Darmkrebs: Anzeichen, Heilungschancen und Lebenserwartung
Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Da zu Beginn kaum Symptome auftreten, wird er häufig erst spät erkannt. Dabei ist Darmkrebs bei frühzeitiger Behandlung in vielen Fällen heilbar. Lesen Sie, durch welche ersten Anzeichen sich Darmkrebs bemerkbar macht, welche Behandlung infrage kommt und wie Sie vorbeugen können.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.
FAQ: Häufige Fragen und Antworten zu Darmkrebs
Stuhltests für zu Hause können Hinweise auf verborgenes Blut im Stuhl liefern, das ein mögliches Anzeichen für Darmkrebs sein kann. Sie dienen jedoch eher der Orientierung und können Darmkrebs nicht sicher nachweisen oder ausschließen. Eine Vorsorgeuntersuchung ersetzen sie nicht. Bei einem auffälligen Ergebnis ist eine Darmspiegelung notwendig, um die Ursache abzuklären.
Afterjucken ist in der Regel kein typisches Anzeichen für Darmkrebs. Meist stecken harmlose Ursachen dahinter, etwa Hämorrhoiden, Hautreizungen, Ekzeme oder Infektionen. Selten kann es bei Analkrebs auftreten.
Nicht alle Polypen entwickeln sich zu Krebs. Bestimmte Polypen, vor allem sogenannte Adenome, können sich im Laufe von Jahren jedoch zu Krebs entwickeln. Deshalb werden die gutartigen Wucherungen bei einer Darmspiegelung in der Regel entfernt. Dadurch lässt sich das Risiko für Darmkrebs deutlich senken.
In einem frühen Stadium sind die Heilungschancen oft sehr gut. In fortgeschrittenen Stadien kann Darmkrebs jedoch lebensbedrohlich werden. Hat sich der Krebs bereits auf andere Organe ausgebreitet, ist eine Heilung oft schwieriger. Moderne Therapien können den Verlauf häufig verlangsamen und Beschwerden lindern.
Betroffene sterben meist nicht durch den Tumor selbst, sondern durch Folgen der Erkrankung. Mögliche Todesursachen sind dann etwa Organversagen durch Metastasen, ein Darmverschluss, schwere Infektionen oder eine starke Schwächung des Körpers.
Darmkrebs: Was ist ein kolorektales Karzinom?
Ist von Darmkrebs die Rede, ist damit in der Regel Krebs im Dickdarm gemeint. Tumoren im Dünndarm oder im Analbereich kommen wesentlich seltener vor, zudem werden sie anders behandelt.
Je nachdem, welcher Abschnitt des Dickdarms von Krebs befallen ist, unterscheiden Fachleute zwischen
- einem Rektumkarzinom und einem
- Kolonkarzinom.
Beim Rektumkarzinom befindet sich der Tumor im letzten Abschnitt des Dickdarms, im Mastdarm (Rektum).
Bei einem Kolonkarzinom hat der Krebs höhere Darmabschnitte befallen.
Rektumkarzinom und Kolonkarzinom werden unter dem Begriff kolorektales Karzinom zusammengefasst.
Häufigkeit von Darmkrebs
In Deutschland erkranken pro Jahr rund 55.000 Menschen an Darmkrebs. Die meisten Betroffenen sind älter als 50 Jahre, mehr als die Hälfte der Patient*innen ist älter als 70 Jahre.
Angebote zur Früherkennung nutzen
Etwa 9 von 10 der an Darmkrebs Erkrankten können geheilt werden, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird. Daher ist es besonders wichtig, die Angebote zur Früherkennung wahrzunehmen.
Anzeichen eines kolorektalen Karzinoms: Wie macht sich Darmkrebs bemerkbar?
Gerade im frühen Stadium von Darmkrebs fehlen oft typische Symptome. Das Karzinom entwickelt sich häufig über viele Jahre hinweg, ohne dass die Betroffenen Beschwerden bemerken.
Erste Symptome von Darmkrebs können sein:
- Blut im Stuhl: Sichtbare oder nicht sichtbare Blutbeimengungen im Stuhl können ein Hinweis auf Darmkrebs sein.
- Schleim im Stuhl:Tritt nur hin und wieder Schleim auf, ist das meist kein Grund zur Besorgnis. Ist dem Stuhl jedoch regelmäßig Schleim beigemengt, sollte dies Anlass für einen Besuch in der ärztlichen Praxis sein.
