Knochenmarktrans­plantation & Blutstammzell­transplantation

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (03. März 2015)

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Die Knochenmarktransplantation oder Blutstammzelltransplantation ist eine Therapiemethode bei schweren Formen der Blutarmut (aplastische Anämien), angeborenen Immundefekten, Leukämie (Blutkrebs), bösartigen Lymphomen (Lymphdrüsenkrebs) und anderen Tumoren. Ziel der Stammzelltransplantation ist es, das blutbildende System wieder aufzubauen beziehungsweise zu erneuern.

Das Knochenmark enthält sogenannte pluripotente Stammzellen, aus denen sämtliche Zellen des Bluts und des Immunsystems entstehen können. Diese Stammzellen bilden ein Leben lang neue Blutzellen. Wenn dies durch eine Krankheit nicht mehr funktioniert, können Ärzte intakte Stammzellen aus dem Knochenmark (Knochenmarktransplantation), dem Blut oder dem Nabelschnurblut (jeweils Blutstammzelltransplantation) eines Spenders transplantieren. Damit der Körper des Empfängers die transplantierten Zellen des Spenders nicht abstößt, müssen die "neuen" Stammzellen den ursprünglichen in ihren sogenannten HLA-Merkmalen sehr ähnlich sein. HLA-Merkmale (humane Leukozytenantigene) sind bestimmte Eiweiße auf den Oberflächen der weißen Blutzellen (Leukozyten). Bislang sind etwa 7000 solcher Merkmale bekannt, was es manchmal schwierig macht, einen geeigneten Spender zu finden.

Erhält jemand bei einer Knochenmarktransplantation oder Blutstammzelltransplantation die Stammzellen eines anderen, bezeichnen Ärzte dies als allogene Stammzelltransplantation. Am besten geeignet, um Knochenmark beziehungsweise Stammzellen zu spenden, sind leibliche Geschwister, da ihre HLA-Gewebemerkmale am ehesten mit denen des Empfängers übereinstimmen. Im Idealfall besteht die Möglichkeit, die Stammzellen des eineiigen Zwillings zu transplantieren (sog. syngene Transplantation). Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Bruder oder eine Schwester für die Stammzellenspende eignet, liegt bei etwa 25 Prozent – bei Eltern und anderen Verwandten ist der Prozentsatz bereits deutlich geringer. In etwa einem von drei Fällen findet sich ein geeigneter Stammzellspender in der Familie. Ist dies nicht der Fall, muss man in einem Knochenmarkregister nach einem Fremdspender suchen. In etwa drei von vier Fällen findet sich auf diese Weise innerhalb von drei Monaten ein passender Spender.

Die allogene Stammzelltransplantation ist eine Zellspende für Menschen mit Krebs. Unser Video zeigt Ihnen, wie diese Behandlung abläuft.

Wenn jemand eine Knochenmarktransplantation oder Blutstammzelltransplantation erhält, kann es sich dabei unter Umständen auch um eigene Stammzellen handeln: In dem Fall liegt eine sogenannte autologe Stammzelltransplantation vor. Hierzu ist es nötig, die Stammzellen zuvor in einer Phase der Krankheitsbesserung (Remission) zu entnehmen und speziell zu behandeln. Dabei kann man allerdings nicht sicher ausschließen, dass keine schädlichen Zellen mehr in der Stammzellenspende enthalten sind, die dann wieder in den Körper gelangen. Welche Methode der Stammzelltransplantation im Einzelfall geeignet ist, hängt unter anderem von der Art der Erkrankung ab und ob ein geeigneter Spender verfügbar ist.

Bei der autologen Stammzelltransplantation spendet der Patient sich selbst Stammzellen aus dem Rückenmark. Mehr über dieses Verfahren erfahren Sie in unserem Video.

Eine erfolgreiche Knochenmarktransplantation oder Blutstammzelltransplantation ist für viele Betroffene lebensrettend. Die Therapie ist jedoch sehr belastend und birgt das Risiko von Komplikationen. Daher ist es wichtig, vorher den Nutzen und die Risiken einer Stammzelltransplantation gegeneinander abzuwägen.