PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom): Chaos im weiblichen Hormonhaushalt

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (02. Januar 2018)

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Unregelmäßige Menstruation, verstärkte Körperbehaarung, fettige Haut und Akne: Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCO) ruft zahlreiche Symptome hervor, die die Betroffenen oft als sehr belastend empfinden. Heilbar ist die Erkrankung nicht. Viele der Beschwerden lassen sich aber gut in den Griff bekommen.

Was ist das PCO-Syndrom?
Das polyzystische Ovarialsyndrom, kurz PCO-Syndrom, ist eine hormonelle Störung, die bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter auftreten kann. Folgende Merkmale sind typisch für das PCO-Syndrom:

  • Die Abstände zwischen den Regelblutungen werden größer oder die Periode bleibt aus.
  • Die Konzentration männlicher Sexualhormone ist erhöht oder gewisse körperliche Veränderungen (z.B. verstärkte Körperbehaarung) deuten auf einen Überschuss männlicher Hormone hin.
  • In den Eierstöcken bilden sich viele kleine Zysten (sog. polyzystische Ovarien).

Der Arzt kann die Diagnose "PCO" stellen, wenn bei der Patientin mindestens zwei dieser Symptome auftreten.

Das PCO-Syndrom ist sehr verbreitet: Fast jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter ist davon betroffen. Die meisten von ihnen gehen zum Arzt, weil ihre Monatsblutungen nicht mehr in gewohnter Regelmäßigkeit einsetzen oder ihr Körper sich verändert hat: Häufig führt PCO zu

  • verstärktem Haarwuchs am Körper und im Gesicht,
  • Haarausfall auf dem Kopf sowie
  • fettiger und zu Entzündungen neigender Haut (Akne).

Die Zyklusstörungen und die Beschwerden sind zunächst nicht gefährlich. Allerdings gehen die hormonellen Veränderungen, die diesen Symptomen zugrunde liegen, oft mit erheblichen gesundheitlichen Problemen einher: Viele Frauen mit PCO sind unfruchtbar. Mehr als die Hälfte der Betroffenen haben Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus.

Wie genau PCO mit diesen Erkrankungen zusammenhängt, ist noch nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass das Stoffwechselhormon Insulin bei allen drei Erkrankungen eine entscheidende Rolle spielt. Auch hat sich herausgestellt, dass sich Diabetes und PCO mit denselben Maßnahmen bekämpfen lassen: Wenn übergewichtige Typ-2-Diabetikerinnen mit PCO ein gesundes Gewicht erreichen, normalisiert sich häufig sowohl ihr Stoffwechsel, als auch ihr Zyklus.

Bei den meisten Frauen sind jedoch Medikamente nötig, um die Beschwerden zu lindern: Hormonpräparate wie die Antibabypille wirken dem Überschuss männlicher Hormone entgegen und helfen auf diese Weise gegen die Hautprobleme und den verstärkten Haarwuchs. Andere hormonelle Mittel können den Eisprung künstlich auslösen und somit eine Schwangerschaft ermöglichen.

So kam das PCO-Syndrom zu seinem Namen

Die Eierstöcke sind bei Frauen mit PCO häufig von vielen kleinen perlschnurartig aufgereihten Zysten umgeben. Ihnen verdankt das Syndrom seinen Namen: "Poly" heißt viele, "Ovar" ist der Fachbegriff für den Eierstock.

Bei den Zysten handelt es sich um unvollständig gereifte Follikel: Normalerweise platzt jeden Monat ein Follikel und gibt eine Eizelle zur Befruchtung frei (Eisprung). Hormonelle Störungen können jedoch bewirken, dass die Follikel nicht ausreichend reifen können und der Eisprung ausbleibt. Die unreifen Follikel sammeln sich dann im Randbereich der Eierstöcke.

Vor allem in englischsprachigen Ländern wird das polyzystische Ovarialsyndrom häufig mit "PCOS" abgekürzt. Auch sprechen Fachleute manchmal vom "polyzystischen Ovar-Syndrom".

Hierzulande verwendet man zudem die ältere Bezeichnung Stein-Leventhal-Syndrom. Diese geht auf die amerikanischen Mediziner Irving Freiler Stein und Michael Leventhal zurück, die das Syndrom erstmals beschrieben.

PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom): Wie entsteht es?

Das PCO-Syndrom (PCOS, polyzystische Ovarialsyndrom) geht mit Hormonstörungen einher, deren Ursachen nicht genau geklärt sind. An der Entstehung von PCO sind oft mehrere Faktoren beteiligt, vor allem

  • die genetische Veranlagung,
  • der Zuckerstoffwechsel und das Stoffwechselhormon Insulin und
  • ein Überschuss männlicher Hormone (sog. Hyperandrogenämie).

