Irinotecan

Allgemeines

Irinotecan wird zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem bösartigem Krebs des Dick- und Enddarmes angewendet. Es kommt als alleiniges Mittel zum Einsatz, wenn eine Vorbehandlung mit einer 5-Fluorouracil-Therapie nicht erfolgreich war. Zudem kann es in Kombination mit 5-Fluorouracil und Folsäure bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Erkrankung ohne vorherige Chemotherapie zum Einsatz kommen.

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • geregelte Erbgutablesung verhindern
  • Erbgut zerstören
  • Krebszellen zum Absterben bringen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Irinotecan im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Irinotecan nicht verwendet werden?

Irinotecan darf nicht angewendet werden bei

  • chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und/oder Darmverschluss
  • schweren Überempfindlichkeitsreaktionen gegen den Wirkstoff
  • schwer eingeschränkter Leberfunktion (Bilirubin-Werte über dem Dreifachen des oberen Normalwertes)
  • schweren Störungen der Knochenmarksfunktion
  • Patienten, die schon bettlägerig sind, spezielle Pflege benötigen und deren Heilungsaussichten daher zu schlecht sind.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Irinotecan eingesetzt werden bei

  • Patienten, die durch ihre Erkrankung nicht mehr arbeitsfähig sind
  • einem erhöhten Risiko für lebensbedrohlichen Durchfall, wie es der Fall ist nach vorangegangener Bestrahlung des Bauches oder Beckens, bei Überschuss an weißen Blutkörperchen, schlechtem Gesundheitszustand und bei Frauen
  • Patienten mit verminderter Aktivität des Enzyms Uridindiphosphat-Glukoronosyltransferase, das Irinotecan abbaut und entgiftet
  • leichter bis mittlerer Einschränkung der Leberfunktion
  • Asthma-Patienten, Erkrankungen der Atemwege und Risikofaktoren dafür, weil Irinotecan die Lungenfunktion verschlechtern kann
  • älteren Patienten, weil diese häufig eine eingeschränkte Leberfunktion haben

Hinweise:
Patienten, die wahrscheinlich Empfehlungen zur Behandlung von Nebenwirkungen nicht befolgen (beispielsweise bei Durchfall viel zu trinken), wird eine Überwachung in einer Klinik empfohlen. Das Gleiche gilt, wenn der Durchfall mit Fieber verbunden ist, einer Flüssigkeitszufuhr über die Vene bedarf und/oder nach einer hochdosierten Behandlung mit Loperamid mehr als 48 Stunden fortbesteht.
 

 

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Frauen im gebärfähigen Alter und Männer müssen während der Behandlung und für mindestens drei Monate nach Beendigung der Behandlung eine zuverlässige Methode zur Verhütung einer Schwangerschaft anwenden. Frauen sollten sofort ihren behandelnden Arzt informieren, wenn es zu einer Schwangerschaft kommen sollte. Zwar gibt es keine Informationen über die Anwendung von Irinotecan bei Schwangeren, doch hat sich der Wirkstoff im Tierversuch schädlich und missbildend auf die Nachkommen ausgewirkt. Aus diesem Grund darf Irinotecan während der Schwangerschaft nicht angewendet werden.

Bei säugenden Ratten wurde Irinotecan in der Milch nachgewiesen. Es ist nicht bekannt, ob dies auch für die menschliche Muttermilch gilt. Aufgrund möglicher unerwünschter Wirkungen beim Säugling muss das Stillen für die Dauer der Irinotecan-Behandlung unterbrochen werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Der Wirkstoff Irinotecan ist nicht für die Anwendung bei Kindern geeignet.

Welche Nebenwirkungen kann Irinotecan haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Irinotecan. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Schwerer, verzögert einsetzender Durchfall, starke Übelkeit und Erbrechen (bei alleiniger anwendung des Wirkstoffs), vorübergehender Mangel an neutrophilen Blutzellen, Blutarmut, Blutplättchenmangel (bei Kombinationstherapie), Infektionen (bei Monotherapie), vorübergehender Haarausfall, Fieber ohne Infektion (bei Monotherapie), vorübergehend erhöhte Enzym-Werte im Blut (bei Kombinationstherapie; Transaminasen, alkalische Phosphatase, Bilirubin).

