Eine Frau bereitet ein Frühstück mit Müsli und Obst vor.
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Fructoseintoleranz (Fructoseunverträglichkeit)

Eine Fructoseintoleranz kann den Alltag belasten. Wer weiß, worauf er achten muss, kann jedoch oft ein fast beschwerdefreies Leben führen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Fructoseintoleranz: Überblick

Was ist Fructoseintoleranz?
Bei einer Fructoseintoleranz (Fructose­unverträglichkeit) führt in der Nahrung enthaltener Fruchtzucker (Fructose) zu Beschwerden. Das kann unterschiedliche Ursachen haben, die entweder mit der Aufnahme von Fructose aus der Nahrung oder dem Abbau der in der Nahrung enthaltenen Fructose zu tun haben.

Mediziner unterscheiden folgende Formen der Fructoseintoleranz:

  • Störung bei der Aufnahme von Fructose:
    • intestinale Fructoseintoleranz (auch alimentäre Fructoseintoleranz oder Fructosemalabsorption genannt)
  • Störungen beim Abbau von Fructose:
    • hereditäre Fructoseintoleranz
    • Fructosurie (essenzielle Fructosurie) und Fructosämie

Die häufigste Form der Fructoseunverträglichkeit ist die intestinale Fructoseintoleranz, die auch Fructose­malabsorption genannt wird. Der Begriff Fructosemalabsorption bedeutet dabei so viel wie "schlechte Fruchtzuckeraufnahme". Ursache hierfür ist vor allem eine Überlastung der Fructose-Transportproteine im Dünndarm. Diese entziehen dem Nahrungsbrei im Dünndarm normalerweise die enthaltene Fructose (Fruchtzucker), können jedoch nur eine bestimmte Dosis bewältigen.

Wird nun zu viel Fructose mit der Nahrung aufgenommen, sind die Transporter rasch ausgelastet. Ein Teil der Fructose verbleibt dadurch im Nahrungsbrei und wandert weiter bis in den Dickdarm. Hier beginnen die Bakterien der Darmflora damit, die Fructose abzubauen. Dabei entstehen Gase, die zu Blähungen und Bauchschmerzen führen können. Auch Durchfall ist bei intestinaler Fructoseintoleranz möglich, denn Fructose zieht Wasser aus den Darmzellen ins Darminnere, wodurch der Stuhl aufweicht.

Eine seltene Form der Fructoseunverträglichkeit ist dagegen die hereditäre Fructoseintoleranz. Sie entsteht durch einen angeborenen Mangel des Enzyms Aldolase B. Dieser führt dazu, dass Fructose in der Leber nicht richtig abgebaut werden kann und sich ein bestimmtes Zwischenprodukt (Fructose-1-Phosphat) ansammelt. Dieses Zwischenprodukt kann andere Stoffwechselkreisläufe hemmen und dadurch bei Säuglingen zu schwerwiegenden Symptomen führen, sobald diese nicht mehr ausschließlich gestillt werden. Enthält die Säuglingsnahrung Fructose oder Fructosequellen, kann das zu einer lebensbedrohlichen Unterzuckerung (Hypoglykämie) führen. Ohne Behandlung sind langfristig Organschäden die Folge.

Fructoseintoleranz: Symptome

Bei einer Fructoseintoleranz (Fructoseunverträglichkeit) können unterschiedliche Symptome auftreten, je nachdem, um welche Form es sich handelt.

Intestinale Fructoseintoleranz (Fructosemalabsorption)

Bei gut jedem zweiten Menschen mit intestinaler Fructoseintoleranz (auch alimentäre Fructoseintoleranz oder Fructosemalabsorption genannt) zeigen sich nach dem Genuss von Obst, Gemüse, Fruchtsäften oder anderen Lebensmitteln mit Fructose (Fruchtzucker) Symptome wie:

Die Symptome können dabei individuell verschieden sein. Welche Beschwerden genau auftreten und wie stark diese sind, hängt auch davon ab

  • wie viel Fructose der Betroffene mit der Nahrung aufgenommen hat,
  • in welchem Ausmaß die GLUT-5-Transporter im Dünndarm Fructose aufnehmen können und
  • aus welchen Bakterien sich die Darmflora zusammensetzt.