- Blähungen: Häufige Blähungen mit ungewolltem Abgang von Stuhl, Schleim oder Blut können ein mögliches Anzeichen für Darmkrebs sein.
- Bleistiftstuhl: Von Bleistiftstuhl spricht man bei sehr dünnem Stuhl, der bleistiftähnlich aussieht.
- Veränderungen beim Stuhlgang: Auffällig sind beispielsweise ungewöhnlich häufiger Stuhlgang, anhaltender Durchfall sowie Durchfall und Verstopfung im Wechsel.
- Das Gefühl der unvollständigen Darmentleerung: Besteht auch nach dem Stuhlgang weiterhin Stuhldrang, ohne dass noch Stuhl abgeht, sollte das ärztlich abgeklärt werden.
- Wiederkehrende Bauchschmerzen: Treten häufig Bauchschmerzen und/oder Schmerzen beim Stuhlgang auf, ist das ein möglicher Hinweis auf Darmkrebs.
- Gewichtsverlust:Tritt Gewichtsverlustohne erkennbaren Grund auf, sollte das immer ärztlich abgeklärt werden.
- Blutarmut (Anämie): Durch innere Blutungen kann es zur Blutarmut kommen. Diese macht sich etwa durch Müdigkeit, Schwindel und Konzentrationsschwäche bemerkbar.
- Afterjucken: Ein ständiger Juckreiz in der Aftergegend kann selten ein Symptom bei Rektumkarzinom oder Analkrebs sein.
Jede dieser Beschwerden kann auch harmlose Ursachen haben. Dennoch sollte bei Unregelmäßigkeiten zur Sicherheit ein Besuch in der ärztlichen Praxis erfolgen.
Wie sieht Blut im Stuhl bei Darmkrebs aus?
Bei Darmkrebs ist das Blut im Stuhl häufig zunächst nicht sichtbar, da es nur in geringen Mengen auftritt. Dieses sogenannte okkulte Blut lässt sich ausschließlich in einem Stuhltest nachweisen.
Ist Blut im Stuhl sichtbar, kann dieses sowohl dunkel sein und den Stuhl schwarz färben (Teerstuhl), als auch hellrot sein. Ist der Stuhl schwarz (Teerstuhl) stammt das Blut vermutlich eher aus dem Magen oder dem Zwölffingerdarm. Das Blut ist in diesem Fall bereits oxidiert, also durch den Kontakt mit Sauerstoff und Verdauungssäften chemisch verändert.
Dunkelrotes Blut, das dem Stuhl gleichmäßig beigemischt ist, könnte auf eine Blutung am Anfang des Dickdarms hinweisen und ein Hinweis auf einen Tumor sein. Helles Blut, das dem Stuhl aufgelagert ist, spricht für eine frische Blutung im Enddarm. Es tritt meist bei vergrößerten Hämorrhoiden oder Polypen auf. Manchmal ist es aber auch auf einen Tumor an dieser Stelle zurückzuführen. In jedem Fall sollte die Ursache der Blutung ärztlich abgeklärt werden.
Darmkrebs: Ursachen und Risikofaktoren
Ein kolorektales Karzinom entwickelt sich, wenn Zellen in der Schleimhaut des Dickdarms entarten und sich unkontrolliert teilen. Neben genetischen Einflüssen spielen bei der Entstehung von Darmkrebs auch Umwelteinflüsse eine Rolle. Mit höherem Alter entstehen zudem eher Fehler bei der Zellteilung, was das Risiko für eine Entartung erhöht.
Darmpolypen können sich zu Darmkrebs entwickeln
Darmkrebs entsteht in der Regel nicht plötzlich, sondern entwickelt sich schleichend über viele Jahre hinweg. In den meisten Fällen geht er aus sogenannten Darmpolypen hervor. Dabei handelt es sich um kleine, meist gutartige Vorwölbungen der Darmschleimhaut. Einige dieser Polypen, insbesondere sogenannte Adenome, können sich im Laufe der Zeit zu Krebs entwickeln. Wer solche Polypen hat, hat ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs.
Erbliche Vorbelastung
Ein erbliches Darmkrebsrisiko besteht, wenn Verwandte ersten Grades wie Eltern oder Geschwister erkrankt sind. Das gilt vor allem, wenn diese bei Erkrankungsbeginn jünger waren als 50 Jahre.
