Paricalcitol

Allgemeines

Paricalcitol wird zur Vorbeugung und Therapie einer Überfunktion der Nebenschilddrüse eingesetzt. Diese Überfunktion darf nicht durch Vitamin D-Mangel verursacht sein sondern durch ein chronisches Nierenversagen, das eine Blutwäsche erforderlich macht.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Calciumkonzentration im Blut steigern
  • Phosphatkonzentration im Blut vermindern
  • Knochenaufbau fördern
  • Knochenabbau verhindern
  • Parathormon-Ausschüttung drosseln

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Paricalcitol im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Paricalcitol nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Überdosierung von Vitamin D oder Calcium-Überschuss im Blut darf Paricalcitol nicht verwendet werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Aus Tierversuchen haben sich nachteilige Wirkungen ergeben, wenn Paricalcitol während der Trächtigkeit gegeben wurde. Es gibt kaum Erfahrungen mit der Behandlung von Schwangeren und das mögliche Risiko für das Ungeborene ist nicht bekannt. Daher darf der Wirkstoff nicht angewendet werden, es sei denn, der Arzt hält dies für eindeutig erforderlich.

In Tierexperimenten wurden geringe Mengen an Paricalcitol oder seiner Abbauprodukte in die Muttermilch ausgeschieden. Bei der Entscheidung für die Behandlung Stillender wird der Arzt daher die Vorteile des Stillens für das Kind und die Vorteile der Behandlung mit dem Wirkstoff für die Patientin berücksichtigen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Paricalcitol wurde nur bei Kindern ab fünf Jahren untersucht.

Welche Nebenwirkungen kann Paricalcitol haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Paricalcitol. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Geschmacksstörungen, Juckreiz, Unterfunktion der Nebenschilddrüse, Calcium-Überschuss im Blut, Phosphat-Überschuss im Blut.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Verlängerte Blutungszeit, auffällige Laborwerte (auch ASAT-Erhöhung), Gewichtsverlust, Erhöhung des Kreatinins im Blut, Herzstillstand, Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern, Blutarmut, Mangel an weißen Blutkörperchen, Lymphknotenschwellung, Koma, Schlagfall, vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn, Ohnmacht, Muskelkrämpfe, Empfindungsmangel, nervliche Missempfindungen, Schwindel, Grüner Star, Bindehautentzündung, Ohrenbeschwerden, Wasseransammlung in der Lunge, Asthma, Atembeschwerden, Nasenbluten, Husten, Blutung aus dem After, Dickdarmentzündung, Durchfall, Magenschleimhautentzündung, Verdauuungsstörung, Schluckstörung, Bauchschmerzen, Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen, Mundtrockenheit, Magenbeschwerden, Bläschenbildung, Haarausfall, Überbehaarung, Hautausschlag, Nachtschweiß, Gelenkschmerzen, Gelenksteifigkeit, Rückenschmerzen, Muskelzuckungen, Muskelschmerzen, Überfunktion der Nebenschilddrüse, Kalium-Überschuss im Blut, Calcium-Mangel im Blut, Essensverweigerung, Blutvergiftung, Lungenentzündung, Infektionen, Halsentzündung, Scheiden-Infektionen, Grippe, Brustkrebs, Bluthochdruck, niedriger Blutdruck, Gangstörung, Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme), allgemeine Schmerzen, Schmerzen an der Injektionsstelle, Fieber, Brustschmerzen, Verschlimmerung von Beschwerden, Schwäche, Unwohlsein, Durst, Überempfindlichkeit, Erektionsstörungen, Verwirrtheitszustände, Delirium, Persönlichkeitsstörungen, Aufregung, Schlaflosigkeit, Nervosität.

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Blutungen im Magen-Darm-Kanal, Kehlkopfschwellung, Gesichtsschwellung, Nesselsucht.

Besonderheiten:
Die übermäßige Ausschüttung an Parathormon kann zu einer Erhöhung des Calciumgehaltes im Blut, zu Knochenerkrankungen, Verkalkung von Blutgefäßen und Kalkeinlagerungen in Muskeln und Sehnen führen. Daher muss der Arzt die Dosierung des Wirkstoffs sehr sorgfältig ausprobieren. Wenn ein deutlicher Calcium-Überschuss auftritt, während ein calciumhaltiges Präparat zur Bindung von Phosphat angewendet wird, muss der Arzt die Dosis desselben verringern oder die Behandlung unterbrechen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Paricalcitol?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Phosphate oder Vitamin D dürfen nicht gemeinsam mit Paricalcitol eingesetzt werden. Es könnte sonst zu einem Calcium-Überschuss im Blut kommen.

