Verschiedenes Gemüse, daneben ein Notizblock.
© Jupiterimages/iStockphoto

Ernährung bei Krebs

Eine gesunde Ernährung ist wichtig für den Allgemeinzustand und die Lebensqualität. Zudem kann die richtige Ernährung das Risiko für viele Erkrankungen, wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, senken. Doch worauf ist zu achten, wenn man bereits erkrankt ist? Gibt es eine richtige und eine falsche Ernährung bei Krebs?

Überblick

Sowohl für gesunde Menschen, aber insbesondere auch für Krebspatienten ist eine ausgewogene Ernährung empfehlenswert. Nicht zuletzt, weil eine unausgewogene Ernährung die Lebensqualität einschränken kann. Außerdem kann ein starker Gewichtsverlust die Krebstherapie erschweren und den Körper zusätzlich belasten. Es ist daher wichtig, die Ernährung bei Krebs der Situation entsprechend anzupassen und sich nicht nach pauschalen Regeln zu ernähren oder durch eine Diät noch zusätzlich Gewicht zu verlieren.

Im Verlauf einer Krebserkrankung beziehungsweise einer Krebstherapie können Beschwerden wie zum Beispiel Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Müdigkeit auftreten. Viele Betroffene haben dann Probleme mit der Nahrungsaufnahme und mögen vielleicht nicht viel essen. Möglicherweise ist auch der Geschmackssinn beeinträchtig und viele Nahrungsmittel schmecken nicht wie gewohnt oder merkwürdig. Das kann zu einer Ernährungseinschränkung führen. Diese Probleme lassen jedoch meist nach einer gewissen Zeit nach und können mit ärztlicher Hilfe auch verringert werden. Längerfristige Beschwerden können unter Umständen eine Ernährungshilfe nötig machen, die mit Ärzten und Ernährungsexperten individuell erstellt wird.

Einfluss der Ernährung auf Krebs

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass keine Krebserkrankung durch eine spezielle Ernährung oder ein spezielles Nahrungsmittel geheilt werden kann. "Die Krebsdiät" gibt es nicht. Im Gegenteil: Eine einseitige und kalorienreduzierte Ernährung kann bestehende Beschwerden verstärken, zu Mangelerscheinungen führen und die Behandlung nachteilig beeinflussen. Experten warnen daher vor sogenannten Krebsdiäten.

Auch für Krebskranke angeblich giftige Lebensmittel gibt es nicht. Bei bestimmten Krebsformen ist jedoch – oft nur vorübergehend – Vorsicht bei der Wahl der Nahrungsmittel geboten. Hierzu zählen zum Beispiel Magenkrebs, Darmkrebs und Kopf-Hals-Tumoren. Hier kann es nötig sein, in Zusammenarbeit mit Ernährungsexperten eine individuelle Diät einzuhalten, um die entsprechenden Organe zu entlasten.

Die Ernährung kann jedoch einen Einfluss auf die Entstehung bestimmter Krebserkrankungen haben. Zu den ernährungsbedingten Risikofaktoren zählen:

Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Belege, dass das Vermeiden dieser Faktoren eine bereits bestehende Krebserkrankung bessern kann.

Spezielle Ernährung bei Krebs?

Eine spezielle Ernährung bei Krebs ist in den meisten Fällen nicht nötig. Generell gilt jedoch: Was der Vorbeugung dient, kann auch den Allgemeinzustand während einer Erkrankung verbessern und weiteren Erkrankungen vorbeugen – auch wenn die Ernährung keinen direkten Einfluss auf den Tumor selbst hat. Daher ist es wichtig, sich auch während einer Krebserkrankung möglichst ausgewogen zu ernähren. Wer sich bisher eher ballaststoffarm und fettreich ernährt hat, profitiert nicht nur im Rahmen einer Erkrankung von einer Ernährungsumstellung.

Bei einigen Formen von Krebs (z.B. Magenkrebs oder Darmkrebs) kann jedoch – oft nur vorübergehend – eine individuell abgestimmte Diät nötig sein. Kommt es aufgrund der Krebserkrankung zu dauerhaften Einschränkungen, ist eine Ernährungsberatung sinnvoll.