So hängt PCO mit dem Zuckerstoffwechsel zusammen

Das Hormon Insulin spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von PCO. Der Körper bildet Insulin, wenn viel Zucker im Blut ist, etwa nach dem Essen. Das Hormon regt die Körperzellen dazu an, Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Die meisten PCO-Patientinnen haben aber eine sogenannte Insulinresistenz: Ihre Zellen reagieren unempfindlich auf Insulin. Somit bleibt ihr Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht. Der Körper produziert dann immer mehr Insulin, um ihn zu senken.

Eine Insulinresistenz begünstigt zum einen Übergewicht und Diabetes. Zum anderen bringt ein dauerhaft erhöhter Insulinspiegel den Hormonhaushalt durcheinander. Der Körper produziert dann zu viel männliche Hormone. Der Überschuss männlicher Hormone macht sich schließlich in den für PCO typischen körperlichen Veränderungen bemerkbar (z.B. Akne, Hirsutismus, Gewichtszunahme am Bauch).

Außerdem beeinträchtigen die männlichen Hormone den Menstruationszyklus: Bei den meisten Patientinnen findet kein Eisprung statt. Auch die Periode bleibt aus oder tritt in ungewöhnlich großen oder unregelmäßigen Abständen auf.

Warum es so schwierig ist, die Ursache zu finden

Die Insulinresistenz scheint bei der Entstehung von PCO zwar eine wichtige Rolle zu spielen. Aber wodurch wird die Insulinresistenz hervorgerufen? Mögliche Ursachen sind die erbliche Veranlagung und Übergewicht. Allerdings kann Übergewicht auch als Folge einer Insulinresistenz auftreten. Zudem gibt es auch schlanke PCO-Patientinnen mit Insulinresistenz.

Die Ursache einer Insulinresistenz lässt sich daher meist nicht eindeutig feststellen. Obendrein erkranken auch Frauen ohne Insulinresistenz an PCO. Denn die erhöhte Konzentration männlicher Hormone kann auch andere Ursachen haben, zum Beispiel

  • die erbliche Veranlagung,
  • andauernder Stress sowie
  • Tumoren, die Hormone bilden.

PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom): Symptome

Folgende Symptome sind für das PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) typisch:

Nicht bei jeder Frau mit PCO-Syndrom treten alle Symptome auf. Viel häufiger äußert sich das polyzystische Ovarialsyndrom nur durch einen Teil dieser Symptome.

Viele Frauen mit PCO-Syndrom leiden unter einer verminderten Fruchtbarkeit, was bei unerfülltem Kinderwunsch zu depressiven Verstimmungen führen kann. © Jupiterimages/Stockbyte

Viele Frauen mit PCO-Syndrom leiden unter einer verminderten Fruchtbarkeit, was bei unerfülltem Kinderwunsch zu depressiven Verstimmungen führen kann.

PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom): So stellt der Arzt die Diagnose

Der Arzt kann die Diagnose "PCO" stellen, wenn mindestens zwei der drei sogenannten Rotterdam-Kriterien zutreffen, welche in der Medizin als Definition der Erkrankung anerkannt sind:

  1. Die Patientin hat unregelmäßige Regelblutungen oder ihre Periode bleibt aus.
  2. Die Patientin hat einen erhöhten Spiegel männlicher Sexualhormone oder weist gewisse körperliche Veränderungen (z.B. verstärkte Körperbehaarung) auf, die auf einen Überschuss männlicher Hormone hindeuten.
  3. Die Eierstöcke sind vergrößert oder von vielen kleine Zysten umgeben.

Ob Zyklusstörungen bestehen, kann der Arzt bereits durch gezielte Fragen herausfinden. Ob die Haut und der Haarwuchs der Patientin auf einen Überschuss männlicher Hormone hindeuten, stellt er bei der anschließenden körperlichen Untersuchung fest.

Um sich die Eierstöcke der Patientin anschauen zu können, nimmt der Arzt eine Ultraschalluntersuchung vor. 

Zudem nimmt er der Patientin Blut ab, um bestimmte Hormonwerte zu kontrollieren. Typisch für PCO sind erhöhte Konzentrationen

  • des sogenannten luteinisierenden Hormons (LH),
  • einzelner oder aller männlicher Hormone (Testosteron, Androstendion, DHEA und/oder DHEAS),
  • des milchbildenden Hormons Prolaktin.

Bei vielen Patientinnen tritt PCO als Folge einer Insulinresistenz auf. Diese kann der Arzt mithilfe eines sogenannten Zuckertests feststellen. Dazu kommt die Patientin zum Arzt, ohne etwas gefrühstückt zu haben. Der Arzt bestimmt dann zunächst ihren Nüchternblutzucker. Anschließend bekommt die Patientin eine zuckerhaltige Flüssigkeit verabreicht.

Nach einer Stunde und nach zwei Stunden nimmt der Arzt ihr erneut Blut ab. So kann er ermitteln, wie sich ihr Blutzuckerspiegel entwickelt. Bleibt er dauerhaft erhöht, ist das ein Zeichen für eine Insulinresistenz: Die Körperzellen können offenbar nicht ausreichend Zucker aus dem Blut aufnehmen, weil sie nicht mehr auf das entsprechende Signal des Hormons Insulin reagieren.

PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom): Behandlung

PCO lässt sich nicht heilen. Es gibt aber Möglichkeiten, die damit verbundenen Beschwerden zu lindern. Welche Therapie für eine Patientin geeignet ist, richtet sich vor allem danach, ob sie Kinder bekommen möchte oder nicht.

Patientinnen ohne Kinderwunsch

Hormonpräparate wie die Antibabypille hemmen die Bildung männlicher Hormone im Körper und helfen somit gegen die für PCO typischen Vermännlichungserscheinungen: Hautprobleme wie fettige Haut und Akne gehen zurück. Die Körperbehaarung normalisiert sich und der Haarausfall lässt nach.

Patientinnen mit Kinderwunsch

Für Frauen, die schwanger werden möchten, ist eine Behandlung mit der verhütend wirkenden Antibabypille nicht geeignet. Ihnen kann der Arzt das Mittel Clomifen verordnen, das den Eisprung anregt.

Bleibt die Clomifen-Therapie ohne Erfolg, kann der Arzt der Patientin auch andere Hormone, sogenannte Gonadotropine, spritzen. Allerdings ist diese Behandlung mit einem erhöhten Risiko für eine plötzliche, übermäßige Bildung von Eibläschen verbunden. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Patientin mit Mehrlingen schwanger wird. 

Therapie bei Übergewicht und/oder Diabetes mellitus

Viele Patientinnen mit dem PCO-Syndrom sind übergewichtig und haben Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus oder eine Vorstufe davon (Insulinresistenz). Diese Frauen können ihren Hormonhaushalt positiv beeinflussen, indem sie ein gesundes Gewicht erlangen und Sport treiben. In Studien hat sich gezeigt, dass sich auf diese Weise auch die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen und das Risiko für Fehlgeburten senken lassen.

Patientinnen mit Insulinresistenz beziehungsweise Diabetes mellitus kann zudem der Wirkstoff Metformin helfen. Er senkt den Blutzuckerspiegel und regt – ebenso wie Clomifen – den Eisprung und die Follikelbildung an. Metformin ist eigentlich ein Wirkstoff gegen Typ-2-Diabetes und in Deutschland nicht zur Therapie des PCO-Syndroms zugelassen. Der Arzt kann es dennoch verschreiben, wenn er die Patientin entsprechend aufklärt.

PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom): Verlauf

Wenn das PCO in Zusammenhang mit Übergewicht, Insulinresistenz und/oder Diabetes mellitus auftritt, besteht die Chance, dass sich der Hormonhaushalt wieder normalisiert, wenn die Betroffenen abnehmen und sich mehr bewegen.

Bei schlanken Frauen ohne Insulinresistenz normalisiert sich der gestörte Hormonhaushalt allerdings leider meist nicht auf natürliche Weise. Sie müssen meist dauerhaft Hormone einnehmen, um die Beschwerden langfristig in den Griff zu bekommen. Manche Patientinnen vertragen bestimmte hormonelle Wirkstoffe nicht. Ihnen kann der Arzt Präparate mit anderer Zusammensetzung verordnen.

PCO geht mit einem erhöhten Risiko für gewisse Erkrankungen einher. Dazu zählen

Schwangere PCO-Patientinnen erkranken zudem eher an Schwangerschaftsdiabetes als gesunde Schwangere.

PCO-Syndrom: Vorbeugen

Verschiedene Einflüsse begünstigen die Entstehung von PCO. Nicht alle Ursachen sind bekannt und einige Risikofaktoren – etwa die erbliche Veranlagung – lassen sich nicht beseitigen. 

Allerdings kann man mit Sport und einer maßvollen und gesunden Ernährung zumindest Übergewicht und Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus vom Typ II vorbeugen, die das Risiko für PCO erhöhen.

Manchmal treten Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch als Folge des PCO-Syndroms auf. Um dies zu verhindern, ist es wichtig, dass sich PCO-Patientinnen möglichst frühzeitig in ärztliche Behandlung begeben.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom)":


Onmeda-Lesetipps:

Ratgeber Kinderwunsch: So erhöhen Sie Ihre Chance, schwanger zu werden
Forum Kinderwunsch: Hier können sich Frauen mit Kinderwunsch austauschen

Linktipps:

www.pcos-selbsthilfe.org
Selbsthilfenetzwerk für Frauen mit Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS)

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2018)

Polycystic ovary syndrome (PCOS). Online-Informationen der Mayo Clinic: www.mayoclinic.org (Stand: 29.8.2017)

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 28.12.2016)

Polyzystische Ovarien: Diät und Sport steigern Chance auf Schwangerschaft. Online-Informationen des Deutschen Ärzteblatts: www.aerzteblatt.de (Stand: 29.9.2015)

Weyerstahl, T.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Aktualisiert am: 2. Januar 2018

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