Rohypnol 1 mg

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 09.03.2012
Hersteller: Hoffmann-La Roche AG
Wirkstoff: Flunitrazepam
Darreichnungsform: Filmtablette
Rezeptpflichtig

Wirkung

Rohypnol 1 mg enthält den Wirkstoff Flunitrazepam.

Der Wirkstoff Flunitrazepam wirkt bereits in sehr niedriger Dosierung stark bewusstseinseintrübend.

Im Bereich der Klinik wird Flunitrazepam als Injektion zur Beruhigung und Vorbereitung vor und nach Operationen, chirurgischen oder diagnostischen Eingriffen eingesetzt.

In Tablettenform wird Flunitrazepam zur kurzzeitigen Behandlung stark beeinträchtigender Schlafstörungen angewendet. Darunter versteht man solche Schlafstörungen, die aufgrund einer seelischen Erkrankung oder einer krankhaften Bewusstseinsstörung wie zum Beispiel Angststörungen oder Nervosität entstehen. Des weiteren zählen auch Schlafstörungen durch organische Erkrankungen des Gehirns (zum Beispiel Tumoren) oder solche vor oder nach einer Operation dazu.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Flunitrazepam sind vertiefende Informationen verfügbar:

Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Benzodiazepine, Schlafmittel, zu welcher der Wirkstoff Flunitrazepam gehört.

Anwendungsgebiete laut Herstellerangaben

  • Kurzzeitbehandlung von aufgrund ihres Schweregrades behandlungsbedürftigen Schlafstörungen

Dosierung

Die Behandlung sollte mit der niedrigsten empfohlenen Dosis begonnen werden. Die angegebenen Dosen sollten nicht über-
schritten werden.
Erwachsene: Die Tagesdosis beträgt eine halbe bis eine Filmtablette. In Ausnahmefällen kann die Tagesdosis auf zwei Filmtabletten gesteigert werden. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Anwendung nicht gestattet.

Bei älteren und geschwächten Patienten beträgt die Tagesdosis eine halbe Filmtablette und kann in Ausnahmefällen auf eine Filmtablette gesteigert werden.

Bei Patienten mit Veränderungen der Hirnfunktion, niedrigem Blutdruck,
gestörter Atem- und Kreislauffunktion, eingeschränkter Nieren- und Leberfunktion ist die Dosis individuell vom Arzt zu verringern.

Nehmen Sie die Filmtablette unmittelbar vor dem Schlafengehen unzerkaut mit Flüssigkeit ein.

Die Dauer der Behandlung sollte so kurz wie möglich sein. Im Allgemeinen sollte sie von wenigen Tagen bis zu zwei Wochen betragen und höchstens, einschließlich der schrittweisen Phase des Behandlungsendes, vier Wochen nicht übersteigen. Eine Verlängerung der Behandlung über diesen Zeitraum hinaus sollte nicht ohne erneute ärztliche Untersuchung erfolgen.
Bei längerer Anwendungsdauer (länger als eine Woche) sollte beim Absetzen von Flunitrazepam die Dosis schrittweise vermindert werden.

Sonstige Bestandteile

Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:

  • Lactose
  • Eisenoxidhydrat (E 172)
  • Ethylcellulose
  • Hypromellose
  • Indigocarmin
  • Magnesiumstearat
  • mikrokristalline Cellulose
  • Poly(O-carboxymethyl)stärke-Natriumsalz
  • Povidon K 90
  • Talkum
  • Titandioxid (E 171)
  • Triacetin

Nebenwirkungen

Herzversagen (einschließlich Herzstillstand), Schläfrigkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Bewegungsstörungen, Sprechstörungen, vorübergehende Sehstörungen (Doppeltsehen, Augenzittern), Atemfunktionsstörung, Übelkeit und Erbrechen, allergische Hautreaktionen, Muskelschwäche, geringfügiger Blutdruckabfall im Schlaf, Hautausschlag, Herz-Kreislauf-Schock, Kehlkopfkrampf, Bronchialkrämpfe, allergischer Schock, Gefühlsverarmung, Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, verringerte Aufmerksamkeit, Libido-Zunahme, Libido-Abnahme, sogenannte paradoxe Reaktionen (Erregung, Reizbarkeit, Aggressivität, Unruhe, Nervosität, Feindseligkeit, Angstzustände, Schlafstörungen, Albträume, lebhafte Träume), Abhängigkeit, Entzungserscheinungen bei Behandlungsende.

zusätzlich bei Injektion oder Infusion:
Blutgefäßentzündungen am Injektionsort, Injektionsschmerz.

Besonderheiten:
Die Einnahme von Benzodiazepinen wie Flunitrazepam kann zur Abhängigkeit mit Entzugserscheinungen führen. Bereits bei täglicher Anwendung über wenige Wochen kann sich eine Abhängigkeit entwickeln. Dies gilt nicht nur für die missbräuchliche Anwendung besonders hoher Dosen, sondern auch für den üblichen Dosisbereich während einer Behandlung.

