Histaminintoleranz (Histamin­unverträglichkeit)

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (25. Januar 2018)

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Manchen Menschen geht nach dem Genuss von Rotwein oder Weizenbier sofort die Nase zu oder sie beginnt zu laufen. Andere bekommen nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel plötzlich Hautrötungen, Juckreiz oder Magen-Darm-Beschwerden. Mögliche Ursache ist eine Histaminintoleranz. Wie sich diese beim Einzelnen äußert, kann ganz unterschiedlich sein.

Was ist eine Histaminintoleranz?

Von einer Histaminintoleranz (Histaminunverträglichkeit, Histaminose) spricht man, wenn über die Nahrung aufgenommenes Histamin zu gesundheitlichen Beschwerden führt. Im Grunde bezeichnet die Histaminintoleranz jedoch ganz allgemein ein Missverhältnis zwischen anfallendem Histamin und dessen Abbau. Da die Beschwerden denen einer Allergie ähneln, jedoch keine Allergie vorliegt, zählt man die Histaminintoleranz auch zu den Pseudoallergien ("Scheinallergien").

Über viele Details der Histaminintoleranz herrscht immer noch Unklarheit, da es an aussagekräftigen Studien fehlt.

Das Gewebehormon Histamin ist ein Botenstoff (Mediator) der bei vielen Prozessen im Körper eine wichtige Rolle spielt, vor allem bei Entzündungsreaktionen. Histamin entsteht zum einem im Körper aus dem Abbau der Aminosäure Histidin. Daneben enthalten auch viele Lebensmittel Histamin. Chemisch gesehen zählt Histamin zu den sogenannten biogenen Aminen.

Histaminintoleranz: Was sind die Ursachen?

Die genauen Ursachen einer Histaminintoleranz (Histaminunverträglichkeit, Histaminose) beziehungsweise deren Entstehungsmechanismen sind noch zu großen Teilen ungeklärt. Histamin aus Nahrungsmitteln wird bei den meisten Menschen rasch im Darm abgebaut und bereitet deshalb überwiegend keine Probleme. Bei etwa einem Prozent der Bevölkerung scheint dies jedoch nicht richtig zu funktionieren, sodass Beschwerden in Form einer Histaminunverträglichkeit auftreten können. Bisherigen Erkenntnissen zufolge ist eine Histaminintoleranz nur in wenigen Fällen angeboren, sondern tritt in der Regel erst im Laufe des Lebens auf.

Histamin-Abbau durch Enzyme

Normalerweise sorgen zwei Enzyme für den Abbau von Histamin:

  • DAO (Diaminoxidase) und
  • HNMT (Histamin-N-Methytransferase).

Für den Abbau von Histamin aus Nahrungsmitteln im Dünndarm ist vor allem die DAO wichtig. Die HNMT baut dagegen insbesondere körpereigenes Histamin ab, das sich in Zellen befindet. Für eine Histaminunverträglichkeit spielt vor allem die DAO eine Rolle.

Zu den genauen Ursachen einer Histaminintoleran gibt es verschiedene, noch nicht vollständig gesicherte Theorien:

  • Enzymmenge: Der Körper produziert nicht genug vom histaminabbauenden Enzym DAO, das heißt, es liegt ein DAO-Mangel vor. Als Folge kann Histamin aus der Nahrung nicht ausreichend abgebaut werden.
  • Enzymaktivität:
    • Der Körper produziert zwar ausreichen DAO, diese ist jedoch inaktiv oder nur teilweise aktiv, etwa als Folge einer Erkrankung (z.B. Nahrungsmittelallergie, Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa ).
    • Es existieren Faktoren, die das histaminabbauende Enzym DAO hemmen bzw. dessen Aktivität für sich beanspruchen, wie z.B. biogene Amine, Alkohol (bzw. dessen Abbauprodukt Acetaldehyd) oder bestimmte Medikamente.

Manche Experten vermuten zudem, dass ein mangelnder Histamin-Abbau durch die DAO auch die Aktivität der HNMT beeinträchtigt. Auf diese Weise könnte es möglicherweise auch zu einem Anstieg von körpereigenen Histamin kommen.

Histamin in Lebensmitteln

Vielen Lebensmitteln enthalten von Natur aus Histamin. Bei Menschen mit einer Histaminintoleranz können solche Lebensmittel unter Umständen Beschwerden auslösen.

