Früherkennungs- & Vorsorgeuntersuchungen: Auf diese haben Sie Anspruch

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (26. Januar 2018)

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Von Gesundheits-Check-up bis Darmspiegelung: Gesetzlich Versicherte können diverse Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Welche das sind, richtet sich nach Alter und Geschlecht des Versicherten. Wann ist welche Untersuchung fällig?

Der Gang zum Arzt ist bisweilen lästig. Und so mancher blickt der bevorstehenden Untersuchung mit unangenehmen Gefühlen entgegen. Doch Vorsorge und Früherkennung können Leben retten, wenn es um schwere Erkrankungen wie Brustkrebs oder Darmkrebs geht. Daher sollte jeder im Blick haben, welche Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen für ihn infrage kommen.

Übrigens: Im allgemeinen Sprachgebrauch ist häufig von Vorsorgeuntersuchungen die Rede, wenn eigentlich die Früherkennung gemeint ist. Streng genommen gibt es aber einen Unterschied:

  • Mit einer Vorsorgeuntersuchung kann man einer Erkrankung vorbeugen.
  • Die Früherkennung dient zu, eine bestehende Krankheit möglichst frühzeitig zu entdecken.

Beachten Sie: Für bestimmte Personengruppe mit erhöhtem Risiko kann eine Früherkennung gegebenenfalls auch schon zu einem früheren Zeitpunkt empfohlen sein. Das Gleiche gilt, wenn ein begründeter Verdacht auf eine Erkrankung besteht. Besprechen Sie dies am besten mit Ihrem Arzt.

Ab 18: Zahnvorsorge

Wozu? Im Rahmen der Zahnvorsorge kann der Zahnarzt Entzündungen und Schäden an den Zähnen erkennen, behandeln und damit Folgeschäden vorbeugen.

Ab wann und wie oft? Ab 18 Jahren kontrolliert der Zahnarzt zweimal im Jahr. Einmal pro Jahr können Sie sich darüber hinaus kostenlos den Zahnstein entfernen lassen. Und alle zwei Jahre ist eine Parodontitis-Untersuchung möglich.

Was macht der Arzt? Die Vorsorgeuntersuchung umfasst:

  • ein Gespräch mit dem Arzt
  • eine Inspektion der Zähne und des Zahnhalteapparats
  • die Zahnsteinentfernung
  • die Begutachtung des Zahnfleisches (sog. Parodontaler Screening Index) mithilfe einer kleinen Sonde
  • die Besprechung der Ergebnisse

Ab 35: Gesundheits-Check-up

Wozu? Mit dem Gesundheits-Check-up kann der Arzt verschiedene Erkrankungen oder ihre Vorboten frühzeitig erkennen. Dazu zählen Diabetes mellitus, Nierenprobleme oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ab wann und wie oft? Die gesetzlichen Kassen kommen alle zwei Jahre für den Gesundheits-Check-up auf, wenn Sie 35 Jahre oder älter sind.

Was macht der Arzt? Die Vorsorgeuntersuchung umfasst:

Ab 35: Hautkrebs-Früherkennung

Wozu? Im Rahmen der Früherkennung kann der Arzt sowohl weißen als auch den aggressiveren schwarzen Hautkrebs und seine Vorstufen erkennen.

Ab wann und wie oft? Ab 35 Jahren haben gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre Anspruch auf die Hautkrebs-Früherkennung.

Was macht der Arzt? Die Hautkrebs-Früherkennung umfasst:

  • ein Gespräch mit dem Arzt
  • eine Untersuchung sämtlicher Hautpartien
  • eine Beratung zum Ergebnis

Ab 50: Darmkrebsvorsorge

Wozu? 90 von 100 aller Darmkrebs-Patienten sind älter als 55 Jahre. In frühen Stadien ist Darmkrebs fast immer heilbar. Daher sollten Personen ab 50 Jahren die Früherkennungsuntersuchungen ("Darmkrebsvorsorge") wahrnehmen.

