Priapismus: Bei Dauererektion sofort handeln!

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (27. Dezember 2017)

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Unter Priapismus versteht man eine schmerzhafte Dauererektion des Penis – ohne dass der Betroffene sexuelle Erregung verspürt. Die Versteifung hält über mehrere Stunden an und bildet sich je nach Ursache nicht immer spontan zurück. Dabei sind lediglich die Schwellkörper des Penis (Corpora cavernosa) erigiert, die Eichel bleibt hingegen weich.

Der Begriff Priapismus leitet sich vom griechischen Fruchtbarkeitsgott Priapos, dem Sohn von Aphrodite und Dionysos, ab. Die krankhafte Gliedversteifung gilt als medizinischer Notfall und erfordert sofortiges Handeln. Wird sie nicht von einem Arzt behandelt, besteht je nach Form des Priapismus die Gefahr, dass das Gewebe des Schwellkörpers durch die dauerhafte Erektion Schaden nimmt.

So können sich bei einer länger anhaltenden Versteifung die Bindegewebszellen im Penis krankhaft vermehren (Fibrose). In der Folge kommt es zur völligen Zerstörung des Schwellkörpergewebes. Ist dies der Fall, kann der Betroffene keine Erektion mehr bekommen und man spricht von einer erektilen Dysfunktion.

Was ist ein Priapismus?

Priapismus ist eine Dauererektion des Penis. Dauert eine Erektion über vier Stunden an, sprechen Mediziner von einem Priapismus. Die Schwellung ist häufig mit Schmerzen, aber nicht mit einem Lustgefühl verbunden. Nur die Schwellkörper des Penis sind steif, die Eichel ist jedoch schlaff.

Es lassen sich zwei Formen von Priapismus unterscheiden: der sogenannte Low-Flow-Priapismus, der in circa 90 Prozent der Fälle vorliegt, und der sogenannte High-Flow-Priapismus.

  1. Der Low-Flow-Priapismus zeichnet sich dadurch aus, dass der Penis stark verhärtet ist und die Eichel sich bläulich-fahl verfärbt. Bei dieser Form des Priapismus ist der Blutabfluss aus den Schwellkörpern komplett blockiert, sodass das Blut nicht auf natürlichem Wege abfließen kann und das Gewebe dauerhaft mit Blut gefüllt ist. Durch die anhaltende Belastung der Schwellkörper entstehen unangenehme Schmerzen. Außerdem nimmt der Sauerstoffgehalt im Blut ab, was auf Dauer zu Veränderungen des Schwellkörpergewebes führt und unbehandelt einen Potenzverlust zur Folge hat.
  2. Einem High-Flow-Priapismus liegen in den meisten Fällen Verletzungen im Damm- oder Genitalbereich zugrunde. Dadurch kommt es zu einem unkontrollierten starken Einstrom von Blut über die Arterien in die Schwellkörper des Penis. Dabei ist der Penis hingegen der Low-Flow-Form eher elastisch und pulsiert. Die Erektion ist weniger bis gar nicht schmerzhaft.

Da der Abfluss von Blut nicht behindert und somit der Blutstrom beim High-Flow-Priapismus nicht unterbrochen ist, bleibt der Sauerstoffgehalt im Blut normal. Dadurch ist das Risiko eines Potenzverlusts geringer als beim Low-Flow-Priapismus. In vielen Fällen lässt die Gliedsteife beim High-Flow-Priapismus nach einiger Zeit von selbst wieder nach.

Neben diesen beiden Formen von Priapismus kann es auch zu Mischformen kommen. Diese entstehen vor allem dann, wenn die Dauersteife als Folge einer Therapie mit Medikamenten zur Behandlung von Impotenz auftritt( z.B. Antidepressiva, Blutdruckmedikamente, Blutverdünner wie Heparin – aber auch Potenzmittel wie Sildenafil bzw. Viagra)

Erigierter Penis mit Schwellkörpern

Erigierter Penis mit Schwellkörpern

Ursachen eines Priapismus

Dem Priapismus können verschiedene Ursachen zugrunde liegen. In den meisten Fällen bleiben diese allerdings ungeklärt.