Häufige Nebenwirkungen:
Starke Übelkeit und starkes Erbrechen (bei Kombinationstherapie), zeitweise Austrocknung (verbunden mit Durchfall und/oder Erbrechen), Verstopfung im Zusammenhang mit Irinotecan und/oder Loperamid, Fieber durch Neutrophilen-Mangel, Infektionen (bei Kombinationstherapie), Infektionen verbunden mit schwerem Neutrophilenmangel (in drei Fällen mit tödlichem Ausgang), Blutplättchenmangel (bei Monotherapie), Fieber ohne Infektion (bei Kombinationstherapie), vorübergehend schweres cholinerges Syndrom (Durchfall, Bauchschmerzen, Bindehautentzündung, Naselaufen, niedriger Blutdruck, Hautrötung, Schwitzen, Schüttelfrost, Unwohlsein, Schwindel, Sehstörungen, Pupillenverengung, Tränenfluss, erhöhter Speichelfluss), Schwäche, vorübergehend leicht bis mäßig erhöhte Blut-Enzym-Werte (bei Monotherapie; Transaminasen, alkalische Phosphatase, Bilirubin), vorübergehend stärker erhöhte Bilirubin-Werte im Blut (bei Kombinationstherapie), vorübergehend leicht bis mäßig erhöhte Kreatinin-Werte im Blut.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Dickdarmentzündung (Pseudomembranöse Colitis durch den Erreger Clostridium difficile), Nierenfunktionsstörung, niedriger Blutdruck, Herz-Kreislaufversagen, Darmverschlingung, Magen-Darm-Blutungen, leichte Hautreaktionen, Reaktionen an der Infusionsstelle, (interstitielle) Lungenerkrankung, Atembeschwerden (früh einsetzend), leichte allergische Reaktionen, Blutvergiftung (mit Niereninfunktionsstörung, niedrigem Blutdruck oder Herz-Kreislauf-Versagen).

Seltene Nebenwirkungen:
Darmentzündung, Magen-Darm-Durchbruch, Essensverweigerung, Bauchschmerzen, Schleimhautentzündung, Bauchspeicheldrüsenentzündung (mit und ohne Beschwerden), Kalium- und Natriummangel im Blut, allergischer Schock, Bluthochdruck (während und nach der Infusion), Muskelkrämpfe und nervliche Missempfindungen (früh einsetzend).

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Blutplättchenmangel mit Antikörpern gegen Blutplättchen (ein Fall), Anstieg der Amylase- und/oder Lipase-Werte im Blut, vorübergehende Sprachstörungen, massenhafter Zerfall von Tumorgewebe.

Besonderheiten:
Sobald bei Durchfall der erste flüssige Stuhl auftritt, sollte der Patient beginnen, große Mengen elektrolythaltige Getränke zu trinken. Außerdem muss sofort mit Medikamenten begonnen werden, die den Durchfall stoppen. Diese Therapie wird von der Klinik verordnet, die das Irinotecan verabreicht hat. Die Patienten erhalten die verordneten Medikamente direkt nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. So können sie mit der Behandlung des Durchfalls beginnen, sobald dieser auftritt. Von dieser Nebenwirkung sind der behandelnde Arzt oder die Klinik sofort zu informieren.

Während der Irinotecan-Behandlung wird der Arzt einmal wöchentlich das komplette Blutbild kontrollieren. Durch die Verminderung der weißen Blutkörperchen kann es zu Fieber kommen; dann ist sofort der Arzt zu verständigen.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Irinotecan?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Eine Wechselwirkung zwischen Irinotecan und Muskelrelaxanzien kann nicht ausgeschlossen werden. Irinotecan blockiert die Aktivität des an der Muskelbewegung beteiligten Nervenbotenstoffs Acetylcholin. Daher kann es die Wirkung von Suxamethonium verlängern und die von Neostigmin vermindern.

Werden gleichzeitig Wirkstoffe angewendet, die die Verstoffwechselung von Irinotecan beschleunigen oder verzögern, ist Vorsicht geboten. So nimmt dessen Wirkung in Gegenwart der Antiepileptika Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin ab. Mit Johanniskraut (gegen Depressionen) kommt es zu einer so starken Wirkungsabschwächung, dass sich die gemeinsame Anwendung verbietet.

Wird das Pilzmittel Ketoconazol dazu gegeben, wirkt Irinotecan stärker, hat aber auch mehr Nebenwirkungen. Auch das virenhemmende Mittel Atazanavir (gegen AIDS) verstärkt die Irinotecan-Wirkung so, dass die Wechselwirkung von den behandelnden Ärzten beachtet werden muss.

