Ringelröteln: Girlandenförmiger Hautausschlag

Veröffentlicht von: Till von Bracht (07. Februar 2018)

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Wenn ein Kind Fieber hat, sich krank fühlt und juckenden Ausschlag entwickelt, könnten Ringelröteln dahinterstecken. Die Viruserkrankung kommt vor allem bei Schulkindern vor und verläuft meist harmlos. Gefährlich ist sie nur in der Schwangerschaft.

Was sind Ringelröteln?
Ringelröteln sind eine ansteckende Kinderkrankheit, die häufig vom Spätwinter bis Frühsommer auftritt. Der Erreger ist das Parvovirus B19. Bei den meisten Betroffenen ruft die Infektion keine oder nur schwache Beschwerden hervor, die von selbst wieder verschwinden. Wenn Schwangere erkranken, kann dies jedoch schwerwiegende Folgen für das ungeborene Kind haben. Eine Impfung gibt es nicht.

An Ringelröteln erkranken meist Kinder im Alter zwischen 5 und 15 Jahren. Viele von ihnen merken nichts von der Infektion. Nur bei 15 bis 20 von 100 Betroffenen ruft die Erkrankung überhaupt Symptome hervor. Typische Anzeichen sind Fieber, geschwollene Lymphknoten und ein charakteristischer Hautausschlag auf den Wangen und später auf Schultern, Armen und Beinen. Meist klingen die Beschwerden nach ein bis zwei Wochen von selbst wieder ab.

Bei Erwachsenen verläuft die Infektion oft schwerer. Gefährlich werden kann die Erkrankung insbesondere für Menschen mit einer Abwehrschwäche. Auch schwangere Frauen sollten sich vor Ringelröteln schützen. Denn in der Schwangerschaft besteht das Risiko, dass die Viren auf das ungeborene Kind übergehen. Im schlimmsten Fall führt dies zu einer Totgeburt.

Die gute Nachricht: Wer einmal an Ringelröteln erkrankt war, ist lebenslang gegen das Parvovirus B19 geschützt. In Deutschland haben rund 70 von 100 Erwachsenen die Erkrankung hinter sich und sind daher immun. Ansteckungsgefahr besteht also nur für rund 30 von 100 Erwachsenen.

Wichtig: Mit Röteln haben Ringelröteln nicht viel gemeinsam: Röteln werden durch den Rubellavirus ausgelöst, Ringelröteln durch das Parvovirus B19. Gegen Röteln kann man sich impfen lassen, gegen Ringelröteln nicht.

Gerötete und juckende Wangen sind ein typisches Ringelröteln-Symtom. Der Hautausschlag tritt jedoch nur bei einem Teil der Erkrankten auf. (Quelle: Wikimedia Commons, Kardelen Yangın, CC BY-SA 4.0)

Gerötete und juckende Wangen sind ein typisches Ringelröteln-Symtom. Der Hautausschlag tritt jedoch nur bei einem Teil der Erkrankten auf. (Quelle: Wikimedia Commons, Kardelen Yangın, CC BY-SA 4.0)

Wie lange sind Ringelröteln ansteckend?
Betroffene sind vor allem in der Inkubationszeit ansteckend, also bis zum Auftreten des Hautausschlags. Das erklärt auch, warum sich Ringelröteln im Kindergarten oder in der Schule besonders schnell ausbreiten: Da die infizierten Kinder keinerlei Symptome verspüren, bleiben sie nicht zu Hause.

Ringelröteln in der Schwangerschaft

Gerade in der Schwangerschaft stellen Ringelröteln ein besonderes Risiko dar. Bei etwa jeder dritten infizierten Schwangeren werden die Viren über die Plazenta auf das ungeborene Baby übertragen. Eine solche Übertragung ist sehr gefährlich: Selbst wenn die Betroffene die Infektion gar nicht bemerkt, kann der Erreger die blutbildenden Zellen des ungeborenen Kindes schädigen. Dadurch kommt es beim Kind zur Blutarmut.

Diese schadet zum einen dem Herzen des Kindes. Zum anderen hat die Blutarmut zur Folge, dass Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in verschiedene Körperhöhlen des ungeborenen Babys fließt und sich dort sammelt. Ärzte bezeichnen diese Flüssigkeitsansammlungen als Hydrops fetalis

Bei etwa einem Viertel der Schwangeren, die sich mit Ringelröteln anstecken, entwickelt das ungeborene Kind einen Hydrops fetalis. Besonders hoch ist das Risiko dafür zwischen der 13. und 20. Schwangerschaftswoche. In etwa 70 von 100 Fällen führt ein Hydrops fetalis zum Tod des Kindes.

Frauen, die beruflich oder familiär Kontakt mit Kindern haben, sollten zu Beginn der Schwangerschaft durch eine Blutuntersuchung abklären, ob sie immun gegen Ringelröteln sind. Wenn nicht, sollten sie versuchen, sich so gut wie möglich vor einer Ansteckung mit dem Parvovirus B19 zu schützen.

Im Falle einer Infektion sollten Schwangere sofort zum Arzt gehen. Der Arzt kann durch engmaschige Ultraschalluntersuchungen überprüfen, ob die Infektion die kindliche Entwicklung beeinträchtigt. Bildet sich beim Kind ein Hydrops fetalis, kann der Arzt dem Kind über die Nabelschnur eine Infusion mit roten Blutkörperchen verabreichen. Im besten Fall kann diese Maßnahme eine Todgeburt verhindern.

Ringelröteln: die Ursache ist eine Virusinfektion

Das Parvovirus B19 verursacht Ringelröteln. Der Erreger ist hochansteckend, er verbreitet sich über die sogenannte Tröpfcheninfektion: Wenn eine an Ringelröteln erkrankte Person hustet oder niest, gelangen feine Tröpfchen ihres Speichels in die Luft. Atmet ein anderer Mensch diese Tröpfchen ein, gelangen die Erreger über die Schleimhäute der Atemwege in dessen Körper.

Wenn der Betroffene zum ersten Mal mit dem Parvovirus B19 in Kontakt kommt, hat sein Körper noch keine Antikörper gegen den Erreger parat. Das Virus kann sich dann ungehindert im Körper des Infizierten ausbreiten: Es befällt das Knochenmark und vermehrt sich dort in Zellen, aus denen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) hervorgehen. Dabei werden diese Zellen zerstört, was die Blut-Neubildung behindert.

Bei vielen Menschen führt dies nicht zu Beschwerden. In Verbindung mit bestimmten Vorerkrankungen und in der Schwangerschaft können Ringelröteln aber gefährlich werden.

Ringelröteln-Symptome: Wie erkennt man die Erkrankung?

Die meisten Menschen, die sich mit Ringelröteln anstecken, verspüren keinerlei Symptome. Ringelröteln bleiben deshalb häufig unerkannt.

Wenn Symptome auftreten, geschieht dies meist erst 4 bis 14 Tage nach der Ansteckung. In dieser sogenannten "Inkubationszeit" vermehren sich die Viren.

Ringelröteln beginnen oft mit grippeähnlichen Symptomen

Bei vielen Betroffenen beginnt die Erkrankung mit Beschwerden, die einem grippalen Infekt ähnlich sind, zum Beispiel

Nur manchmal führen Ringelröteln zu Ausschlag

Bei jedem fünften bis sechsten Erkrankten tritt etwa zwei Wochen nach der Ansteckung der für Ringelröteln typische Hautausschlag auf. Dieser erscheint zuerst im Gesicht: Auf den Wangen und der Stirn bilden sich girlandenförmig geschwungene rote Flecken, die jucken.

Die symmetrische Form des Ausschlags ähnelt einem Schmetterling und könnte anfangs noch mit Masern verwechselt werden

Die symmetrische Form des Ausschlags ähnelt einem Schmetterling und könnte anfangs noch mit Masern verwechselt werden (Quelle: Wikimedia Commons, Sandyjameslord, CC BY-SA 4.0)

Wenig später breitet sich der Ausschlag auf den Schultern, Armen und Beinen aus. Im Verlauf der Erkrankung können die Flecken ihre Form verändern.

Der Hautausschlag kann sich auf dem gesamten Körper ausbreiten.

Der Hautausschlag kann sich auf dem gesamten Körper ausbreiten.

Meist verblassen sie nach etwa 7 bis 10 Tagen. Der Ausschlag kann aber innerhalb der nächsten Wochen erneut auftreten. Manchmal verstärkt er sich durch äußere Einflüsse wie Sonnenlicht oder ein heißes Bad.

Typisch für Ringelröteln ist ein ring- beziehungsweise girlandenförmiger Hautausschlag. Quelle: Flicker, csaveanu. CC BY-NC-ND 2.0 © Flickr

Typisch für Ringelröteln ist ein ring- beziehungsweise girlandenförmiger Hautausschlag. Quelle: Flicker, csaveanu. CC BY-NC-ND 2.0

Ringelröteln: Diagnose

Meist stellt der Arzt die Diagnose Ringelröteln anhand des charakteristischen, girlandenförmigen Hautausschlags.

Etwa zwei Wochen nach der Infektion lassen sich Ringelröteln auch durch eine Blutuntersuchung feststellen. Erst dann bildet der Körper spezifische Antikörper gegen das Parvovirus B19.

Die Antikörper sind noch Jahre nach einer Ringelröteln-Infektion nachweisbar. Wichtig ist dieser Nachweis zum Beispiel bei Frauen, die schwanger werden möchten und nicht wissen, ob sie schon einmal Ringelröteln hatten. Da bei ihnen nicht klar ist, ob sie gegen Ringelröteln immun sind, sollten sie dies vor der Schwangerschaft mittels der Antikörper-Bestimmung prüfen lassen.

Ringelröteln-Diagnose in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft bleibt eine Ringelröteln-Infektion meist unbemerkt. Wenn eine Schwangere vermutet, dass sie sich mit Ringelröteln angesteckt haben könnte, sollte sie diesen Verdacht jedoch unbedingt frühzeitig von einem Arzt abklären lassen. Denn auch wenn die Viren bei ihr keinerlei Beschwerden verursachen: Für das ungeborene Kind stellen Ringelröteln eine Gefahr dar.

