Colestilan

Allgemeines

Colestilan kommt zum Einsatz bei Erwachsenen, die an einer chronischen Nierenerkrankung im Endstadium leiden und sich einer Blutwäsche unterziehen müssen (Hämodialyse oder Peritonealdialyse). Mithilfe von Colestilan wird der Überschuss an Phospat im Blut der Patienten behandelt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Phosphatkonzentration im Blut senken
  • LDL-Cholesterin senken
  • Harnsäurekonzentration im Blut senken

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Colestilan im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Colestilan nicht verwendet werden?

Personen, die überempfindlich auf den Wirkstoff reagieren, dürfen kein Colestilan bekommen. Dies gilt auch für Personen mit Darmverschluss.

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Colestilan wurden nicht untersucht bei Patienten mit
  • Schluckstörungen
  • schweren Magen-Darm-Erkrankungen wie beispielsweise chronische oder schwere Verstopfung, Darmverengungen, Divertikulitis, Darmentzündungen, Magen-Darm-Geschwüren oder größeren Operationen in diesem Bereich vor kurzer Zeit
  • Verlegung der Gallengänge
  • schwerer Leberfunktionsstörung
  • Krampfleiden
  • vor kurzem abgelaufener Bauchfellentzündung bei Patienten, die eine Peritonealdialyse erhalten
  • vermindertem Eiweißgehalt des Blutes (Albumin unter 30 Gramm/Liter).
Deshalb wird die Anwendung des Wirkstoffs bei Patienten mit diesen Erkrankungen nicht empfohlen.

Colestilan allein ist nicht für die Behandlung der Überfunktion der Nebenschilddrüse geeignet, bei der es ebenfalls zu einem Überschuss an Phosphat im Blut kommt.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Colestilan eingesetzt werden bei
  • Erkrankungen, die schon eine Blutung im Verdauungskanal verursacht haben oder hervorrufen können wie beispielsweise Geschwüre, Magenschleimhautentzündung, nicht entzündete Divertikel, Darmentzündung und Hämorrhoiden
  • Mangel an Calcium im Blut, weil dieser ersetzt werden muss
  • Mangel an Vitamin K oder an fettlöslichen Vitaminen (Vitamin A, Vitamin E), wie er durch das Malabsorptionssyndrom oder eine Behandlung mit Blutverdünnern wie Warfarin verursacht sein kann, weil dieser ausgeglichen werden muss
  • Schilddrüsenunterfunktion, weil der dagegen eingesetzte Wirkstoff Levothyroxin durch Colestilan gebunden werden kann.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Colestilan gerät nicht ins Blut. Somit sind keine direkten Wirkungen zu erwarten.

Zur Sicherheit und Wirksamkeit bei schwangeren und stillenden Frauen gibt es keine Studien. Bei Patientinnen, die schwanger werden oder stillen und bei denen der Arzt die Fortsetzung der Behandlung für nötig hält, kann eine Ergänzung mit Vitaminen erforderlich sein.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Colestilan bei Kindern und Jugendlichen im Alter von unter 18 Jahren ist bisher noch nicht erwiesen. Es sollte daher von einer Behandlung in dieser Altersgruppe abgesehen werden.

Welche Nebenwirkungen kann Colestilan haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Colestilan. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Calcium-Mangel im Blut, verminderter Appetit, Verstopfung, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen, Magenschleimhautentzündung, Verdauungstörungen, Durchfall, Blähungen, Bauchbeschwerden.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Magen-Darm-Entzündung, Überfunktion der Nebenschilddrüse, Folsäure-Mangel, Überschuss an Triglyzeriden im Blut, Durst, Schlaflosigkeit, Zittern, Schwindel, Kopfschmerzen, Schmeckstörung, Blutergüsse, niedriger Blutdruck, Magen-Darm-Blutung, Speiseröhrenentzündung, Schluckstörung, Kotballen, Veränderung der Stuhlgewohnheiten, Mundtrockenheit, erhöhte Leber-Enzyme, Nesselsucht, Hautausschlag, Juckreiz, trockene Haut, Muskelkrämpfe, Schmerzen an Muskeln und Knochen, Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen, Schmerzen in Armen und Beinen, Schwäche.