Man sieht einen Laib Brot, Käse, Tomaten, Gurken, Salami und ein Glas Rotwein. © Jupiterimages/iStockphoto

Wie viel Histamin steckt drin? Nicht immer leicht abzuschätzen.

Der Histamin-Gehalt in Lebensmitteln ist zudem nicht immer gleich: Die Menge an Histamin kann sich zum Beispiel als Folge von Reifungsprozessen, Lagerung oder Verarbeitung verändern. Aus diesem Grund können die Histamin-Mengen in ein und derselben Lebensmittelsorte variieren. Die Histamin-Mengen in Emmentaler-Käse beispielsweise liegen abhängig vom Reifegrad bei circa 0,1 Milligramm bis teilweise über 2.000 Milligramm Histamin pro Kilogramm. Wie viel Histamin in einer einzelnen Mahlzeit vorkommt, lässt sich daher kaum exakt bestimmen.

Histaminreiche Lebensmittel sind zum Beispiel:

  • Alkohol, v.a. Rotwein
  • reifer Käse
  • Wurst, v.a. Salami
  • länger gelagerter Fisch
  • Nüsse
    Tomatenketchup
  • Sauerkraut
  • Sojasoße

Bestimmte Lebensmittel enthalten außerdem selbst zwar kein Histamin, können möglicherweise aber bewirken, dass körpereigenes Histamin aus Zellen ausgeschüttet wird. Das soll zum Beispiel für Erdbeeren oder Schokolade der Fall sein. Solche Lebensmittel bezeichnet man als Histaminliberatoren – wörtlich bedeutet das etwa so viel wie "Histaminfreisetzer".

Die Existenz solcher Histaminliberatoren konnte jedoch bislang nur im Labor in Versuchen mit Zellkulturen nachgewiesen werden. Ob es sich tatsächlich auch beim Menschen so verhält und welche Auswirkungen diese im Rahmen einer Histaminintoleranz haben, ist nicht ausreichend durch Studien belegt.

Einfluss von Medikamenten

Bestimmte Wirkstoffe können eine Histaminintoleranz unter Umständen ungünstig beeinflussen. Sie führen möglicherweise zu einem Histamin-Anstieg im Körper, indem sie

  • entweder das für den Histaminabbau notwendige Enzym DAO (Diaminoxidase) behindern
  • oder bewirken, dass in Körperzellen gespeichertes Histamin freigesetzt wird und dadurch zu Histaminliberatoren werden.

Die Studienlage hierzu ist jedoch widersprüchlich, sodass sich keine sicheren Aussagen darüber treffen lassen.

Medikamente mit einem der folgenden Wirkstoffe sollen das Enzym DAO blockieren oder gelten als Histaminliberatoren:

Ob und inwiefern sich dieser histaminfreisetzende Effekt beim einzelnen Betroffenen im Rahmen einer Histaminintoleranz tatsächlich bemerkbar macht, lässt sich jedoch nicht mit Sicherheit sagen.

Einfluss durch Begleitumstände

Bestimmte Begleitumstände können eine Empfindlichkeit gegenüber Histamin und dadurch eine bestehende Histaminintoleranz unter Umständen fördern, so zum Beispiel:

  • histaminreiche Lebensmittel
  • Zusammenstellung der Mahlzeiten
  • Abstände zwischen den Mahlzeiten
  • Stress

Außerdem gibt es Faktoren, die Einfluss auf die Durchlässigkeit der Darmwand haben – und dadurch auch auf die Histamin-Empfindlichkeit, wie etwa:

Wie häufig kommt eine Histaminintoleranz vor?

Schätzungen zufolge leidet in Deutschland nur etwa ein Prozent der Bevölkerung an Histaminintoleranz – das entspricht circa 820.000 Menschen. Vor allem Frauen zwischen 35 und 45 Jahren sind davon betroffen.

Histaminintoleranz: Typische Symptome

Bei einer Histaminintoleranz (Histaminunverträglichkeit, Histaminose) können nach dem Verzehr histaminhaltiger Nahrungsmittel unterschiedliche Symptome auftreten.

Typischerweise berichten Betroffene von Beschwerden wie:

  • anfallartigen, plötzlichen Hautrötungen (sog. Flush) oder
  • Juckreiz

Daneben kann sich eine Histaminintoleranz unter anderem auch durch folgende Symptome bemerkbar machen:

Eher selten kommt es bei Menschen mit Histaminintoleranz zu Beschwerden wie:

Um im Zusammenhang mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit wie der Histaminintoleranz zu stehen, müssen diese Symptome innerhalb von vier Stunden nach der Nahrungsaufnahme auftreten.