Bei etwa zehn Prozent der Patient*innen lassen sich eindeutig bestimmte Genveränderungen als Ursache für Darmkrebs nachweisen:
- Beim hereditären nicht-polypösen Kolonkarzinom (HNPCC, auch: Lynch-Syndrom) können sich vorhandene Polypen aufgrund einer Genveränderung besonders rasch zu Darmkrebs entwickeln.
- Bei der familiären adenomatösen Polyposis (FAP) bilden sich sehr viele Polypen, was unbehandelt im Laufe der Zeit fast immer zu Darmkrebs führt. Diese Form tritt jedoch sehr selten auf.
Weitere Risikofaktoren für Darmkrebs
Langjährige chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn erhöhen das Risiko für Darmkrebs. Das gilt vor allem, wenn diese Krankheiten schon über viele Jahre hinweg bestehen und wenn große Teile des Darms davon betroffen sind.
Einige Gewohnheiten, die das Risiko für Darmkrebs erhöhen, lassen sich beeinflussen. Dazu gehören:
- eine ungünstige Ernährung mit wenig Ballaststoffen, viel Fett und viel rotem und verarbeitetem Fleisch
- starkes Übergewicht und Bewegungsmangel
- Rauchen
- Alkoholkonsum
Darmkrebs: Behandlung und Therapiemöglichkeiten
Bei Darmkrebs richtet sich die Behandlung insbesondere danach,
- wie schnell der Tumor wächst,
- wie sehr er sich in umliegendes Gewebe ausgebreitet hat,
- ob er bereits Lymphknoten befallen oder Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet hat,
- und wie der Allgemeinzustand der Person ist.
Operation bei Darmkrebs
Die Operation ist die wichtigste Behandlungsmethode bei Darmkrebs. In frühen Stadien ist eine Heilung oft möglich, wenn der betroffene Darmabschnitt entfernt wird. Dabei wird versucht, das Tumorgewebe samt der dazugehörigen Lymphknoten, Lymphabflüsse und versorgenden Blutgefäße möglichst vollständig zu entfernen. Gleichzeitig wird die Bauchhöhle gründlich untersucht, um mögliche Tochtergeschwülste ausfindig zu machen.
Operation beim Kolonkarzinom
Bei Krebs in höheren Abschnitten des Dickdarms (Kolonkarzinom) reicht es häufig, einen Teil des Dickdarms zu entfernen und die Enden aneinanderzunähen. Wie umfangreich die Operation ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel von der Größe und der Lage des Tumors, aber auch von der Blutversorgung des Darms. Wichtig ist, dass die wiedervereinigten Darmenden gut durchblutet bleiben. Sind durch den Darmtumor auch andere Organe in Mitleidenschaft gezogen, etwa weil der Tumor in sie hineinwächst, kann es nötig sein, Teile davon ebenfalls zu entfernen.
Operation beim Rektumkarzinom
Beim Rektumkarzinom hängt die Operation stark von der Lage des Tumors ab. Häufig kann der Schließmuskel erhalten werden. Liegt der Tumor sehr nahe am Darmausgang, kann es jedoch notwendig sein, den betroffenen Darmabschnitt vollständig zu entfernen.
Um die Chancen auf einen schließmuskelerhaltenden Eingriff zu verbessern, wird der Tumor häufig vor der Operation durch eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie verkleinert (Radiochemotherapie).
Manchmal nötig: ein künstlicher Darmausgang
Gelingt es bei einer Operation des Enddarms nicht, den Schließmuskel zu erhalten, ist möglicherweise ein dauerhafter, künstlicher Darmausgang (Stoma) nötig.
Auch in anderen Fällen ist manchmal ein künstlicher Darmausgang sinnvoll, jedoch in der Regel nur vorübergehend. Dabei wird ein Teil des Darms, der vor der operierten Stelle liegt, nach außen verlagert. So kann sich der operierte Darmabschnitt leichter regenerieren. Ist die Wunde verheilt, kann das Stoma oft wieder in den Bauch zurückverlegt werden, sodass die normale Darmpassage wiederhergestellt ist.
Wann ist eine Chemotherapie bei Darmkrebs sinnvoll?
Ob eine Chemotherapie sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden. In einem frühen Stadium ist sie häufig nicht nötig oder wird nur beim Vorliegen bestimmter Risikofaktoren empfohlen. Sie kann zu verschiedenen Zwecken zum Einsatz kommen:
- Adjuvante Therapie: Chemotherapie nach einer Operation, um verbliebene Krebszellen abzutöten. Mithilfe der Chemotherapie kann das Risiko eines Rückfalls in vielen Fällen deutlich gesenkt werden.