Auch ob gleichzeitig die Zucker Sorbit oder Glucose (Traubenzucker) aufgenommen wurden, kann sich auf die Symptome auswirken. Denn Sorbit kann ebenfalls zu Beschwerden einer Fructoseintoleranz führen beziehungsweise diese verstärken. Glucose hingegen erleichtert die Fructoseaufnahme eher und verringert daher in Kombination mit Fructose oft die Beschwerden.

Hereditäre Fructoseintoleranz

Die angeborene (hereditäre) Fructoseintoleranz ist sehr selten. Der damit einhergehende Enzymdefekt macht sich bei Neugeborenen bemerkbar, sobald nicht mehr ausschließlich gestillt wird und das Baby auch andere Nahrung erhält. Enthält die Nahrung (z.B. Früchte- oder Gemüsebrei) Fructose, Sorbit oder Haushaltszucker oder erhält das Baby Fruchtsäfte, sind verschiedene, teils lebensbedrohliche Symptome möglich, wie zum Beispiel:

Wird die hereditäre Fructoseintoleranz beim Neugeborenen nicht erkannt, kann es unbehandelt langfristig zu weiteren Symptomen kommen, wie:

  • Leberfunktionsstörungen (z.B. vergrößerte Leber, Leberzirrhose)
  • Nierenfunktionsstörungen
  • Knochenerweichung (Osteomalazie)

Fructose (Fruchtzucker)

Fructose (Fruchtzucker) besteht aus nur einem einzelnen Zuckermolekül. Aus diesem Grund zählt sie zu den Einfachzuckern (Monosacchariden). Fructose wird im Dünndarm mithilfe eines Transportproteins namens GLUT-5 aufgenommen, um diese dann an den Blutkreislauf abzugeben.

Über den Blutkreislauf gelangt Fructose weiter in die Leber, wo sie mithilfe von Enzymen abgebaut wird und in verschiedene Stoffwechselkreisläufe einfließt. Fructose liefert dem Körper unter anderem Energie und dient dem Aufbau spezieller Fette, den Triglyceriden. Im Unterschied zu Glucose (Traubenzucker) gibt es keinen Speicher für Fructose im Körper. Ein Abbau erfolgt auch, wenn kein Bedarf besteht.

Fructose kommt in verschiedenen Lebensmitteln natürlicherweise vor, insbesondere in Obst, Gemüse und Honig. Der Fructosegehalt von Obst und Gemüse ist je nach Sorte sehr unterschiedlich. Viel Fructose enthalten zum Beispiel Äpfel, Rosinen oder Kirschen. Auch der Reifegrad einer Frucht kann sich auf den Fructosegehalt auswirken: Mit zunehmender Reife steigt meist der Fructoseanteil, weil der ebenfalls enthaltene Zweifachzucker Saccharose während der Reifung in seine zwei Bestandteile aufgespalten wird: Glucose und Fructose.

Fructose kann die Blutfettwerte erhöhen

Im Unterschied zu Glucose verstoffwechselt der Körper Fruchtzucker ohne die Hilfe des Hormons Insulin (insulinunabhängig). Fructose galt daher lange Zeit als idealer Diabetikerzucker. Das sieht man inzwischen anders, denn ein übermäßiger Verzehr von Fructose kann bestimmte Blutfettwerte (die Triglyceride) erhöhen und so die Entstehung einer Fettleber begünstigen. Ein Risiko, das sonst vor allem bei hohem Alkoholkonsum besteht. Möglicherweise steigt durch ein Übermaß an Fructose auch das Risiko für starkes Übergewicht und krankhafte Fettleibigkeit (Adipositas), Gicht und Typ-2-Diabetes.