Histaminintoleranz: Wie stellt man die Diagnose?

Die Beschwerden, die bei einer Histaminintoleranz (Histaminunverträglichkeit, Histaminose) auftreten, sind eher allgemeiner Natur und können viele Ursachen haben. Um die Diagnose Histaminintoleranz zu sichern, versucht der Arzt deswegen in der Regel andere mögliche Erkrankungen als Ursache auszuschließen, wie zum Beispiel:

Treten die Beschwerden des Patienten innerhalb von vier Stunden nach der Nahrungsaufnahme auf, gilt das als Hinweis darauf, dass die Beschwerden möglicherweise durch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit wie die Histaminintoleranz ausgelöst werden.

Kommen keine anderen Erkrankungen als Ursache der Beschwerden infrage, gilt es herauszufinden, ob tatsächlich eine Histaminunverträglichkeit beim Betroffenen vorliegt. Für die Diagnose sind dann vor allem folgende Schritte hilfreich:

  • Symptom- und Ernährungstagebuch
  • dreistufige Ernährungsumstellung
  • Provokationstest

Zudem lässt sich der Histaminspiegel im Blut oder die Aktivität der abbauenden Enzyme bestimmen. Allerdings ist die Aussagekraft dieser Laborwerte fraglich und eine Diagnose allein aufgrund dieser Werte nicht zu empfehlen.

Symptom- und Ernährungstagebuch

Ein Symptom- und Ernährungstagebuch kann dabei helfen, einer möglichen Histaminintoleranz auf die Spur zu kommen. Hierin hält der Betroffene einige Wochen lang fest, welche Lebensmittel er verzehrt und welche Beschwerden auftreten. Er sollte am besten auch festhalten, zu welchen Uhrzeiten die Mahlzeiten eingenommen wurden und wann genau die Beschwerden auftreten. Daneben können die Begleitumstände bei der Diagnosestellung helfen und sollten deshalb notiert werden, etwa die Einnahme von Medikamenten oder das Auftreten der Periode.

Das Tagebuch gibt Aufschluss darüber, ob Lebensmittel mit hohem Histamingehalt zum Speiseplan gehören oder bestimmte Begleitumstände vorliegen, die die Empfindlichkeit für Histamin erhöhen.

Ernährungsumstellung

Eine Ernährungsumstellung hilft dabei, herauszufinden, ob der Betroffene auf Histamine aus der Nahrung reagiert. Die Ernährungsumstellung dient dabei in der Regel nicht nur der Diagnose einer Histaminintoleranz (Histaminose), sondern auch der Behandlung beziehungsweise Vorbeugung von Symptomen, wenn sich der Verdacht auf eine Histaminunverträglichkeit bestätigt. Denn nach der dreistufigen Ernährungsumstellung vertragen Betroffene histaminhaltige Lebensmittel häufig besser.

Die Ernährungsumstellung erfolgt dabei meist in drei Phasen:

  • Phase 1: Histamin vermeiden, z.B. mit einer Kartoffel-Reis-Diät
  • Phase 2: Nahrungsmittel austesten und wieder zum Speiseplan hinzufügen
  • Phase 3: langfristige Ernährungsumstellung

Liegt beim Betroffenen tatsächlich eine ernährungsbedingte Histaminintoleranz vor, müssten sich die Beschwerden während Phase 1 verringern. In Phase 2 werden nach und nach neue Lebensmittel zum Speiseplan hinzugefügt. Hier ist von Interesse, ob nun erneut Beschwerden auftreten oder möglicherweise nur bei bestimmten Begleitumständen (z.B. Stress, Medikamente, hormonelle Veränderungen). Möglicherweise verträgt der Betroffene histaminhaltige Lebensmittel sogar, aber eben nur bis zu einer bestimmten Toleranzschwelle, die man nun ermitteln kann.

In Phase 3 sind bereits viele Informationen zur Ernährung des Betroffenen zusammengetragen worden. Sofern tatsächlich eine Histaminintoleranz vorliegt, kann die Ernährung nun langfristig so umgestellt werden, dass sie alle wichtigen Nährstoffe enthält und gleichzeitig möglichst wenig Histamin darin vorkommt.

Provokationstest

Mit einem Provokationstest lässt sich herausfinden, welche Mengen an Histamin der Betroffene verträgt, ohne dass Beschwerden auftreten. Um die individuelle Histamin-Toleranz eingrenzen zu können, erhält der Patient in regelmäßigen Abständen Histamin in allmählich steigenden Konzentrationen.

