Atorvastatin

Allgemeines

Atorvastatin wird zur Senkung erhöhter Cholesterin- und Triglyceridwerte im Blut eingesetzt, wenn eine fett- und cholesterinarme Diät und eine Gewichtsabnahme nicht ausreichen. Es wird verwendet, wenn die Gesamtcholesterinkonzentration im Serum den Wert von 5,5 Millimol pro Liter (entsprechend 212 Milligramm pro Deziliter) überschreitet.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Cholesterinspiegel im Blut senken
  • Arteriosklerose vorbeugen
  • Triglyceride im Blut senken
  • Apolipoprotein B im Blut senken
  • Schlaganfall und Herzinfarkt vorbeugen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Atorvastatin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Atorvastatin nicht verwendet werden?

Atorvastatin darf nicht angewendet werden bei:
  • Überempfindlichkeit gegenüber Atorvastatin
  • Lebererkrankung oder einer dauerhaften Erhöhung der Blut-Leberwerte
  • Skelettmuskelerkrankung mit Muskelfaserzerstörung oder bei einer Erhöhung von Blutwerten, die darauf hindeuten.
Weiterhin sollte Atorvastatin nur unter ärztlicher Vorsicht und auch nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden bei
  • Menschen über 70 Jahren
  • Alkoholmissbrauch
  • begünstigenden Faktoren für eine Muskelerkrankung wie
    • Nierenfunktionsstörungen
    • Schilddrüsenunterfunktion
    • erbliche Muskelstörungen in der persönlichen Vorgeschichte oder der Familie
    • muskelschädigenden Wirkungen durch eine frühere Einnahme eines Fibrates oder Statins
    • Situationen, in denen erhöhte Blutkonzentrationen des Wirkstoffs auftreten können, beispielsweise bei asiatischen Patienten, bei Leber- oder Nierenfunktionsstörungen oder bei gleichzeitiger Anwendung anderer Wirkstoffe wie Ciclosporin (gegen Organabstoßung) und manchen AIDS-Mitteln aus der Gruppe der HIV-1-Proteasehemmer
    • gleichzeitiger Anwendung von Fibraten.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Atorvastatin soll während der Schwangerschaft und der Stillzeit auf keinen Fall eingenommen werden. Wenn dennoch Atorvastatin während der Schwangerschaft eingenommen wurde, wird eine genaue Untersuchung des Ungeborenen mit Ultraschall empfohlen. Ein Schwangerschaftsabbruch ist allerdings nicht erforderlich. Bei Kinderwunsch sollte Atorvastatin nach Rücksprache mit dem Arzt rechtzeitig vor Beginn der Schwangerschaft abgesetzt werden.

Im Tierversuch fand sich Atorvastatin in den gleichen Konezntrationen in der Milch wie im Blut wieder. Ob das beim Menschen genauso ist, wurde nicht untersucht. Auf jeden Fall sollte während der Stillzeit nicht mit dem Wirkstoff behandelt werden.

Da die Gefäßverkalkung und ein erhöhter Cholesterinspiegel chronische Erkrankungen darstellen, hat das Absetzen von Atorvastatin für die Zeit einer Schwangerschaft wenig Einfluss auf den Erfolg einer Dauertherapie.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Eine Anwendung bei Kindern sollte nur durch einen Spezialisten erfolgen! Derzeit gibt es nur Therapieerfahrungen bei einer kleinen Anzahl von Kindern im Alter zwischen vier und 17 Jahren mit schwerer erblicher homozygoter Hypercholesterinämie. Allerdings wurde bei den Behandlungen keine Daten zu der Auswirkung der Atorvastatin-Therapie auf die kindliche Entwicklung gesammelt.

Welche Nebenwirkungen kann Atorvastatin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Atorvastatin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Verstopfung, Blähungen, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Durchfall, allergische Reaktionen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit, Fehlempfindungen der Haut wie Kribbeln, Überempfindlichkeit der Haut, Hautausschlag, Juckreiz, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Mattigkeit, Schmerzen im Brustkorb, Rückenschmerzen, Wassereinlagerungen in den Beinen, Blut-Kreatinkinase-Konzentrationsanstieg.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Appetitlosigkeit (Anorexie), Erbrechen, Blutplättchenmangel, Haarausfall, Blutzuckeranstieg, Blutzuckerabfall, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Gedächtnisverlust, Nervenstörungen, Ohrgeräusche, Nesselsucht, entzündliche Muskelerkrankungen (Myopathie), Impotenz, Unwohlsein, Gewichtszunahme, Blut-Leberwerterhöhung (Transaminasen, vorübergehend), Blut-Kreatinkinase-Konzentrationserhöhung (vorübergehend).