- Neoadjuvante Therapie: Chemotherapie vor einer Operation, um große Tumoren zu verkleinern. Erst dadurch ist eine Operation manchmal überhaupt erst möglich.
- Palliative Therapie: Hat der Krebs bereits gestreut und ist nicht heilbar, kann eine Chemotherapie den Verlauf der Darmkrebserkrankung verlangsamen und Beschwerden lindern.
Bei einer Chemotherapie erhält die betroffene Person Zytostatika. Diese Medikamente hemmen vor allem das Wachstum von Zellen, die sich rasch teilen. Dazu zählen insbesondere Krebszellen. Allerdings werden teilweise auch gesunde Zellen angegriffen. Das kann zu den typischen Nebenwirkungen wie Durchfall, Blutbildveränderungen oder Haarausfall führen.
Die Chemotherapie erfolgt meist als Infusion über die Vene und wird in regelmäßigen Abständen wiederholt. Häufig werden mehrere Wirkstoffe kombiniert, zum Beispiel Oxaliplatin und 5-Fluorouracil. Manche Medikamente wie Capecitabin können auch als Tabletten eingenommen werden.
Strahlentherapie bei Darmkrebs
Bei einer Strahlentherapie zerstören hochenergetische Strahlen Krebszellen. Sie wirkt gezielt an einer bestimmten Stelle. Eine Strahlentherapie kann vor allem bei Personen mit Rektumkarzinom vor oder nach einer Operation geeignet sein – auch in Kombination mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie):
- Vor einer Operation kann die Strahlentherapie einen Tumor möglicherweise verkleinern, sodass der Krebs besser operiert werden kann.
- Nach einer Operation kann die Bestrahlung insbesondere bei einem Rektumkarzinom sinnvoll sein, um zu verhindern, dass sich erneut ein Tumor an derselben Stelle bildet.
Eine Bestrahlung kann bei Darmkrebs aber auch infrage kommen, um Tochtergeschwülste gezielt zu behandeln. Zu möglichen Nebenwirkungen der Strahlentherapie zählen Durchfall, Bauchschmerzen, Blasenentzündung und Hautreizungen.
Zielgerichtete Therapien und Immuntherapie
Bei fortgeschrittenem Darmkrebs kommen neben der Chemotherapie auch sogenannte zielgerichtete Therapien zum Einsatz. Dazu gehören unter anderem Antikörper, die gezielt in Wachstumsprozesse von Tumorzellen eingreifen.
Sie richten sich beispielsweise gegen bestimmte Signalwege, die für das Wachstum und die Blutversorgung des Tumors wichtig sind.
Bei bestimmten Tumoreigenschaften kann außerdem eine Immuntherapie infrage kommen. Dabei wird das körpereigene Immunsystem gezielt aktiviert, um Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen.
Welche dieser Therapien geeignet ist, hängt von den individuellen Eigenschaften des Tumors ab.
Ergänzende Verfahren
In bestimmten Situationen, etwa bei fortgeschrittenem oder bereits gestreutem Darmkrebs, können ergänzend Verfahren wie die sogenannte Hyperthermie eingesetzt werden. Dabei wird das Tumorgewebe gezielt erwärmt, um die Wirkung anderer Therapien zu unterstützen.
Prognose und Verlauf: Ist Darmkrebs heilbar?
Bei Darmkrebs hängen Verlauf und Prognose vor allem damit zusammen,
- wie groß der Tumor ist,
- wie schnell er wächst,
- ob Tochtergeschwülste in anderen Organen (Fernmetastasen) vorhanden sind und
- wie zeitig der Krebs erkannt wird.
Kann der Tumor in einer Operation samt angrenzender Lymphknoten komplett entfernt werden, sind die Heilungsaussichten hoch.
Je früher Darmkrebs im Dickdarm erkannt wird, desto besser ist auch die Prognose. Erfolgen Diagnose und Behandlung in einem frühen Stadium, ist die Überlebensrate sehr hoch. Haben sich bereits Metastasen gebildet, spricht das für ein bereits fortgeschrittenes Erkrankungsstadium.
Darmkrebs im Endstadium: Lebenserwartung
Von einem Tumor im Endstadium spricht man im UICC-Stadium IV – der Krebs hat zu diesem Zeitpunkt bereits andere Organe befallen. Eine Heilung ist dann häufig nicht mehr möglich. Allerdings kann eine Chemotherapie Lebensqualität und Lebenserwartung erhöhen.
