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Chlamydien-Infektion

Dr. rer. nat. Geraldine Nagel
Letzte Änderung:
Verfasst von Dr. rer. nat. Geraldine Nagel • Medizinredakteurin
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Wer von einer "Chlamydien-Infektion" spricht, meint in der Regel eine Infektion der Harnwege und Geschlechtsorgane durch bestimmte Bakterien. Oft treten nur leichte oder gar keine Beschwerden auf, weshalb die Erkrankung häufig unerkannt bleibt.

Überblick

Was sind Chlamydien?

Als Chlamydien bezeichnet man umgangssprachlich Bakterien aus der Familie der Chlamydiaceae. Zu ihr zählen verschiedene Arten, die beim Menschen zu unterschiedlichen Erkrankungen führen. Wer allerdings "Chlamydien hat", meint meist die Geschlechtskrankheit – also die Infektion der Harnwege und Geschlechtsorgane durch Chlamydia trachomatis Serotyp D-K.

Chlamydien-Infektionen sind häufig und zählen weltweit mit zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten.

Symptome

Symptome bei Frauen

In vielen Fällen verläuft eine Chlamydien-Infektion bei Frauen ohne Symptome oder nur mit sehr schwachen Beschwerden und wird deshalb möglicherweise nicht bemerkt. So bleiben Chlamydien oft unerkannt – und unbehandelt. Als Folge übertrageb viele Betroffene die Geschlechtskrankheit unwissentlich.

Sofern Beschwerden auftreten, rufen Chlamydien bei Frauen nach etwa zwei bis sechs Wochen zuerst eine eitrige Harnröhrenentzündung vor. Diese kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen, zum Beispiel durch

Wenn sich die Chlamydien auf Gebärmutterhals, Eileiter oder Eierstöcke ausbreiten, können bei Frauen außerdem Symptome wie Fieber oder starke Schmerzen im Unterleib auftreten.

Symptome beim Mann

Beim Mann kommt es meist etwa zwei bis sechs Wochen nach einer Chlamydien-Infektion zu den ersten Beschwerden. Chlamydien können beim Mann eine eitrige Harnröhrenentzündung sowie in seltenen Fällen auch eine Nebenhodenentzündung hervorrufen. Die Harnröhrenentzündung kann sich beim Mann durch verschiedene Symptome zeigen, wie zum Beispiel durch:

Auch bei Männern treten bei einer Chlamydien-Infektion nicht immer Symptome auf, wenn auch etwas häufiger als bei Frauen.

Je nach sexuellen Gewohnheiten kann eine Chlamydien-Infektion (bei Frauen und Männern) auch zu einer Rachenentzündung oder Enddarmentzündung führen.

Gelangen die Chlamydien ins Auge (zum Beispiel über das Wasser bei einem gemeinsamen Bad mit sexuellen Aktivitäten), ist eine Bindehautentzündung möglich.

Neugeboreneninfektion

Liegt bei Schwangeren eine Chlamydien-Infektion vor, können die Chlamydien beim Geburtsvorgang auf das Neugeborene übertragen werden und beim Kind eine Bindehautentzündung oder Lungenentzündung hervorrufen.

Ursachen

In der Regel ist die Ursache für eine Chlamydien-Infektion ungeschützter Geschlechtsverkehr. Hierbei kann es zur Übertragung und dadurch zur Ansteckung mit der Bakterienart Chlamydia trachomatis (Serotyp D-K) kommen.

Besteht bei schwangeren Frauen eine Chlamydien-Infektion, können die Bakterien während des Geburtsvorgangs auf das Neugeborene übertragen werden.

Inkubationszeit

Bis sich nach einer Infektion mit Chlamydien die ersten Symptome zeigen (Inkubationszeit), vergehen im Durchschnitt zwei bis sechs Wochen.

Infos zum Erreger

Chlamydien sind Bakterien, die sich ausschließlich in Körperzellen vermehren und auch hauptsächlich dort vorkommen.

Außerhalb der Zelle liegen Chlamydien als Elementarkörperchen vor. So nennt man die kugelige, infektiöse Form der Bakterien, die ohne Stoffwechsel auskommt.

Innerhalb der infizierten Zelle findet man Chlamydien als sogenannte Retikularkörperchen. In dieser Form haben die Bakterien einen aktiven Stoffwechsel und können sich durch Zweiteilung vermehren. Gehen den Chlamydien die Nährstoffe aus, wandeln sie sich in eine Art Dauerform um (sog. aberrante Körperchen), in der sie Mangelphasen überstehen können. In diesem Zustand fahren sie ihren Stoffwechsel weitestgehend runter, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen.

Chlamydien können bestimmte für den Stoffwechsel und die Vermehrung wichtige Moleküle nicht selbst herstellen: nämlich die Nukleotide ATP, GTP und UTP. Um sich vermehren zu können, "rauben" sie diese deshalb bei der Wirtszelle. Da diese Nukleotide für die Wirtszelle wichtige Energiebausteine sind, nennt man Chlamydien auch Energieparasiten.