Seltene Nebenwirkungen:
Leberentzündung, Gelbsucht mit Gallestau, entzündliche Muskelerkrankungen, Rhabdomyolyse (Zerfall der quergestreiften Skelettmuskulatur).

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktionen, Gesichtsschwellungen (angioneurotisches Ödem), blasenartiger Hautausschlag (einschließlich Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse), akuter Gedächtnisverlust, Muskelzerfall aufgrund einer Autoimmunreaktion.

Besonderheiten:
Bei einer Überempfindlichkeitsreaktion auf Atorvastatin zeigen sich eventuell Hautausschläge, Gelenkschmerzen, Gelenkentzündung, Lichtempfindlichkeit, Veränderung bestimmter Blutwerte (Verringerung der Blutzellen, Erhöhung der Blutsenkungsgeschwindigkeit), Gefäßentzündung, depressive Verstimmungen, Depressionen, Nervenerkrankung, sexuelle Störungen, Haarausfall, Erektionsstörungen, Schäden an den Lungenbläschen (interstitielle Lungenkrankheit) und Schlafstörungen.

Allen Vertretern der Wirkstoffgruppe der Statine scheint eine schädliche Wirkung auf die Nerven gemeinsam zu sein. Neben seltenen Gedächtnisstörungen, wie sie für alle Statine typisch sind, können sich bei Atorvastatin auch Alpträume zeigen. Ansonsten treten die Nebenwirkungen besonders an den Beinen auf. Taubheitsgefühle, brennende Mißempfindungen oder Muskelzuckungen sind die Zeichen. Besonders gefährdet sind Diabetiker, weil der Arzt die geschilderten Beschwerden häufig einer Nervenschädigung durch die Zuckerkrankheit (diabetische Neuropathie) zuordnet und das verursachende Statin nicht abgesetzt wird.

Wie alle Statine kann auch Atorvastatin den Blutzuckerspiegel erhöhen und die Entstehung einer Blutzuckererkrankung (Diabetes mellitus) begünstigen. Die Häufigkeit ist abhängig von dem Vorhandensein oder dem Fehlen von anderen Risikofaktoren wie schon bestehendem Zuckerüberschuss im Blut, Übergewicht, Bluthochdruck und dem Ausmaß der Fettstoffwechselstörung.

Während oder nach der Behandlung kann es in sehr seltenen Fällen zu einem Muskelzerfall aufgrund einer Autoimmunreaktion kommen. Anzeichen ist eine anhaltende Muskelschwäche, die trotz Ende der Behandlung fortbesteht. Eine solche Muskelschwäche muss dem Arzt sofort mitgeteilt werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Atorvastatin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wird Atorvastatin gemeinsam mit Blutgerinnungshemmern (oralen Antikoagulantien) wie Warfarin eingenommen, verlängert sich die Blutgerinnungszeit und es können Blutungen auftreten.

Bei gemeinsamer Einnahme mit Digoxin (gegen Herzmuskelschwäche) erhöht sich die Digoxinkonzentration im Körper, was mit vermehrten Nebenwirkungen des Herzmittels einhergehen kann.

Das Risiko einer Muskelerkrankung steigt an, wenn Atorvastatin zusammen mit Mitteln genommen wird, die das Immunsystem unterdrücken. Dazu gehören Danazol (ein Androgen) oder Fibrate und Nikotinsäure (beides Blutfettsenker). Ein besonderes Risiko besteht bei gemeinsamer Einnahme von Statinen wie Atorvastatin mit Ciclosporin. Sie kann zu schweren Fällen der Muskelerkrankung Rhabdomyolyse führen. Ist die gleichzeitige Gabe der Wirkstoffe nicht zu vermeiden, müssen die Statine vom Arzt schwächer dosiert werden.

Durch säurebindende Mittel oder Colestipol (fettsenkendes Anionenaustauscherharz) sinkt der Atorvastatin-Spiegel im Blut um 35 Prozent. Diese Mittel sollten deshalb eine Stunde vor Atorvastatin eingenommen werden.

Durch Stoffe, die im Körper durch das gleiche Enzymsystem (Cytochrom CYP3A4) wie Atorvastatin abgebaut werden, kommt es zu erhöhten Wirkstoffspiegeln des Atorvastatins. Zu solchen Medikamenten gehören Imatinib, Pilzmittel wie Itraconazol, Erythromycin und Clarithromycin (beides Makrolid-Antibiotika), HIV-1-Proteasehemmer und Grapefruitsaft.