Da Fructose insulinunabhängig verstoffwechselt wird, macht sie außerdem nicht satt. Denn ob ein Sättigungsgefühl auftritt, hängt indirekt davon ab, wie viel Glucose sich im Blut befindet. Der Körper verstoffwechselt Glucose mit Hilfe von Insulin, als Folge steigt mit dem Angebot von Glucose im Blut auch die Konzentration von Insulin. Für den Körper ist dies ein Signal, das Hungergefühl zu dämpfen – und zwar durch ein Zusammenspiel der "Hungerhormone" Leptin und Ghrelin: Die Konzentration des hungerdrosselnden Leptins steigt, während die Konzentration des appetitanregenden Hormons Ghrelin sinkt. Der Verzehr von Fructose hat dagegen so gut wie keinen Einfluss auf die Regulation der Hungerhormone und macht deswegen nicht satt. Durch das fehlende Sättigungsgefühl fällt es daher manchem Menschen schwer, sich bei fructosegesüßten Speisen zurückzuhalten.

Fructose: Billig und süß

Fructose ist in der Herstellung billiger als Haushaltszucker (Saccharose, Kristallzucker) und besitzt eine größere Süßkraft. Aus diesem Grund nutzt die Industrie sie gern und setzt Fructose vielen Lebensmitteln zum Süßen bei. Mit Fructose gesüßte Lebensmittel findet man häufig in Verpackungen mit Aufschriften wie:

  • "weniger süß"
  • "weniger Zucker"
  • "mit Fruchtsüße"
  • "light"
  • "Diät-"

Fructose steckt in vielen Süßungsmitteln

Fructose versteckt sich außerdem in folgenden Süßungsmitteln:

  • Haushaltszucker (Saccharose): besteht aus Fructose und Glucose, wird aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr gewonnen
  • Honig: besteht vor allem aus Fructose und Glucose
  • Sorbit: Zuckeralkohol, der vom Körper in Fructose umgewandelt wird
  • Inulin: Mehrfachzucker, der vor allem aus Fructose besteht
  • Invertzucker: besteht aus Fructose und Glucose
  • Maissirup: auch Glucose-Fructose-Sirup oder High fructose corn syrup (HFCS) genannt; aus Maisstärke hergestelltes Zuckerkonzentrat; besteht überwiegend aus Fructose

Fructose: Im Übermaß auch ein Problem für Gesunde

Selbst Menschen ohne Fructoseintoleranz vertragen nur eine gewisse Menge Fruchtzucker, weil über den Dünndarm nur gewisse Mengen aufgenommen werden können. Der menschliche Darm ist im Grunde nicht für die Aufnahme großer Mengen Fruchtzucker gemacht. Ab Mengen von über 35 Gramm ist diese Grenze im Durchschnitt erreicht.

Allein durch den Verzehr von frischem Obst kommt es jedoch eher selten zu einer übermäßigen Fructoseaufnahme. Dennoch kann die Grenze im Alltag schnell erreicht sein – insbesondere, wenn man häufig gesüßte, industriell gefertigte Lebensmittel verzehrt oder trinkt. Gerade Fruchtsäfte – aber auch Mineralwässer mit Fruchtgeschmack oder Limonaden – haben häufig einen hohen Fructosegehalt. So kann es sein, dass man zum Beispiel bereits mit zwei Gläsern Apfelsaft mehr als 35 Gramm zu sich nimmt. Auch bei ansonsten Gesunden kann es dann durch ein Zuviel an Fructose zu Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall kommen.

Fructose in Blut und Urin: Fructosurie und Fructosämie

Wenn das Leber-Enzym Fructokinase nicht richtig funktioniert, kann der in der Nahrung enthaltene Fruchtzucker nicht abgebaut werden. Als Folge sammelt sich Fructose im Blut an (sog. benigne oder essenzielle Fructosämie) und wird vermehrt mit dem Urin ausgeschieden (sog. benigne Fructosurie).

