Das Bild zeigt Mittel- und Südamerika.
© Jupiterimages/Stockbyte

Trypanosoma cruzi

Der Erreger Trypanosoma cruzi ist ein einzelliger Parasit, der beim Menschen zur sogenannten Chagas-Krankheit (amerikanische Trypanosomiasis) führt. Als Überträger dienen meist Raubwanzen, die beim Blutsaugen Kot absondern, der mit Trypanosoma cruzi infiziert ist. Gelangt dieser in den menschlichen Körper, kann sich Trypanosoma cruzi dort ausbreiten.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

In Mittel- und Südamerika ist der Erreger besonders weit verbreitet, insbesondere in Peru, Brasilien, Uruguay und im nördlichen Argentinien.

Fast immer sind es Raubwanzen der Gattung Triatoma, die Trypanosoma cruzi auf den Menschen übertragen. Die Wanzen nehmen den Erreger während einer Blutmahlzeit an einem infizierten Wirt (z.B. Hund, Katze, Opossum) auf und geben diesen durch eine weitere Blutmahlzeit an den Menschen weiter. Unmittelbar nach dem Blutsaugen hinterlässt die Raubwanze einen Kottropfen, in dem sich Trypanosoma cruzi befinden kann. Trypanosoma cruzi gelangt anschließend über kleinste Hautverletzungen, die Bindehaut oder Schleimhäute in die Blutbahn. Da die Einstichstelle Juckreiz auslöst, kann der Erreger durch Kratzen auch leicht in den Einstichkanal gelangen.

Seltener gerät Trypanosoma cruzi auch im Rahmen von Bluttransfusionen oder Organtransplantationen in den Körper eines Menschen. Mittlerweile stehen in vielen betroffenen Gegenden jedoch entsprechende Bluttests zur Verfügung. Zudem können infizierte Schwangere den Erreger vor und während der Geburt auf ihr Baby übertragen.

Die infizierten Raubwanzen leben insbesondere in dunklen Ritzen oder Schlupfwinkeln von einfachen Behausungen der Armenviertel Süd- und Mittelamerikas. Kinder aus den Slums sind besonders häufig von der Chagas-Krankheit betroffen, da sie oft auf dem Boden schlafen, wo sich die Wanzen aufhalten.

Der Parasit Trypanosoma cruzi zählt zur Gattung Trypanosoma, die zu den Flagellaten (Geißeltierchen) gehört.

Entwicklungszyklus

Der Parasit Trypanosoma cruzi durchläuft einen Entwicklungszyklus in Raubwanze und Mensch.

Trypanosoma cruzi kann auch Haustiere wie zum Beispiel Hund oder Katze sowie verschiedene Wildtiere (z.B. Fledermaus, Opossum, Ratte, Fuchs) befallen. Als Überträger auf den Menschen dienen meist bestimmte Raubwanzen, sogenannte Reduviiden. Sie nehmen Trypanosoma cruzi auf, wenn sie das Blut eines infizierten Tieres saugen.

In der Wanze entwickelt sich der Erreger zu einer infektiösen Form und vermehrt sich. Beim nächsten Kontakt mit einem Menschen scheidet die Wanze Trypanosoma cruzi mit dem Kot aus. Der Mensch infiziert sich somit nicht durch den Biss der Raubwanze, sondern durch den infizierten Kot, den die Wanze absondert. Durch feine Hautverletzungen (Mikroläsionen) oder die Schleimhäute gelangt Trypanosoma cruzi in den menschlichen Körper bis in die Blutbahn. Von dort aus besiedeln die Erreger bestimmte Körperzellen, in denen sie sich in einem neuen Entwicklungszyklus durch Zweiteilung vermehren.

Chagas-Krankheit

Trypanosoma cruzi führt beim Menschen zur sogenannten Chagas-Krankheit (amerikanische Trypanosomiasis). Zunächst zeigt sich eine Hautreaktion (sog. Chagom) an der Einstichstelle: Der entsprechende Bereich ist geschwollen und gerötet. Manchmal ist auch ein Augenlid betroffen und die Lymphknoten können vergrößert sein.

Etwa ein bis zwei Wochen nach der Infektion zeigt sich die akute Phase. Trypanosoma cruzi gelangt dann in den Blutkreislauf. Die akute Phase kann mit Symptomen wie Fieber, Übelkeit, Durchfall, Lymphknotenschwellungen, Bauchschmerzen und Flüssigkeitsansammlungen (Ödemen) im Gesicht und in den Füßen einhergehen, aber auch symptomlos verlaufen. In der akuten Phase der Chagas-Krankheit kann das Herz deutlich vergrößert sein. In einigen Fällen kann sich das Gehirn entzünden.

Nach einigen Wochen klingen die Beschwerden der akuten Phase wieder ab und die Patienten sind beschwerdefrei. Diese sogenannte Latenzphase kann bis zu mehrere Jahre oder Jahrzehnte andauern, bis die chronische Phase eintritt. In der chronischen Phase entwickeln 10 bis 20 Prozent der Betroffenen Beschwerden aufgrund von Organveränderungen, die durch die anhaltende Infektion zustande kommen. So kann zum Beispiel eine chronische Herzmuskelentzündung mit Herzvergrößerung entstehen, die zum plötzlichen Herztod führen kann. Auch der Verdauungstrakt kann betroffen sein, so vergrößern sich häufig die Verdauungsorgane, vor allem die Speiseröhre (Megaösophagus) und der Dickdarm (Megakolon).

Trypanosoma cruzi kann der Arzt meist nur während der akuten Phase der Chagas-Krankheit erfolgreich mit den Wirkstoffen Nifurtimox oder Benznidazol bekämpfen. In der chronischen Phase ist es in der Regel nur möglich, die Symptome zu lindern.

Vorbeugen

Trypanosoma cruzi kommt in Mittel- und Südamerika vor. Einer Infektion können Sie teilweise vorbeugen. In der Regel laufen Touristen, die sich einer organisierten Reise anschließen, allerdings kaum Gefahr, sich zu infizieren. Gefährdet sind in erster Linie Personen, die in ländlichen Gebieten oder in Slums in Süd- und Mittelamerikas wohnen. Auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen können sich mit Trypanosoma cruzi infizieren und so die Chagas-Krankheit bekommen.

Um zu verhindern, dass sich Trypanosoma cruzi verbreitet, muss man sich vor den Raubwanzen schützen, die als Überträger auf den Menschen dienen.

Zum Schutz können zum Beispiel Moskitonetze hilfreich sein, die mit Insektiziden behandelt wurden, ebenso wie passende Kleidung. Auch an Orten, an denen sich die Wanzen häufig aufhalten, können Insektizide zum Einsatz kommen, so etwa auf Strohdächern, Böden oder in kleinen Ritzen.

Damit sich die Wanzen nicht in den Häusern einnisten, müssen die Wohnverhältnisse in ländlichen Gebieten der betroffenen Gegenden verbessert werden.

Eine Impfung gegen die Chagas-Krankheit steht bisher nicht zur Verfügung.