Bei Irinotecan müssen überdies Wechselwirkungen bedacht werden, die allen Zytostatika gemeinsam sind:

  • Wegen des erhöhten Risikos von Blutgefäßverstopfungen bei Krebserkrankungen werden häufig Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon als Blutverdünner verwendet. Wegen möglicher gegenseitiger Beeinflussung durch Irinotecan muss der Arzt in solchen Fällen die Blutungsneigung sorgfältig überwachen.
  • Abgeschwächte Lebend-Impfstoffe sollten wegen des Infektionsrisikos möglichst nicht, Gelbfieber-Impfstoff auf keinen Fall während einer Irinotecan-Therapie gegeben werden. Wenn möglich, sind inaktivierte Impfstoffe zu verwenden.
  • Irinotecan kann die Wirkung von Phenytoin so weit abschwächen, dass es zu Krampfanfällen kommt.
  • Die Immunologika Ciclosporin und Tacrolimus hemmen die durch Irinotecan geschwächte körpereigene Abwehr so stark, dass es zum Ausbruch von Blutkrebs kommen kann.
 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Kommt es nach der Infusion zur Durchfällen, muss sofort der behandelnde Arzt oder die Klinik verständigt werden.
  • Bei schwerem Durchfall wird in den nachfolgenden Behandlungszyklen die Dosis des Medikaments vermindert.
  • Durch die Verminderung weißer Blutkörperchen kann Fieber auftreten; dann ist sofort der Arzt zu verständigen.
  • Vor Beginn der Behandlung und vor jedem Zyklus wird der Arzt Tests der Leberfunktion durchführen.
  • Das Medikament darf nur von Ärzten angewendet werden, die in der Behandlung von Krebserkrankungen erfahren sind.
  • Das Medikament kann innerhalb von 24 Stunden nach der Verabreichung zu Schwindelgefühl oder Sehstörungen führen. Dann darf weder Auto gefahren noch eine Maschine bedient werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Irinotecan?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Irinotecan enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 
Medikament
Darreichungsform
Infusionslösungs­konzentrat
Irinotecan-HAEMATO 20 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
Infusionslösungs­konzentrat

 

So wirkt Irinotecan

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Irinotecan. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Irinotecan gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Irinotecan

Irinotecan wird zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem bösartigem Krebs des Dick- und Enddarmes angewendet. Es kommt als alleiniges Mittel zum Einsatz, wenn eine Vorbehandlung mit einer 5-Fluorouracil-Therapie nicht erfolgreich war. Zudem kann es in Kombination mit 5-Fluorouracil und Folsäure bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Erkrankung ohne vorherige Chemotherapie zum Einsatz kommen.

Ebenfalls zusammen mit 5-Fluorouracil und Folsäure und dem monoklonalen Antikörper Bevacizumab ist Irinotecan das Mittel der ersten Wahl bei Patienten mit Dick- oder Enddarmkrebs, der bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hat.

Trägt ein solcher metastasierender Krebs einen speziellen Rezeptor (epidermal growth factor receptor; EGFR) auf der Oberfläche seiner Zellen, ist Irinotecan nur in Kombination mit dem monoklonalen Antikörper Cetuximab wirksam.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Irinotecan sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Irinotecan

Irinotecan gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika und dort zur Untergruppe der Topoisomerase-Hemmstoffe.

Topoisomerase ist ein Enzym, das eine wesentliche Rolle bei der Ablesung des Erbgutes (DNA) spielt. Soll nach der "Vorschrift" der DNA ein Eiweiß hergestellt werden, muss sich das strickleiterförmige, gedrehte Molekül entspiralisieren. Die dadurch auftretenden Scherkräfte würden normalerweise einen chaotischen Bruch des Erbgutes hervorrufen. Die Topoisomerase schneidet die DNA gezielt auf und "heilt" den Bruch nach der Ablesung der Erbinformation so, dass der Urzustand wieder hergestellt ist.

Die Hemmung der Topoisomerase durch Irinotecan und noch stärker eines seiner in den Zellen daraus entstehenden Stoffwechselprodukte, verursachen an den Einzelsträngen der DNA Schäden, die auf die Zelle tödlich wirken. Dabei treffen sie auch Zellen, die einer Behandlung mit den Zytostatika Doxorubicin und Vinblastin widerstanden haben.

Irinotecan hat sich in Laborversuchen als breit wirksam erwiesen. Nicht alleine gegen Krebszellen der Bauchspeicheldrüse und den Dickdarms, auch gegen Brustkrebs, Magenkrebs und Blutkrebs.

Neben der Wirkung auf Krebszellen ist der bedeutendste Effekt von Irinotecan die Hemmung des Enzyms Acetylcholinesterase, was sich in Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Bindehautentzündung, Naselaufen, niedrigem Blutdruck, Hautrötung, Schwitzen, Schüttelfrost, Unwohlsein, Schwindel, Sehstörungen, Pupillenengstellung, Tränenfluss und erhöhtem Speichelfluss äußert.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.