Fructosurie und Fructosämie treten eher selten auf. Sie verursachen meist keine Beschwerden und sind in der Regel ein Zufallsbefund. Normalerweise haben sie keinen Krankheitswert und erfordern keine Behandlung.

Fructoseintoleranz: Ursachen

Eine Fructoseintoleranz (Fructoseunverträglichkeit) kann verschiedene Ursachen haben:

  • häufige Ursache: intestinale Fructoseintoleranz (Fructosemalabsorption), also eine ungenügende Aufnahme von Fructose aus dem Darm
  • seltene Ursache: hereditäre Fructoseintoleranz, also ein gestörter Abbau der aufgenommenen Fructose durch ein defektes Enzym

Intestinale Fructoseintoleranz (Fructosemalabsorption)

Eine intestinale Fructoseintoleranz (auch alimentäre Fructoseintoleranz oder Fructosemalabsorption genannt) entsteht, wenn ein bestimmtes Transportprotein im Dünndarm überlastet ist: der GLUT-5-Transporter. GLUT-5 transportiert bevorzugt Fructose aus dem Nahrungsbrei im Darminneren in die Dünndarmzellen, von wo aus der Fruchtzucker später in den Blutkreislauf übergeht.

Erfüllt der GLUT-5-Transporter seine Aufgabe nicht optimal, etwa weil er in zu geringer Zahl im Dünndarm vorkommt, weniger leistet oder wegen einer zu hohen Fructose-Dosis überlastet ist, kann der Körper nicht ausreichend Fructose aus der Nahrung aufnehmen.

Als Folge gelangen größere Mengen Fruchtzucker unverdaut in den Dickdarm und können dort Beschwerden verursachen. Denn im Dickdarm beginnen die Bakterien der Darmflora, die Fructose abzubauen und produzieren dabei auch Gase wie Methan, Kohlendioxid und Wasserstoff. Dadurch kann es zu Beschwerden wie Bauchschmerzen und Blähungen kommen.

Der Dünndarm hingegen ist normalerweise nicht oder kaum mit Bakterien besiedelt. Bei manchen Menschen liegt jedoch eine sogenannte Dünndarmfehlbesiedelung vor, die dazu führt, dass Fructose bereits im Dünndarm von Bakterien abgebaut wird und Gase entstehen.

Fructose hat im Dickdarm außerdem eine osmotische Wirkung, zieht also Wasser aus den umliegenden Darmzellen ins Darminnere. Das kann den Stuhl verflüssigen und weicher machen – und zu Durchfall führen.

Nur in seltenen Fällen ist ein GLUT-5-Defekt angeboren. Meist erwerben ihn Betroffene erst im Laufe ihres Lebens, etwa im Rahmen einer Erkrankung wie Morbus Crohn oder Zöliakie. Auch nach einem Magen-Darm-Infekt kann es zu einer Fructoseintoleranz kommen, in der Regel jedoch nur vorübergehend.

Wer Fructose nicht verträgt, sollte Sorbit meiden

Sorbit ist ein Zuckeralkohol, der in vielen Lebensmitteln (z.B. in Birnen, Pflaumen oder Äpfeln) natürlicherweise vorkommt, aber auch oft als Zusatzstoff (E 420) genutzt wird. Sorbit hemmt für kurze Zeit die Fructoseaufnahme aus dem Dünndarm. Dadurch gelangt mehr Fructose unverdaut in den Dickdarm. Außerdem kann Sorbit im Körper zu Fructose umgewandelt werden und so ebenfalls zu mehr Fructose im Körper führen.

Bei Menschen mit Fructoseintoleranz löst Sorbit daher unter Umständen bereits bei Fructosemengen Beschwerden aus, die sonst möglicherweise noch vom Körper toleriert werden. Für Betroffene kann es daher sinnvoll sein, auf den Sorbit-Gehalt in Lebensmitteln zu achten.