Nach längerer Einnahme und plötzlichem Behandlungsende treten Entzugsbeschwerden wie Schlafstörungen und vermehrtes Träumen, Angst, Spannungszustände, Erregung, innere Unruhe, Zittern, Schwitzen, Erhöhung der Krampfbereitschaft mit Auslösen von Krampfanfällen und Psychosen mit Gedächtnisstörungen, Denkstörungen und Wahnvorstellungen auf. Die Behandlung mit dem Wirkstoff sollte daher immer mit langsam verminderten Dosen beendet werden.

Die abendliche Einnahme von Flunitrazepam kann noch am nächsten Morgen zu verminderter Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit sowie Restmüdigkeit führen.

Wegen der muskelerschlaffenden Wirkung ist besonders bei älteren Patienten eine erhöhte Sturzgefahr gegeben. Die Patienten müssen daher vor allem bei nächtlichem Aufstehen vorsichtig sein.

Die Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine kann zeitlich oder inhaltlich begrenzte Erinnerungslücken verursachen. Diese treten meist einige Stunden nach der Einnahme auf. Die Patienten sollten deshalb dafür sorgen, dass sie nach der Einnahme eine ununterbrochene Schlafdauer von etwa sieben bis acht Stunden einhalten können.

Eine Einschränkung der Atemfunktion kann sich in einer Verlangsamung der Atemzüge zeigen und einem veränderten Gasgehalt des Blutes. Diese Nebenwirkung kann bei Verlegung der Atemwege und bei vorbestehenden Hirnschädigungen verstärkt in Erscheinung treten. Sie ist besonders gefährlich, wenn gleichzeitig andere Wirkstoffe mit atembehindernder Wirkung angewendet werden.

Wechselwirkungen

Manche Substanzen wie zum Beispiel Johanniskraut (gegen Depressionen), hemmen bestimmte Leberenzyme, die für den Abbau von Benzodiazepinen und Benzodiazepin-ähnlichen Wirkstoffen wichtig sind und verstärken dadurch deren Wirkung.

Andere Substanzen beschleunigen den Stoffwechselabbau von Flunitrazepam und mindern dadurch dessen Wirkung. Dazu gehören Phenobarbital und Phenytoin (gegen Epilepsien). In seltenen Fällen kann seinerseits Flunitrazepam den Stoffwechselabbau von Phenytoin hemmen und dessen Wirkung verstärken.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Flunitrazepam mit folgenden Substanzen und Wirkstoffgruppen kann es zu gegenseitiger Verstärkung der beruhigenden, atemunterdrückenden und blutdrucksenkenden Wirkung kommen
  • Beruhigungs- und Schlafmittel, Narkosemittel, opioide Schmerzmittel
  • Neuroleptika
  • Antiepileptika
  • angstlösende Mittel
  • müde machende H1-Antihistaminika
  • Lithium (gegen Depressionen)
  • Alkohol
Besonders die gleichzeitige Anwendung von opioiden Schmerzmitteln kann zu Betäubung, Unterdrückung der Atemfunktion, Koma und Tod führen. Erachtet der Arzt eine gleichzeitige Verschreibung in Ausnahmefällen für notwendig, wird er die niedrigste wirksame Dosis wählen und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich halten.

Alkoholgenuss während der Behandlung kann die Wirkungen in nicht vorhersehbarer Weise verändert und verstärken. Alkohol ist deshalb bei einer Behandlung mit dem Wirkstoff zu meiden.

Die Kombination mit opioiden Schmerzmitteln kann zu einer Verstärkung der aufputschenden Wirkung und damit zu beschleunigter Abhängigkeit führen.

Flunitrazepam zur Narkoseeinleitung verstärkt die Wirkung von Narkosemitteln wie Stickoxydul (Lachgas) und führt zu Blutdruckabfall.

Bei gleichzeitiger Gabe von Muskelrelaxanzien wird die muskelerschlaffende Wirkung verstärkt. Zusammen mit dem Muskelrelaxans Suxamethonium ist es schon zu Herzstillstand gekommen.

Unter Umständen können aufgrund der dämpfenden Wirkung von Flunitrazepam auf das Gehirn bei gleichzeitiger Anwendung von Drogen lebensbedrohliche Zustände, insbesondere Atemfunktionsstörungen, auftreten.

Bei Patienten, die eine Dauerbehandlung mit anderen Wirkstoffen erhalten wie Blutdrucksenker, Betablocker, Herzglykoside, Antikoagulanzien, orale Antidiabetika und Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Verhütung ("Pille") sind Art und Umfang von Wechselwirkungen nicht sicher vorhersehbar. Daher ist bei gleichzeitiger Anwendung von Flunitrazepam ärztliche Vorsicht geboten.