Infektion und Vermehrung

Chlamydien können über die Schleimhäute in den Körper des Menschen eindringen. Im Falle des Serotyps D-K von Chlamydia trachomatis sind das die Schleimhäute

Dort heften sich die Elementarkörperchen als Erstes an die Zellmembran der Wirtszelle an. Das funktioniert, weil die Chlamydien auf ihrer Hülle Eiweißstrukturen tragen, die nur ganz bestimmte Eiweißstrukturen auf der Zellmembran der Wirtszelle erkennen (sog. Schlüssel-Schloss-Prinzip).

Das Andocken an diese Eiweißstrukturen löst in der Zelle eine ganze Kette von Signalen aus. Als Reaktion beginnt die Wirtszelle, die auf der Membran sitzenden Bakterien einzustülpen und diese in einem Bläschen (sog. Vakuole) ins Zellinnere abzuschnüren. Auf diese Weise gelangen die Chlamydien in die Zelle hinein. Chlamydien nennt man deshalb manchmal auch Einschlusskörperchen.

In der Vakuole wandeln sich Elementarkörperchen nach circa ein bis zwei Stunden in Retikularkörperchen um und aktivieren ihren Stoffwechsel wieder. Etwa zwölf Stunden später beginnen die Chlamydien, sich in der Vakuole durch Zweiteilung zu vermehren. Die Vakuole dehnt sich dabei immer weiter in der Zelle aus. Nach zwei bis drei Tagen bricht die Zelle schließlich auf und entlässt die neugebildeten Chlamydien. Kurz vorher wandeln sich die Retikularkörperchen erneut in die stoffwechselinaktiven, aber infektiösen Elementarkörperchen um. Die freigesetzten Chlamydien können nun weitere Zellen infizieren.

Diagnose

Um festzustellen, ob eine Chlamydien-Infektion vorliegt, wird der Arzt zuerst nach den Beschwerden fragen. Für die Diagnose sind außerdem eine körperliche Untersuchung sowie Labortests nötig.

Bei Verdacht auf Chlamydien nimmt der Arzt in der Regel einen Abstrich (bei der Frau einen Abstrich des Gebärmutterhalses, beim Mann einen Abstrich der Harnröhre) und schickt diesen ins Labor. Auch eine Urinprobe kann bei der Diagnose weiterhelfen.

Über den Abstrich oder aus der Urinprobe lässt sich mithilfe einer molekularbiologischen Methode (der Polymerase-Ketten-Reaktion, PCR) nachweisen, ob Erbmaterial des Erregers vorkommt.

© iStock
Mithilfe eines Abstrichs lassen sich Chlamydien nachweisen.

Ob es einen Kontakt mit Chlamydien gab, lässt sich außerdem feststellen, indem man entsprechende Antikörper in einer Blutprobe nachweist. Ein positiver Befund zeigt allerdings nur, dass sich das Immunsystem mit diesem Erreger auseinandergesetzt hat, nicht jedoch, wann das war. Man erhält also keine Information darüber, ob es sich um eine akute oder bereits länger zurückliegende Infektion handelt. Bei einer akuten Infektion kann es zudem einige Wochen dauern, bis das Immunsystem anfängt, Antikörper gegen die Chlamydien zu produzieren. Ein negativer Test schließt also nicht zwangsläufig aus, dass eine Chlamydien-Infektion besteht. Ein Antikörper-Test kann jedoch als Hinweis auf mögliche Ursachen einer Unfruchtbarkeit als Folge einer Chlamydien-Infektion dienen.

Theoretisch lassen sich Chlamydien im Labor anzüchten. Da die Anzucht der Bakterien jedoch recht kompliziert ist und fehlerhafte Ergebnisse hierbei leicht möglich sind, kommt diese Methode normalerweise nicht in Betracht.

Test

Eine mögliche Ursache für Unfruchtbarkeit bei Frauen kann eine (oft unerkannte) Chlamydien-Infektion sein. Junge Frauen bis einschließlich 24 Jahre haben deshalb die Möglichkeit, sich einmal pro Jahr auf Chlamydien testen zu lassen. Für diesen kostenlosen Test ist nur eine Urinprobe nötig.

Liegt bei Schwangeren eine Chlamydien-Infektion vor, besteht das Risiko, dass die Bakterien während des Geburtsvorgangs auf das Neugeborene übertragen werden. Aus diesem Grund ist ein Screening auf diese Bakterien für Schwangere in Deutschland Teil der Mutterschaftsvorsorge.

Inzwischen sind auch Chlamydien-Tests für zu Hause erhältlich, die man über das Internet oder in Apotheken bekommt. Die Ergebnisse solcher Test sind jedoch nicht wirklich verlässlich und können falsch sein. Wenn der Test positiv oder negativ ausfällt, kann man also nicht sicher sein, ob das Ergebnis stimmt. Deshalb ist ein Besuch beim Arzt auf jeden Fall besser, denn er kann mit seinem Fachwissen verlässlich beraten. Und einschätzen, ob ein Test auf Chlamydien bei Betroffenen überhaupt Sinn macht oder ob etwas anderes getestet werden sollte.

