Gallopamil

Allgemeines

Gallopamil wird angewandt bei der Behandlung des Bluthochdrucks, der keine organischen Ursachen hat (essentieller Bluthochdruck).

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Blutdruck senken
  • Sauerstoffverbrauch des Herzens senken
  • Herzschlagrhythmus verbessern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Gallopamil im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Gallopamil nicht verwendet werden?

Der Wirkstoff darf bei einer Überempfindlichkeit gegen Gallopamil, bei Herzmuskelschwäche bei leichter Belastung oder Ruhe (Herzinsuffizienz NYHA III und IV), Reizüberleitungsstörungen zum Herzen (Sinusknotensyndrom), schnellem und langsamem Herzschlag im Wechsel (Bradykardie-Tachykardie-Syndrom), einer Reizunterbrechung im Bereich des Sinusknotens (sinuatrialer Block), schweren Reizüberleitungsstörungen zum Herzmuskel (AV-Block II. und III. Grades), speziellen Herzrhythmusstörungen mit sehr hoher Herzschlagfrequenz (Vorhofflimmern, Vorhofflattern mit WPW-Syndrom), bei Schock oder akutem Herzinfarkt (Myokardinfarkt innerhalb der ersten vier Wochen)nicht angewendet werden.

Die gleichzeitige Verabreichung in die Venen (intravenöse Gabe) von Beta-Rezeptorenblockern sollte während der Behandlung mit Gallopamil unterbleiben.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt sollte der Wirkstoff angewandt werden bei Patienten mit Reizüberleitungsstörungen zum Herzmuskel (AV-Block I. Grades), niedriger Pulsfrequenz (Bradykardie unter 50 Schläge pro Minute) oder wenn bereits ein erheblich erniedrigter Blutdruck (Hypotonie) mit einem Systolenwert unter 90 mmHg vorliegt.

Bei eingeschränkter Leberfunktion und bei ventrikulären Tachykardien sollte Gallopamil besonders vorsichtig vom Arzt dosiert werden. Bei der Gabe in die Venen ist dabei zu beachten, dass es zu einer Schlagzahlerhöhung in den Herzkammern (Kammertachykardie) oder zu einer Verstärkung des Muskelabbaus (progressive Muskeldystrophie) kommen kann.

Wird der Wirkstoff bei einer akuten Schwäche der Herzkranzgefäße gegeben, sollte ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt) zuvor ärztlich ausgeschlossen sein.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Während der Schwangerschaft und Stillzeit darf Gallopamil nicht eingenommen werden.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte vor der Behandlung eine mögliche Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Während der Behandlung sollten geeignete Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung getroffen werden.

Da Gallopamil in die Muttermilch übergeht, muss bei Anwendung des Wirkstoffes vorher abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Gallopamil sollte bei Kindern nicht angewendet werden, weil die Wirkungen bei dieser Patientengruppe noch nicht ausreichend erforscht sind.

Welche Nebenwirkungen kann Gallopamil haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Gallopamil. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel und Schwächegefühl, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Knöchel-Ödeme, Beinödeme, allergische Hautreaktionen wie Hautrötungen, Juckreiz, Exantheme.

Seltene Nebenwirkungen:
Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit und Erbrechen, Sodbrennen, Durchfall oder Verstopfung, Leberenzyme-Anstieg sowie Zeichen akuter Leberschädigungen, Schlaflosigkeit, Halluzinationen, depressive Verstimmungszustände (Depressionen).

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Allergische Reaktionen wie Erythema exsudativum multiforme, Hautreaktionen (Erytheme), Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes, Lymphknotenschwellungen (Lymphadenopathie) oder Vermehrung der weißen Blutkörperchen (Eosinophilie) und Zahnfleischwucherungen (Gingivahyperplasie).

Besonderheiten:
Besonders im höheren Dosisbereich und/oder bei entsprechender Vorschädigung des Herzens können Nebenwirkungen wie Bradykardien, Erregungsleitungsstörungen des Herzens, stärkerer Blutdruckabfall (Hypotonie), Herzklopfen, Ohnmachten, Herzminutenvolumenabnahme oder Herzmuskelschwäche sowie bei Männern Potenzstörungen aufreten.

In Einzelfällen verursacht Gallopamil einen erhöhten Blutzuckergehalt (Hyperglykämie). Dies sollte vor allem bei Patienten mit einem Diabetes mellitus beachtet werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Gallopamil?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Durch die gleichzeitige Gabe von Inhalationsanästhetika kann es in seltenen Fällen zu einem Herzstillstand durch eine AV-Blockierung und einer verstärkten blutdrucksenkenden Wirkung kommen (kardiodepressiver Effekt).

In Kombination mit Wirkstoffen, die das Herz regelmäßiger schlagen lassen wie Antiarrhythmika (beispielsweise Chinidin) oder langsamer schlagen lassen wie Betablocker und/oder die Erregungsleitung im Herzen (AV-Überleitung) hemmen wie zum Beispiel Herzglykoside ist eine Wirkungsverstärkung möglich. Es kann zu einem Herzstillstand, einer verstärkten blutdrucksenkenden Wirkung (Hypotonie) oder in Einzelfällen zu einem Lungenödem bei Vorliegen einer Kardiomyopathie kommen.