Ein Histamin-Provokationstest darf nur unter ärztlicher Aufsicht stattfinden, um eventuelle Reaktionen des Patienten auf das Histamin schnell behandeln zu können. Während des Provokationstests kann es zum Beispiel kurzfristig zu Übelkeit, Erbrechen oder Kreislaufproblemen kommen. Gegen diese Symptome helfen Antihistaminika.

Der Provokationstest sollte erst im Anschluss an eine Umstellung auf eine histaminarme Ernährung erfolgen.

Laborwerte

Theoretisch lassen sich die Aktivität der histaminabbauenden Enzyme sowie der Histaminspiegel beim Betroffenen feststellen. Die Diagnose einer Histaminintoleranz allein anhand dieser Laborwerte ist dennoch relativ schwierig, da unklar ist, welche objektive Aussagekraft diese haben. Eine seriöse Aussage für die Diagnose lassen sie im Grunde nicht zu.

Entsprechende Laborwerte lassen sich zum Beispiel bestimmen:

  • aus dem Blut
  • aus dem Urin
  • aus der Dünndarmschleimhaut

Blut

Im Blut lässt sich die Aktivität des Enzyms DAO (Diaminoxidase) bestimmen. Der Wert aus dem Blut gilt jedoch als nicht aussagekräftig: Die Enzymaktivität aus dem Blut lässt nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf die Aktivität der Enzyme in der Darmschleimhaut zu – und diese ist für den Histaminabbau aus Nahrungsmitteln ausschlaggebend.

Auch die Histamin-Konzentration im Blut lässt sich bestimmen. Bei einer Histaminintoleranz wären theoretisch erhöhte Histamin-Werte bei den Betroffenen zu erwarten, wenn man davon ausgeht, dass der Abbau von Histamin gestört ist. Vermutlich lässt aber auch die Histamin-Konzentration im Blut kaum Rückschlüsse auf eine Erkrankung zu: Manche Menschen haben beispielsweise erhöhte Histamin-Werte, aber nicht zwangsläufig auch Beschwerden.

Urin

Im Urin lässt sich die Aktivität des Enzyms HNMT (Histamin-N-Methyltransferase) indirekt über die Konzentration von Methylhistamin feststellen. Methylhistamin ist ein Abbauprodukt von Histamin. Allerdings lässt der Wert im Urin keine genaue Aussage über den Abbau von Histamin aus der Nahrung zu, da der Methylhistamin-Wert auch vom Eiweißanteil der Nahrung beeinflusst wird. Aus diesem Grund steigt der Methylhistamin-Wert nicht nur bei histaminreicher Nahrung an, sondern auch bei histaminarmer, aber eiweißreicher Nahrung. Die Werte aus dem Urin gelten daher in Bezug auf eine Histaminintoleranz ebenfalls als nicht aussagekräftig.

Dünndarmschleimhaut

In der Dünndarmschleimhaut ist die Messung der DAO- und – falls erforderlich – auch der HNMT-Aktivität möglich. Bislang gilt die Enzymaktivität in der Dünndarmschleimhaut als am aussagekräftigsten in Bezug auf eine Diagnose. Denn im Darm werden Histamine aus der Nahrung abgebaut.

Ob die gemessene Aktivität jedoch tatsächlich Rückschlüsse auf den Abbau von Histamin aus der Nahrung zulässt, ist noch nicht ausreichend geklärt. Hierüber sind sich Experten bislang noch uneinig, denn es gibt Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen.

Histaminintoleranz: Therapie – was kann man tun?

Hat sich der Verdacht auf eine Histaminintoleranz (Histaminunverträglichkeit, Histaminose) bestätigt, gilt es, die richtige Therapie zu finden. Der wichtigste Therapieschritt ist in der Regel eine Umstellung der Ernährung und der Verzicht auf histaminhaltige beziehungsweise histaminreiche Nahrungsmittel.

In manchen Situationen kann es für Betroffene jedoch schwierig sein, eine histaminarme Ernährungsweise einzuhalten, etwa auf Reisen. In solchen Fällen können Histamin-Rezeptoblocker (sog. Antihistaminika) helfen, Beschwerden durch hohe Histaminspiegel zu verringern.

Besteht beim Betroffenen nachweislich ein Vitamin-B6-Mangel, kann ein Ausgleich in Form von Nahrungsergänzungsmitteln in Einzelfällen hilfreich sein. Denn Vitamin B6 ist ein Co-Faktor des Histamin-abbauenden Enzyms DAO (Diaminoxidase).