Glucose erleichtert die Aufnahme von Fructose

Glucose (Traubenzucker) kann die Kapazität des GLUT-5-Transporters verstärken. Das hat den Effekt, dass gleichzeitig mit Glucose verzehrte Fructose besser aus dem Dünndarm aufgenommen wird. Aus diesem Grund vertragen Betroffene mit intestinaler Fructoseintoleranz Haushaltszucker (Saccharose) meist noch recht gut. Denn Saccharose enthält zwar Fructose, gleichzeitig aber auch Glucose – die den Transport erleichtert.

Hereditäre Fructoseintoleranz

Ursache der seltenen hereditären Fructoseintoleranz ist ein angeborener Gendefekt, der zu einem Mangel des Enzyms Aldolase B führt. Als Folge des Enzymmangels

  • kann aus der Nahrung aufgenommene Fructose nicht richtig verdaut werden.
  • können andere Zucker, die zu Fructose umgebaut werden können (z.B. Sorbit) oder Fructose enthalten (z.B. Saccharose) nicht richtig verdaut werden.

Stattdessen sammelt sich das Zwischenprodukt Fructose-1-Phosphat in den Zellen der Dünndarmschleimhaut, Nieren und Leber an. Das kann schwere Folgen haben, denn Fructose-1-Phosphat greift in andere Kohlenhydratstoffwechsel ein und hemmt diese.

Für Neugeborene kann eine hereditäre Fructoseintoleranz lebensbedrohlich sein. Ohne Therapie besteht die Gefahr, dass Organe wie Nieren und Leber Schaden nehmen.

Fructoseintoleranz: Diagnose und Test

Um eine Fructoseintoleranz (Fructoseunverträglichkeit) nachzuweisen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Erster Hinweis für den Arzt sind die Beschwerden, die der Betroffene nach dem Verzehr von Lebensmitteln mit Fructose (Fruchtzucker) beschreibt.

Fructose-H2-Atemtest

Ob eine intestinale Fructoseintoleranz (auch alimentäre Fructoseintoleranz oder Fructosemalabsorption genannt) vorliegt, also der Körper des Betroffenen Fructose nicht richtig aufnehmen kann, zeigt sich mithilfe des Fructose-H2-Atemtests. Hierbei trinkt man auf nüchternen Magen eine fructosehaltige Testlösung. Danach misst der Arzt in regelmäßigen Abständen den Wasserstoffgehalt der ausgeatmeten Luft.

Wasserstoff entsteht, wenn der Körper Fructose im Dünndarm nicht richtig aufnehmen kann und diese unverdaut in den Dickdarm gelangt. Dort bauen die Bakterien der Darmflora die Fructose ab und produzieren dabei unter anderem Wasserstoff. Das Gas wird zum Teil über die Darmwand aufgenommen und gelangt so über den Blutkreislauf in die Lunge des Betroffenen.

Beim Fructose-H2-Atemtest wird neben dem Wasserstoffgehalt außerdem meist auch der Methangehalt bestimmt. Denn bei manchen Betroffenen kommt es vor, dass die Bakterien der Darmflora den Wasserstoff verstoffwechseln und Methan produzieren.

Ernährungsumstellung

Auch über eine Ernährungsumstellung lässt sich herausfinden, ob man Fructose verträgt oder nicht. Hierzu müssen Betroffene anfangs auf alle fructosehaltigen Lebensmittel verzichten. Nach und nach kommen dann fructosehaltige Lebensmittel wie Obst wieder auf den Speiseplan. Betroffene sollen dabei beobachten, ob und wann Beschwerden auftreten. Auf diese Weise findet man auch heraus, wie viel Fructose beschwerdefrei vertragen wird. Denn häufig vertragen Menschen mit intestinaler Fructoseintoleranz (Fructosemalabsorption) zwar nicht viel, aber doch wenigstens gewisse Mengen Fruchtzucker.

