Hyperhidrose bei einer Frau mit großem Schweißfleck.
© Getty Images/SrdjanPav

Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen)

Eine Hyperhidrose kann sehr belastend sein, denn krankhaftes Schwitzen an den Händen, Füßen oder Achseln ist sehr unangenehm. Welche Behandlungen und Medikamente es gibt, erfahren Sie hier.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist Hyperhidrose?

Hyperhidrose ist der medizinische Fachbegriff für übermäßiges Schwitzen. Die starken Schweißausbrüche können dabei entweder am ganzen Körper (generalisiert) oder an bestimmten Körperteilen (fokal), etwa an den Händen oder in den Achseln, auftreten.

Je nachdem, an welcher Stelle jemand übermäßig schwitzt, unterscheidet man verschiedene Formen der fokalen Hyperhidrose:

  • Hyperhidrosis axillaris: in den Achseln
  • Hyperhidrosis manuum: an den Händen
  • Hyperhidrosis pedum: an den Füßen
  • Hyperhidrosis fascialis: im Gesicht und am Hals

Abhängig von der jeweiligen Ursache unterscheiden Fachleute außerdem zwischen einer primären und einer sekundären Hyperhidrose.

Welche Behandlung gibt es bei Hyperhidrose?

Wenn das übermäßige Schwitzen öfter auftritt, es zu plötzlichen Schweißausbrüchen kommt und gewöhnliche Deodorants nicht mehr helfen, kann eine Hyperhidrose vorliegen, die behandelt werden sollte.

Eine Hyperhidrose kann sowohl konservativ als auch chirurgisch behandelt werden. Ist eine Erkrankung für die Hyperhidrose verantwortlich, sollte diese Krankheit behandelt werden.

Für die konservative Therapie stehen bei übermäßigem Schwitzen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Antitranspirantien
  • Botulinumtoxin A
  • Iontophorese
  • medikamentöse Therapie

Antitranspirantien

Antitranspirantien verschließen die Drüsenausführungsgänge der Haut. Sie bieten sich vor allem bei Ganzkörperschwitzen an, können aber auch bei lokaler Hyperhidrose eingesetzt werden. Ein typischer Wirkstoff ist Aluminiumchlorid. Antitranspirantien sind meist als Sprays oder Deoroller erhältlich.

Botulinumtoxin A

Botulinumtoxin A ist das Gift des Bakteriums Clostridium botulinum, dem Erreger des Botulismus. Hyperhidrose kann mit diesem Nervengift, das auch Botox genannt wird, behandelt werden, um die Schweißproduktion zu verhindern. Botox hemmt die Ausschüttung des Botenstoffs (Acetylcholin) an den Nervenenden (Synapsen). Dadurch blockiert es die Nervenleitung, sodass die Schweißproduktion über längere Zeit fast komplett eingestellt ist.

Botox wird vor allem bei übermäßigem Schwitzen im Bereich der Axelhöhlen eingesetzt. Eine Therapie mit Botulinumtoxin muss im Abstand von einigen Monaten wiederholt werden.

Leitungswasser-Iontophorese

Die Leitungswasser-Iontophorese ist eine Anwendung mit schwachem Gleichstrom. Insbesondere bei einer Hyperhidrose an Händen und Füßen kommt diese Therapieform infrage. Bei der Iontophorese tauchen Betroffene die entsprechenden Körperteile in ein Salzbad, in dem ein schwacher Gleichstrom fließt. Der Gleichstrom hemmt die Nervenenden und wirkt so der übermäßigen Schweißproduktion entgegen. In der Regel reicht eine Anwendung allein nicht aus, sondern sie muss anfangs täglich, später etwa ein- bis zweimal wöchentlich wiederholt werden.

Medikamentöse Therapie

Eine Hyperhidrose wird nur dann mit Medikamenten behandelt, wenn sie den ganzen Körper betrifft und/oder eine Therapie mit Antitranspirantien, Botox oder der Leitungswasser-Iontophorese nicht anschlägt. Es gibt sogenannte Antihydrotika, dazu zählen Methenamin, Salbeiblätterextrakt und synthetische Gerbstoffe, die alle äußerlich angewendet werden.

Als Wirkstoffe bei der medikamentösen Therapie kommen auch sogenannte Anticholinergika wie Methantheliniumbromid  und Bornaprin zur vorübergehenden Behandlung infrage. Seit August 2022 neu zugelassen ist der Wirkstoff Glycopyrronium bei Hyperhidrose.

Chirurgische Behandlung

Eine Hyperhidrose wird dann chirurgisch behandelt, wenn andere Therapien keinen dauerhaften und zufriedenstellenden Erfolg erzielen. Dabei können entweder die Schweißdrüsen vollständig entfernt werden (Schweidrüsenexzision) oder bestimmte Nerven durchtrennt werden (Saugkürettage oder Sympathektomie).