Hohe Dosen von Calcium-Präparaten oder Entwässerungsmitteln vom Thiazid-Typ können das Risiko eine Calcium-Überschusses im Blut erhöhen. Auch bei Magnesium-Präparaten wie beispielsweise säurebindenden Mitteln (Antazida) kann die gemeinsame Anwendung zu überhöhten Magnesium-Konzentrationen führen.

Aluminium-haltige Arzneimittel (wie beispielsweise säurebindende Mittel (Antazida), Phosphat-Binder) sollten nicht dauerhaft gemeinsam mit Vitamin D oder Paricalcitol angewendet werden, da erhöhte Blutkonzentrationen an Aluminium und dadurch bedingt Knochenschäden auftreten können.

Das Pilzmittel Ketoconazol hemmt den Abbau anderer Wirkstoffe. Das ist auch bei Paricalcitol und anderen Vitamin-D-Analoga der Fall. Bei gleichzeitiger Anwendung von Paricalcitol mit Ketoconazol muss der Arzt vorsichtig vorgehen.

Die Giftigkeit von Herzglykosiden wie Digoxin wird durch Calcium-Überschuss im Blut gesteigert. Daher wird der Arzt nur vorsichtig solche Wirkstoffe zusammen mit Paricalcitol verordnen.

Allergische Reaktionen auf Medikamente

Manchmal lösen Arzneimittel allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion auf Paricalcitol wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.


Welche Medikamente beinhalten Paricalcitol?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Paricalcitol enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Paricalcitol

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Paricalcitol. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Vitamin D-Abkömmlinge, zu welcher der Wirkstoff Paricalcitol gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Paricalcitol

Paricalcitol wird zur Vorbeugung und Therapie einer Überfunktion der Nebenschilddrüse eingesetzt. Diese Überfunktion darf nicht durch Vitamin D-Mangel verursacht sein sondern durch ein chronisches Nierenversagen, das eine Blutwäsche erforderlich macht.

Eine Überfunktion der Nebenschilddrüse ist durch eine überhöhte Konzentration von Calcium und einen Mangel an Phosphat im Blut gekennzeichnet. Folgen können Erschöpfung, übermäßige Harnbildung und Knochenprobleme sein.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Paricalcitol sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Paricalcitol

    Der Knochenauf- und abbau im Körper wird wesentlich vom Calcium-Stoffwechsel bestimmt. Diesen wird reguliert durch das Zusammenspiel von Vitamin D (Calcitriol) und dem in der Nebenschilddrüse produzierten Parathormon. Vitamin D sorgt für die Wiederaufnahme von Calcium aus dem Urin und regt die knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) zur Tätigkeit an. Parathormon fördert die Wiederaufnahme von Calcium aus dem Harn und dem Darminhalt. Außerdem aktiviert Parathormon die Herstellung von Vitamin D in der Niere.

    Paricalcitol gehört zur Wirkstoffgruppe der Vitamin D-Abkömmlinge. Es wird synthetisch aus dem natürlichen Calcitriol hergestellt. Im Gegensatz zu Calcitriol aktiviert Paricalcitol ganz gezielt den Vitamin D-Rezeptor in der Nebenschilddrüse. Paricalcitol hemmt das Wachstum der Nebenschilddrüse sowie die Bildung und Ausschüttung von Parathormon. Dadurch sinkt der überhöhte Spiegel des Hormons im Blut. Gleichzeitig wirkt sich Paricalcitol kaum auf die Konzentrationen von Calcium und Phosphat im Blut aus und kann daher unmittelbar die Knochendichte aufrechterhalten.

    Die Korrektur der überhöhten Blutkonzentration an Parathormon sowie die Normalisierung des Calcium- und Phosphat-Haushalts kann die Knochenerkrankung, die mit einem chronischen Nierenversagen verbunden ist, verhindern oder behandeln.

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.