Behandlung

Eine Chlamydien-Infektion lässt sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln. Bei der Therapie setzt man vor allem auf Wirkstoffe aus der Gruppe der Makrolide (wie Azithromycin, Erythromycin) oder Tetrazykline (wie Doxycyclin).

Schwangere und Kinder

Schwangere und Kinder dürfen keine Tetrazykline zur Behandlung erhalten. Hier ist alternativ zum Beispiel eine Therapie mit dem Wirkstoff Erythromycin möglich.

Achtung, Pingpong-Effekt!

Falls bei Ihnen eine Chlamydien-Infektion festgestellt wurde, sind möglicherweise auch Partner oder Partnerin infiziert und sollte sich untersuchen sowie gegebenenfalls behandeln lassen. So vermeiden Sie, dass Sie sich untereinander immer wieder neu anstecken und es zu einem sogenannten Pingpong-Effekt kommt.

Verlauf

Eine Chlamydien-Infektion verursacht in den meisten Fällen nur schwache Beschwerden oder bleibt sogar unbemerkt. Daher ist es sinnvoll, auch schwache Symptome ärztlich abklären zu lassen. So lässt sich die Erkrankung gegebenenfalls so früh wie möglich behandeln. Das mindert das Risiko von Komplikationen.

Mögliche Komplikationen

Ohne Behandlung besteht bei Frauen besteht das Risiko, dass sich die Chlamydien-Infektion von den Harnwegen weiter auf die Geschlechtsorgane übergreift. Die Infektion kann sich so über eine Entzündung der Bartholin-Drüsen hin zu einer Gebärmutterhalsentzündung und Eileiterentzündung auswachsen. Von den Eileitern kann sich die Infektion schließlich auch auf die Eierstöcke ausbreiten. Als Spätfolge kann es zu Unfruchtbarkeit kommen, wenn durch die Chlamydien-Infektion die Eileiter verkleben.

Weitere mögliche Komplikationen einer Chlamydien-Infektion sind

Bei Männern lösen Chlamydien anfangs eine Harnröhrenentzündung aus, die sich unbehandelt auch auf Prostata und Nebenhoden ausweiten kann. Ob es als Folge der Infektion auch bei Männern zur Sterilität kommen kann, ist bislang nicht eindeutig geklärt.

Neugeboreneninfektion

Bei einer unbehandelten Chlamydien-Infektion bei Schwangeren werden in 60 bis 70 Prozent der Fälle beim Geburtsvorgang Erreger auf das Neugeborene übertragen. Als Folge kann es bei ihm zu einer Bindehautentzündung, Lungenentzündung oder in seltenen Fällen auch zu einer Mittelohrentzündung kommen, die behandelt werden muss.

Reaktive Arthritis

Betroffene, die eine Chlamydien-Infektion hatten oder haben, erkranken manchmal einige Wochen später an einer reaktiven Arthritis. Vor allem junge Männer sind davon betroffen. Diese Komplikation kann sich unter anderem durch eine fiebrige Gelenkentzündung äußern.

Im Verlauf einer reaktiven Arthritis können außerdem weitere entzündliche Reaktionen in anderen Körperbereichen auftreten, wie zum Beispiel den Augen. Tritt neben den Gelenkentzündungen zusätzlich eine Bindehautentzündung und eine Harnröhrenentzündung auf, spricht man von der sogenannten Reiter-Trias.

Vorbeugen

Chlamydien werden durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Sie können sich deshalb am besten schützen, indem Sie Kondome verwenden (auch bei Anal- oder Oralverkehr).

Quellen

Chlamydien. Online-Informationen der Bundeszentrale für Gesundheit (BZgA): www.liebesleben.de (Abrufdatum: 14.5.2019)

Chlamydia infection – Annual Epidemiological Report for 2017. Online-Informationen des European Centre for Disease Prevention and Control: ecdc.europa.eu (Stand: Januar 2019)

Chlamydia trachomatis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: April 2016)

Suerbaum, S., et al.: Medizinische Mikrobiologische und Infektiologie. Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2016

Schnede, P., Weidner, W.: Gonokokken- und Chlamydieninfektionen der Harnröhre. Die neuen Urethritisleitlinien. Der Urologe, Ausgabe 10, Jahrgang 53, S. 1444-1451, Springer Medizin Verlag (2014)

Kayser, F. H., et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

Stauber, M., et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Chlamydiosen (Teil 1): Erkrankungen durch Chlamydia trachomatis. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 21.12.2010)

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Chlamydien-Infektion":

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Letzte inhaltliche Prüfung: 15.05.2019
Letzte Änderung: 16.05.2019