Baker-Zyste: "Geschwollene" Kniekehle

Veröffentlicht von: Till von Bracht (27. Dezember 2017)

© iStock

Die Baker-Zyste ist eine mit Flüssigkeit gefüllte Ausstülpung in der Kniekehle. Sollte dieser Hohlraum im Knie Schmerzen verursachen, wird der Arzt die Baker-Zyste zusächst konservativ behandeln – zum Beispiel mit entzündungshemmenden Medikamenten. Wenn das nicht hilft, ist es notwendig, dass ein Chirurg sie operativ entfernt. Diese Operation kann bei kleineren Baker-Zysten auch ambulant erfolgen. 

Eine Baker-Zyste entsteht meist infolge einer anderen Erkrankung des Kniegelenks, zum Beispiel durch Verschleiß oder durch Schäden am Meniskus. Sie führt nicht zwangsläufig zu Beschwerden – manchmal ist es nur eine Schwellung in der Kniekehle, die eine Baker-Zyste vermuten lässt. 

Im weiteren Verlauf kann es allerdings vorkommen, dass die Zyste einreißt. Bei einer geplatzen Baker-Zyste im Knie tritt die Synovialflüssigkeit in das umliegende Gewebe ein, was die Beschwerden deutlich verstärkt. Manchmal strahlen die Schmerzen bis in die Wade aus. 

Die Baker-Zyste tritt vor allem im mittleren bis höheren Lebensalter auf. Doch auch Kinder können vereinzelt betroffen sein

Ursachen: So entsteht eine Baker-Zyste

Häufig entsteht eine Baker-Zyste bei chronischen Erkrankungen des Knies – sogenannte Kniebinnenerkrankungen. Ursachen sind zum Beispiel

  • die rheumatoide Arthritis (Rheuma),
  • Arthrose (Gelenkverschleiß),
  • Läsionen der Kreuzbänder oder
  • chronische Meniskusschäden.

Aber wie entsteht eine Baker-Zyste genau?

Bei Entzündungen oder Reizungen im Kniegelenk bildet der Körper vermehrt Gelenkflüssigkeit. Dadurch steigt der Druck innerhalb des Kniegelenks und die Gelenkkapsel sackt zur Baker-Zyste aus. Die Baker-Zyste wölbt sich meist im Bereich zwischen dem oberen mittigen Ende des Wadenmuskels und dem Sehnenansatz der Beugemuskulatur aus. Sie ist als eine flüssigkeitsgefüllte Kapsel im hinteren Bereich der Kniekehle zu ertasten.

Baker-Zyste: typische Symptome

Bei einer Baker-Zyste sind die typischen Symptome

  • Schmerzen im Knie und im rückwärtigen oberen Wadenbereich (vor allem bei Streckung des Beines) und 
  • häufig wiederkehrende Schwellung in der Kniekehle, die sich meist ertasten lässt. 
  • Wenn die Zyste einreißt (Ruptur), kommt es zu plötzlich einsetzenden Schmerzen in der Kniekehle.

Der Schmerz und die Schwellung durch eine Baker-Zyste hängen in der Regel vom Aktivitätslevel des Betroffenen ab. Je aktiver jemand ist, desto stärker sind bei einer Baker-Zyste die Symptome.

Manchmal ruft eine Baker-Zyste allerdings keinerlei Symptome hervor – oder das Knie ist zwar weniger beweglich, aber nicht schmerzhaft. Zum Teil fühlt sich die Kniekehle lediglich gespannt an.

Baker-Zyste: Diagnose beim Arzt

Liegt eine Baker-Zyste vor, stellt der Arzt die Diagnose meist aufgrund der Beschwerden und dem Befund der körperlichen Untersuchung. Drückt der Arzt zum Beispiel mit dem Finger in die Kniekehle, verursacht das häufig Schmerzen.

Neben den Schilderungen, den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung sowie dem klinischen Bild der Baker-Zyste sind für die Diagnose vor allem bildgebende Verfahren wichtig:

  • Eine Röntgenuntersuchung kann arthrosebedingte Veränderungen des Kniegelenks oder in seltenen Fällen auch Knochentumoren als Ursache der Beschwerden aufzeigen. Die Baker-Zyste selbst ist aber auf der Röntgenaufnahme nicht zu erkennen.
  • Mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Kniekehle lässt sich die Baker-Zyste darstellen und zeigen, wie groß die Zyste ist und wohin sie sich ausbreitet.
  • Eine Magnetresonanztomographie (MRT) kann die genaue anatomische Position der Baker-Zyste und die Verbindung zur Gelenkkapsel zeigen.

