon-Jod sollte in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt angewendet werden. Das gilt vor allem bei wiederholter und großflächiger Anwendung.

Durch einen Einsatz des Wirkstoffs in der Schwangerschaft besteht das Risiko einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) beim Kind durch das aufgenommene Jod. Auch in der Stillzeit kann das Jod auf das Neugeborene übergehen und eine Schilddrüsenüberfunktion verursachen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Povidon-Jod sollte nur auf Anraten des Arztes und in Ausnahmefällen bei Neugeborenen und Säuglingen bis zum Alter von sechs Monaten angewendet werden, da es durch die Behandlung zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommen kann.

Die Schilddrüsenfunktion beim Kind sollte während einer Behandlung mit Povidon-Jod regelmäßig durch den behandelnden Arzt kontrolliert werden.

Welche Nebenwirkungen kann Povidon-Jod haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Povidon-Jod. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Seltene Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktionen der Mundschleimhaut oder Haut (kontaktallergische Reaktionen mit Jucken, Rötung, Bläschen).

Sehr seltene Nebenwirkungen:
allergischer Schock, Schilddrüsenüberfunktion.

Besonderheiten:
Bei Brandverletzungen ist nach Aufnahme sehr großer Mengen von Povidon-Jod das Auftreten von Störungen des Salzhaushaltes, der Nierenfunktion sowie des Stoffwechsels beschrieben worden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Povidon-Jod?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Bei gleichzeitiger Anwendung mit Povidon-Jod kann es zu einer Wirkungsabschwächung von enzymatischen Wundbehandlungsmitteln wie zum Beispiel Iruxol N, silberhaltigen Desinfektionsmitteln, Wasserstoffperoxid ("Wasserstoffsuperoxid") oder Taurolidin (in chirurgischen Spülungen enthalten) kommen.

Bei gleichzeitiger Verwendung mit quecksilberhaltigen Wundbehandlungsmitteln kann sich das stark ätzende Quecksilber-Jodid (Hg2I2) bilden.

Bei gleichzeitiger Verwendung mit Desinfektionsmitteln mit dem Wirkstoff Octenidin kann es zu vorübergehenden dunklen Verfärbungen der Haut kommen.

Regelmäßige Verwendung großer Mengen des Wirkstoffs bei gleichzeitiger Therapie mit Lithium zum Beispiel bei Depressionen kann eine vorübergehende Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hervorrufen.

Povidon-Jod kann unter Umständen verschiedene Untersuchungen wie z. B. eine Schilddrüsenszintigraphie, die Bestimmung des an Einweiße gebundenen Jods oder eine Radiojodtherapie stören.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei Anwendung des Medikmaents im Rachenbereich ist ein Eindringen in die Luftröhre zu vermeiden, da andernfalls Atmungsbeschwerden bis hin zur Lungenentzündung auftreten können.
  • Patienten mit Kropf, bestehender Schilddrüsenerkrankung oder Neigung zu Schilddrüsenproblemen (vor allem ältere Personen) sollten das Medikament nicht langfristig oder großflächig anwenden.
  • Auf Frühanzeichen einer möglichen Schilddrüsenüberfunktion (Herzrasen, Nervosität, Gewichtsabnahme) ist zu achten und gegebenenfalls sollte die Schilddrüsenfunktion ärztlich überwacht werden.
  • das Medikament kann verschiedene Labortests zur Schilddrüsenfunktion oder eine Behandlung der Schilddrüse mit radioaktiven Wirkstoffen stören.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Povidon-Jod?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Povidon-Jod enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Povidon-Jod

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Povidon-Jod. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe antiseptische Mittel, zu welcher der Wirkstoff Povidon-Jod gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Povidon-Jod

Povidon-Jod wird als antiseptisches Mittel auf der intakten äußeren Haut und auf den Schleimhäuten beispielsweise vor Operationen, Probeentnahmen, Blutentnahmen oder Injektionen einmalig angewendet, um das betreffende Gebiet zu desinfizieren. Im Mundbereich wird der Wirkstoff vor allem bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem vor medizinischen Eingriffen eingesetzt.

Zur wiederholten, längerfristigen Behandlung wird Povidon-Jod in der Wundbehandlung, bei Verletzungen, Verbrennungen, Hautinfektionen und bei Hauterkrankungen eingesetzt. In der Wundbehandlung sind außer Schnitt- und Schürfwunden vor allem Unterschenkelgeschwüre (Ulcus cruris) oder Druckgeschwüre (Dekubitus) typische Anwendungsgebiete des Wirkstoffs. Bei Patienten mit strahlenbedingter Schleimhautentzündung im Rahmen einer Strahlentherapie wird der Wirkstoff ebenfalls eingesetzt.

Povidon-Jod wird bei unspezifischen Infektionen und bei spezifischen Infektionen der Scheide mit Krankheitserregern (z. B. Trichomonaden) oder Hefepilze (Candida albicans) angewendet.

Auch zur Händedesinfektion kann Povidon-Jod genutzt werden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Povidon-Jod sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Povidon-Jod

Povidon-Jod gehört zur Untergruppe der Halogenfreisetzer der antiseptischen Mittel. Das wirksame Element in Povidon-Jod ist das Jod, welches auf der Haut aus der Verbindung abgespalten wird. Es hemmt das Keimwachstum auf der Haut und kann Krankheitserreger abtöten.

Das freie Jod reagiert chemisch mit Oberflächen-Strukturen von Krankheitserregern. Dadurch verlieren die Krankheitserreger ihre Funktion und sterben ab. Die Wirksamkeit von Povidon-Jod umfasst viele Bakterien und Pilze (vor allem Candida), zahlreiche Viren und einige Amöben. Sporen (die Ruheform von einigen Bakterien und Pilzen) und bestimmte Viren werden im Allgemeinen erst nach längerer Einwirkzeit in ausreichendem Maße abgetötet.

Der Komplex aus Povidon mit Jod ist besonders wirksam im sauren Umfeld, wie es in Regel in Wunden und Entzündungen vorherrscht. Der Wirkstoff stellt gewissermaßen ein Jod-Depot dar, welches verzögert Jod freigibt und so eine gleich bleibende Konzentration des wirksamen freien Jods über einen längeren Zeitraum gewährleistet. Im Vergleich zu alkoholischen Jod-Lösungen ist Povidon-Jod verträglicher, da das Jod durch die Bindung an Povidon seine örtlich reizenden Eigenschaften weitgehend verliert.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.