Ernährung bei Brustkrebs

Eine spezielle Ernährung ist bei Brustkrebs nicht nötig. Hier gilt die allgemeine Regel, sich ausgewogen zu ernähren. Wird im Rahmen einer Brustkrebs-Erkrankung eine Hormontherapie durchgeführt, kann es in der Folge zu Übergewicht kommen. Hier sollte mit ärztlicher Hilfe überlegt werden, ob eine gewichtsreduzierende Diät möglich ist oder die Belastung dabei zu groß wäre.

Von hormonähnlichen Stoffen aus Pflanzen als Nahrungsergänzung, den sogenannten Phytoöstrogenen, wird bei Brustkrebs abgeraten.

Ernährung bei Lungenkrebs

Generell ist eine spezielle Ernährung bei Lungenkrebs nicht nötig. Lungenkrebs kann jedoch mit Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust einhergehen. Um den allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern und mögliche Nebenwirkungen einer Therapie gering zu halten, kann in solchen Fällen eine Ernährungsunterstützung durch Ärzte und Ernährungsexperten nötig sein. Unabhängig davon gelten die gleichen Regeln einer ausgewogenen Ernährung wie für Gesunde.

Ernährung bei Prostatakrebs

Eine spezielle Ernährung bei Prostatakrebs ist in der Regel nicht nötig, da der Tumor keine Auswirkung auf den Stoffwechsel oder das Gewicht hat. Als Nebenwirkung einer Strahlentherapie kann es jedoch vorübergehend zu Einschränkungen durch Übelkeit und Erbrechen kommen.

Ernährung bei Darmkrebs

Durch verschiedene Therapien (Operation, Chemotherapie, Bestrahlung) kann es bei Darmkrebs zu starkem Gewichtsverlust kommen, da die Behandlung einen großen Teil des Verdauungstrakts direkt beeinflusst. Daher ist zumindest vorübergehend häufig eine spezielle Ernährung bei Darmkrebs nötig, um den Darmtrakt zu schonen. Nach einer erfolgreichen Operation normalisiert sich das Gewicht mit der Zeit jedoch in der Regel wieder.

Auch ein künstlicher Darmausgang oder ein verkürzter Darm bedeuten nicht zwingend, dass eine spezielle Ernährung erforderlich ist. Häufig ist jedoch eine Ernährungsberatung sinnvoll, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten und den Verdauungstrakt nicht unnötig zu belasten.

Ernährung bei Magenkrebs

Eine spezielle Ernährung beziehungsweise Ernährungsunterstützung durch Ärzte und andere Fachleute ist bei Magenkrebs meistens nötig. Generell gilt bei Magenkrebs, dass die Nahrung langsam aufgenommen werden sollte. Vorteilhaft sind viele kleine Portionen über den Tag verteilt. Wichtig ist auch, dass die Nahrung nicht durch Getränke zusätzlich verdünnt wird. Da jedoch auch ausreichend Flüssigkeit aufgenommen werden muss, sollte besonders zwischen den Mahlzeiten viel getrunken werden. Ruhe nach dem Essen kann die Verdauung unterstützen.

In schweren Fällen von Magenkrebs kann es nötig sein, eine sogenannte perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) zu verlegen. Dabei handelt es sich um eine Sonde, die über die Bauchwand in den Magen führt und über die Spezialnahrung direkt zugeführt werden kann.

Ernährung bei Krebstherapie

Im Rahmen einer Krebstherapie ist meistens keine besondere Ernährung nötig. Die Krebstherapie kann jedoch vorübergehend die Ernährung beeinflussen. Medikamente sollten generell genau nach Vorgabe und nur mit Wasser eingenommen werden, da es sonst zu Neben- oder Wechselwirkungen kommen kann.

Ernährung vor Operation

Besonders wenn ein Krebspatient aufgrund seiner Erkrankung viel Gewicht verloren hat, kann vor einer Operation eine Ernährungstherapie nötig sein, um den Organismus für die Operation zu stärken. Meist reicht es aus, kalorienreiche Kost zu sich zu nehmen. In einigen Fällen muss jedoch Nahrung zugeführt werden, die den Verdauungstrakt nicht belastet. Dies kann in Form von Trinknahrung oder Infusionen geschehen.

