Vareniclin

Allgemeines

Der Wirkstoff wird eingesetzt, um bei der Raucherentwöhnung den Drang nach Aufnahme von Nikotin zu beseitigen und bei Aufnahme von Nikotin dessen Wirkungen abzuschwächen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Nikotinabhängigkeit beseitigen
  • Nikotinwirkung abgeschwächt nachahmen
  • Wirkung aufgenommenen Nikotins abschwächen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Vareniclin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Vareniclin nicht verwendet werden?

Vareniclin darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff eingesetzt werden.

Eine besondere Abwägung von Nutzen und Risiko der Behandlung durch den Arzt und eine sorgfältige Überwachung hat zu erfolgen bei
  • Einnahme anderer Medikamente, da der Wirkstoff und die körperlichen Folgen der Entwöhnung deren Wirkungen verändern kann
  • Patienten mit schwerwiegenden seelischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Übersteigerung und Depressionen, weil sich besonders letztere bis zu Selbstmordgedanken und -versuchen steigern können
  • Epilepsie wegen fehlender klinischer Studien mit solchen Patienten.
Hinweis:
Am Ende der Behandlung war das Absetzen von Vareniclin bei bis zu drei Prozent der Patienten verbunden mit einer Zunahme von Reizbarkeit, Verlangen zu rauchen, Depression und/oder Schlaflosigkeit. Darüber sollte der Arzt den Patienten entsprechend informieren und das langsame Vermindern der Vareniclin-Dosis bis zum Therapie-Ende erklären.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

In die klinischen Studien mit Vareniclin wurden keine Schwangeren eingeschlossen. Aus Tierstudien aber weiß man, dass der Wirkstoff schädlich für die Nachkommenschaft ist. Das mögliche Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Daher darf Vareniclin während der Schwangerschaft nicht angewendet
werden.

Tierstudien weisen darauf hin, dass Vareniclin in die Muttermilch übergeht, für den Meschen ist es nicht bekannt. Der Arzt muss den Nutzen des Stillens für das Kind beziehungsweise den Nutzens der Therapie mit dem Wirkstoff für die Frau abwägen. Er sollte entscheiden, ob weiter gestillt und die Anwendung von Vareniclin beendet oder das Stillen abgebrochen und die Therapie mit Vareniclin fortgeführt wird.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Der Wirkstoff ist nicht zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zugelassen.

Welche Nebenwirkungen kann Vareniclin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Vareniclin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
abnorme Träume, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit.

Häufige Nebenwirkungen:
Appetitsteigerung, Schläfrigkeit, Schwindelgefühl, Geschmacksstörung, Erbrechen, Verstopfung, Durchfall, Blähbauch, Magenbeschwerden, Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Mundtrockenheit, Müdigkeit.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Bronchitis, Nasen-Rachen-Entzündung, Nasennebenhöhlenentzündung, Pilzinfektionen, Virusinfektionen, Appetitlosigkeit, Appetitverminderung, Durstvermehrung, Panikreaktion, Gehirnfunktionsverlangsamung, Denkstörungen, Stimmungsschwankungen, Zittern, Bewegungsstörungen, Sprechstörungen, Muskelspannungserhöhung, Unruhe, Verstimmung, Empfindungseinschränkung, Geschmacksverminderung, Teilnahmslosigkeit, Libido-Steigerung, Libido-Verminderung, Vorhofflimmern, Herzklopfen, Gesichtsfeldausfall, Augenweiß-Verfärbungen, Augenschmerzen, Pupillenerweiterung, Lichtscheu, Kurzsichtigkeit, Tränensekretionsverstärkung, Ohrensausen, Atembeschwerden, Husten, Heiserkeit, Hals-Rachen-Schmerzen, Rachenreizungen, Atemwegsverengung, Nasennebenhöhlenverstopfung, Schleimfluss im Rachen, Naselaufen, Schnarchen, Bluterbrechen, Schwarzstuhl, Magenschleimhautentzündung, Refluxerkrankung, Bauchschmerz, Darmentleerungsgewohnheitsveränderung, Stuhlveränderung, Aufstoßen, Mundschleimhautentzündungen, Zahnfleischschmerzen, Zungenbelag, Ausschlag, Hautrötung, Juckreiz, Akne, Schweißabsonderungsvermehrung, Schweißausbrüche (nächtlich), Gelenksteife, Muskelkrämpfe, Brustwandschmerzen, Rippenknorpelentzündung, Urinzucker, Harnabsonderungsvermehrung (auch nachts), Regelblutungsverstärkung, Scheidenausfluss, Sexualfunktionsstörungen, Brustkorbbeschwerden, Brustkorbschmerzen, Fieber, Kältegefühl, Schwäche, Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen, Unwohlsein, Zysten, Blutdruckerhöhung, Herzrhythmusstörungen (ST-Streckensenkung, erniedrigte T-Wellen-Amplitude im EKG), Herzschlagbeschleunigung, Leberfunktionstest-Veränderung, Blutplättchenverminderung, Gewichtszunahme, Spermaveränderungen, Entzündungszeichen (erhöhtes C-reaktives Protein), Blut-Kalzium-Werterniedrigung.

Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe:
Herzinfarkt, Depressionen, Selbstmordgedanken, Überempfindlichkeitsreaktionen (Rachenschwellungen, Gesichtsschwellungen).

Besonderheiten:
Für Patienten mit Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems besteht durch die Anwendung des Wirkstoffs Vareniclin ein erhöhtes Risiko von Herzanfällen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Vareniclin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Bei gleichzeitiger Anwendung des Magenmittels von Cimetidin mit Vareniclin erhöhte sich die Konzentration an Vareniclin im Körper um 29 Prozent, weil Cimetidin die Ausscheidung des Wirkstoffs über die Nieren behindert. Daher sollte bei Patienten mit schwerer Einschränkung der Nierenfunktion die gleichzeitige Gabe von Cimetidin und Vareniclin unterbleiben.

Körperliche Veränderungen als Folge einer Raucherentwöhnung, mit oder
ohne Behandlung mit Vareniclin, können Verhalten und Wirkung anderer Medikamente im Körper verändern. Daher müssen die Dosierungen für Wirkstoffe wie beispielsweise das Asthma-Mittel Theophyllin, den Blutverdünner Warfarin und Insulin (bei Zuckerkrankheit) vom Arzt angepasst werden.

Da das Rauchen die Tätigkeit eines bestimmten Enzyms fördert, kann die Raucherentwöhnung den Abbau mancher Wirkstoffe behindern. Dann erhöht sich ihre Blutkonzentration, was zur Verstärkung von Wirkung und Nebenwirkungen führt. Dies ist möglich bei gleichzeitiger Anwendung der Psychopharmaka Clozapin und Olanzapin, des Schmerzmittels Paracetamol und von Coffein.

Bei Anwendung mit anderen Therapien zur Raucherentwöhnung wurden für Bupropion keine Wechselwirkungen nachgewiesen. Bei gleichzeitiger Anwendung von Vareniclin und Nikotin in Form von Hautpflastern bei Rauchern über zwölf Tage zeigte sich eine deutliche Abnahme des Blutdrucks. In dieser Studie traten Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel, Verdauungsbeschwerden und Müdigkeit unter der Kombination häufiger auf als unter Nikotin allein.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Behandlung mit dem Medikament sollte mit langsam verminderter Dosierung beendet werden ("ausschleichend").
  • Das Medikament kann Schwindelgefühle und Schläfrigkeit verursachen und deshalb die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Vareniclin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Vareniclin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Filmtablette A, Filmtablette B

So wirkt Vareniclin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Vareniclin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Vareniclin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Vareniclin

Der Wirkstoff wird eingesetzt, um bei der Raucherentwöhnung den Drang nach Aufnahme von Nikotin zu beseitigen und bei Aufnahme von Nikotin dessen Wirkungen abzuschwächen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Vareniclin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Vareniclin

Nikotin ist ein Wirkstoff, der sich an bestimmte Stellen im Nervengewebe (Rezeptoren) bindet. Durch diese Bindung kommt es zur Ausschüttung des Nervenbotenstoffes Acetylcholin. Das Acetylcholin erregt im Gehirn ein Zentrum, das für Gefühlsverstärkung und Belohnung zuständig ist. Durch Verlangen nach diesen angenehmen Gefühlen entsteht die Nikotinsucht.

Vareniclin bindet ebenfalls an die Acetylcholin-Rezeptoren der Nerven, die auf Nikotin reagieren, löst aber eine wesentlich schwächere Reaktion darauf aus. Dennoch ist die Vareniclin-Bindung an die Rezeptoren so fest, dass es Nikotin daraus verdrängt. Die Wirksamkeit von Vareniclin bei der Raucherentwöhnung beruht also einerseits darauf, die Symptome des Rauchverlangens und des Entzugs zu lindern (agonistische Wirkung). Andererseits werden gleichzeitig die Belohnungs- und Verstärkungseffekte beim Rauchen vermindert und zwar durch eine Blockade der Bindung von Nikotin an die entsprechenden Nerven-Rezeptoren (antagonistische Wirkung).

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.