Wirkstoffe, die die Herzkraft verbessern, wie Digoxin, werden in ihrer Wirkung bei gleichzeitiger Anwendung von Gallopamil verstärkt.

Gefäßerweiternde und damit blutdrucksenkende Wirkstoffe wie Vasodilatatoren oder Entwässerungsmittel (Diuretika) verstärken den blutdrucksenkenden Effekt von Gallopamil.

Die Plasmaspiegel und damit die Wirkstärke von Carbamazepin, Midazolam, Triazolam, Alfentanil, Theophyllin und Cyclosporin können bei gleichzeitiger Behandlung mit Gallopamil ansteigen.

Bei der gleichzeitigen Einnahme von Enzyminduktoren wie zum Beispiel Rifampicin, Phenytoin oder Phenobarbital kommt es zu einem verstärkten Abbau von Gallopamil und damit zu einer Wirkungsminderung.

Wird Lithium gleichzeitig angewendet, wird dessen Wirkstärke durch Gallopamil erniedrigt.

Muskelentspannungsmittel (Muskelrelaxanzien) werden hingegen in ihrer Wirkung bei gleichzeitiger Gabe verstärkt.

Magensäurehemmende Mittel (Antiazida) wie Cimetidin oder Ranitidin können den Plasmaspiegel von Gallopamil und damit dessen Wirkung erhöhen.

Unverträglichkeiten mit Gallopamil bestehen bei alkalischen Injektions- und Infusionslösungen. Diese dürfen nicht mit dem Wirkstoff gemischt werden, weil es dadurch zu Ausflockungen von Gallopamil in der Lösung kommen kann.

Die gleichzeitige Verabreichung von Beta-Rezeptorenblockern in die Venen (intravenöse Gabe) sollte während der Behandlung mit Gallopamil unterbleiben.

Gallopamil vermindert bei gleichzeitiger Gabe von Nifedipin die Fähigkeit diesen Wirkstoff in den Nieren zu filtrieren (Clearance). Daher ist bei gleichzeitiger Behandlung eine sorgfältige ärztliche Überwachung der Patienten und eventuell eine Verminderung der Dosis von Nifedipin notwendig.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei gleichzeitiger Behandlung mit Antidepressiva, Beruhigungs-, Schlaf- oder Asthmamitteln muss auf die Symptome einer Überdosierung geachtet werden.
  • Werden Mittel zur Verhinderung einer Organabstoßung (Ciclosporin A) oder zur Behandlung einer Herzschwäche (Digoxin, Digitoxin) gleichzeitig eingenommen, können sich die Nebenwirkungen verstärken.
  • Durch den Wirkstoff kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt werden.
  • Die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen kann gering bis mäßig beeinträchtigt sein. Dies ist besonders bei Behandlungsbeginn, bei einer Dosiserhöhung oder im Zusammenwirken mit Alkohol zu beachten.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

So wirkt Gallopamil

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Gallopamil. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Calciumkanalblocker, Blutdrucksenker, zu welcher der Wirkstoff Gallopamil gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Gallopamil

Gallopamil wird angewandt bei der Behandlung des Bluthochdrucks, der keine organischen Ursachen hat (essentieller Bluthochdruck).

Daneben wird Gallopamil bei Herzerkrankungen, die mit einer unzureichenden Sauerstoffversorgung des Herzmuskels einhergehen, und Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) verordnet. In diesem Zusammenhang wird Gallopamil bei stabiler Angina Pectoris, bei instabiler Angina Pectoris und insbesondere bei vasospastischer Angina Pectoris (Prinzmetal-Angina) angewandt.

Als Antiarrhythmikum zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen kann der Wirkstoff vorbeugend gegen paroxysmale supraventrikuläre Tachykardien und bei Patienten ohne WPW-Syndrom zur Verlangsamung des Pulsfrequenz bei Vorhofflimmern und Vorhofflattern eingesetzt werden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Gallopamil sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Gallopamil

    Gallopamil gehört zur Gruppe der Kalziumkanalblocker vom Verapamil-Typ und besitzt die gleiche Wirkungsweise wie diese.

    Gallopamil erweitert insbesondere die Blutgefäße, die das Herz mit Sauerstoff versorgen, und erleichtert damit die Herzarbeit. Verengte oder verkrampfte Blutgefäße am Herzen können darüber hinaus die Ursache für Herzschmerzen sein. Bei bestimmten Formen der Herzenge (Angina Pectoris) bewirkt Gallopamil deshalb ebenfalls eine Besserung der Beschwerden.

    Zusätzlich wirkt Gallopamil direkt auf den Herzmuskel. Es blockiert dort die Kalziumkanäle der Muskelfasern des Herzens. Dadurch schlägt das Herz langsamer und die Schlagkraft lässt insgesamt nach. Auch dadurch sinkt der Blutdruck und es wird weniger Sauerstoff verbraucht. Da Gallopamil den Takt des Herzschlages verlangsamt, kann es auch Herzrhythmusstörungen günstig beeinflussen, wenn diese mit zu schnellem Herzschlag verbunden sind.

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.