Weitere Untersuchungen

Ein Gentest oder eine Gewebeprobe (aus Leber, Dünndarm oder Nieren) kann zeigen, ob die seltene hereditäre Fructoseintoleranz vorliegt. Dies stellt sich in der Regel jedoch bereits im Säuglingsalter heraus.

Fructoseintoleranz: Therapie

Bislang gibt es keine ursächliche Therapie für die Fructoseintoleranz (Fructoseunverträglichkeit). Mithilfe einer Ernährungsumstellung und der Auswahl geeigneter Lebensmittel lässt sich jedoch die Zufuhr von Fructose (Fruchtzucker) sowie von anderen Zuckern verringern, die in Fructose umgewandelt werden können oder diese enthalten.

Therapie bei intestinaler Fructoseintoleranz (Fructosemalabsorption)

Bei einer intestinalen Fructoseintoleranz (auch alimentäre Fructoseintoleranz oder Fructosemalabsorption genannt) ist es in der Regel nicht notwendig, dauerhaft auf alle fructosehaltigen Lebensmittel zu verzichten. Denn viele Betroffene vertragen Fructose bis zu einem gewissen Grad.

Diese individuelle Toleranz lässt sich über eine zeitlich begrenzte Ernährungseinschränkung austesten, bei der man anfangs auf alle fructosehaltigen Lebensmittel verzichtet und anschließend, wenn die Symptome abgeklungen sind, nach und nach Lebensmittel wieder in den Ernährungsplan aufnimmt. Die individuelle Verträglichkeit von Fructose testen man dabei am besten in Zusammenarbeit mit einem Ernährungsberater aus.

Gut zu wissen: Betroffene mit Fructosemalabsorption müssen in der Regel nicht komplett auf Lebensmittel mit Fructose verzichten. Wie viel Fructose der Einzelne genau verträgt, lässt sich jedoch nicht allgemeingültig sagen und muss ausprobiert werden.

Auf Dauer ist bei einer Fructosemalabsorption eine ausgewogene Ernährung sinnvoll, die im Verhältnis eher Gemüse als Obst beinhaltet. Ziel ist es, nur so viel Fructose über die Nahrung aufzunehmen, dass der Körper nicht mit Beschwerden reagiert.

Obstsorten, die einen sehr hohen Fructose- oder Sorbitgehalt haben (z.B. Kirschen, Rosinen oder Äpfel), sollten Betroffene nur mit Vorsicht genießen oder ganz meiden. Insbesondere bei industriell gefertigten Lebensmitteln lohnt es sich zu prüfen, ob sie Fructose enthalten.

Tipps bei Fructosemalabsorption:

  • Fructose- oder sorbithaltiges Gemüse vertragen viele Betroffene besser, wenn es gegart ist.
  • Die Fructoseaufnahme von Obst kann verbessert werden, indem man Glucose (Traubenzucker), Milch oder Milchprodukte hinzugibt.
  • Obst wird oft besser vertragen, wenn man es über den Tag auf kleine Portionen verteilt, anstatt eine größere Portion auf einmal zu essen.

Therapie bei hereditärer Fructoseintoleranz

Menschen, die an der seltenen hereditären Fructoseintoleranz leiden – also einem angeborenen Gendefekt–, müssen lebenslang auf fructosehaltige Nahrungsmittel verzichten.

Sobald Betroffene eine fructosefreie Ernährung einhalten und auch auf andere Süßungsmittel verzichtet, die zu Fructose umwandelt werden können oder diese enthalten (z.B. Sorbit, Saccharose, Inulin, Honig, Invertzucker), bilden sich die Symptome rasch zurück.

Erlaubte Zucker bei hereditärer Fructoseintoleranz sind unter anderem

  • Glucose (Traubenzucker),
  • Lactose (Milchzucker) und
  • Maltose (Malzzucker)
  • sowie die Zuckeraustauschstoffe Xylit (E 967) und Mannit (E421).

Säuglinge mit hereditärer Fructoseintoleranz haben in der Regel keine Probleme, solange sie noch gestillt werden (Muttermilch enthält keine Fructose). Sobald der Säugling jedoch nicht mehr ausschließlich gestillt wird, gilt es aufzupassen. Im ersten Lebensjahr sollte das Kind kein Obst oder Gemüse verzehren. Um einen Vitaminmangel zu vermeiden, erhält das Kind Nahrungsergänzungsmittel. Auf fertige Breie sollte man verzichten, da diese Fructose enthalten können. Besser ist es, Breie selbst zuzubereiten.

Nach dem ersten Lebensjahr sind folgende Gemüse- und Obstsorten auch bei hereditärer Fructoseintoleranz häufig noch verträglich:

  • grüne Bohnen
  • Kopfsalat
  • Feldsalat
  • Chicorée
  • Löwenzahn
  • Brokkoli
  • Blumenkohl
  • Spargel
  • Gurken
  • Spinat
  • Erbsen
  • Pilze
  • Rettich
  • Radieschen
  • Weißkohl
  • Tomaten
  • Rhabarber
  • Zitronen

Verboten sind folgende Lebensmittel für Menschen mit hereditärer Fructoseintoleranz:

  • alle Süßigkeiten (z.B. Gebäck, Pudding, Eis, Schokolade)
  • alle gesüßten Lebensmittel, wie z.B.
    • gesüßte Milch- und Getreideerzeugnisse
    • gesüßte Wurstwaren
    • Dosenobst, Dosengemüse
    • Marmelade / Konfitüre
  • alle Obst- und Gemüsesorten, die nicht ausdrücklich erlaubt sind
  • Fruchtsäfte
  • Weißbrot
  • Vollkornbrot
  • Pumpernickel
  • Haushaltszucker
  • Diabetikerzucker
  • Invertzucker
  • Honig
  • Mayonnaise
  • Ketchup
  • Fertigsoßen
  • alle inulinhaltigen Lebensmittel (z.B. Topinambur, Artischocken)
  • alle Lebensmittel, die Sorbit natürlicherweise oder als Zusatzstoff (E 420) enthalten

Auch Tabletten enthalten oft Sorbit. Betroffene mit hereditärer Fructoseintoleranz sollten deshalb bei Medikamenten und auch bei Nahrungsergänzungsmitteln den Beipackzettel genau studieren und prüfen, woraus sich die Tabletten zusammensetzen. Hierbei ist zu beachten, dass verschriebene Medikamente nicht eigenmächtig, sondern nur in Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden sollten. Der Arzt kann bei der Suche nach Alternativen helfen.

Fructoseintoleranz: Fructose-Tabelle

Lebensmittel wie Obst und Gemüse enthalten natürlicherweise Fructose und teilweise auch Sorbit. Der Gehalt kann dabei je nach Sorte und Reifegrad sehr unterschiedlich sein. Betroffenen mit Fructoseintoleranz bieten folgende Tabellen mit Durchschnittswerten einen Überblick.

Fructose-Tabelle: Fructose- und Sorbitgehalt von Obst pro 100 g Lebensmittel (Beispiele)

Lebensmittel Fructosegehalt (g) Sorbitgehalt (g)
unter 1 g Fructose pro 100 g
Avocado 0,021 0
Papaya 0,336 0
Zucker- / Honigmelone 0,557 0
Limette 0,8 0
Aprikose 0,863 0,803
1 bis 3 g Fructose pro 100 g
Pfirsich 1,24 0,89
Mandarine 1,3 0
Brombeeren 1,35 0
Nektarine 1,79 0,087
Pflaume 2,02 1,42
Himbeeren 2,04 0,01
Erdbeeren 2,28 0,033
Grapefruit 2,53 0
Ananas 2,59 0
Orange / Apfelsine 2,87 0
Wassermelone 2,9 0
Banane 3,64 0
Johannisbeeren 3,8 0
über 4 g Fructose pro 100 g
Stachelbeeren 4,01 0
Heidelbeeren 4,07 0,007
Kiwi 4,41 0
Sauerkirsche 4,77 0
Apfel 5,74 0,514
Birne 6,75 2,17
Süßkirsche 6,16 0
Weintrauben 7,63 0,203
Dattel 31,3 0
Rosinen 32,8 0