Bei gleichzeitiger Gabe des Wirkstoffs mit der "Pille" erhöhen sich die Blutkonzentrationen an den Hormonen Norethisteron und Ethinylestradiol.

Auch mit Fusidinsäure (Antibiotikum), Amiodaron (gegen Herzrhythmusstörungen), Verapamil-artigen Medikamenten (bei Angina Pectoris)und Bosentan (Mittel bei Lungenhochdruck) tritt Atorvastatin in Wechselwirkungen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Steigen bei der Behandlung mit dem Medikament diejenigen Enzyme im Blut, welche eine Muskelzerstörung anzeigen, um mehr als das Fünffache an, muss der Arzt die Therapie abbrechen oder die Dosis verringern.
  • Steigen bei der Behandlung mit dem Medikament diejenigen Enzyme im Blut, welche einen Leberschaden anzeigen, um mehr als das Dreifache an, muss der Arzt die Therapie abbrechen oder die Dosis verringern.
  • Treten Atembeschwerden, Hustenreiz, Gewichtsverlust Erschöpfung und Fieber auf, ist die Behandlung abzubrechen.
  • Hat ein Patient schon Risikofaktoren für die Entwicklung einer Zuckerkrankheit, muss der Blutzucker während der Behandlung regelmäßig geprüft werden.
  • Kommt es trotz Behandlungsende zu einer fortbestehenden Muskelschwäche, muss dies sofort dem Arzt mitgeteilt werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Atorvastatin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Atorvastatin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Atorvastatin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Atorvastatin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Statine, Cholesterinsenker, zu welcher der Wirkstoff Atorvastatin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Atorvastatin

Atorvastatin wird zur Senkung erhöhter Cholesterin- und Triglyceridwerte im Blut eingesetzt, wenn eine fett- und cholesterinarme Diät und eine Gewichtsabnahme nicht ausreichen. Es wird verwendet, wenn die Gesamtcholesterinkonzentration im Serum den Wert von 5,5 Millimol pro Liter (entsprechend 212 Milligramm pro Deziliter) überschreitet.

Weiterhin schützt Atorvastatin vor Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Das Mittel senkt auch den Gehalt an Apolipoprotein B, einem Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Deshalb wird es zur Vorbeugung bei gefährdeten Personen eingesetzt, um deren Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall zu senken. In einer großen klinischen Studie konnten sogar Schlaganfall-Patienten mit gesundem Herz durch eine hochdosierte Behandlung mit Atorvastatin (80 Milligramm täglich) vor weiteren Schlaganfällen geschützt werden.

Bei einer erblichen Erhöhung des Blutfettgehaltes (Hyperlipidämie Typ IIa und IIb nach Frederickson, homozygote und heterozygote familiäre Hypercholesterolämie) wird Atorvastatin ergänzend zu einer Diät verwendet.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Atorvastatin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Atorvastatin

Atorvastatin ist wie die anderen Statine ein Hemmstoff des Enzyms HMG-CoA-Reduktase. Damit behindert es in der Leber den Aufbau von Cholesterin. Als Reaktionen darauf nehmen die Leberzellen mehr Triglyceride (Fette) und Cholesterin aus dem Blut auf, das an weniger dichte Eiweiße (VLDL und LDL) gebunden ist. Der Blutspiegel dieser Blutfettsorten sinkt, während die Konzentration an Cholesterin, welches an sehr dichte Eiweiße (HDL) gebunden ist und Gefäß-schützend wirkt, im Blut eher steigt.

Atorvastatin ist stärker wirksam als beispielsweise Lovastatin. Deshalb bietet es sich besonders für Patienten an, die auf die älteren Statine wie Lovastatin nur ungenügend ansprechen.

Die Wirkung tritt zwischen drei Tagen und zwei Wochen nach Therapiebeginn ein und hat ihre stärkste Wirkung zwischen zwei bis vier Wochen nach Therapiebeginn.

Der maximale Gehalt an Atorvastatin im Blut wird ein bis zwei Stunden nach der Einnahme erreicht und die Wirkung hält etwa 24 bis 48 Stunden an.

Atorvastatin wird fast ausschließlich in der Leber verstoffwechselt und den Verdauungstrakt ausgeschieden und nur zu zwei Prozent über die Niere in den Urin abgegeben.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.