Idelalisib

Allgemeines

Idelalisib wird in Kombination mit dem monoklonalen Antikörper Rituximab bei erwachsenen Patienten mit einer speziellen Form von Blutkrebs angewendet: der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL). Idelalisib kommt bei CLL erst dann zum Einsatz, wenn eine andere, vorausgehende Therapie nicht erfolgreich war. Bei Patienten, die aufgrund von bestimmten Veränderungen des Erbgutes (17p-Deletion oder TP53-Mutation) für eine Chemotherapie nicht infrage kommen, kann die Idelalisib-Rituximab-Therapie auch als erste Behandlung eingesetzt werden.

Welchem Zweck dient dieser Wirkstoff?

  • spontanen Zelltod auslösen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Idelalisib im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Idelalisib nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Idelalisib nicht angewendet werden.

Die Konzentration von Idelalisib im Körper kann bei verlangsamter Ausscheidung erhöht sein, was verstärkte Nebenwirkungen zur Folge haben kann. Daher darf der Wirkstoff bei Patienten mit Leberfunktionsstörung nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle zum Einsatz kommen. Dies gilt insbesondere bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung. Solche wurden nicht in die klinischen Studien mit Idelalisib eingeschlossen und werden daher vom Arzt mit besonderer Vorsicht behandelt werden. Gleiches gilt für Patienten mit allen Formen von Leberentzündung.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bei Tieren kann Idelalisib das Ungeborene schädigen. Frauen sollten während der Therapie und bis zu einem Monat nach Ende der Behandlung zuverlässig verhüten, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Derzeit ist nicht bekannt, ob Idelalisib die Wirksamkeit der "Pille" herabsetzt. Daher empiehlt es sich, zusätzlich eine Barrieremethode (Pessar, Kondom) als zweite Verhütungsmethode anzuwenden.

Es ist nicht bekannt, ob Idelalisib und seine Stoffwechselprodukte in die Muttermilch übergehen. Ein Risiko für das Kind kann nicht ausgeschlossen werden, daher sollten Mutter während der Behandlung mit dem Wirkstoff nicht stillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Idelalisib wurde bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht durch Studien erwiesen. Die Anwendung in dieser Altersgruppe liegt im Ermessen des Arztes.

Welche Nebenwirkungen kann Idelalisib haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Idelalisib. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Mangel an Neutrophilen Blutzellen, Durchfall, Dickdarmentzündung, erhöhte Leberwerte (ASAT, ALAT), Hautausschlag, Fieber, erhöhte Triglycerid-Werte.

Häufige Nebenwirkungen:
Lungenentzündung.

Besonderheiten:
Bei schweren Formen des Blutkrebses treten Hausausschlag, Fieber und erhöhte Triglycerid-Werte lediglich häufig auf.

Der Arzt wird die Leberwerte (ASAT, ALAT) und das Bilirubin bei allen Patienten in den ersten drei Behandlungsmonaten alle zwei Wochen messen, bei überhöhten Werten auch öfter.

Wird eine Lungenentzündung während der Idelalisib-Therapie nicht durch Antibiotika gebessert, kann sie auch durch den Wirkstoff verursacht sein. Bei einem solchen Verdacht wird der Arzt die Therapie mit Idelalisib unterbrechen und den Patienten entsprechend behandeln. Ist die Lungenentzündung mittelgradig oder schwer, muss der Arzt die Behandlung beenden. Neu auftretende Atemwegsbeschwerden müssen daher vom Patienten unverzüglich ihrem Arzt mitgeteilt werden.

Alle Patienten werden vom Arzt über die gesamte Behandlungsdauer vorsichtshalber gegen eine Lungenentzündung durch den Keim Pneumocystis-jirovecii behandelt. Diese vorbeugende Maßnahme wird zwei bis sechs Monate nach Therapie-Ende weiter fortgesetz.

Ebenso wird der Arzt regelmäßige Untersuchungen auf eine Infektion mit dem Cytomegalie-Virus durchzuführen und bei entsprechendem Verdacht die Behandlung mit Idelalisib abbrechen.

DAs Blutbild wird bei allen Patienten in den ersten sechs Monaten der Therapie mindestens alle zwei Wochen bestimmt, bei Patienten mit besonders niedriger Zahl Neutrophiler Blutzellen sogar mindestens einmal pro Woche.

Welche Wechselwirkungen zeigt Idelalisib?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Idelalisib wird im Körper von einem leicht beeinflussbaren Enzymsystem abgebaut. Bei gleichzeitiger Anwendung von Wirkstoffen, die das System aktivieren (wie beispielsweise dem Tuberkulose-Mittel Rifampicin, den Antiepileptika Phenytoin und Carbamazepin oder dem Antidepressivum Johanniskraut) kann die wirksame Idelalisib-Konzentration im Blut verringert sein. Dies wiederum vermindert die Wirksamkeit. Daher sollte Idelalisib nicht gleichzeitig mit diesen Wirkstoffen zum Einsatz kommen.