Fructose-Tabelle: Fructose- und Sorbitgehalt von Gemüse pro 100 g Lebensmittel (Beispiele)

Lebensmittel Fructosegehalt (g) Sorbitgehalt (g)
unter 1 g Fructose pro 100 g
Steinpilz 0,027 0
Champignon 0,028 0
Endivien 0,051 0
frischer Spinat 0,11 0
Kartoffeln 0,148 0
Feldsalat 0,175 0
Erbsen 0,246 0
Sauerkraut 0,273 0
Kichererbsen 0,425 0
Chinakohl 0,427 0
Kopfsalat 0,53 0
grüne Bohnen 0,56 0
Radicchio 0,6 0
Sellerie 0,6 0
Eisbergsalat 0,628 0
Mangold 0,638 0
Radieschen 0,639 0
Zucchini 0,697 0
Chicorée 0,725 0
Wirsing 0,856 0
Gurke 0,878 0
Rosenkohl 0,888 0
Brokkoli 0,904 0
Blumenkohl 0,913 0
Grünkohl 0,99 0
über 1 g Fructose pro 100 g
Zwiebeln 1,08 0
Kohlrabi 1,11 0
Aubergine 1,12 0
Sojasprossen 1,12 0
Fenchel 1,14 0
Spargel 1,16 0
Porree / Lauch 1,16 0
grüne Paprika 1,19 0
Tomaten 1,3 0
Mohrrüben 1,32 0
Artischocken 1,5 0
Kürbis 1,56 0
Rotkohl 1,81 0
Weißkohl 1,87 0
dicke Bohnen 2,19 0
rote Paprika 3,74 0

Fructoseintoleranz: Verlauf

Wie eine Fructoseintoleranz (Fruchtzuckerunverträglichkeit) verläuft, hängt davon ab, welche Form beim Betroffenen vorliegt.

Intestinale Fructoseintoleranz (Fructosemalabsorption)

Ohne Behandlung treten bei Menschen mit intestinaler Fructoseintoleranz (auch alimentäre Fructoseintoleranz oder Fructosemalabsorption genannt) nach dem Verzehr von Fruchtzucker (Fructose) meist Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall auf.

Mit Behandlung nimmt eine intestinale Fructoseintoleranz jedoch in der Regel einen guten Verlauf und die Magen-Darm-Beschwerden lassen sich auf ein Minimum begrenzen. Oft lässt sich mit einer Ernährungsumstellung die Zufuhr von Fructose so weit verringern, dass ein überwiegend beschwerdefreies Leben möglich ist. Häufig ist es zudem gar nicht notwendig, dass man fruchtzuckerhaltige Nahrungsmittel ein Leben lang weglässt. Denn meist vertragen Betroffene Fruchtzucker in einem gewissen Maß.

Wie viel Fructose der Körper toleriert, kann (unter ärztlicher Anleitung) individuell ausgetestet werden. Vereinzelt tritt eine Fructoseintoleranz auch nur über einen gewissen Zeitraum auf, etwa kurz nach einem Darminfekt oder der Einnahme von Antibiotika.

Hereditäre Fructoseintoleranz

Eine hereditäre, also angeborene Fructoseintoleranz ist sehr selten und tritt bereits im Säuglingsalter auf. Diese Form der Fruchtzuckerunverträglichkeit bleibt das ganze Leben lang bestehen. Bereits kleine Mengen Fruchtzucker können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, sodass Betroffene eine Ernährung einhalten müssen, in der keinerlei Fructose vorkommt sowie auch keine anderen Süßungsmittel, die Fruchtzucker enthalten oder in diesen umgewandelt werden können. Hält der Betroffene diese Ernährungsregeln ein, ist ein fast beschwerdefreies Leben möglich.