Wenn die Ansteckung gerade erst stattgefunden hat, lassen sich die Erreger noch nicht durch einen Antikörper-Test nachweisen. In diesem frühen Stadium der Infektion kann der Arzt Ringelröteln aber mithilfe eines anderen Diagnoseverfahrens feststellen, der sogenannten Polymerasekettenreaktion (PCR).

Stellt er dabei fest, dass die Patientin infiziert ist, wird er die Gesundheit des Kindes genau überwachen. So kann er frühzeitig reagieren, wenn das Kind beispielsweise einen Hydrops fetalis entwickelt

Ringelröteln: Therapie

Wie bei vielen Viruserkrankungen steht bisher kein Medikament zur Verfügung, das die Ringelrötelnviren gezielt abtötet. Bei Ringelröteln ist jedoch meist ohnehin keine Behandlung notwendig. Die Beschwerden klingen nach ein bis zwei Wochen von selbst ab.

Bei länger anhaltendem Fieber, Muskelschmerzen oder Gelenkschmerzen ist Bettruhe ratsam. Gegen die einzelnen Beschwerden helfen bei Ringelröteln zum Beispiel

Was tun bei Ringelröteln in der Schwangerschaft?

Bei einer Ringelröteln-Infektion während der Schwangerschaft führt der Arzt wöchentlich Ultraschalluntersuchungen durch. Wenn das Ungeborene durch die Infektion zu wenig rote Blutkörperchen (Anämie) oder Blutplättchen (Thrombozytopenie) hat, kann der Arzt die fehlenden Blutbestandteile über die Nabelvene in den Kreislauf des Kindes einschleusen. In bestimmten Fällen kann der Arzt auch eine Bluttransfusion direkt in das Herz des Kindes in Erwägung ziehen.

Ringelröteln: Verlauf der Erkrankung

Die meisten Betroffenen genesen nach ein bis zwei Wochen. Der mit der Erkrankung verbundene Hautausschlag (Exanthem) kann mehrere Wochen lang anhalten. Mitunter kommt es vor, dass er durch Sonnenstrahlung oder Hitze wieder aufflammt.

Wer einmal an Ringelröteln erkrankt war, ist für den Rest des Lebens gegen das Parvovirus B19 immun: Es befinden sich Langzeit-Antikörper im Blut – das Immunsystem ist nun auf die Erkennung von Ringelrötelviren "trainiert".

Komplikationen

Komplikationen sind bei Ringelröteln sehr selten. Meistens betreffen sie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen.

Wenn ein Mensch zum Beispiel an einer sogenannten hämolytischen Anämie erkrankt ist, können Ringelröteln bei ihm zu einem drastischen Mangel an roten Blutkörperchen führen. Denn durch die hämolytische Anämie baut der Körper mehr Blutkörperchen ab, als er neue bildet. Und Ringelröteln beeinträchtigen die Blutbildung zusätzlich.

Bei Menschen mit Abwehrschwäche (z.B. AIDS) können im Verlauf einer Infektion mit Ringelröteln anhaltende Blutarmut (Anämie) und chronische Gelenkentzündungen auftreten.

Ringelröteln: Vorbeugen

Eine Impfung gegen das Parvovirus B19 gibt es derzeit nicht.

Infizierte Personen lassen sich nur bedingt meiden, da bereits während der Inkubationszeit Ansteckungsgefahr für andere besteht, der Infizierte selbst jedoch in der Regel noch keine Symptome hat und somit nicht weiß, dass er krank ist.

Ab dem Augenblick, wenn der typische Hautausschlag beim Betroffenen sichtbar wird, ist das Risiko einer Ansteckung nur noch gering. Kinder mit Ringelröteln sollten dennoch in der akuten Krankheitsphase nicht zur Schule oder in den Kindergarten gehen.

Da Ringelröteln in der Regel keine Komplikationen verursachen, müssen Sie nur dann gezielt vorbeugen, wenn Sie zu einer bestimmten Risikogruppe zählen: Eine Ringelröteln-Infektion während der Schwangerschaft kann zum Beispiel das Ungeborene gefährden. Daher ist es wichtig, bei infizierten Müttern regelmäßige Untersuchungen durchzuführen, um das Risiko für das ungeborene Kind zu minimieren.

Ringelröteln: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Ringelröteln (Erythema infectiosum)":

Onmeda-Lesetipps:

Kinderkrankheiten: Welche gibt es? Wie erkennt man sie?

Quellen:

Ringelröteln. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 12.4.2017)

Hof, H., Dörries, R.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2017

Ringelröteln. Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.infektionsschutz.de (Stand: 25.4.2016)

Kerbl, R., et al.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2015

Eppinger, M., Müller, M.: Pädiatrie. Für Studium und Praxis 2015/16. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2015

Leitlinien der Gesellschaft für Virologie (GfV): Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 093-001 (Stand: 31.3.2014)

Aktualisiert am: 7. Februar 2018