Ab wann und wie oft? Zwischen 50 und 54 Jahren können Sie einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl fordern. Ab 55 haben Sie die Wahl: Sie können entweder alle zehn Jahre eine Darmspiegelung oder alle zwei Jahre einen Stuhltest in Anspruch nehmen.

Was macht der Arzt?

  • Test auf verstecktes Blut im Stuhl: Beim sog. immunologischen fäkalen Stuhltest wird eine Stuhlprobe im Labor auf Blutspuren untersucht. Blut im Stuhl kann ein Hinweis auf Darmkrebs sein – es können aber auch andere Ursachen dahinterstecken.
  • Darmspiegelung: Die Darmspiegelung ist die sicherste Methode, um Darmkrebs und seine Vorstufen zu erkennen. Dabei führt der Arzt einen dünnen Schlauch in den Darm ein, an dessen Ende sich eine Kamera befindet.

Zusätzliche Untersuchungen für Frauen

Ab 20 für Frauen: Gynäkologische Untersuchung

Wozu? Die Untersuchung dient zur Früherkennung von Krebs der Genitalien und der Gebärmutter. Gebärmutterhalskrebs und seine Vorstufen kann der Frauenarzt unter anderem mithilfe eines Abstrichs feststellen.

Ab wann und wie oft? Ab 20 können Frauen die Untersuchung einmal pro Jahr in Anspruch nehmen.

Was macht der Arzt? Die Untersuchung umfasst:

  • ein Gespräch mit dem Arzt über Ihr Befinden, Vorerkrankungen und Ihren Lebensstil
  • eine gründliche Inspektion der Geschlechtsorgane
  • einen Abstrich aus Gebärmutterhals und Muttermund und Begutachtung der Zellen unter dem Mikroskop
  • eine Beratung zum Ergebnis

Bis 25: Chlamydien-Screening

Wozu? Eine Infektion mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis gilt als einer der häufigsten sexuell übertragbare Erkrankungen. Für Frauen kann die Erkrankung mit Komplikationen wie Unfruchtbarkeit oder einem erhöhten Frühgeburt-Risiko verbunden sein. Zudem kann der Erreger auf das Neugeborene übertragen werden.

Ab wann und wie oft? Das Screening wird Frauen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr einmal pro Jahr von den Kassen bezahlt.

Was macht der Arzt? Die Untersuchung umfasst:

  • ein Gespräch mit dem Arzt
  • einen Urintest zum Nachweis von Chlamydien
  • eine Besprechung des Ergebnisses


Ab 30: Brustkrebs-Früherkennung

Wozu? Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen: Jedes Jahr erhalten in Deutschland rund 70.000 Frauen diese Diagnose. Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto größer sind die Chancen, geheilt zu werden.

Ab wann und wie oft? Ab 30 können gesetzlich versicherte Frauen das Angebot jährlich wahrnehmen. Die Untersuchung führt der Frauenarzt meist zusammen mit der gynäkologischen Früherkennung durch.

Was macht der Arzt? Die Früherkennung umfasst:

Zwischen 50 und 70: Mammographie-Screening

Wozu? Das Röntgen der weiblichen Brust ist kein Ersatz für die jährliche Brustkrebsfrüherkennung, sondern eine Ergänzung. Die Mammographie wird in einer sogenannten Screening-Einheit durchgeführt.

Ab wann und wie oft? Alle zwei Jahre können Frauen ab 50 bis zum 70. Geburtstag zum Screening.

Was macht der Arzt? Zum Screening gehört:

  • ein Gespräch mit dem Arzt über die medizinische Vorgeschichte
  • das Röntgen beider Brüste
  • die Besprechung des Befunds

Zusätzliche Untersuchungen für Männer

Ab 45: Früherkennung von Prostatakrebs und Krebs des äußeren Genitals

Wozu? Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Die Früherkennung beim Arzt ermöglicht es, den Krebs schon frühzeitig zu erkennen.