Zu den Ursachen zählen:

  • urologische Vorerkrankungen (z.B. Entzündungen am Penis, Peniskrebs, Prostatakarzinom, Blasenkarzinom)
  • Erkrankungen des blutbildenden Systems (z.B. Leukämie, Sichelzellanämie)
  • Blutwäsche (Dialyse)
  • Diabetes
  • neurologische Erkrankungen (z.B. Gehirn- und Wirbelsäulentumoren, Verletzungen, Entzündungen)
  • Gefäßerkrankungen (z.B. Blutgerinnungsstörungen, Gefäßerweiterungen)
  • bestimmte Medikamente (Blutdruckmedikamente, Epilepsiemittel, Psychopharmaka)
  • Drogen- und Alkoholkonsum
  • Verletzungen im Damm- oder Penisbereich
  • Komplikationen bei der Behandlung von Impotenz

Nicht nur erwachsene Männer können einen Priapismus bekommen. Auch bei an Blutkrebs (Leukämie) erkrankten Jungen kann das Glied dauerhaft versteifen.

Diagnose bei Priapismus

Bei einem Priapismus kann der Arzt die Diagnose bereits anhand des Verlaufs und der Symptome stellen. Für den Arzt ist es zunächst wichtig, zu erfahren,

  • seit wann die Erektion besteht,
  • ob die Dauerversteifung zum ersten Mal auftritt,
  • wie der Betroffene die Schmerzen beurteilt,
  • ob andere Erkrankungen bestehen,
  • ob der Betroffene Medikamente einnimmt,
  • ob kürzlich Medikamente in den Schwellkörper injiziert wurden, die eine Erektion hervorrufen (SKAT= Schwellkörper- Autoinjektions-Therapie), und
  • ob der Betroffene Alkohol oder Drogen zu sich genommen hat.

Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt den Penis äußerlich begutachtet, den Betroffenen gegebenenfalls auf Verletzungen im Damm- und Genitalbereich untersucht und die Berührungsempfindlichkeit des Penis überprüft.

Ob es sich um einen Low-Flow- oder einen High-Flow-Priapismus handelt, lässt sich anhand einer Blutgasanalyse feststellen. Dafür entnimmt der Arzt Blut aus dem Schwellkörper des Penis. Bei einem Low-Flow-Priapismus ist das Blut dunkel gefärbt und weist einen niedrigen pH-Wert auf. Ein High-Flow-Priapismus ist an der hellen Farbe des Bluts und einem nahezu normalen arteriellen pH-Wert zu erkennen.

Als weitere Maßnahme kann der Arzt eine Ultraschalluntersuchung (sog. Farbduplexsonographie) anordnen, um den Zufluss und Abfluss des Bluts in die Schwellkörper beziehungsweise aus den Schwellkörpern zu überprüfen. Bei einem Low-Flow-Priapismus ist nahezu kein Abfluss zu erkennen.

Therapie eines Priapismus

Liegt ein Priapismus vor, sollte spätestens innerhalb von vier bis sechs Stunden nach Einsetzen der Versteifung eine ärztliche Behandlung erfolgen, um den Schwellkörper des Penis zu entlasten und einen bleibenden Schaden zu verhindern.

Die Behandlung des Low-Flow-Priapismus zielt darauf ab, den Abfluss des Blutes über die Vene wiederherzustellen. Dazu saugt der Arzt das gestaute Blut mittels einer Punktion ab und spült den Schwellkörper mit einer Kochsalzlösung. Zusätzlich kann der Arzt gefäßverengende Substanzen in den Schwellkörper spritzen, damit sich die Muskulatur zusammenzieht und das Blut wieder abfließen kann.

Führt diese Behandlung nicht zum Erfolg, muss ein operativer Eingriff erfolgen. Hierzu legt der Arzt eine Kurzschlussverbindung (sog. Shunt) zwischen den blutgefüllten Schwellkörpern und der Eichel, über den das Blut abfließen kann.

Bei einem High-Flow-Priapismus lässt die Versteifung in manchen Fällen auch ohne Behandlung wieder nach. Ist dies nicht der Fall, kann der Arzt unter Zuhilfenahme einer Angiographie, mit der sich die Blutgefäße nach Gabe eines Kontrastmittels darstellen lassen, ein beschädigtes Gefäß wieder verschließen (Embolisation). Diese Therapiemaßnahme selbst kann allerdings eine erektile Dysfunktion zur Folge haben.

Weitere Informationen

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Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 27.12.2017)

Online-Informationen des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V.: www.dgu.de (Stand: 6.4.2017)

Dallinger, B. et al.: Leitlinie Priapismus. Journal für Urologie und Urogynäkologie, 15 (Sonderheft 6), 2008

Hirner, A., Weise, K.: Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2008

Sökeland, J., Rübben, H.: Taschenlehrbuch Urologie. Thieme, Stuttgart 2008

Jocham, D., Miller, K.: Praxis Urologie. Thieme, Stuttgart 2007

Aktualisiert am: 27. Dezember 2017

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