Falls der Betroffene Medikamente einnimmt, die zur Histaminintoleranz beitragen, sollten diese in Absprache mit dem Arzt möglichst gegen passendere Präparate ausgetauscht werden.

Das Enzym Diaminoxidase erhält man inzwischen auch in Form von Kapseln rezeptfrei in der Apotheke. Kurze Zeit vor der Mahlzeit eingenommen sollen sie Betroffenen den beschwerdefreien Verzehr von histaminhaltigen Mahlzeiten ermöglichen. Über die Wirksamkeit oder mögliche Nebenwirkungen liegen bislang jedoch keine aussagekräftigen Studien vor.

Ernährungsumstellung bei Histaminintoleranz

Eine Ernährungsumstellung kann nicht nur bei der Diagnose helfen, sondern auch der Therapie dienen beziehungsweise den Symptomen einer Histaminintoleranz vorbeugen. Denn nach solch einer Ernährungsumstellung vertragen Betroffene histaminhaltige Lebensmittel häufig besser. Die Ernährungsumstellung erfolgt meist in drei Phasen.

Phase 1: Histamin vermeiden

Phase 1 der Ernährungsumstellung dauert etwa 10 bis 14 Tage. In dieser Zeit soll sich der Patient histaminarm ernähren, aber auch andere biogene Amine meiden. Gleichzeitig sollen Lebensmittel so gewählt werden, dass eine Nährstoffversorgung gewährleistet ist. Die Zusammensetzung der Mahlzeiten soll sich außerdem sinnvoll variieren lassen. Ernährungsmediziner sprechen hier von einer leichten Vollkost, also einer Ernährung, die dem Körper alle notwendigen Nährstoffe zuführt, aber Lebensmittel außen vor lässt, die der Betroffene nicht verträgt. Im Falle einer Histaminintoleranz müssten sich die Beschwerden während Phase 1 verringern.

Phase 2: Nahrungsmittel austesten

Phase 2 läuft etwas länger als Phase 1, nämlich bis zu sechs Wochen. In dieser Zeit nimmt man einige Nahrungsmittel, die in Phase 1 weggefallen waren, bewusst wieder auf den Speiseplan und beobachtet die Reaktion. Hierbei ist von Interesse, ob nun erneut Beschwerden auftreten oder möglicherweise nur unter bestimmten Begleitumständen (wie Stress, hormonellen Veränderungen, Medikamenten). Möglicherweise verträgt der Betroffene im Grunde sogar histaminhaltige Lebensmittel, aber eben nur bis zu einer bestimmten Toleranzschwelle. Diese lässt sich nun ermitteln.

Phase 3: Langfristige Ernährung

Während Phase 1 und Phase 2 konnten Erkenntnisse dazu gesammelt werden,

  • ob der Betroffene auf Histamin aus der Nahrung mit Beschwerden reagiert.
  • auf welche Lebensmittel er besonders stark reagiert.
  • welche histaminhaltigen Lebensmittel möglicherweise in geringen Mengen doch verträglich sind.
  • welche Begleitumstände die Histaminintoleranz möglicherweise fördern.

In Phase 3 kann die Ernährung des Betroffenen nun langfristig so umgestellt werden, dass alle wichtigen Nährstoffe darin vorkommen.

Richtig durchgeführt und mit professioneller Beratung ist auch mit Histaminintoleranz eine abwechslungsreiche Ernährung möglich, die die Lebensqualität des Betroffenen nicht einschränkt.

Lebensmittelliste: Welche Lebensmittel enthalten Histamin?

Menschen mit Histaminintoleranz sollten Lebensmittel mit hohem Histamin-Gehalt meiden oder nur in kleineren Mengen beziehungsweise seltener verzehren. Lebensmittellisten können dabei helfen, sich einen Überblick über den ungefähren Histamingehalt von Mahlzeiten zu verschaffen.

Histamingehalt Käse

Käsesorte Histamin mg/kg
Emmentaler <10 bis 500 (teilweise bis 2.500)
Parmesan <10 bis 580
Bergkäse <10 bis 1.200
Cheddar <10 bis 60 (teilweise bis 1.300)
Gouda <10 bis 200 (teilweise bis 900)
Edamer <10 bis 150
Raclette <10 bis 150
Tilsiter <10 bis 60
Camembert, Brie <10 bis 300 (teilweise bis 600)
Limburger <10 bis 70
Butterkäse <10

Hinweis: Junger Käse hat nur wenig Histamin und macht oft keine Probleme. Je älter und reifer er ist, desto höher ist jedoch der Histamingehalt – und wird von Betroffenen deshalb meist schlechter vertragen.