Gegenanzeigen

Der Einsatz von Flunitrazepam unterliegt je nach Arzneiform unterschiedlichen Beschränkungen:

Als Injektion oder Infusion darf der Wirkstoff nicht angewendet werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen Flunitrazepam oder andere Benzodiazepine
  • einer Abhängigkeit von Medikamenten, Drogen und Alkohol
  • akuter Vergiftung mit Alkohol, Schlafmitteln, Schmerzmitteln sowie Psychopharmaka (Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium)
  • Myasthenia gravis
  • Psychosen
  • schwerer chronischer Atemnot, insbesondere bei akuter Verschlechterung
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf der Wirkstoff eingesetzt werden bei
  • unbehandeltem akutem Engwinkelglaukom (spezielle Form des Grünen Star)
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • Störungen der Bewegung, die vom Rückenmark oder Gehirn ausgehen
  • eingeschränkter Nierenfunktion
  • Patienten mit Depressionen und/oder Selbstmordversuchen in der Vorgeschichte
  • schweren Leberschäden (zum Beispiel Gelbsucht aufgrund eines Gallengangverschlusses).
Als Tabletten zur Schlafförderung darf der Wirkstoff nicht angewendet werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen Flunitrazepam oder andere Benzodiazepine
  • einer Abhängigkeit von Medikamenten, Drogen und Alkohol
  • akuter Vergiftung mit Alkohol, Schlafmitteln, Schmerzmitteln sowie Psychopharmaka (Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium)
  • Myasthenia gravis
  • schwerer chronischer Atemnot, insbesondere bei akuter Verschlechterung
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • schweren Leberschäden (zum Beispiel Gelbsucht aufgrund eines Gallengangverschlusses)
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf der Wirkstoff eingesetzt werden bei
  • unbehandeltem akutem Engwinkelglaukom (spezielle Form des Grünen Star)
  • Störungen der Bewegung, die vom Rückenmark oder Gehirn ausgehen
  • alleiniger Behandlung von Psychosen, Depressionen und Angststörungen
  • älteren Patienten
  • Atemstörungen
  • Leberfunktionsstörung
  • schwerer Nierenfunktionsstörung.
Hinweis:
Bei älteren Patienten kann die Ausscheidung von Flunitrazepam verlängert sein, was die Wirkung verstärkt. Außerdem können sie empfindlicher auf die Anwendung reagieren, besonders bei einer Herzerkrankung mit schwerer Atemnot. Deshalb sollte der Arzt bei älteren Patienten und Patienten in schlechterem Allgemeinzustand, mit hirnorganischen Veränderungen, Kreislaufschwäche und krankhaften Atembeschwerden die individuelle Reaktion auf den Wirkstoff kontrollieren.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Flunitrazepam und ein Hauptstoffwechselprodukt gelangen über den Mutterkuchen zum Ungeborenen. Sie können sich dort anreichern, was beim Kind zu Überdosierungen mit der Folge von Fehlbildungen und geistigen Einschränkungen führen kann.

Erhalten Mütter während der Schwangerschaft Benzodiazepine als Dauerbehandlung, in hohen Dosen oder während der Geburt, können die Kinder Entzugssymptome wie Atembeschwerden, erschlaffte Muskeln, erniedrigte Körpertemperatur und Trinkschwäche zeigen. Deshalb sollte Flunitrazepam während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es der Arzt für zwingend erforderlich hält.

Flunitrazepam und seine Stoffwechselprodukte gehen in die Muttermilch über. Da der Wirkstoff bei Neugeborenen wesentlich langsamer abgebaut wird als von Kindern oder Erwachsenen, kommt es zu Atembeschwerden und Trinkschwäche. Es sollte also bei einer Behandlung mit Flunitrazepam entweder nicht gestillt oder abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Flunitrazepam darf als Injektion oder Infusion an Kinder erst ab sechs Jahren gegeben werden. In Tablettenform ist es nur für Erwachsene bestimmt.

Warnhinweise

  • Die Konzentration kann durch das Medikament so weit beeinträchtigt sein, dass Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich sind.
  • Mit Alkohol können sich die betäubenden Wirkungen gegenseitig verstärken.
  • Das Medikament kann vom Arzt nur auf einem speziellen Betäubungsmittel-Rezept verschrieben werden.
  • Eine längere Anwendung des Medikaments kann zu einer Abhängigkeit des Patienten und einem Nachlassen der Wirksamkeit führen.
  • Ältere Patienten und Patienten mit einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung benötigen geringere Dosierungen.
  • Da Medikament ist nicht zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren geeignet.
  • Nach einer längeren Anwendung (eine Woche) muss die Dosierung zum Beenden der Therapie schrittweise verringert werden.
  • Das Medikament enthält Lactose (Milchzucker), die von manchen Patienten schlecht vertragen wird.

Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

Packungsgrößen

Packungsgröße und Darreichungsform
Wirkstoffgehalt (Dosierung pro Stück Filmtablette)
10 Stück Filmtabletten
1 Milligramm Flunitrazepam
20 Stück Filmtabletten
1 Milligramm Flunitrazepam

Vergleichbare Medikamente

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Rohypnol 1 mg sowie weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Flunitrazepam (ggf. auch Generika).


Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.