Cinacalcet

Allgemeines

Cinacalcet wird wird zur Behandlung einer Überfunktion der Nebenschilddrüse eingesetzt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Calcium-Rezeptoren in der Nebenschilddrüse besetzen
  • Freisetzung von Calcium und Phosphat aus den Knochen bremsen
  • Ausschüttung von Parathormon verhindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Cinacalcet im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Cinacalcet nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Calcium-Mangel im Blut und einer chronischen Nierenfunktionsstörung ohne Blutwäsche-Bedarf darf Cinacalcet nicht eingesetzt werden.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf der Wirkstoff angewendet werden bei
  • einer Herzrhythmusstörung im Sinne einer QT-Verlängerung
  • Patienten mit einer chronischen Nierenfunktionsstörung mit begleitender Blutwäsche-Behandlung, weil diese häufig zu niedrige Calcium-Werte im Blut aufweisen
  • Krampfanfällen in der Vorgeschichte, weil diese durch die Behandlung begünstigt werden könnten
  • niedrigem Blutdruck und/oder einer Herzmuskelschwäche, weil diese sich verschlechtern können
  • mäßiger bis schwerer Leberfunktionsstörung, weil diese die Blutkonzentration des Wirkstoffs steigert und sich damit die Nebenwirkungen verstärken können.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es gibt keine klinischen Studien zur Anwendung von Cinacalcet bei schwangeren Frauen. Tierexperimente ergaben keine Hinweise auf direkte schädliche Wirkungen in Bezug auf Schwangerschaft, Geburt oder Entwicklung der Nachkommen. Dennoch wird der Arzt den Wirkstoff während der Schwangerschaft nur anwenden, wenn der mögliche Nutzen das Risiko für das Ungeborene rechtfertigt.

Es ist nicht bekannt, ob Cinacalcet in die Muttermilch übergeht. Nach sorgfältiger Nutzen-/Risiko-Analyse wird der Arzt entscheiden, ob das Stillen oder die Behandlung mit dem Wirkstoff zu unterbrechen ist.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Cinacalcet bei Kindern in der Behandlung von Nebenschilddrüsen-Krebs und der Nebenschilddrüsen-Überfunktion ist nicht in klinischen Studien erwiesen. Eine Anwendung in der genannten Altersgruppe liegt im Ermessen des Arztes.

Welche Nebenwirkungen kann Cinacalcet haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Cinacalcet. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Übelkeit und Erbrechen

Häufige Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktionen, Anorexie, verminderter Appetit, Krampfanfälle, Schwindel, Missempfindungen, Kopfschmerzen, niedriger Blutdruck, Infektion der oberen Atemwege, Atembeschwerden, Husten, Verdauungsstörungen, Durchfall, Bauchschmerzen, Oberbauchschmerzen, Verstopfung, Hautausschlag, Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe, Rückenschmerzen, Schwäche, Mangel an Calcium im Blut, Überschuss an Kalium im Blut, verminderte Werte des Hormons Testosteron im Blut

Nebenwirkungen ohen Angabe der Häufigkeit:
Verschlechterung einer Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen (auch QT-Verlängerung)

Besonderheiten:
Da der Wirkstoff den Calciumhaushalt des Körpers verändert, wird der Arzt innerhalb der ersten Woche nach Behandlungsbeginn oder nach Dosisveränderungen die Calcium-Konzentration im Blut kontrollieren.

Die Absenkung der Konzentration an Parathormon im Blut durch Cinacalcet kann eine schleichende Knochenerkrankung zur Folge haben. Falls bei Patienten während der Therapie das Parathormon unter den empfohlenen Zielbereich absinkt, wird der Arzt daher die Dosis und/oder Vitamin D-Gaben vermindern oder die Therapie unterbrechen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Cinacalcet?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die gleichzeitige Anwendung von anderen Wirkstoffen, von denen bekannt ist, dass sie den Calciumspiegel im Blut absenken, muss vermieden werden. Zusammen mit Cinacalcet kommt es sonst zu einem erhöhten Risiko für einen Calcium-Mangel. Insbesondere darf ein Cinacalcet-Patient kein Etelcalcetid erhalten.

Cinacalcetid wird von einem leicht beeinflussbaren Enzymsystem im Körper abgebaut. Hemmstoffe desselben können zu Überdosierungen führen. Dazu gehören die Pilzmittel Ketoconazol, Itraconazol und Voriconazol, das Antibiotikum Telithromycin und das virenhemmende Mittel Ritonavir.