Wurden Tumoren im Kopf-Hals-Bereich oder im Verdauungstrakt entfernt, wird in der ersten Zeit nach der Operation die Nahrung per Infusion oder Sonde zugeführt.

Ernährung bei Chemotherapie & Strahlentherapie

Im Rahmen einer Chemotherapie werden in der Regel Medikamente verabreicht, welche die Nebenwirkungen der Therapie, wie Übelkeit und Erbrechen, vermindern sollen. Diese können jedoch ihrerseits Nebenwirkungen wie gereizte Schleimhäute mit sich führen. Wird die Nahrungsaufnahme dadurch belastet, kann es helfen, bei der Ernährung während einer Chemotherapie auf Folgendes zu beachten:

  • Die Speisen können vorübergehend püriert werden.
  • Die Nahrung sollte nicht zu heiß sein.
  • Scharfkantiges sollte zeitweilig vermieden werden.
  • Gereizte Schleimhäute können vorübergehend mit speziellen Mundsprays leicht betäubt werden.

Selten ist im Rahmen einer Chemotherapie eine Magensonde notwendig.

Eine Strahlentherapie kann die Schleimhäute im gesamten Magen-Darm-Trakt reizen und zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen führen. Entzündungen im Mund können die Aufnahme fester Nahrung erschweren. Durch eine Strahlentherapie ausgelöste Speiseröhren-, Magenschleimhaut- oder Darmentzündungen lassen sich medikamentös behandeln. Wird der Verdauungstrakt bestrahlt, etwa im Rahmen einer Darmkrebs-Therapie, sollte nach ärztlicher Absprache zunächst nichts Blähendes oder schwer Verdauliches aufgenommen werden.

Ernährung bei Stammzelltherapie

Bei einer Stammzelltherapie wird das Immunsystem des Patienten regelrecht ausgeschaltet. Daher ist hier eine spezielle Ernährung nötig, die im Rahmen des stationären Aufenthalts von Ärzten und Ernährungsexperten vorgenommen wird.

Ernährung bei Schmerztherapie

Eine Schmerztherapie mit Opioiden oder Morphinen kann zu Nebenwirkungen wie Verstopfung führen, da der Darm durch die Wirkstoffe weniger beweglich ist. Eine spezielle Ernährung kann daran wenig ändern, auch Hausmittel wie Leinsamen oder mehr Ballaststoffe helfen hier nicht. Die Verstopfung sollte ärztlich abgeklärt werden und wird in der Regel mit rezeptpflichtigen Abführmitteln behandelt.

Ernährungstipps bei Krebs

Eine sogenannte "Krebsdiät" gibt es nicht – spezielle Ernährungsregeln bei Krebs machen nur in wenigen Ausnahmefällen (z.B. Magenkrebs, Darmkrebs oder Kopf-Hals-Tumoren) Sinn. Dennoch ist es möglich, den Allgemeinzustand während einer Krebserkrankung mithilfe der Ernährung zu verbessern und dadurch die Therapie günstig zu beeinflussen.

Besonders bei starkem Gewichtsverlust kann es nötig sein, zusätzlich zu der herkömmlichen Ernährung kalorienreiche Kost aufzunehmen, entweder in Form von entsprechenden Speisen oder durch sogenannte Astronautennahrung.

Kommt es durch die Erkrankung oder während der Krebstherapie zu Beschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen, können trockenes Gebäck (Knäcke- oder Toastbrot, Kekse, …) und kalte Kräutertees helfen.

Bei Kau- und Schluckbeschwerden kann es helfen, besonders weiche Speisen zuzubereiten oder die Nahrung vorübergehend zu pürieren. Auch Milchshakes oder Babynahrung können für die nötigen Kalorien sorgen.