Mögliche Komplikationen
Komplikationen können vor allem im fortgeschrittenen Stadium von Darmkrebs entstehen:
- Blutet der Tumor stark, kann sich eine Blutarmut (Anämie) entwickeln.
- Wächst der Tumor sehr schnell, kann die Stuhlpassage erschwert oder unmöglich werden – ein Darmverschluss kann entstehen. Dies macht eine rasche Operation oft unumgänglich.
- Eine sofortige Operation ist ebenfalls notwendig, wenn der Tumor die äußere Darmwand durchbrochen hat und Darminhalt in den offenen Bauchraum gelangt. Dabei entstehen starke, plötzlich einsetzende Schmerzen und es kann sich eine Bauchfellentzündung entwickeln.
Mögliche Rückfälle
Auch wenn der Darmkrebs geheilt wurde, kann es sein, dass er erneut auftritt. Die meisten Rückfälle gibt es innerhalb der ersten zwei bis drei Jahre.
Nachsorge
Nach der Behandlung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, um ein eventuelles Wiederauftreten der Erkrankung frühzeitig zu erkennen. In den ersten Jahren erfolgen diese in kürzeren Abständen, später können die Intervalle verlängert werden.
Darmkrebs erkennen: So erfolgt die Diagnose
Es gibt verschiedene Untersuchungen, die bei Verdacht auf Darmkrebs zur Diagnose führen können.
Stuhluntersuchung
Immunologische Stuhltests (iFOBT) können verborgenes Blut im Stuhl nachweisen. Sie werden vor allem zur Früherkennung eingesetzt. Ein auffälliges Ergebnis muss jedoch durch eine Darmspiegelung abgeklärt werden.
Die Darmspiegelung bringt Gewissheit
Die sicherste Methode, um Darmkrebs zu diagnostizieren oder auszuschließen, ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Denn mit ihr lässt sich der gesamte Dickdarm untersuchen.
Dafür schiebt die*der Ärzt*in einen biegsamen Schlauch durch den After in den Darm. Am Ende des Schlauchs befindet sich eine kleine Kamera, die Bilder an einen Monitor überträgt. Während der Spiegelung können aus verdächtigen Bereichen Gewebeproben entnommen (Biopsie) und anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden. Kleine Adenome (gutartige Wucherungen) lassen sich während der Darmspiegelung direkt entfernen.
Eine Darmspiegelung kann in der Regel ambulant in einer gastroenterologischen Praxis oder einer Klinik vorgenommen werden und dauert etwa 15 bis 20 Minuten.
Virtuelle Darmspiegelung
Eine weitere Untersuchungsmethode ist die virtuelle Kolonographie. Dabei werden einzelne Darmabschnitte mithilfe einer Computertomographie oder einer Magnetresonanztomographie auf dem Computer dargestellt. Wie bei der herkömmlichen Darmspiegelung ist es bei der virtuellen Koloskopie notwendig, dass der Darm vor der Untersuchung mithilfe eines Abführmittels entleert wird.
Die virtuelle Kolonographie kann sinnvoll sein, wenn eine Darmspiegelung nicht möglich ist, zum Beispiel aufgrund von Verwachsungen im Bauchraum. Allerdings können dabei keine Gewebeproben entnommen oder Polypen entfernt werden.
Nach der Diagnose: Weiterführende Untersuchungen
Hat sich der Verdacht auf Darmkrebs bestätigt, sind weitere Untersuchungen notwendig. Es ist wichtig, die Größe und Ausbreitung des Tumors genau zu beurteilen. Auch wird untersucht, ob Lymphknoten befallen sind und sich möglicherweise Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen gebildet haben. Wenn sich bei Darmkrebs Metastasen bilden, dann häufig in der Leber oder in der Lunge.
Folgende Untersuchungen sind wichtig, um die Therapie zu planen:
- Tumormarker: Bei einigen Patient*innen ist ein bestimmter Tumormarker im Blut erhöht: der sogenannte CEA-Wert (CEA = Carcinoembryonales Antigen). Der Wert dient vor allem der Kontrolle von Krebserkrankungen, weniger der Erstdiagnose. Eine plötzlich erhöhte Konzentration im Vergleich zum Ausgangswert kann nach der Therapie beispielsweise auf einen Rückfall hinweisen.
