Lurasidon

Allgemeines

Lurasidon wird für die Behandlung der Schizophrenie, einer Art Psychose, bei Erwachsenen ab 18 Jahren eingesetzt.

Welchem Zweck dient dieser Wirkstoff?

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Lurasidon im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Lurasidon nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Lurasidon nicht eingesetzt werden. Auch bei Nierenfunktionnstörungen im Endstadium darf es nicht angewendet werden, weil es damit keine Erfahrungen aus klinischen Studien gibt. Ebenfalls verbietet sich der Einsatz, wenn der Patient Wirkstoffe erhält, die den Abbau von Lurasidon behindern oder fördern. Dazu zählen die virenhemmenden Mittel Boceprevir, Cobicistat, Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir, Saquinavir und Telaprevir, die Pilzmittel Itraconazol, Ketoconazol, Posaconazol und Voriconazol, die Antibiotika Clarithromycin und Telithromycin sowie das Psychopharmakon Nefazodon; beziehungsweise die Antiepileptika Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin, das Tuberkulose-Mittel Rifampicin und Johanniskraut (gegen Depressionen).

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Lurasidon eingesetzt werden bei
  • Patienten mit Parkinson-Krankheit, weil sich deren Beschwerden verstärken können
  • Herz-Kreislauf-Erkrankung, familiärer Belastung mit EKG-Veränderungen wie QT-Verlängerung oder Kalium-Mangel im Blut, weil dies ein erhöhtes Risiko von Herzrhythmusstörungen mit sich bringt
  • Patienten mit Krampfanfällen oder einer Neigung dazu in der Vorgeschichte, weil Lurasidon solche Anfälle begünstigt
  • älteren Patienten mit Demenz, weil es mit ihnen keine Erfahrungen aus klinischen Studien gibt und das Risiko von Todesfällen in dieser Gruppe höher ist. Dies gilt besonders, wenn die Patienten schon einen Schlaganfall erlitten haben
  • Riskofaktoren für Venenverstopfungen, weil diese möglicherweise verstärkt auftreten
  • Diabetikern oder Patienten mit Risikofaktoren für die Entwicklung einer Zuckerkrankheit, weil Lurasidon den Blutzuckerspiegel anheben kann
  • Patienten mit niedrigem Blutdruck, weil dieser durch die Behandlung weiter sinken und eine Ohnmacht auslösen kann
  • mäßiger und stark eingeschränkter Funktion von Leber oder Niere, weil die Dosis vorsichtig angepasst werden muss.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher gibt es nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Lurasidon bei Schwangeren (weniger als 300 beendete Schwangerschaften). Das mögliche Risiko für den Menschen ist nicht bekannt, weil die Tierstudien keine Erkenntnisse dazu erbrachten. Lurasidon sollte daher während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Arzt hält dies für eindeutig erforderlich.

Bei Neugeborenen, deren Mütter während des letzten Schwangerschaftsdrittels Neuroleptika (einschließlich Lurasidon) einnahmen, ist das Risiko für ungewollte Bewegungen und/oder Entzugserscheinungen erhöht, wobei die Schwere und Dauer nach der Entbindung unterschiedlich ist. Daher werden die Neugeborenen nach der Geburt sorgfältig überwacht.

Im Tierversuch mit Ratten konnte man feststellen, dass Lurasidon in die Muttermilch abgegeben wird. Es ist nicht bekannt, ob es beim Menschen auch der Fall ist. Der Arzt wird Lurasidon daher nur dann während der Stillzeit verordnen, wenn der mögliche Nutzen für die Mutter das Risiko für das Baby rechtfertigt.

Tierexperimente zeigten eine Reihe von Auswirkungen von Lurasidon auf die Fruchtbarkeit. Vor allem erhöht der Wirkstoff die Konzentration des Hormons Prolaktin im Körper. Beim Menschen scheint dies aber ohne Folgen zu sein.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Lurasidon bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist nicht erwiesen. Daher verbietet sich die Anwendung in dieser Altersgruppe.

Welche Nebenwirkungen kann Lurasidon haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Lurasidon. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Sitzunruhe, Benommenheit.