Bei einer Baker-Zyste ist die Diagnose oft schwierig, wenn sie eine sehr langgestreckte, schlauchförmige Struktur oder Einblutungen mit und ohne Risse (Rupturen) aufweist.

Baker-Zyste: Behandlung

Nicht immer ist bei einer Baker-Zyste eine Therapie erforderlich. Verursacht eine Baker-Zyste keine Beschwerden, muss sie auch nicht behandelt werden. Treten allerdings Schmerzen oder andere Beschwerden auf, ist eine Behandlung sinnvoll.

Grundsätzlich lässt sich eine Baker-Zyste

  • konservativ – also nicht-chirurgisch – und
  • operativ behandeln. 

Allerdings kommt die Baker-Zyste mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder, wenn die Ursache unbehandelt bleibt. Am besten ist die Prognose daber bei der operativen Beseitigung der Ursache. Bei einem Meniskusschaden zum Beispiel kann der Chirurg entweder alle zerstörten und beweglichen Meniskusanteile entfernen (Meniskusteilentfernungoder den Meniskus mit einer Naht in seine ursprüngliche Form zurückbringen (Meniskusnaht).

Konservative Behandlung

Zunächst behandelt der Arzt die Baker-Zyste mit konservativen Maßnahmen. Entzündungshemmende Medikamente stehen hierbei im Vordergrund, insbesondere nicht-steroidale Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac. Diese lindern insbesondere bei Kindern die Beschwerden häufig dauerhaft, auch wenn sie an der eigentlichen Ursache nichts ändern.

Mitunter kommen auch kortisonhaltige Präparate zum Einsatz. Diese sind wegen zahlreichen Nebenwirkungen allerdings umstritten. Der Arzt spritzt das Kortisonpräparat dann direkt ins Knie, um den entzündlichen Vorgang vor Ort zu stoppen. Er kann den Inhalt der Baker-Zyste auch mit einer Spritze heraussaugen und die verbleibende Hülle mit Kortison ausspülen.

Bessern sich die Beschwerden mit der konservativen Therapie allerdings nicht, ist es sinnvoll, die gesamte Zyste operativ zu entfernen. Ist der Grund der Baker-Zyste bekannt, kann eine Operation (z.B. beim Meniskusschaden) verhindern, dass sich erneut Zysten bilden.

Operative Behandlung

Bildet sich eine Baker-Zyste auch sechs Monate nach der konservativen Therapie nicht zurück, empfiehlt es sich, die gesamte Zyste operativ zu entfernen.

Bei den mit der Gelenkkapsel verbundenen Baker-Zysten muss der Arzt darauf achten, dass der Stiel unterbunden wird, der Zyste und Kniegelenk verbindet. Nach der Operation untersucht ein Labor die Zellen der entnommenen Zyste, um bösartige Tumoren zu erkennen oder auszuschließen.

Baker-Zyste: Verlauf & Vorbeugen

In vielen Fällen bessern sich die Beschwerden, die eine Baker-Zyste hervorruft, im Verlauf auch ohne Therapie. Die Baker-Zyste verschwindet zwar spontan, kann aber bei Belastung erneut auftreten (Rezidiv). Auch unter der konservativen medikamentösen Therapie löst sie sich selten vollständig auf. Dies ist meist nur der Fall, wenn ein Arzt die eigentliche Ursache beseitigt.

So beugen Sie vor

Einer Baker-Zyste vorbeugen lässt sich nur, indem man seine Knie vor bestimmten Schädigungen schützt. Um zum Beispiel das Risiko für Meniskusschäden zu reduzieren, sollte man sich vor dem Sport gut aufwärmen und unter Umständen geeignete Protektoren tragen.

Wer schon Knieprobleme hat, sollte gelenkschonende Sport wie Radfahren oder Schwimmen bevorzugen. Um die Gelenke dauerhaft zu schonen, ist es außerdem sinnvoll, Übergewicht zu vermeiden. 

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Baker-Zyste":

 

Quellen:

Baker-Zyste. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 9.10.2017)

Baker's cyst. MedlinePlus, Medical Encyclopedia (Stand: 17.4.2016)

Wetzke, M. et al.: Bildgebende Verfahren. Urban & Fischer, München 2015

Breitenseher, M.: Der MR-Trainer. Untere Extremität. Thieme, Stuttgart 2013

Breusch, S. et al.: Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2009

Engelhardt, M.: Sportverletzungen: Diagnose, Management und Begleitmaßnahmen. Urban & Fischer, München 2009

Aktualisiert am: 27.12.2017

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst