Natrium-Perchlorat

Allgemeines

Natrium-Perchlorat wird häufig benutzt, um die Schilddrüse bei Untersuchungen mit radioaktiv markiertem Jodid zu schützen (beispielsweise bei einer Szintigrafie). Die gleichzeitige Gabe von Natrium-Perchlorat blockiert die Aufnahme des Jods in die Schilddrüse und verhindert so eine Schädigung des Organs durch die Radioaktivität.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Beschwerden bei Schilddrüsenüberfunktion mindern
  • erhöhte Schilddrüsenhormonwerte im Blut normalisieren
  • Schilddrüse bei Untersuchungen mit radioaktiv markiertem Jodid schützen.

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Natrium-Perchlorat im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Natrium-Perchlorat nicht verwendet werden?

Natrium-Perchlorat darf nicht eingesetzt werden:
  • wenn die Vergrößerung der Schilddrüse bis hinter das Brustbein reicht;
  • bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder wenn bei einer früheren Einnahme schon einmal Blutbildveränderungen aufgetreten waren;
  • während einer Operationsvorbereitung zur Schilddrüsenentfernung (Plummerung).

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Natrium-Perchlorat sollte in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden. Der Wirkstoff gelangt ungehindert in das Blut des Ungeborenen. Dessen Schilddrüse reagiert möglicherweise empfindlicher als die Schilddrüse des Erwachsenen. Somit könnte eine Schilddrüsenunterfunktion bei dem Kind verursacht werden.

Inwieweit Natrium-Perchlorat über die Muttermilch ausgeschieden wird, ist nicht bekannt. Ist eine Behandlung mit Natrium-Perchlorat notwendig, sollte abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Der Wirkstoff ist nicht geeignet für Kinder unter sechs Jahren.

Welche Nebenwirkungen kann Natrium-Perchlorat haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Natrium-Perchlorat. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Vorübergehende Hautausschläge, Übelkeit, Brechreiz, Mundtrockenheit, Halsschmerzen, Lymphknotenschwellungen, Verminderung der Anzahl der weißen Blutkörperchen, Hauteinblutungen, Fieber (mit oder ohne Gelenkschmerzen).

Seltene Nebenwirkungen:
Durchfall, leichte Muskelkrämpfe, Brennen in den Füßen, Schweregefühl im Kopf, Juckreiz und Gelbfärbung der Haut, Blutbildveränderungen (vermehrtes Auftreten bestimmter weißer Blutkörperchen (eosinophiler Granulozyten), Fehlen von Granulozyten).

Nebenwirkungen in Einzelfällen:
Mangel an Blutplättchen oder roten Blutkörperchen, geringe Eiweißausscheidung im Urin bis hin zum nephrotischen Syndrom, Akne, Haarausfall, generalisierte Hautentzündung, allergische Hautreaktion, Leberschädigung mit akutem Leberversagen, Erythema nodosum mit Fieberschüben, Durchbruch eines Zwölffingerdarmgeschwürs.

Besonderheiten:
Die unverdünnte Einnahme kann vor allem bei Kindern zu heftigem Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall führen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Natrium-Perchlorat?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Natrium-Perchlorat hemmt die Aufnahme von Radiojod und 99m-TC-Pertechnetat.

Bei gleichzeitiger Gabe anderer Thyreostatika wie Carbimazol, Thiamazol oder Propylthiouracil ist die hemmende Wirkung auf die Schilddrüse verstärkt.

Die gleichzeitige Gabe von Jod oder Jodid vermindert die Wirkung von Natrium-Perchlorat.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei einer längeren Anwendung des Wirkstoffs sind regelmäßige Kontrollen des Blutbilds und der Schilddrüsenwerte erforderlich.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Natrium-Perchlorat?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Natrium-Perchlorat enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Tropfen

So wirkt Natrium-Perchlorat

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Natrium-Perchlorat. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Thyreostatika, zu welcher der Wirkstoff Natrium-Perchlorat gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Natrium-Perchlorat

Natrium-Perchlorat wird häufig benutzt, um die Schilddrüse bei Untersuchungen mit radioaktiv markiertem Jodid zu schützen (beispielsweise bei einer Szintigrafie). Die gleichzeitige Gabe von Natrium-Perchlorat blockiert die Aufnahme des Jods in die Schilddrüse und verhindert so eine Schädigung des Organs durch die Radioaktivität.

Natrium-Perchlorat wird noch in seltenen Fällen eingesetzt zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Natrium-Perchlorat sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Natrium-Perchlorat

Natrium-Perchlorat gehört zur Gruppe der Thyreostatika und kann die körpereigene Herstellung von Schilddrüsenhormonen verringern.

Um funktionstüchtige Schilddrüsenhormone herzustellen, benötigt die Schilddrüse Jodid. Dieses Jodid wird zum Teil mit der Nahrung aufgenommen, zum Teil wird Jodid aus verbrauchten Schilddrüsenhormonen wiederverwendet (recycelt). Um das Jodid in die Schilddrüse zu bringen, stehen bestimmte Transportproteine zur Verfügung. Gelangt zu wenig Jodid zur Schilddrüse, können entsprechend weniger Schilddrüsenhormone hergestellt werden.

Der Wirkstoff Natrium-Perchlorat verhält sich chemisch ähnlich wie Jodid. Er konkurriert daher mit Jodid um den Transport in die Schilddrüse und blockiert so die Transporthormone. In der Schilddrüse steht weniger Jodid zur Verfügung, der Hormonspiegel sinkt.

Wird Jodid aus Schilddrüsenhormonen wieder freigesetzt, kann es im Körper "recycelt" werden und steht für einen neuen Einbau in Schilddrüsenhormone zur Verfügung. Auch dafür muss das Jodid wieder mit Transportproteinen in die Schilddrüse gelangen. Werden die Transportproteine blockiert, wird das Jodid vom Körper ausgeschieden. Natrium-Perchlorat führt daher insgesamt zu einer Erniedrigung des Jodidgehalts im Körper.

Bei einer Reihe von Röntgenuntersuchungen wird radioaktiv markiertes Jodid verwendet, um bestimmte Zellen im Körper wie beispielsweise Krebszellen aufzufinden. Dieses radioaktiv markierte Jodid verbleibt eine Zeit im Körper und könnte dabei in der Schilddrüse in Schilddrüsenhormone eingebaut werden. Damit würde es relativ lange in der Schilddrüse verbleiben und unerwünschte Wirkungen auslösen. Wird bei einer solchen Untersuchung gleichzeitig Natrium-Perchlorat gegeben, wird der Einbau des radioaktiv markierten Jodids verhindert und damit die Schilddrüse geschützt.

Die Wirkung von Natrium-Perchlorat tritt rasch ein, hält allerdings nur geringe Zeit an. Aufgrund dieser kurzen Wirkdauer und vor allem wegen der schweren Nebenwirkungen wird der Wirkstoff nicht mehr in der Dauertherapie der Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.