Keine Probleme bereiten in der Regel Frischmilchprodukte, die nicht lange gelagert werden (z.B. Quark, Hüttenkäse, Frischkäseprodukte) – sie enthalten meist wenig Histamin.

Histamingehalt Fisch

Fischsorte Histamin mg/kg
Dosenfisch (Thunfisch, Sardellen, Sardinen, ...) 0 bis 35
geräucherte Makrele 0 bis 300
Matjes, Bismarckhering 0 bis 10
fangfrischer Fisch 0
verdorbener Fisch bis 13.000
Tiefkühlfisch 0 bis 5
panierter Tiefkühlfisch 0 bis 7

Hinweis: Frischer Fisch enthält normalerweise wenig Histamin, genauso wie Dosenfisch und Tiefkühlfisch, wenn er sachgemäß verarbeitet / gelagert wurde. Vereinzelt kann es jedoch zu hohen Histaminwerten kommen. Da Histamin erst durch den Einfluss von Bakterien entsteht sind mögliche Ursachen hierfür zum Beispiel:

  • eine zu lange Verarbeitungsdauer
  • eine unterbrochene Kühlkette

Histamingehalt Fleisch

Fleischsorte Histamin mg/kg
Hartwurst (Salami) <10 bis 280
Cervelatwurst <10 bis 100
Mettwurst 1. Woche <1
Mettwurst 2. Woche <1 bis 10
Mettwurst 3. bis 4. Woche <1 bis 80
Westfälischer Schinken 40 bis 270
Bündner Fleisch 6,6
frisches Rindfleisch <2,5
frisches Hühnerfleisch <1
frisches Hackfleisch <1
Hackfleisch 3 bis 4 Tage alt <1 bis 8
rohe Bratwurst, frisch <1
rohe Bratwurst 5 Tage alt 1 bis 6

Hinweis: Frischfleisch bereitet in der Regel keine Probleme, da dieses arm an Histamin ist. Einige Wurst- und Schinkensorten enthalten jedoch mehr Histamin, da hier oft Mikroorganismen eine Rolle für die Aromabildung und die Haltbarmachung spielen.

Histamingehalt Gemüse

Gemüsesorte Histamin mg/kg
Sauerkraut 10 bis 200
Tomatenketchup 22
Spinat 30 bis 60
Auberginen 26
Avocado 23

Hinweis: Allgemein kommt Histamin in pflanzlichen Lebensmitteln nur in geringen Mengen vor. Werden diese allerdings verarbeitet, kann sich das ändern: Vergorene Früchte und Gemüsesorten (wie Sauerkraut) sind generell reicher an Histamin. Ebenso in Essig eingelegtes Gemüse (z.B. Essiggurken).

Histamingehalt Essig

Essigsorte Histamin mg/L
Apfelessig 0,02
Tafelessig 0,5
Rotweinessig 4

Histamingehalt Alkohol

Alkohol Histamin mg/L
Rotwein 0 bis 30
Weißwein 0 bis 1
Sekt / Champagner 0,1 bis 1
Bier, obergärig 0 bis 14
Bier, untergärig 0 bis 17

Hinweis: Je nach Sorte enthält Alkohol mehr oder weniger Histamin. Ob Alkohol auch das Enzym DAO beim Histamin-Abbau behindert, ist nicht eindeutig geklärt. Alkohol erhöht jedoch die Durchlässigkeit der Darmwand, sodass Histamin aus Lebensmitteln und alkoholischen Getränken leichter in die Blutbahn gelangt. Dadurch kann sich mehr Histamin im Körper ansammeln.

Die Lebensmittelliste können Sie sich hier als PDF-Datei runterladen: Histaminreiche Lebensmittel (PDF-Datei).

Andere biogene Amine können eine Rolle spielen

Neben Histamin gibt es noch andere biogene Amine, so zum Beispiel:

  • Putrescin
  • Serotonin
  • Tyramin
  • Spermin
  • Spermidin
  • Cadaverin

Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an anderen biogenen Aminen können ebenfalls problematisch für Menschen mit Histaminintoleranz (Histaminunverträglichkeit, Histaminose) sein und zu Beschwerden führen.

