Gabapentin

Allgemeines

Gabapentin wird bei Erwachsenen und Kindern ab zwölf Jahren eingesetzt, welche unter Epilepsien leiden, die nur einen Teil des Gehirns betreffen, also einen sogenannten fokalen Ursprung haben (auch fokale Anfälle genannt). Anfälle, die sich von einem Punkt im Gehirn ("Fokus") später noch auf das gesamte Gehirn ausbreiten (so genannte sekundär generalisierte Anfälle) können ebenfalls mit Gabapentin behandelt werden. Hierfür kann Gabapentin auch mit anderen Antiepileptika kombiniert werden. Diese Kombinationen sind auch schon zum Einsatz bei Kindern ab drei Jahren geeignet.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Übererregbarkeit von Nervenzellen vermindern
  • Krampfschwelle erhöhen
  • bestimmte Nervenschmerzen wie diabetische Neuropathie behandeln
  • Epilepsien behandeln
  • epileptischen Anfällen vorbeugen
  • Zittern ohne organische Ursache (essentiellen Tremor) bessern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Gabapentin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Gabapentin nicht verwendet werden?

Gabapentin darf nicht verwendet werden bei:
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung. Treten währen der Behandlung Beschwerden auf, die auf eine beginnende Bauchspeicheldrüsenentzündung hinweisen können (wie Oberbauchbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen), muss der Arzt in der Regel die Behandlung mit Gabapentin abbrechen.
Nur unter strenger ärztlicher Kontrolle darf Gabapentin eingesetzt werden bei:
  • verminderter Nierenfunktion
  • chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Psychosen in der Vorgeschichte des Patienten
  • gemischten (allgemeinen und herdförmigen) epileptischen Anfällen einschließlich Absencen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Gabapentin sollte in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt verabreicht werden. In Tierversuchen verursachte Gabapentin Schädigungen der Ungeborenen.

Gabapentin geht in die Muttermilch über. Bisher sind aber keine Schädigungen von Säuglingen bekannt geworden. Trotzdem sollte sicherheitshalber abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Kinder unter drei Jahren dürfen Gabapentin nicht erhalten. Im Alter von drei bis zwölf Jahren darf Gabapentin bei Kindern nur als Zusatztherapie in Kombination mit anderen Antiepileptika verwendet werden. Allerdings machen die Hersteller zu diesem Punkt unterschiedliche Angaben, sodass zunächst die Packungsbeilage zu lesen und der Arzt zu befragen ist.

Kinder ab zwölf Jahren dürfen auch alleine mit Gabapentin (als Einzeltherapie) behandelt werden.

Die Behandlung von Nervenschmerzen mit Gabapentin ist bei Kindern nicht erlaubt.

Welche Nebenwirkungen kann Gabapentin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Gabapentin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gewichtszunahme, Nervosität, Schlafstörungen, unsicherer Gang, Augenzittern, Missempfindungen und Kribbeln (Parästhesien), Appetitlosigkeit.

Häufige Nebenwirkungen:
Schwächegefühl, Sehstörungen (Schwachsichtigkeit, Doppeltsehen), Zittern der Hände, Zuckungen, Gelenkschmerzen (Arthralgie), Schmerzen, Reflexveränderungen (Verstärkung, Abschwächung, Fehlen), Durchfall, Sprechstörungen, Denkstörungen, Gedächtnisstörungen, trockener Mund, depressive Verstimmungen, Verwirrung, Gefühlsschwankungen, Verdauungsstörungen, Verstopfung, Bauchschmerzen, Blasenschwäche, Appetitsteigerung, Schnupfen, Rachenentzündungen, Husten, Muskelschmerzen, Rückenschmerzen, Ödeme (im Gesichtsbereich, an Extremitäten oder am ganzen Körper), Impotenz, Zahnanomalien, Zahnfleischentzündungen, Hautjucken, Mangel an weißen Blutkörperchen, Knochenbrüche, Blutgefäßerweiterung, Blutdruckerhöhung, Halstrockenheit, Fieber, Akne, Hautausschlag, Blähungen, Sensibilitätsstörungen, Atemnot.

Bei Kindern von drei bis zwölf Jahren:
gereiztes Verhalten, Atemwegsinfekte, Bronchitis, übermäßige und unkontrollierte Bewegungen.

Seltene Nebenwirkungen:
Blutplättchenmangel, Herzklopfen, Herzstolpern, Herzrasen, Ohrgeräusche, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Leberentzündung, Gelbsucht, allergische Reaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme), Hautreaktionen, Brustschmerzen, allergische Reaktionen, Nesselsucht, erhöhte Leberenzymwerte, Bewegungsstörungen (wie Veitstanz, fehlende Muskelspannung), Wahnvorstellungen, Haarausfall, Hautschwellungen im Gesichtsbereich (Angioödem), akutes Nierenversagen.

Bei abruptem Therapieabbruch:
Ängstlichkeit, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Schmerzen, Schwitzen.

Besonderheiten:
In Kombination mit anderen Antiepileptika kann es zu einer Erhöhung der Leberenzymwerte kommen.

