Ein Butternutkürbis liegt aufgeschnitten auf einer Platte
© Getty Images

Hautreaktion durch Butternutkürbis: Was steckt dahinter?

Kennen Sie das: Nach dem Schneiden von Butternutkürbis sind die Hände auf einmal trocken, rot und die Haut schält sich ab? Damit sind Sie nicht allein. Wir haben einen Hautarzt gefragt, was dahintersteckt, was Sie tun können und ob Sie den Kürbis dennoch essen können.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Hautreaktionen nach Kürbis-Kontakt

Das Internet ist voll von Berichten über seltsame Hautveränderungen nach dem Schneiden von Kürbissen und Zucchini, insbesondere aber von Butternutkürbis. Den meisten Berichten zufolge spannt die Haut an den Händen, wird rot und schält sich. Und zwar erst, nachdem der Kürbis aufgeschnitten wurde. Wer den Kürbis äußerlich berührt, hat meist noch keine Probleme.

Manch einer ist sich nicht sicher, ob es überhaupt die Haut ist oder nicht doch ein Film von Kürbissaft, der hartnäckig an den Händen klebt. Oder steckt eine Allergie dahinter? Darf man den Kürbis dennoch essen? Was kann man tun gegen diese Hautveränderungen? Fragen gibt es viele, Antworten dagegen kaum.

"Reaktionen gegen Kürbis sind bekannt, sowohl als Nahrungsmittel als auch als Kontaktekzem", weiß Professor Dr. Peter Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Wenn Sie die oben beschriebenen Symptome bei sich bemerken, kann also sehr gut eine Allergie oder eine Überreaktion auf einen aggressiven Stoff im Kürbis dahinterstecken.

Während Nahrungsmittelallergien gegen Kürbisse bekannter sind, werden Hautreaktionen dem Hautarzt zufolge selten berichtet. Das liegt jedoch nicht unbedingt daran, dass sie auch selten vorkommen. "Das kann daran liegen, und wir bedauern das sehr, ­dass in den Hautarztpraxen immer weniger Allergietestungen gemacht werden. Denn die Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür nicht mehr. Der Hautarzt kriegt nur noch eine Pauschale." Und bisher wenig bekannten Allergenen nachzugehen ist sehr aufwändig.

Was hilft gegen den Ausschlag?

Verschiedene Ursachen können hinter dem Ausschlag stecken:

Kontaktekzem: "Das ist eine allergische Reaktion gegen meist kleine Moleküle, die durch die Haut eindringen und gegen die ein Mensch allergisch werden kann“, erklärt Peter Elsner. Es macht sich zum Beispiel bemerkbar durch Rötungen, Bläschen, Abschälen der Haut und Jucken an den Stellen, die mit dem Stoff in Berührung gekommen sind. Die Reaktion tritt verzögert auf, also mehrere Stunden nach dem Kontakt. Und zwar nur dann, wenn der Betroffene früher schon einmal Kontakt zu dem Allergen hatte und sich so sensibilisiert hat.

Toxische Reaktion: Ähnliche Symptome, aber eine andere Ursache hat eine toxische Reaktion. Bestimmte Pflanzen enthalten Stoffe wie zum Beispiel Säuren, die die Haut verätzen können und auf die Menschen mehr oder weniger stark reagieren. Diese Reaktion tritt sofort ein und geht eher ohne Jucken einher. Die toxische Reaktion kann auftreten, ohne dass der Betroffene schon einmal Kontakt zu dem entsprechenden Stoff hatte.

Kontakturtikaria: Das sind allergische Reaktionen auf größere Moleküle. Nach Kontakt mit einer entsprechenden Frucht oder Gemüse schwillt die Haut an. Verspätet kann dabei auch eine sogenannte Protein-Kontaktdermatitis auftreten, die sich mit Bläschen und Quaddeln äußert.

Welcher Stoff genau hinter den Reaktionen auf den Kürbis steckt, ist nicht bekannt. "Es wäre machbar, das herauszufinden, aber bisher gibt es noch keine Studien dazu", sagt der Dermatologe.

Das können Sie tun

Ganz wichtig ist: Vermeiden Sie die "Gefahrenquelle". Also: Hände weg von den Kürbissorten, die Ihnen Probleme bereiten. Denkbar wäre auch, sie in Zukunft mit Handschuhen zu bearbeiten.

Wenn es bereits zu spät ist und Sie Hautreaktionen bemerken: Keine Panik, es sieht sehr wahrscheinlich schlimmer aus, als es ist. Hautarzt Peter Elsner rät zu einer Kortisoncreme als Erste-Hilfe-Maßnahme, um die Symptome zu lindern. Später können eine Pflegecreme und/oder eine abschuppende Creme helfen.

Zum Arzt gehen sollten Sie allerdings sofort, wenn die Haut anschwillt oder Sie Allgemeinsymptome wie Schwindel und Atemnot bemerken.

Darf man den Kürbis trotz Hautreaktion essen?

Das weiß man vorher leider nicht. "Manche Menschen haben die Reaktion nur an der Haut. Andere, die ihn dann essen, kriegen tatsächlich auch Beschwerden an der Schleimhaut oder Allgemeinreaktionen“, weiß Elsner. "Und es gibt Patienten, die haben eine systemische Kontaktdermatitis. Die nehmen das Allergen mit der Nahrung auf und haben dann einen generalisierten Ausschlag am Körper. Dann ist man wirklich schwer krank.“

Es ist gut denkbar, dass das Allergen beim Kochen zerstört wird und der Kürbis bedenkenlos gegessen werden kann. In vielen Fällen scheint das so zu sein. Da man aber nicht weiß, auf welchen Stoff im Kürbis die Menschen allergisch reagieren und ob es überhaupt in allen Fällen der gleiche Stoff ist, ist es schwer, dazu eine generelle Aussage zu machen. "Ich wäre mit dem Essen sehr vorsichtig, aber das muss man im Einzelfall herausfinden", sagt Elsner.

Da Nahrungsmittelallergien mit Atemnot und allergischem Schock einhergehen können, gilt: Lieber die Finger davonlassen – in jeder Hinsicht. Vorsicht: Wer jetzt denkt "auch andere Kürbisse machen leckere Suppen", dem sei gesagt, dass nicht selten Kreuzallergien vorkommen. Das heißt, wer einen Kürbis nicht verträgt, reagiert womöglich auch auf andere Kürbisse allergisch.