Eine Frau fasst sich an die schmerzende Wange.
© Getty Images

BruXane aus "Die Höhle der Löwen": Zähneknirschen mit Biofeedback verlernen

Zähneknirschen ist weit verbreitet, viele Deutsche tun es jede Nacht. Das ist auf Dauer nicht nur schlecht für die Zähne, sondern kann mit weiteren Beschwerden wie Erschöpfung, Tinnitus, Nackenverspannungen und Kopfschmerzen einhergehen und den Alltag belasten. Mithilfe der Spezialschiene BruXane aus "Die Höhle der Löwen" soll man sich das Knirschen fast gänzlich abgewöhnen können. Wie funktioniert das?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

BruXane: So funktioniert die Schiene

In der heutigen Sendung (7.9.2020) von "Die Höhle der Löwen" auf Vox stellen Bianca Berk und Dr. Jörg Köhler, die Gründer und Entwickler von BruXane, eine neuartige Form von Knirscherschiene vor. Die Schiene funktioniert nach dem Biofeedback-Prinzip. Sie registriert, dass man knirscht, und fängt dann kaum hörbar an zu summen und zu vibrieren.

Als Reaktion soll man das Zähneknirschen unterbrechen und die Kaumuskeln entspannen. Und das sogar, ohne dabei aufzuwachen. Das Umlernen läuft im Grunde also unbewusst ab. Sobald der Druck auf die Schiene nachlässt, stoppt das Summen und Vibrieren.

Knirscherschiene mit Biofeedback: Was sagen Zahnärzte?

Rein theoretisch kann sich Biofeedback positiv auf Zähneknirschen auswirken, sagt Zahnmediziner Dr. Peter Schmitz-Hüser. "Aussagekräftige Studien zu diesem Thema gibt es allerdings nicht." Unklar bleibt auch, ob der Lerneffekt dauerhaft ist oder man früher oder später wieder in alte Muster zurückfällt.

Dr. Peter Schmitz-Hüser ist Zahnarzt in einer Kölner Zahnarztpraxis. Seine Behandlungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten der Endodontie, Implantologie, Funktionstherapie und Prothetik.

Komplett abgewöhnen kann man sich das Zähneknirschen mit der BruXane zwar nicht. Im Schnitt soll die Gesamtknirschdauer damit allerdings um gut 75 Prozent abnehmen. Insgesamt werden die Knirschereignisse damit seltener und kürzer.

Wie der Erfolg beim Einzelnen ausfällt, lässt sich nicht vorhersagen. "Es spricht jedoch nichts dagegen, es einfach mal auszuprobieren", so Schmitz-Hüser. Denn letztlich sei die Datenlage, was Funktionsstörungen wie Zähneknirschen angeht, generell recht dünn. "Außer zur gängigen Schienentherapie gibt es kaum verlässliche wissenschaftliche Erkenntnisse zu Alternativen."

BruXane-Varianten: Unterschiede und Kosten

Es gibt zwei Varianten der BruXane. Eine Art Standardschiene, die man im Webshop der Hersteller kaufen kann, und eine Schiene, die beim Zahnarzt an die individuelle Zahnsituation angepasst wird. Im Unterschied zu gängigen Knirscherschienen ist das Material der BruXane vergleichsweise weich.

Standardschiene

Die Standardschiene BruXane2go kann man für 49 Euro, die BruXane2go Gaumen bereits für 44 Euro bekommen. Die Standard-Variante eignet sich laut Hersteller vor allem für Menschen, die akute Beschwerden haben und austesten möchten, ob diese vom Zähneknirschen herrühren und wie das Biofeedback bei ihnen funktioniert.

Die Standardschiene lässt sich im Ober- oder im Unterkiefer tragen. Aufgrund der nicht austauschbaren Batterien hat sie eine Lebensdauer von nur etwa zwei Monaten.

Personalisierte Schiene

Wer langjähriger Zähneknirscher ist und unter Folgebeschwerden leidet, sollte sich laut Hersteller eher für die BruXane personal entscheiden und eine individuelle Schiene anfertigen lassen. Das kann jedoch nicht jeder Zahnarzt. Auf der Produkt-Website gibt es eine interaktive Landkarte, auf der man einen BruXane-Vertragspartner finden kann.

Die personalisierte Schiene hält länger, bis zu zwei Jahre. In ihr ist ein Akku integriert, der sich wieder aufladen lässt. Je nach Modell lassen sich damit sogar die nächtlichen Knirschaktivitäten aufzeichnen.

Für das Basis-Modell ohne Datenaufzeichnung (BruXane basis) muss man mindestens 600 Euro investieren. Je nach Behandlungsplan und Kostenaufstellung des Zahnarztes können die Kosten jedoch noch höher liegen. Der Preis für die BruXane data mit Datenaufzeichnung ist auf der Website nicht angegeben.

Keine Kassenleistung

Wichtig zu wissen: Im Unterschied zur gängigen Knirscherschiene ist die BruXane keine Kassenleistung. Die Kosten müssen also selbst getragen werden, sofern man gesetzlich versichert ist. Ob sich private Krankenversicherungen oder Zusatzversicherungen an den Kosten beteiligen, sollten Interessierte am besten nach dem Kostenvoranschlag erfragen.

In manchen Fällen eignet sich die BruXane zudem nicht – etwa bei schweren Zahn- oder Kieferfehlstellungen, Epilepsie, Asthma oder Schwangerschaft.

Erfahrungen mit Bruxane: Studie zur Wirksamkeit

Die Wirksamkeit der neuen Schiene wurde in einer kleinen, von BruXane gesponserten Studie an der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht, die zu einem positiven Ergebnis kommt. Verglichen wurden Probanden und Probandinnen, die entweder eine gängige Knirscherschiene trugen oder eine personalisierte BruXane.

Die Teilnehmerzahl ist mit 41 allerdings recht gering und das Ergebnis somit wohl nur bedingt aussagekräftig. Für Medizinprodukte gelten in Deutschland jedoch andere Zulassungsvoraussetzungen als für Medikamente. Sie lassen sich deshalb leichter und oft auch weniger gut geprüft als Medikamente auf den Markt bringen. Studien mit zu wenigen Testpersonen sind laut Schmitz-Hüser oft ein Problem. "Denn so lassen sich die Ergebnisse statistisch nicht wirklich verlässlich auswerten."

Ob sich die "Löwen" der Sendung, wie Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel oder Nils Glagau, auf die neue Knirscherschiene einlassen werden, bleibt abzuwarten.