Anscheinend erhöht die Einnahme des Wirkstoffes die Selbstmordneigung, deshalb sind die Patienten sorgfältig zu überwachen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Gabapentin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die Wirkung von Gabapentin wird vielfältig durch andere Wirkstoffe beeinflusst:
  • Die gleichzeitige Einnahme von Morphin (opioides Schmerzmittel) kann die Blutkonzentration und die Wirkung von Gabapentin steigern. Hier müssen in der Regel die Dosierungen von Gabapentin und/oder Morphin angepasst werden.
  • Säurebindende Mittel (Magnesium- oder Aluminium-haltige Antazida) verringern die Aufnahme von Gabapentin in den Körper und damit seine Wirksamkeit. Daher darf Gabapentin erst frühestens zwei Stunden nach solchen Wirkstoffen eingenommen werden.
  • Die gleichzeitige Gabe von Cimetidin (gegen zuviel Magensäure) vermindert leicht die Ausscheidung von Gabapentin, was zu einer verlängerten Wirkdauer führen kann.
  • Alkohol oder Wirkstoffe, die auf das Gehirn wirken, können manche Nebenwirkungen des Gabapentins auf das Nervensystem (wie Schläfrigkeit oder Bewegungskoordinationsstörungen) verstärken.
Obwohl Gabapentin nicht die Wirkung oraler Kontrazeptiva ("Pille") beeinträchtigt, kann es bei Kombination mit anderen Antiepileptika, von denen eine Wirkungsabschwächung der Pille bekannt ist, zu einem Versagen der empfängnisverhütenden Wirkung kommen. Für die Zeit einer Behandlung mit Gabapentin sollten daher mechanische Verhütungsmittel wie Kondome verwendet werden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Antiepileptika zeigt Gabapentin keine Wechselwirkungen mit Phenytoin, Valproinsäure, Carbamazepin und Phenobarbital (alle gegen Epilepsien, zum Teil in Kombination mit Gabapentin eingesetzt).

Manche Harntests (zum Beispiel Eiweiß im Urin) können durch Gabapentin falsch-positiv beeinflusst werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • In Kombination mit anderen Antiepileptika kann die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel ("Pille") beeinträchtigt sein. Es sind zusätzliche mechanische Verhütungsmethoden (Kondome) erforderlich.
  • Bei Oberbauchbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen besteht Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenentzündung und es ist unverzüglich der Arzt aufzusuchen.
  • Dosisverminderungen, Absetzen oder der Ersatz anderer Antiepileptika durch das Medikament sollte schrittweise über mindestens eine Woche hinweg erfolgen.
  • Anscheinend erhöht die Einnahme des Medikaments die Selbstmordneigung, deshalb sind die Patienten vom Arzt und den Angehörigen sorgfältig zu überwachen.
  • Die Reaktionsfähigkeit kann durch den Wirkstoff so weit beeinträchtigt sein, dass die aktive Teilnahme am Straßenverkehr und das Bedienen von Maschinen gefährlich werden.
  • Gewisse Harntests (beispielsweise auf Eiweiß im Urin) können durch die Einnahme des Medikaments falsch-positiv ausfallen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Gabapentin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Gabapentin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Gabapentin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Gabapentin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Antiepileptika, zu welcher der Wirkstoff Gabapentin gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Gabapentin

Gabapentin wird bei Erwachsenen und Kindern ab zwölf Jahren eingesetzt, welche unter Epilepsien leiden, die nur einen Teil des Gehirns betreffen, also einen sogenannten fokalen Ursprung haben (auch fokale Anfälle genannt). Anfälle, die sich von einem Punkt im Gehirn ("Fokus") später noch auf das gesamte Gehirn ausbreiten (so genannte sekundär generalisierte Anfälle) können ebenfalls mit Gabapentin behandelt werden. Hierfür kann Gabapentin auch mit anderen Antiepileptika kombiniert werden. Diese Kombinationen sind auch schon zum Einsatz bei Kindern ab drei Jahren geeignet.

Gabapentin ist auch gegen bestimmte Nervenschmerzen im Erwachsenenalter wie diabetische Neuropathie, postherpetische Neuropathie und andere wirksam.

Einige weitere Krankheiten werden ebenfalls gelegentlich mit Gabapentin behandelt. Allerdings sind diese Anwendungsgebiete nicht durch klinische Studien abgesichert und der Wirkstoff ist dafür nicht zugelassen. Dazu gehören bestimmte Schmerzen (zum Beispiel Gesichtsmuskelschmerzen), Entartung und Schädigung von Nerven (amyotrophe Lateralsklerose), Komplikationen bei multipler Sklerose (Trigeminusneuralgie, schmerzhaft versteifte Krämpfe und anderes), Gleichgewichtsstörungen mit Zittern, Augenzittern, Zittern ohne organische Ursache (essenzieller Tremor) oder der Status epilepticus, der nicht auf andere Antiepileptika anspricht.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Gabapentin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Gabapentin

Der Wirkmechanismus von Gabapentin ist noch nicht genau bekannt. Seine chemische Struktur ähnelt der Gamma-Amino-Buttersäure (GABA), einem wichtigen hemmenden Botenstoff zwischen Nervenzellen. Trotzdem bindet es nicht wie die körpereigene GABA an die entsprechenden Bindungsstellen im Gehirn und verhindert dort die Reizweiterleitung. Die Wirkung scheint vielmehr indirekt dadurch zustande zu kommen, dass vermehrt körpereigene GABA produziert wird. Diese übt dann die Reizhemmung aus. Es wird weiterhin eine Beeinflussung des Stoffwechsels anderer körpereigener Neurotransmitter vermutet, Beweise dafür stehen allerdings noch aus.

Gabapentin ist nicht wirksam bei von vornherein (primär) generalisierten Anfällen, wie zum Beispiel Absencen. Es kann diesen Anfallstyp sogar verschlechtern. Sein Vorteil ist die gute Verträglichkeit im Vergleich zu anderen Antiepileptika. Auch zeigt Gabapentin nur geringe unerwünschte Wirkungen auf Konzentration, Wachheit und das Reaktionsvermögen.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.