Ab wann und wie oft? Männer ab 45 sollten die Untersuchung jedes Jahr wahrnehmen.

Was macht der Arzt? Die Untersuchung umfasst:

  • ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt über Ihr Befinden, Vorerkrankungen und Ihrem Lebensstil
  • Abtasten und Begutachtung der äußeren Geschlechtsorgane sowie der umgebenden Lymphknoten
  • Prostatauntersuchung: Abtasten des Enddarms
  • eine Beratung zum Ergebnis

Ab 65: Bauchaortenaneurysma-Früherkennung

Wozu? Ein Aneurysma ist eine krankhafte Erweiterung einer Arterie, die vor allem ältere Männer betrifft. Wenn ein Aneurysma im Bereich des Bauchs reißt, kann das lebensbedrohlich sein.

Ab wann und wie oft? Männer ab 65 Jahren können die Früherkennung einmalig in Anspruch nehmen.

Was macht der Arzt?

  • ein Gespräch über die medizinische Vorgeschichte
  • die Ultraschalluntersuchung des Bauchs
  • die Besprechung des Befunds

Ihre Termine auf einen Blick

  Früherkennungs- und Vorsorgekalender für Frauen

Alter Was? Wie oft?
ab 20 Jahren Gynäkologische Krebsfrüherkennung jährlich
bis 25 Jahre Chlamydien-Screening jährlich
ab 30 Jahren Brustkrebs-Früherkennung jährlich
ab 35 Jahren Gesundheits-Check-up alle 2 Jahre
ab 35 Jahren Hautkrebs-Früherkennung alle 2 Jahre
ab 50-54 Jahre Test auf verstecktes Blut im Stuhl jährlich
ab 55 Jahren Darmspiegelung
ODER
Test auf verstecktes Blut im Stuhl
alle 10 Jahre Darmspiegelung
ODER
alle 2 Jahre Test auf verstecktes Blut im Stuhl
Ab 50-einschl. 69 Jahre Mammographie-Screening alle 2 Jahre

  Früherkennungs- und Vorsorgekalender für Männer

Alter Was? Wie oft?
ab 35 Jahren Gesundheits-Check-up alle 2 Jahre
ab 35 Jahren Hautkrebs-Früherkennung alle 2 Jahre
ab 45 Jahren Früherkennung von Prostatakrebs und Krebs des äußeren Genitals jährlich
ab 50-54 Jahre Test auf verstecktes Blut im Stuhl jährlich
ab 55 Jahren Darmspiegelung
ODER
Test auf verstecktes Blut im Stuhl
alle 10 Jahre Darmspiegelung
ODER
alle 2 Jahre Test auf verstecktes Blut im Stuhl
ab 65 Jahren Bauchaneurysma-Früherkennung einmalig

Weiterführende Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Vorsorge und Früherkennung. Online-Informationen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung: www.kzbv.de (Abrufdatum: 17.1.2018)

Bundesministerium für Gesundheit: Ratgeber Krankenversicherung. Online-Publikation: www.bundesgesundheitsministerium.de (Stand: November 2017)

Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Früherkennung von Krebserkrankungen (Krebsfrüherkennungs-Richtlinie/KFE-RL): Bundesanzeiger in der Fassung vom 18. Juni 2009, zuletzt geändert am 20. Juli 2017

Früherkennungsuntersuchungen im Überblick. Online-Informationen des Gemeinsamen Bundesausschusses: www.g-ba.de (Stand: 5.7.2017)

Kassenärztliche Bundesvereinigung: Der Vorsorge-Checker. Ihr persönliches Präventionsprogramm. Online-Publikation: www.kbv.de (Stand: Februar 2016)

Gemeinsamer Bundesausschuss: Patienteninformation Screening auf Chlamydia trachomatis-Infektion. Online-Publikation: www.g-ba.de (Stand: Oktober 2009)