Das Tuberkulose-Mittel Rifampicin hingegen aktiviert diese Enzyme und kann zu einem Wirkungsverlust von Cinacalcet führen. Auch Rauchen verstärkt den Abbau des Wirkstoffs im Körper, ähnlich wie das Psychopharmakon Fluvoxamin oder das Antibiotikum Ciprofloxacin. Eine Dosisanpassung durch den Arzt kann notwendig sein, wenn ein Patient mit dem Rauchen beginnt oder aufhört oder wenn eine begleitende Behandlung mit einem der genannten Wirkstoffe begonnen oder beendet wird.

Cinacalcet selbst hat ebenfalls Einfluss auf Enzyme, die andere Wirkstoffe abbauen. Nur mit Vorsicht wird es daher vom Arzt zusammen eingesetzt mit den Antiarrhythmika Flecainid, Propafenon und Metoprolol sowie den Psychopharmaka Desipramin, Nortriptylin und Clomipramin. Gleiches gilt für das Hustenmittel Dextromethorphan.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Das Medikament wird am besten mit oder kurz nach einer Mahlzeit eingenommen.
  • Treten Anzeichen eines Calcium-Mangels auf wie Missempfindungen, Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe und Krampfanfälle, muss sofort ein Arzt befragt werden.
  • Die Calcium-Konzentration im Blut muss innerhalb von einer Woche nach Behandlungsbeginn oder Dosisveränderung ärztlich kontrolliert werden.
  • Schwindelanfälle und Krampfanfälle können Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich machen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Cinacalcet?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Cinacalcet enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Cinacalcet

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Cinacalcet. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Cinacalcet gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Cinacalcet

Cinacalcet wird wird zur Behandlung einer Überfunktion der Nebenschilddrüse eingesetzt.

Zu einer solchen Überfunktion kann es durch Blutwäsche-Behandlungen bei erwachsenen Patienten, aber auch Kindern im Alter von drei Jahren und älter mit Nierenfunktionsstörung im Endstadium kommen. Die Behandlung von Kindern mit dem Wirkstoff ist allerdings nur gestattet, wenn ansonsten übliche Therapien versagt haben.

Cinacalcet kann als Teil eines Therapieschemas angewendet werden, das je nach Bedarf Substanzen zum Binden von Phosphat und/oder Vitamin D umfassen kann.

Der Wirkstoff wird darüber hinaus bei Erwachsenen auch bei Krebsformen der Nebenschilddrüse und Nebenschilddrüsen-Überfunktion unklarer Ursache eingesetzt, wenn die Entfernung des Organs nicht möglich ist.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Cinacalcet sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Cinacalcet

    Die Nebenschilddrüse ist ein kleines, linsenförmiges Organ, das rechts und links auf den Flügeln der Schilddrüse aufsitzt. Es reguliert über die Ausschüttung von Parathormon den Calcium- und Phosphat-Haushalt des Körpers. Auf der Oberfläche der Hauptzellen der Nebenschilddrüse sitzt ein Rezeptor, der die Konzentration des im Blut befindliche Calcium misst. Bei hoher Konzentration wird die Parathormon-Ausschüttung gehemmt. Fällt die Konzentration, regt der Rezeptor die Neubildung des Hormons an.

    Eine Überfunktion kann zu unklaren Beschwerden wie Knochenschmerzen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit führen. Weitere Zeichen können Bluthochdruck, gesteigertes Durstgefühl und häufiges Wasserlassen, Verstopfung und Gewichtsverlust sein. Die Beschwerden entstehen durch die veränderten Calcium- und Phosphatkonzentrationen im Blut. Durch den Überschuss der Mineralstoffe können sich Nierensteine bilden, bei längerem Bestehen können auch Funktionseinschränkungen der Niere, mit oder ohne Verkalkungen, auftreten. Im Magen-Darm-Trakt macht sich der Calciumüberschuss durch Übelkeit und Erbrechen sowie Magengeschwüre bemerkbar.

    Cinacalcet wirkt an dem Rezeptor wie Calcium. Es spielt der Bindungsstelle einen hohen Calcium-Spiegel im Blut vor, woraufhin die Nebenschilddrüse die Parathormon-Ausschüttung drosselt.

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.