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Vibrio cholerae

Letzte Änderung:
Verfasst von Dr. rer. nat. Geraldine Nagel • Medizinredakteurin

Beim Krankheitserreger Vibrio cholerae handelt es sich um Bakterien, die beim Menschen zur Durchfallerkrankung Cholera führen können. Unbehandelt endet eine Infektion mit Vibrio cholerae in bis zu 60 Prozent der Fälle tödlich. Mit der richtigen Behandlung überleben jedoch über 99 Prozent der Betroffenen.

Überblick

Durchfallerkrankungen durch Vibrio cholerae treten vor allem in Teilen von Asien, Afrika und Lateinamerika auf. Weltweit kommt es jährlich zu drei bis fünf Millionen Cholera-Fällen, pro Jahr sterben rund 100.000 Menschen daran. In Europa kommt es dagegen nur noch höchst selten zu Cholera-Fällen, meist waren die Betroffenen zuvor in Cholera-Risikoländern unterwegs. In Deutschland werden pro Jahr zwischen 0 bis 7 Cholera-Infektionen gemeldet.

Der Mensch ist die einzige Infektionsquelle für Cholera-Bakterien: Infizierte Personen geben den Erreger über den Stuhl an die Umwelt ab. Die Aufnahme in den Körper erfolgt oral, also zum Beispiel über fäkal verunreinigtes Trinkwasser.

Vibrio-cholerae-Bakterien habe eine stäbchenförmige, leicht gebogene Form und ähneln dadurch einem Komma. An einem Ende tragen die Bakterien eine einzelne, fadenähnliche Struktur (sog. Geißel), mit deren Hilfe sie sich fortbewegen können. Außerdem ist der Cholera-Erreger rundum mit einer Art Fasern besetzt, den sogenannten Fimbrien. Die Fimbrien helfen den Bakterien dabei, sich an die Zellen des Dünndarmepithels anzuheften.

© Okapia
Das Bakterium Vibrio cholerae löst Cholera aus. © NAS/Biophoto Associates/OKAPIA

Nach der oralen Aufnahme passieren die Erreger zuerst den Magen. Der säurehaltige Magensaft stellt eine wichtige Barriere dar, die meisten Cholera-Bakterien überleben das Säurebad nicht. Dennoch erreichen einige Cholera-Bakterien den Darmtrakt. Zu einer Infektion kommt es erst, wenn eine bestimmte Menge an Erregern den Darm erreicht: zwischen Zehntausend bis einer Million Cholera-Bakterien werden hierfür benötigt. Die Geißel hilft den Bakterien dabei, die Schleimhautzellen des Dünndarms zu überwinden und zu den darunterliegenden Dünndarm-Epithelzellen zu gelangen. Sobald die Erreger die Zellen des Dünndarm-Epithels erreicht haben, heften sie sich an diese an. Dort geben die Vibrio-cholerae-Bakterien einen Giftstoff ab, das sogenannte Choleratoxin.

Das Cholera-Toxin stört den Wasser- und Ionenhaushalt der Dünndarmzellen, indem es das Enzym Adenylatzyklase aktiviert. Als Folge dessen geben die Zellen vermehrt die Elektrolyte Chlorid, Kalium und Hydrogenkarbonat in das Innere des Dünndarms ab und können kein Natrium mehr aufnehmen. Das bewirkt, dass innerhalb kurzer Zeit (wenige Stunden) große Mengen Wasser in den Dünndarm geleitet werden – bis zu zehnmal mehr Wasser als gewöhnlich (bis zu 25 Liter am Tag). So entstehen die für Cholera typischen wässrigen Durchfälle, die mit enormen Wasser- und Elektrolytverlusten einhergehen und unbehandelt lebensbedrohlich sind.

Wissenschaftler unterteilen Vibrio-cholerae-Bakterien anhand bestimmter Zellwandanteile (den O-Antigenen) in Subtypen – die sogenannten Serogruppen. Von diesen führt vor allem die Serogruppe O1 zu Cholera-Erkrankungen.

Krankheiten

Eine Infektion mit Vibrio-cholerae-Bakterien führt beim Betroffenen nach zwei bis fünf Tagen zur Cholera, die mit starken, wässrigen ("reiswasserartigen") Durchfällen, Übelkeit und Erbrechen einhergeht. Pro Tag verliert der Körper dabei bis zu 25 Liter Flüssigkeit und trocknet in der Folge stark aus (Dehydratation). Der große Wasserverlust führt zu weiteren körperlichen Reaktionen wie

Übertragung

Vibrio-cholerae-Bakterien führen ausschließlich beim Menschen zu Erkrankungen. Cholera-Kranke scheiden den Erreger massenhaft mit dem Stuhl aus – auch Wochen bis Monate nach der Genesung können ehemalige Patienten den Erreger noch über den Stuhl an die Umwelt abgeben. In Süßwasser können sie circa vier bis sieben Tage überleben, in salzhaltigem Brackwasser sogar länger.

Bakterien der Art Vibrio cholerae werden vor allem über fäkal verunreinigtes Wasser übertragen, seltener durch verunreinigte Lebensmittel. Das erklärt, warum der Erreger vor allem in Ländern mit schlechten Hygienebedingungen, wie Teilen Afrikas, Südamerikas und Asiens, gehäuft auftritt, in denen Trink- und Abwasser nicht getrennt werden. In Europa kommt es nur noch sehr selten zu Infektionen mit Vibrio cholerae – die Betroffenen haben sich jedoch meistens nicht in Europa angesteckt, sondern waren zuvor in einem Cholera-Risikoland unterwegs.

Vorbeugen

Um eine Infektion mit Vibrio-cholerae-Bakterien zu vermeiden, sollte Sie in Cholera-Risikoländern auf eine angemessene Lebensmittel-, Trinkwasser- und Körperhygiene achten:

Eine Schutzimpfung gegen Cholera ist in Form einer Schluckimpfung möglich. Sie ist vor allem Personen zu empfehlen, die einem erhöhten Cholera-Risiko ausgesetzt sind, etwa weil sie sich in einem Cholera-Risikogebiet aufhalten (wie z.B. Flüchtlingshelfer, Ärzte oder Pflegepersonal). Die Cholera-Impfung verleiht einen circa 90-prozentigen Impfschutz, der jedoch nur zwei Jahre anhält. Nach dieser Zeit kann die Impfung aufgefrischt werden.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Cholera – General Information. Online-Informationen der Centers für Disease Control (CDC): www.cdc.gov (Stand: 4.2.2011)

Merkblatt für Beschäftigte und Reisende – Cholera. Online-Informationen des Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de (Stand: November 2010)

Hahn. H. et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer Verlag, Heidelberg 2009

Schöneberg, I.: In Deutschland selten auftretende Infektionskrankheiten – Ergebnisse aus der Meldepflicht. Bundesgesundheitsblatt, Nr. 51, pp. 539 - 546 (April 2008)

Kayser et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2005

Letzte inhaltliche Prüfung: 27.06.2011
Letzte Änderung: 09.07.2020