Histamin in Lebensmitteln ist meist die Folge bakterieller Einflüsse (z.B. bei Gärungs-, Reifungsprozessen) – das gilt auch für andere biogene Amine. Aus diesem Grund enthalten Lebensmittel mit Histamin häufig auch weitere biogene Amine.

Es gibt aber auch Lebensmittel, die kein Histamin, dafür aber andere biogene Amine enthalten und dadurch bei Betroffenen Symptome einer Histaminintoleranz auslösen können. Denn sie bewirken anscheinend im Körper ähnliche Reaktionen wie Histamin. Ob manche biogene Amine möglicherweise auch den Abbau von Histamin behindern und in welchem Ausmaß, ist noch nicht abschließend geklärt.

Einen hohen Gehalt an biogenen Aminen haben beispielsweise:

  • Orangen
  • Bananen
  • Papayas
  • Himbeeren
  • Birnen
  • Tomaten
  • Hülsenfrüchte
  • Weizenkeime
  • Cashewnüsse

Biogene Amine als Histaminliberatoren?

Im Labor konnte gezeigt werden, dass manche biogene Amine in der Lage sind, das in bestimmten Körperzellen gespeicherte Histamin freizusetzen. Sie wirken also als sogenannte Histaminliberatoren. Dies ist zum Beispiel der Fall für Cadaverin, Spermin und Spermidin.

Theoretisch könnte es also im Körper durch Nahrungsmittel mit solchen biogenen Aminen ebenfalls zu einem Histamin-Anstieg kommen. Ob dies bei Betroffenen tatsächlich zu spürbaren Auswirkungen führt, ist allerdings noch nicht ausreichend erforscht.

Als Histaminliberatoren gelten unter anderem folgende Lebensmittel:

  • Erdbeeren
  • Zitrusfrüchte
  • Papayas
  • Tomaten
  • Meeresfrüchte
  • Schokolade
  • Ananas
  • Kiwis
  • Milch
  • Spinat

Auch wenn noch Forschungsbedarf zu diesem Thema besteht, so berichten doch einige Menschen mit Histaminintoleranz, die zum Beispiel Wein oder Käse erfahrungsgemäß nicht gut vertragen, häufig auch von Problemen durch potenzielle Histaminliberatoren wie Erdbeeren, Zitrusfrüchte oder Schokolade.

Manche Wissenschaftler vermuten, dass die Beschwerden durch Histaminliberatoren durch eine Art additiven Effekt entstehen. Dass also erst die Kombination aus histaminreicher Nahrung und Histamin-Freisetzung im Körper durch Histaminliberatoren zu einer Dosis an Histamin führt, die schließlich Beschwerden auslöst.

Histaminintoleranz: Verlauf der Erkrankung

Wie genau der Verlauf einer Histaminintoleranz (Histaminunverträglichkeit, Histaminose) beim Einzelnen aussieht, lässt sich schwer sagen. Denn zum einen spielen hierbei viele Faktoren eine Rolle, zum anderen sind die individuellen Ursachen häufig unterschiedlich.

Bei einer Histaminintoleranz lassen die Beschwerden nach einer Ernährungsumstellung meist deutlich nach. Viele Betroffene stellen zudem fest, dass sie nach der Umstellung Speisen mit Histamin wieder besser vertragen, wenn die vorher gemiedenen Nahrungsmittel allmählich wieder der Ernährung hinzugefügt werden.

Unter Umständen können auch Medikamente, die man aus anderen gesundheitlichen Gründen einnimmt, eine Histaminintoleranz verursachen. Das kann passieren, wenn ein Wirkstoff ungünstig mit dem histaminabbauenden Enzym DAO (Diaminoxidase) wechselwirkt.

Wichtig: Setzen Sie in solchen Fällen das Medikament nicht eigenständig einfach ab, sondern besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob es Alternativen für das Medikament gibt.

Eine junge Frau isst von einem Teller mit Salat. © Jupiterimages/Stockbyte

Eine Ernährungsumstellung hilft, die Beschwerden zu lindern.

Bei akuten Darminfektionen kann es vorübergehend zu einem DAO-Mangel kommen und dadurch auch zu Beschwerden durch Histamin. Diese Form der Histaminunverträglichkeit bessert sich in der Regel nach Abklingen der Infektion.

Auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) können zur Entstehung einer Histaminintoleranz beitragen: So können zum Beispiel bei einem akuten Schub Symptome einer Histaminunverträglichkeit auftreten, die später wieder verschwinden.