  • Schweißdrüsenexzision: Bei dieser Therapie werden die Schweißdrüsen der Achselhöhle über einen bis mehrere Schnitte entfernt. Mögliche Nebenwirkungen sind Wundheilungsstörungen oder verdickte Narben.
  • Subkutane Schweißdrüsen-Saugkürettage: Hierbei wird durch kleine Hautschnitte das Unterhautfettgewebe abgesaugt und die Nerven durchtrennt, welche die Schweißdrüsen versorgen. Diese Methode unterbindet die Schweißproduktion nicht völlig.
  • Endoskopische transthorakale Sympathektomie (ETS): Als letzte Behandlungsmöglichkeit, vor allem, wenn das Schwitzen den gesamten Körper betrifft, bietet sich die endoskopische transthorakale Sympathektomie (ETS) an. Dabei werden die Fasern des sympathischen Nervensystems im Brustbereich durchtrennt, welche die Schweißdrüsen anregen, Schweiß zu produzieren. Die Methode kommt meist erst dann zum Einsatz, wenn keine andere Behandlung erfolgreich war und die Betroffenen einen großen Leidensdruck verspüren.

Hyperhidrose: Ursachen

Übermäßiges Schwitzen kann vielfältige Ursachen haben:

Primäre Hyperhidrose

Bei der primären Hyperhidrose sind die genauen Ursachen nicht bekannt (sog. idiopathische Hyperhidrose). Sie tritt häufig bereits in der Pubertät auf. Besonders Stress, Angst oder Schmerzen können starkes Schwitzen auslösen.

Sekundäre Hyperhidrose

Die sekundäre Hyperhidrose ist häufig die Folge einer anderen Erkrankung. Mögliche Erkrankungen, die zu übermäßigem Schwitzen führen können, sind zum Beispiel:

Symptome bei Hyperhidrose

Bei einer Hyperhidrose sind die Symptome und das Ausmaß individuell sehr unterschiedlich und abhängig davon, wo am Körper das übermäßige Schwitzen auftritt. Allen Formen der Hyperhidrose gemeinsam ist das starke Schwitzen: Der Schweiß tritt aus den Hautporen aus und hinterlässt große nasse Flecken auf der Kleidung oder im Schuhwerk.

Besonders dort, wo die Schweißbildung durch emotionale Reize angeregt wird, kann übermäßiges Schwitzen entstehen, etwa an

  • den Handflächen,
  • den Fußsohlen oder
  • den Achselhöhlen.

Besonders in den Achselhöhlen kann der Schweiß dabei sehr plötzlich austreten und an der Körperseite herunterrinnen.

Besondere soziale Problematik

Ob und wann ein Mensch übermäßiges Schwitzen als störend empfindet, ist individuell sehr unterschiedlich. Für den einen ist die vermehrte Schweißproduktion vielleicht noch tolerabel, während ein anderer unter dem gleichen Erscheinungsbild sehr leiden kann.

Probleme treten auf, wenn die übermäßige Schweißproduktion als unangenehm erlebt wird. Vor allem Personen, bei denen sich die Hyperhidrose überwiegend an den Händen zeigt, fühlen sich in ihrem sozialen und beruflichen Leben stark eingeschränkt. Der enge Kontakt zu anderen Menschen wird gemieden. Jemandem die Hand zu geben, wird zu einer unüberwindbaren Hürde und der Umgang mit feuchtigkeitsempfindlichen Materialien (Papier) ist ein großes Hindernis.

Wenn die Fußsohlen von der Hyperhidrose betroffen sind, entstehen durch die Nässe im geschlossenen Schuhwerk häufig Folgekrankheiten wie Haut- und Nagelpilze, Pilzinfektionen oder Warzen.

Hyperhidrose: Diagnose

Ein erster Hinweis auf eine Hyperhidrose ist extrem starkes Schwitzen – vorzugsweise in typischen Hautarealen wie Achseln, Handflächen und Fußsohlen auftritt. Die Diagnose gilt als eindeutig, wenn die drei Kriterien erfüllt sind:

  • übermäßiges Schwitzen an den typischen Stellen
  • keine weiteren Beschwerden
  • keine Grunderkrankungen

Gibt es Hinweise auf eine bestehende Grunderkrankung, welche als Ursache für die Hyperhidrose infrage kommt, werden weitere Untersuchungen durchgeführt, beispielsweise ein (Langzeit-)Elektrokardiogramm, eine Blutentnahme oder eine Röntgenuntersuchung.

Um die genaue Schweißmenge pro Minute festzustellen, kann eine Gravimetrie durchgeführt werden, mit der die Schweißbildung auf saugfähigem Filterpapier nachgewiesen werden kann. Mit dem sogenannten Jod-Stärke-Test können die Hautareale, auf denen der Körper am meisten Schweiß bildet, durch ein Färbungsverfahren sichtbar gemacht werden.

Hyperhidrose: Verlauf

Wie sich eine Hyperhidrose im Verlauf entwickelt, hängt davon ab, welche Behandlung gewählt wurde. Wenn eine Grunderkrankung das übermäßige Schwitzen verursacht, beeinflusst deren Therapie den weiteren Verlauf der Hyperhidrose.

Hyperhidrose: Vorbeugen

Es ist möglich, einer Hyperhidrose in gewissem Rahmen vorzubeugen. Dafür gelten allgemeine Maßnahmen, die eine verstärkte Schweißproduktion verhindern können:

  • Genussmittel meiden, die eine Hyperhidrose verstärken können. Dazu zählen Kaffee, Alkohol, Zigaretten und scharfe Gewürze.
  • Auch Stress kann ein schweißtreibender Faktor sein. Entspannungsübungen bauen Stress ab und können somit hilfreich gegen übermäßiges Schwitzen sein.
  • Textilien aus Polyacryl können Schweiß nicht nach außen abgeben. Tragen Sie stattdessen eher atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle.