Jemand isst mit Stäbchen Algensalat aus einer Schale; daneben stehen Sushi-Platten und ein Schälchen Sojasauce.
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Algen essen? Vorsicht vor zu viel Jod!

Ob bei Sushi, als Algensalat oder Nahrungsergänzungsmittel: Algen sind mittlerweile auch in Deutschland beliebte Nährstofflieferanten. Aber Achtung: Manche Algenarten enthalten viel Jod. Das ist zwar lebenswichtig, kann jedoch in hohen Dosen schädlich sein.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Jod und Algen

Der Mensch braucht Jod – vor allem zur Bildung von Schilddrüsenhormonen. Bekommt der Körper über längere Zeit zu wenig Jod, bildet die Schilddrüse zu wenig Hormone. Das kann schwerwiegende Folgen haben:

Die Gesellschaften für Ernährung in Deutschland (DGE) und Österreich (ÖGE) empfehlen folgende Jodzufuhr für Jugendliche und Erwachsene (in Mikrogramm pro Tag):

Personengruppe Jodzufuhr
15 bis unter 19 Jahre 200 µg/Tag
19 bis unter 25 Jahre 200 µg/Tag
25 bis unter 51 Jahre 200 µg/Tag
51 Jahre und älter 180 µg/Tag
Schwangere 230 µg/Tag
Stillende 260 µg/Tag

Wer kein jodiertes Speisesalz verwendet, erreicht die empfohlene Menge bei normaler Ernährung in der Regel nicht. Könnten da nicht Algen die Lösung sein? Denn manche Algenarten enthalten besonders viel Jod.

Doch genau dort liegt das Problem: Je nach Algenart schwankt der Jodgehalt stark – er liegt etwa zwischen 5 und 11.000 Mikrogramm pro Gramm Trockengewicht. Nur ein paar Gramm Algen zu essen kann also schon ausreichen, um die empfohlene Aufnahmemenge deutlich zu überschreiten.

Wie viel Jod genau Algen enthalten, lässt sich nur im Labor feststellen. Eine verpflichtende Kennzeichnung des Jodgehalts in Algenprodukten gibt es in Deutschland derzeit nicht.

Risiko Jodüberschuss

Nicht nur Jodmangel, sondern auch ein Jodüberschuss kann gesundheitliche Schäden verursachen: Wer regelmäßig zu viel Jod aufnimmt, kann neben Funktionsstörungen der Schilddrüse vor allem Probleme an Herz und Nieren entwickeln.

Größere Mengen jodreicher Algen zu verzehren kann sogar zu einem Jodexzess führen: Darunter versteht man in der Regel eine Jodzufuhr von mehr als 1.000 Mikrogramm pro Tag. Ja nach Dosis und eigener Empfindlichkeit können durch einen solchen Jodexzess folgende Krankheiten entstehen:

Das heißt aber nicht, dass niemand mehr Algen essen darf: Wer eine gesunde Schilddrüse hat und vereinzelt mal mehr Jod aufnimmt (unter 1.000 Mikrogramm pro Tag), muss in der Regel nicht mit Nebenwirkungen rechnen. Der Körper scheidet das überschüssige Jod einfach über den Urin wieder aus.

Manche haben ein erhöhtes Risiko

Für Menschen mit bestimmten Gesundheitsproblemen sowie für Kinder bedeutet zu viel Jod jedoch ein erhöhtes Risiko. Darum ist es besser, auf Algen als Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel zu verzichten, wenn Sie:

  • eine Funktionsstörung der Schilddrüse haben,
  • wegen einer Herzerkrankung in Behandlung sind,
  • eine Niereninsuffizienz haben,
  • ein jod- oder lithiumhalriges Medikament einnehmen,
  • schwanger sind oder stillen (es sei denn, Sie haben dies mit einem Arzt abgesprochen).

Auch bei Kindern ist eher Vorsicht angebracht. Denn wie sich eine erhöhte Jodzufuhr bei Minderjährigen auswirkt, ist noch nicht ausreichend untersucht.

Fazit

Algen – egal, ob als Pulver, Tabletten, getrocknet oder frisch verzehrt – sind nicht geeignet, um den Bedarf an Jod zu decken oder einen Jodmangel zu beseitigen. Bestimmte Personengruppen sollten sogar ganz auf Algenverzehr verzichten.