Histaminintoleranz: Wie kann man vorbeugen?

Bisher gibt es keine Möglichkeit, mit der man der Entstehung einer Histaminintoleranz (Histaminunverträglichkeit, Histaminose) vorbeugen könnte. Gut 99 Prozent der Menschen bereitet Histamin aus Nahrungsmitteln jedoch keinerlei Probleme.

Wer nachweislich an einer Histaminintoleranz leidet, sollte versuchen, Nahrungsmittel mit hohem Histamingehalt zu meiden. Frische Lebensmittel sind bei der Nahrungsauswahl zu bevorzugen, da sich ein hoher Histamingehalt häufig erst durch längere Lagerzeiten bildet.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Histaminintoleranz (Histamin­unverträglichkeit, Histaminose)":

Onmeda-Lesetipps:

Lebensmittelliste Histaminintoleranz (PDF-Datei)
Nahrungsmittelallergie: Infos zur Krankheit
Nahrungsmittelunverträglichkeit: Wie man sie erkennt
Pseudoallergie: Allergische Beschwerden ohne Allergie

Histamin: Gewebehormon und Entzündungsvermittler

Buchtipps:

Histamin-Intoleranz

buch_fritzsche_histamin.jpg Doris Fritzsche

96 Seiten Gräfe & Unzer 2010

Nicht jeder, der sich gesund ernährt, fühlt sich automatisch auch wohl. Lebensmittel wie Tomaten, Fisch, Hartkäse, Spinat oder Sauerkraut können bei Menschen mit Histamin-Intoleranz – HIT – zu vielen verschiedenen Beschwerden führen wie beispielsweise starke Magen-Darm-Beschwerden, Herzrasen, Kopfschmerzen, eine behinderte Nasenatmung, geschwollene Augenlider oder niedriger Blutdruck. Die Symptome treten meistens unmittelbar bis zwei Stunden nach dem Essen auf und können bis zu einem halben Tag oder länger andauern. Ursache ist ein im Lauf des Lebens erworbener Mangel am Enzym DAO. Da die HIT eine genaue Kenntnis der zu vermeidenden histaminreichen Nahrungsmittel erfordert, werden in diesem Kompass detaillierte Lebensmitteltabellen aufgeführt. Mit dem empfohlenen Drei-Phasen-Programm – konsequenter Verzicht, das Finden der verträglichen Histamindosis und der Einsatz von Antihistaminika und Enzymen – können die Krankheitszeichen fast vollständig verschwinden.

Köstlich essen bei Histamin-Intoleranz

buch_schleip_koestlich_essen.jpg Thilo Schleip, Isabella Lübbe

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buch_jarisch_histamin.jpg Reinhart Jarisch

182Seiten Thieme 2013

Histamin ist der wichtigste Mediator der allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma bronchiale, Nahrungsmittelallergien, aber auch Nesselausschlag und Arzneimittelunverträglichkeit. Weniger bekannt ist Histamin als Auslöser nicht allergischer Erkrankungen wie die Seekrankheit, Kopfschmerzen und Migräne, verlegte Nase, Herzrhythmusstörungen, Magenbeschwerden, Durchfälle, niedriger Blutdruck, Mastozytose, Röntgenkontrastmittelüberempfindlichkeit, Tod nach Drogenkonsum mit Hinweisen auf Anaphylaxie, Parodontose, Regelbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft, Neurodermitis, Osteoporose und natürlich Histaminintoleranz und Rotweinunverträglichkeit. Die nunmehr neu überarbeitete 3. Auflage erweitert das Wissen über Histamin als Auslöser verschiedener Erkrankungen und gibt ein Update der neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Quellen:

Histamin-Intoleranz. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 3.7.2017)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie: Leitinie zum Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/030 (Stand: 6.9.2016)

Graefe, K. H., et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2016

Jarisch, R.: Histaminintoleranz, Histamin und Seekrankheit. Thieme, Stuttgart 2013

Trautmann, A., et al.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

Schmidt, R. F., et al.: Physiologie des Menschen. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2010

Suter, P. M.: Checkliste Ernährung. Thieme, Stuttgart 2008

Jäger, L., et al.: Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2008

Maintz, L., et al.: Die verschiedenen Gesichter der Histaminintoleranz. Deutsches Ärzteblatt, Nr. 103, Iss. 51-52, pp. A3477-A3483 (2006)

Aktualisiert am: 25. Januar 2018

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