Häufige Nebenwirkungen:
Gewichtszunahme, Schlaflosigkeit, Aufregung, Angstzustände, Ruhelosigkeit, Parkinson-ähnliche Beschwerden, Schwindel, Verspannungen der Gesichtsmuskulatur, ungewollte Bewegungen, Übelkeit und Erbrechen, Verdauungsstörungen, Speichelfluss, trockener Mund, Schmerzen im Oberbauch, Magenbeschwerden, Steifigkeit der Skelettmuskulatur, Erhöhung der Kreatinphosphokinase-Konzentration im Blut, erhöhte Kreatinin-Konzentration im Blut, Müdigkeit.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Nasen-Rachen-Entzündung, Appetitlosigkeit, erhöhter Blutzucker-Spiegel, Albträume, Muskelverkrampfungen, Antriebslosigkeit, Sprechstörung, verschwommenes Sehen, Herzrasen, erhöhter Blutdruck, Bluthochdruck, niedriger Blutdruck (auch bei Körperlageveränderung), Hitzewallungen, Blähungen, erhöhter Leberwert (ALAT), vermehrtes Schwitzen, Gelenksteife, Muskelschmerzen, Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Harnverhalt, erhöhte Konzentration an Prolaktin im Blut, Gangstörung.

Seltene Nebenwirkungen:
Überschuss unreifer Blutzellen, Muskelgewebeauflösung (Rhabdomyolyse).

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Mangel an weißen Blutkörperchen, Mangel an Neutrophilen Blutzellen, Blutarmut, erhöhtes Suizidrisiko, Panikattacken, Schlafstörungen, Krämpfe, Schwindelgefühl, Angina pectoris, AV-Block ersten Grades, verlangsamter Herzschlag, Durchfall, Schluckstörung, Magenschleimhautentzündung, Hautausschlag, Juckreiz, Gesichtsschwellung, Nierenversagen, Entzugsbeschwerden des Neugeborenen, Brustvergrößerung, Brustschmerzen, krankhafter Milchfluss, Erektionsstörungen, Ausfall der Monatsblutung, Regelbeschwerden, plötzliche Todesfälle (die einer zugrundeliegenden Herz-Kreislauf-Erkrankung zuzurechnen sind).

Besonderheiten:
Häufigere Suizidgedanken gehören zu den psychotischen Erkrankungen. Sie treten besonders nach Beginn oder nach Wechsel einer antipsychotischen Therapie auf. Patienten mit hohem Risiko müssen daher sorgfältig überwacht werden.

In manchen Fällen kann es auch spät nach Beginn der Behandlung mit dem Wirkstoff zu rhythmischen, unwillkürlichen Bewegungen vorwiegend der Zunge und/oder des Gesichts kommen. Wenn solche Anzeichen auftreten, wird der Arzt die Behandlung mit Lurasidon beenden.

Mittel gegen Psychosen verursachen manchmal ein sogenanntes malignes neuroleptisches Syndrom mit Körperüberwärmung, Muskelsteifigkeit, Schwindel und Bewusstseinstrübungen. Es kann auch zur Auflösung von Muskelgewebe und akutem Nierenversagen kommen. In diesem Fall muss die Behandlung mit Lurasidon zwingend beendet werden.

Bei Anwendung anderer Neuroleptika wurde eine Gewichtszunahme beobachtet. Daher ist auch bei Lurasidon das Körpergewichts zu überwachen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Lurasidon?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Da Lurasidon hauptsächlich auf das Gehirn wirkt, ist bei Kombination mit anderen Wirkstoffen, die das Gehirn betreffen, sowie Alkohol Vorsicht geboten.

Darüber hinaus sollte der Arzt vorsichtig sein, wenn er Lurasidon zusammen mit Medikamenten verordnet, die den Herzrhythmus im Sinne einer QT-Verlängerung verändern. Dazu gehören Antiarrhythmika wie Chinidin, Disopyramid, Amiodaron und Sotalol, einige H1-Antihistaminika, einige andere Neuroleptika und einige Malaria-Mittel wie beispielsweise Mefloquin.