Seltene Nebenwirkungen:
Vitamin K-Mangel, Verkalkung kleiner Blutgefäße, Ungleichgewicht der Mineralien im Blut, Flüssigkeitsüberladung, Erkrankung der Herzkranzgefäße, Verengung im Magen-Darm-Kanal (ein Einzelfall mit tödlichem Ausgang), Leber- und Gallenerkrankungen, allergische Hautentzündung, Schuppenflechte.

Besonderheiten:
In sehr seltenen Fällen erlitten Patienten bei Behandlung mit Colestilan Darmverengungen und teilweise vollständige Darmverschlüsse. Ein Anzeichen kann Verstopfung sein. Tritt eine Verstopfung auf, muss der Arzt den Patienten sorgfältig überwachen. Bei Patienten, die Verstopfungen schwerer Art oder andere schwere Magen-Darm-Nebenwirkungen haben, muss der Arzt eventuell eine andere Behandlung erwägen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Colestilan?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Colestilan wird nicht aus dem Magen-Darm-Kanal ins Blut aufgenommen, kann jedoch die Verfügbarkeit anderer Wirkstoffe für den Körper beeinflussen. Außerdem verändern vergleichbare Substanzen den Abbau in der Leber - so kann möglicherweise die Wirksamkeit der "Pille" beeinträchtigt sein.

Wird eine negative Auswirkung auf die Wirksamkeit eines anderen Medikaments vermutet, sollte dieses mindestens eine Stunde vor oder drei Stunden nach der Einnahme von Colestilan eingenommen werden. Werden zu Colestilan Wirkstoffe eingenommen, bei denen Unter- oder Überdosierung eng beieinanderliegen, muss der Arzt die Dosierung besonders sorgfältig überwachen.

So vermindert Colestilan die Aufnahme des Herzgykosids Digoxin und seine Konzentration im Blut um 16 beziehungsweise 17 Prozent, die Konzentration des Blutdrucksenkers Enalapril sogar um 27 Prozent. Auch die Immunologika Mycophenolat, Cyclosporin oder Tacrolimus sind möglicherweise von einer Wirkungsminderung betroffen, was eine aufmerksame Kontrolle des Arztes erfordert.

Weil Colestilan das Schilddrüsenhormon Levothyroxin stark an sich bindet, muss der Arzt die Schilddrüsenwerte überwachen.

Patienten mit Anfallsleiden wurden aus klinischen Studien mit Colestilan ausgeschlossen. Bei der Verschreibung an Patienten, die Antiepileptika erhalten, wird der Arzt also besondere Vorsicht walten lassen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Möglicherweise müssen während der Therapie Calcium oder Vitamine ersetzt werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Colestilan?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Colestilan enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Filmtabletten

So wirkt Colestilan

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Colestilan. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Colestilan gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Colestilan

Colestilan kommt zum Einsatz bei Erwachsenen, die an einer chronischen Nierenerkrankung im Endstadium leiden und sich einer Blutwäsche unterziehen müssen (Hämodialyse oder Peritonealdialyse). Mithilfe von Colestilan wird der Überschuss an Phospat im Blut der Patienten behandelt.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Colestilan sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Colestilan

    Colestilan ist ein spezieller langkettiger Kunststoff (Polymer), der vom Körper nicht aufgenommen werden kann. Er enthält kein Calcium oder Metall und kann das Mineral Phosphat an sich binden.

    Gerät Colestilan in den Verdauungskanal, werden die Bindungsstellen des Moleküls im Magen durch die Magensäure positiv geladen (ionisiert) und können so mit den negativ geladenen Phosphatanionen (aus der Nahrung) und Gallensäuren (aus der Leber) im Zwölffingerdarm reagieren. Indem das Phosphat aus der Nahrung im Verdauungskanal gebunden wird und dort verbleibt, senkt Colestilan die Phosphatkonzentration im Blut.

    Colestilan bindet auch Gallensäuren und senkt dadurch die Blutkonzentration von gefäßschädlichem LDL-Cholesterin. Zudem senkt Colestilan den Blutzuckerspiegel, indem es die Menge an Gallensäure verändert und die Harnsäure im Blut vermindert.

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.