Pimozid

Allgemeines

Pimozid wird bei chronischen Psychosen wie beispielsweise Schizophrenie eingesetzt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • die Rezeptoren für Dopamin teilweise besetzen
  • für ein Überangebot an Dopamin an der Nervenschaltstelle sorgen
  • Angst lösen
  • Halluzinationen und Wahnideen unterdrücken

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Pimozid im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Pimozid nicht verwendet werden?

Pimozid darf nicht angewendet werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Zuständen, die mit einer schweren Dämpfung der Gehirnfunktion einhergehen wie Koma, akuten Alkohol-, Schmerz-, Schlafmittel- oder Psychopharmaka-Vergiftungen
  • Parkinson-Krankheit
  • Depressionen
  • Herzrhythmusstörung im Sinne einer QT-Verlängerung (angeboren oder auch bei Familienangehörigen), durch Medikamente oder Mangel an Magnesium und Kalium im Blut verursacht
  • oder Torsade de pointes in der Vorgeschichte.
  • Verhaltensstörungen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen.
Folgende Personengruppen sollten Pimozid nur verordnet bekommen, wenn der Arzt zunächst eine Nutzen-Risiko-Abwägung vorgenommen hat:
  • ältere Menschen mit Demenz, weil diese ein höheres Todesrisiko haben
  • Patienten, die ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko haben, weil Pimozid dieses verschärfen könnte
  • Menschen mit einem erhöhten Risiko für Venenverstopfungen, weil diese bei der Therapie mit Neuroleptika häufiger vorkommen
  • Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen, weil Pimozid diese verschlimmern kann
  • Menschen mit einer Neigung zu Krampfanfällen, weil Pimozid diese verstärken kann
  • Personen, bei denen das Enzym CYP2D6 verzögert arbeitet (Ihr Körper baut Pimozid langsamer ab. Daher besteht bei ihnen ein erhöhtes Risiko für Überdosierungen.)
  • Menschen mit Lebererkrankungen, da die Leber Pimozid verstoffwechselt
Riskant ist eine Therapie mit Pimozod auch, wenn Patienten Tätigkeiten ausüben oder Medikamente einnehmen, die die Körpertemperatur erhöhen, da der Wirkstoff die Regulierung der Körpertemperatur stört.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Tierexperimente haben gezeigt, dass Pimozid die Nachkommen schädigen kann. Ob dieses Risiko auch beim Menschen besteht, ist nicht bekannt. Deshalb sollten Frauen im gebärfähigen Alter, insbesondere während des ersten Schwangerschafts-Drittels, Pimozid nicht einnehmen. Es sei denn, der Arzt hält den zu erwartenden Nutzen für die Patientin für höher als das mögliche Risiko für das Ungeborene.

Bei Neugeborenen, die im letzten Schwangerschafts-Drittel Pimozid ausgesetzt waren, können nach der Entbindung Nebenwirkungen von unterschiedlicher Schwere und Dauer erleiden. Auch Entzugserscheinungen sind möglich. Der Arzt sollte betroffene Neugeborene daher sorgfältig überwachen.

Pimozid gelangt in die Muttermilch und kann dort höhere Konzentrationen als im Blut der Mutter erreichen. Deshalb dürfen Mütter während der Behandlung mit Pimozid nicht stillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Auch Kinder und Jugendliche können Pimozid anwenden. Allerdings sind die Erfahrungen bei Kindern unter drei Jahren sehr begrenzt. Die empfohlene Dosierung bei Kindern und Jugendlichen sollte die Hälfte der Dosis für erwachsene Patienten nicht überschreiten.

Welche Nebenwirkungen kann Pimozid haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Pimozid. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Schwindel, Schläfrigkeit, vermehrtes Schwitzen, nächtlicher Harndrang

Häufige Nebenwirkungen:
Essensverweigerung, Schlaflosigkeit, Depression, Aufregung, Ruhelosigkeit, Kopfschmerzen, Zittern, Teilnahmslosigkeit, ungewollte Bewegungen, Sitzunruhe, verschwommenes Sehen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Erbrechen, vermehrter Speichelfluss, Überfunktion der Talgdrüsen, Muskelsteifigkeit, häufiges Wasserlassen, Erektionsstörungen, Erschöpfung, Gewichtszunahme

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Angst, Bewegungsstörungen (verzögert, zackig, falsche Bewegungen), mangelnde Muskelspannung, Sprechstörungen, Augenverdrehen, Juckreiz, Hautausschlag, fehlende Monatsblutung, Gesichtsschwellung

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Blickkrampf, Übelkeit, vereinzelte Monatsblutung

Nebenwirkunge unbekannter Häufigkeit:
Blutzucker-Überschuss (bei zuckerkranken Patienten), vermehrte Ausschüttung des Hormons Prolaktin, Natrium-Mangel im Blut (zusammen mit Mangel an dem Hormon ADH und psychisch bedingtem Durst), malignes neuroleptisches Syndrom, epileptischer Anfall, Bewegungsstörungen nach der Therapie, Torsade de pointes, Kammerflimmern, Kammerrasen, Venenverstopfungen (auch in der Lunge und den Beinen), Nesselsucht, Nackensteifigkeit, Zucker im Urin, Entzugserscheinungen bei Neugeborenen, verminderte Libido, krankhafter Milchfluss, Brustschwellung, verminderte Körpertemperatur, QT-Verlängerung, unnormales EEG

Besonderheiten:
Ein malignes neuroleptisches Syndrom äußert sich durch Fieber, Muskelsteife und Bewusststeinsstörungen. Patienten, die Fieber haben, ohne dass es dafür eine erkennbare Ursache gibt, sollten ihrem Arzt dies mitteilen.

Treten während einer Langzeittherapie ungewollte Bewegungen des Gesichts, der Zunge, Mund, Kiefer oder Gesicht auf, muss die Behandlung so schnell wie möglich abgebrochen werden

Wenn der Patient die Behandlung plötzlich beendet, kann es passieren, dass ihm übel wird, er sich erbrechen muss, er nicht schlafen kann oder er vorübergehend die Kontrolle über seine Bewegungen verliert. Um dies zu vermeiden, ist es sinnvoll, die Therapie "ausschleichend" zu beenden, also die Dosierung langsam zu senken.

Weil der Wirkstoff die Regulation der Körpertemperatur beeinträchtigt, sollte der Patient anstrengende körperliche Betätigung und extreme Hitze vermeiden und ausreichend trinken.

Welche Wechselwirkungen zeigt Pimozid?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Grundsätzlich sind Wechselwirkungen mit allen Wirkstoffen, die auf das Gehirn einwirken, möglich. Insbesondere kann sich durch die Therapie mit Pimozid die Wirkung von Barbituraten oder opioiden Schmerzmitteln auf das Atemzentrum (Störung der Atemfunktion) verstärken.

Wenn der Patient während der Therapie mit Pimozid Alkohol trinkt, kann dies sein Reaktionsvermögen zusätzlich beeinträchtigen.

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Blutdrucksenkern kann deren Wirkung verstärkt werden.

Epileptiker dürfen die Behandlung mit Antiepileptika nicht unterbrechen, denn wie bei allen Neuroleptika kann Pimozid die Krampfneigung fördern. Epileptiker sollten Pimozid nicht mit Substanzen kombinieren, die die Krampfschwelle des Gehirns zusätzlich herabsetzen.

Die Kombination mit Dopaminrezeptor-Agonisten wie Levodopa vermindert deren Wirkung. Pimozid kann daher dosisabhängig die Wirkung von Levodopa in der Behandlung einer Parkinson-Krankheit beeinflussen.

Pimozid wird hauptsächlich von Enzymen verstoffwechselt, die sich leicht beeinflussen lassen. Wenn die Enzyme gehemmt werden, erhöht sich die Pimozid-Konzentration im Blut deutlich. Dies fördert die Gefahr einer Herzrhythmusstörung (QT-Verlängerung). Im Allgemeinen meidet der Arzt die Kombination mit allen Wirkstoffen, die die Verstoffwechselung von Pimozid behindern. Pimozid darf im Besonderen nicht mit folgenden Wirkstoffen oder Wirkstoffgruppen kombiniert werden:Ebenfalls verboten ist die gleichzeitige Anwendung von Wirkstoffen, die ihrerseits zu einer QT-Verlängerung führen wie

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Behandlung mit dem Medikament muss der Arzt die Herzfunktion regelmäßig kontrollieren.
  • Bei sonst unerklärlichem Fieber sollten die Patienten sofort einen Arzt befragen.
  • Treten während einer Langzeittherapie ungewollte Bewegungen von Zunge, Mund, Kiefer oder Gesicht auf, muss der Patient die Behandlung so schnell wie möglich abbrechen.
  • Um Entzugserscheinungen zu vermeiden, sollte die Therapie mit langsam verminderter Dosierung ("ausschleichend") beendet werden.
  • Während der Behandlung sollten Patienten anstrengende körperliche Betätigung und extreme Hitze vermeiden und auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
  • Während der Therapie mit dem Medikament dürfen Patienten keine Grapefruit-Produkte zu sich nehmen.
  • Auch wenn der Patient Pimozid so einnimmt, wie es der Arzt ihm empfohlen hat, kann das Medikament zu Beginn der Behandlung das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass Autofahren oder das Bedienen von Maschinen gefährlich sind. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Pimozid?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Pimozid enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Pimozid

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Pimozid. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Neuroleptika, zu welcher der Wirkstoff Pimozid gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Pimozid

Pimozid wird bei chronischen Psychosen wie beispielsweise Schizophrenie eingesetzt.

Studien an Patienten haben ergeben, dass Pimozid bei der Behandlung von Unruhe, Erregung und schweren Angstzuständen nicht oder nur schwach wirksam ist.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Pimozid sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Pimozid

Pimozid gehört zur Wirkstoffgruppe der Neuroleptika.

Pimozid wirkt an den Schaltstellen zwischen einzelnen Nervenfasern, dem sogenannten synaptischen Spalt. Am weiterleitenden Nervenende besetzt der Wirkstoff zum Teil die Rezeptoren für den Botenstoff Dopamin. Das bewirkt, dass der zuleitende Nerv vermehrt Dopamin ausschüttet. So entsteht ein Überangebot an Dopamin im synaptischen Spalt, welches dazu führt, dass der weiterleitende Nerv verstärkt aktiviert wird. In geringer Dosierung wirkt Pimozid angstlösend und anregend, in höherer Dosierung gegen Halluzinationen und Wahnideen.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.