Täglich sollten bis zu zwei Liter Flüssigkeit in Form von Wasser, Saftschorlen oder Kräutertees aufgenommen werden. Während einer Chemotherapie empfehlen Ärzte dann meist, mindestens drei Liter täglich zu trinken, um die Wirkstoffe möglichst rasch wieder auszuscheiden.

Ernährungshilfe bei Krebs

Eine Krebserkrankung kann – muss aber nicht – Probleme in der Ernährung mit sich bringen, die eine Ernährungshilfe nötig machen. Mögliche Beschwerden bei Krebs können sein:

Hier muss zunächst abgeklärt werden, ob die Probleme durch den Krebs oder die Krebstherapie verursacht werden oder eine andere Ursache haben, die behandelt werden muss.

Eine Ernährungshilfe bei Krebs ist nötig, wenn es zu einem ungewollten Gewichtsverlust von über zehn Prozent des Ausgangsgewichts kommt und die Nahrungsaufnahme nur 60 bis 80 Prozent der nötigen täglichen Kalorienzufuhr deckt oder unter 500 Kilokalorien (kcal) pro Tag liegt.

Da durch eine Tumorerkrankung der Kalorienumsatz stark ansteigen kann, sollte der persönliche Kalorienbedarf bei Krebspatienten ärztlich ermittelt werden, um eine individuelle Ernährungshilfe erstellen zu können. Um die individuelle Gestaltung zu unterstützen, können Nahrungsaufnahme, Beschwerden wie Durchfall und anderes in einem Ernährungstagebuch festgehalten werden.

Eine Ernährungshilfe kann unterschiedlicher Art sein:

  • Oral: Orale Ernährung bezeichnet die normale Nahrungsaufnahme über den Mund
  • Enteral: Der Begriff enteral bezeichnet die normale Nahrungspassage über Magen und Darmtrakt, das heißt der Verdauungstrakt wird nicht umgangen, wie es zum Beispiel bei Infusionen der Fall ist.
  • Parenteral: Bei der parenteralen Ernährung wird der Darm umgangen, indem Infusionen mit Nährstoffen direkt in den Blutkreislauf verabreicht werden.

Über eine Sonde über Mund oder Nase sowie über eine Sonde, die direkt über die Bauchwand in den Magen gelegt wird (perkutane endoskopische Gastrostomie = PEG), kann ergänzend oder ausschließlich sogenannte Astronautenkost verabreicht werden.

Nahrungsergänzung bei Krebs

Eine Nahrungsergänzung ist – auch bei Krebs – bei normaler, ausgewogener Ernährung in der Regel überflüssig. Nahrungsergänzungsmittel, die in Reformhäusern, Supermärkten und Apotheken erhältlich sind, sind häufig keine geprüften Arzneimittel. Das bedeutet, dass ihre Wirkung auf den Organismus nicht überprüft und Neben- oder Wechselwirkungen daher nicht oder nur unzureichend bekannt sind. Somit ist einerseits auch ihr Nutzen nicht belegbar, andererseits können sie unter Umständen bereits für gesunde Personen Risiken bergen.

Auch bei Krebs spielen Nahrungsergänzungsmittel in den meisten Fällen keine Rolle für die Ernährung, auch Vitaminpräparate nicht. Nur bei bestimmten Krebserkrankungen, wie beispielsweise Darmkrebs, kann die ergänzende Gabe von bestimmten Nährstoffen nötig sein. Diese erfolgt jedoch unter ärztlicher Aufsicht und in Form eines geprüften Arzneimittels. Nicht eindeutig geprüfte Mittel sollten nicht verwendet werden.

Phytoöstrogene

Phytoöstrogene sind Stoffe in Pflanzen und Lebensmitteln (wie Soja und Sojaprodukten), die körpereigenen Hormonen ähneln. Die häufige zu lesende Aussage, Phytoöstrogene könnten den Verlauf einer Krebserkrankung (besonders hormonell beeinflusster Krebsformen wie Brustkrebs) positiv beeinflussen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Im Gegenteil: Auch gesunden Frauen wird von der Einnahme von Phytoöstrogenen zur Nahrungsergänzung abgeraten, da es keine ausreichend gesicherten Daten zur Wirkung dieser Stoffe gibt.