- Bildgebende Verfahren: Zur Beurteilung möglicher Metastasen wird in der Regel eine Computertomographie (CT) des Brust- und Bauchraums durchgeführt.
- Ultraschall des Bauchs: Eine Ultraschalluntersuchung kann ergänzend Hinweise auf Metastasen in der Leber liefern.
- Untersuchung des Enddarms (digital-rektale Untersuchung): Wächst der Tumor sehr weit unten im Darm, lässt sich mit einer Tastuntersuchung oft abschätzen, inwieweit der Schließmuskel nach einer Operation noch intakt sein wird.
Bei Krebs im Enddarm kann außerdem eine Rektoskopie sinnvoll sein. Dabei wird der letzte Darmabschnitt mit einem starren, etwa 20 bis 30 Zentimeter langen Rohr gespiegelt. So lässt sich genau ermitteln, wo sich der Tumor befindet.
Darmkrebs-Stadien
Fachleute teilen Darmkrebs in unterschiedliche Stadien ein. Dabei orientieren sie sich unter anderem an dem sogenannten TNM-System. Je weiter sich Darmkrebs ausgebreitet hat, desto höher ist auch das Stadium.
- T wie "Tumor": Der Buchstabe T gibt an, wie sehr der Tumor in die Darmwand und umliegendes Gewebe gewachsen ist. Je nachdem, wie ausgedehnt der Tumor ist, vergibt die*der Ärzt*in bei der Diagnose die Bezeichnungen T1, T2, T3 oder T4.
- N wie "Nodes" (= Lymphknoten): Der Buchstabe N gibt Auskunft darüber, ob Lymphknoten vom Krebs befallen sind. N0 heißt, dass keine Lymphknoten befallen sind, N1 bedeutet, dass ein bis drei benachbarte Lymphknoten befallen sind; sind vier oder mehr Lymphknoten betroffen, lautet die Bezeichnung N2.
- M wie "Metastasen": Der Buchstabe M gibt an, ob Tochtergeschwülste (Metastasen) vorhanden sind. M1 bedeutet, dass Metastasen vorliegen, M0 heißt, dass Metastasen fehlen.
Auf Grundlage der TNM-Klassifikation werden die sogenannten UICC-Stadien (Union Internationale Contre le Cancer, UICC-Stadien) eingeteilt. Stadium 0 der UICC bedeutet eine Vorstufe von Darmkrebs (Carcinoma in situ). Beim UICC-Stadium IV ist der Krebs weit fortgeschritten und es liegen Tochtergeschwulste in anderen Organen vor (Fernmetastasen).
Darmkrebs vorbeugen: Vorsorge und Risikofaktoren
Das Risiko für Darmkrebs lässt sich senken, wenn die Angebote zur Früherkennung wahrgenommen und mögliche Risikofaktoren minimiert werden.
Wer das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, senken möchte, sollte
- auf eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Ballaststoffen achten.
- rotes und verarbeitetes Fleisch und Fett nur in Maßen genießen und stattdessen häufiger zu Gemüse und Salat greifen.
- körperlich aktiv bleiben und Übergewicht vermeiden.
- auf Rauchen verzichten.
- übermäßigen Alkoholkonsum vermeiden.
Früherkennung: Darmkrebs im Frühstadium entdecken
Wenn Darmkrebs frühzeitig erkannt wird, sind die Heilungschancen hoch. Daher ist die Früherkennung besonders wichtig.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Darmkrebsfrüherkennung ab dem 50. Lebensjahr:
- Ab dem 50. Lebensjahr besteht ein Anspruch auf zwei vollständige Darmspiegelungen im Abstand von mindestens 10 Jahren.
- Alternativ kann ein immunologischer Stuhltest durchgeführt werden (immunologischer fäkaler Stuhltest, iFOBT). Dabei wird eine kleine Stuhlprobe entnommen und im Labor auf nicht sichtbares Blut untersucht. Der Test kann meist zu Hause durchgeführt werden. Für die Auswertung wird die Probe anschließend in eine ärztliche Praxis oder ein Labor geschickt. Ein Anspruch besteht jährlich zwischen dem 50. und 54. Lebensjahr, ab dem 55. Lebensjahr alle 2 Jahre.
Diese Empfehlungen gelten für Personen ohne erhöhtes Darmkrebsrisiko. Bei erhöhtem Risiko oder Beschwerden sind individuelle Untersuchungen notwendig.