Lurasidon und sein aktives Stoffwechselprodukt werden durch ein Enzymsystem im Körper abgebaut, das leicht durch andere Wirkstoffe beeinflusst wird. Wenn das Enzymsystem gehemmt wird, sammelt sich der Wirkstoff Lurasidon im Körper an, sodass schnell eine Überdosierung entstehen kann. Vermehrte Nebenwirkungen sind die Folge. Bedeutende Hemmstoffe sind die virenhemmenden Mittel Boceprevir, Cobicistat, Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir, Saquinavir und Telaprevir, die Pilzmittel Itraconazol, Ketoconazol, Posaconazol und Voriconazol, die Antibiotika Clarithromycin und Telithromycin sowie das Psychopharmakon Nefazodon. Ebenfalls gehört Grapefruchtsaft dazu, weswegen auf dessen Genuss während der Lurasidon-Therapie verzichtet werden sollte.

Andererseits können Wirkstoffe, die das Enzymsystem aktivieren, zu einem schnelleren Abbau von Lurasidon und einem Wirkungsverlust führen. Dazu zählen die Antiepileptika Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin, das Tuberkulose-Mittel Rifampicin und Johanniskraut (gegen Depressionen).

Lurasidon selbst beeinflusst auch die Wirkung anderer Substanzen: So verstärkt es die Wirkung der Psychopharmaka Midazolam und Pimozid. Aber auch bei den H1-Antihistaminika Astemizol und Terfenadin, dem Magenmittel Cisaprid, dem Antiarrhythmikum Chinidin, dem Blutverdünner Dabitragan, Bepridil (gegen Angina pectoris) oder Mutterkornalkaloiden (Ergotamin, Dihydroergotamin) wird der Arzt bei gleichzeitiger Verschreibung vorsichtig sein.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Behandlung mit dem Medikament darf kein Alkohol oder Grapefruitsaft getrunken werden.
  • Die Patienten sind bei Selbstmordneigung vom Arzt und ihren Angehörigen sorgfältig zu überwachen.
  • Bei unwillkürlichen rhythmischen Bewegungen vorwiegend der Zunge und/oder des Gesichts wird der Arzt die Behandlung beenden.
  • Treten während der Behandlung mit dem Medikament Fieber, Muskelsteifigkeit, Schwindel und Bewusstseinstrübungen auf, ist die Therapie sofort abzubrechen.
  • Während der Behandlung mit dem Medikament ist das Körpergewicht sorgfältig zu beobachten.
  • Autofahren und das Bedienen gefährlicher Maschinen sollten unterlassen werden, bis man sicher ist, dass das Medikament die Fähigkeit dazu nicht mindert.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Lurasidon?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Lurasidon enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Lurasidon

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Lurasidon. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Neuroleptika, zu welcher der Wirkstoff Lurasidon gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Lurasidon

Lurasidon wird für die Behandlung der Schizophrenie, einer Art Psychose, bei Erwachsenen ab 18 Jahren eingesetzt.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Lurasidon sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Lurasidon

Lurasidon gehört zur Wirkstoffgruppe der Neuroleptika.

Es hemmt sehr gezielt die Wirkungen von Serotonin, Dopamin sowie Adrenalin und Noradrenalin. Lurasidon bindet sich stark an die Rezeptoren dieser Nervenbotenstoffe, lässt aber Bindungsstellen der Nervenbotenstoffe Acetylcholin und Histamin unbesetzt. Dadurch kommt es weniger zu Nebenwirkungen wie unwillkürlichen Bewegungen, Schwitzen und Pupillenverengung. Auch ein Abbauprodukt von Lurasidon ist im Körper aktiv und zeigt die gleichen Effekte. Dadurch wirkt Lurasidon besonders lange.

Lurasidon schwächt Wahnvorstellungen ab und wirkt antriebssteigernd. Im Gegensatz zu anderen Neuroleptika wie Risperidon, Quetiapin und Olanzapin nehmen nur wenige mit Lurasidon behandelte Patienten zu und es treten weniger Störungen des Fettstoffwechsels und des Blutzuckerhaushalts auf.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.