Ein Haupt-Abbauprodukt von Idelalisib ist ein starker Hemmstoff des vorgenannten Enzymsystems. Es besteht die Möglichkeit, dass sich andere Wirkstoffe, die dadurch abgebaut werden, zu stark im Körper anreichern. Haben solche Wirkstoffe schwerwiegende und / oder lebensbedrohliche Nebenwirkungen, dürfen sie nicht gleichzeitig mit Idelalisib angewendet werden. Dazu gehören Alfuzosin (gegen gutartige Prostata-Vergrößerung), die Antiarrhythmika Amiodaron und Chinidin, die Mutterkornalkaloide Ergotamin und Dihydroergotamin, das Magenmittel Cisaprid, die Psychopharmaka Pimozid, Quetiapin, Midazolam und Triazolam, die Statine Lovastatin und Simvastatin, das Antiasthmatikum Salmeterol und Sildenafil (gegen Erektionsstörungen und Lungenhochdruck).

Auch folgende andere Wirkstoffen wird der Arzt nur mit Vorsicht mit Idelalisib kombinieren und die Nebenwirkungen sorgfältig beobachten:
  • opioide Schmerzmittel wie Fentanyl, Alfentanil, Methadon und Buprenorphin + Naloxon
  • Zytostatika wie Dasatinib und Nilotinib, Vincristin und Vinblastin
  • Blutverdünner wie Dabigatran, Rivaroxaban und Warfarin (erhöhte Blutungsneigung)
  • das Antidepressivum Trazodon (muss vorsichtig in der Dosis gesteigert werden)
  • das Gichtmittel Colchicin (möglicherweise verringerte Dosis; es sollte bei Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörung nicht gleichzeitig mit Idelalisib angewendet werden)
  • die Blutdrucksenker Amlodipin, Diltiazem, Felodipin, Nifedipin und Nicardipin
  • die Pilzmittel Ketoconazol, Itraconazol, Posaconazol und Voriconazol
  • das Tuberkulose-Mittel Rifabutin
  • die virenhemmenden Mittel Boceprevir und Telaprevir
  • die Makrolid-Antibiotika Clarithromycin und Telithromycin (Clarithromycin erfordert bei Patienten mit einer schweren Nierenfunktionsstörung den Wechsel auf ein anderes Antibiotikum)
  • Bosentan gegen Lungenhochdruck
  • Glukokortikoide wie Budesonid und Fluticason, zur Inhalation oder als Nasenspray (Budesonid auch als Tabletten)
  • das Statin Atorvastatin muss zu Anfang niedrig dosiert werden oder der Arzt wird auf Pravastatin, Rosuvastatin oder Pitavastatin umstellen
  • die Immunologika Ciclosporin, Sirolimus und Tacrolimus
  • Tadalafil (gegen Erektionsstörungen) sollte nur in verminderter Dosierung zusammen mit Idelalisib angewendet werden
  • die Beruhigungs- und Schlafmittel Buspiron, Clorazepat, Diazepam, Estazolam, Flurazepam und Zolpidem müssen gegebenenfalls in der Dosis vermindert werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Behandlung mit dem Medikament sollte nur durch einen Arzt erfolgen, der erfahren in der Krebstherapie ist.
  • Neu auftretende Atemwegsbeschwerden sind unverzüglich dem Arzt mitzuteilen.
  • Bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Cytomegalie-Virus ist die Behandlung mit dem Medikament abzubrechen.
  • Bei aktiven Infektionen darf die Behandlung mit dem Medikament nicht begonnen werden.
  • Bei allen Patienten muss mindestens alle zwei Wochen das Blutbild ärztlich kontrolliert werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Idelalisib?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Idelalisib enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Idelalisib

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Idelalisib. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Idelalisib gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Idelalisib

Idelalisib wird in Kombination mit dem monoklonalen Antikörper Rituximab bei erwachsenen Patienten mit einer speziellen Form von Blutkrebs angewendet: der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL). Idelalisib kommt bei CLL erst dann zum Einsatz, wenn eine andere, vorausgehende Therapie nicht erfolgreich war. Bei Patienten, die aufgrund von bestimmten Veränderungen des Erbgutes (17p-Deletion oder TP53-Mutation) für eine Chemotherapie nicht infrage kommen, kann die Idelalisib-Rituximab-Therapie auch als erste Behandlung eingesetzt werden.

Idelalisib wird auch ohne Kombination mit anderen Wirkstoffen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Lymphdrüsenkrebs (follikulärem Lymphom; FL) angewendet, wenn zwei vorausgegangene andere Therapiemaßnahmen keinen Erfolg gebracht haben.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Idelalisib sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Idelalisib

Idelalisib gehört zur Wirkstoffgrupe der Zytostatika. Es hemmt ein bestimmtes Enzym, das bei Krebsarten überaktiv ist, welche von B-Zellen ausgehen. B-Zellen sind eine Unterklasse der weißen Blutkörperchen, die wie alle Blutzellen ursprünglich aus dem Knochenmark stammen. Die einzige Aufgabe von B-Zellen besteht darin, ausgereift im Blut zu kreisen, massenhaft Antikörper zu produzieren und damit die körpereigene Abwehr zu unterstützen. Das genannte Enzym spielt eine zentrale Rolle bei Wachstum und Vermehrung, beim Überleben und der Ansiedelung entarteter Zellen in Lymphgeweben und Knochenmark.

Idelalisib hemmt dieses Enzym, wodurch der spontane Zelltod eingeleitet und die Vermehrung entarteter B-Zellen und fertiger Krebszellen verhindert wird.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.