Solifenacin

Allgemeines

Solifenacin soll die Beschwerden von Patienten mit überaktiver Blase lindern. Bei einer überaktiven Blasen bestehen Symptome wie krankhafter Harndrang und / oder vermehrtes Wasserlassen mit unbeherrschbarem Harndrang.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Acetylcholin-Wirkung an der Blase hemmen
  • unbeherrschbaren Harndrang beseitigen
  • Häufigkeit des Wasserlassens verringern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Solifenacin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Solifenacin nicht verwendet werden?

Solifenacin darf nicht eingesetzt werden bei
  • Harnverhalt
  • schwerer Magen-Darm-Erkrankung (einschließlich toxisches Megakolon)
  • der Muskelerkrankung Myasthenia gravis
  • Grünem Star (Engwinkelglaukom)
  • Patienten, die ein Risiko für die vorgenannten Erkrankungen aufweisen
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Blutwäsche-Patienten (Dialyse-Patienten)
  • stark eingeschränkter Leberfunktion oder mäßig eingeschränkter Leberfunktion bei gleichzeitiger Behandlung mit einem Enzymhemmer wie dem Pilzmittel Ketoconazol
  • schwerer Nierenfunktionsstörung.
Nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Solifenacin zum Einsatz kommen bei
  • Blasenentleerungsstörungen, die auf einer Verengung der Abflusswege beruhen, weil es zu einer Harnverhaltung kommen kann
  • einer Magen-Darm-Erkrankung mit Verengung des Verdauungskanals
  • dem Risiko einer verminderten Beweglichkeit von Magen und Darm
  • stark eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance unter 30 Milliliter / Minute; bei diesen Patienten darf eine Dosierung von 5 Milligramm Solifenacin nicht überschritten werden)
  • mäßig eingeschränkter Leberfunktion (Child Pugh-Wert von 7 bis 9, auch bei diesen Patienten darf eine Dosierung von 5 Milligramm Solifenacin nicht überschritten werden)
  • Zwerchfellbruch, Reflux-Krankheit und / oder bei Patienten, die mit Wirkstoffen behandelt werden, die die Speiseröhre reizen (beispielsweise Bisphosphonate)
  • einer unbehandelten Nervenerkrankung
  • Patienten mit Risikofaktoren für Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung und Kaliummangel im Blut), weil sich diese verstärken können.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

In den bisherigen Studien wurden keine Frauen während der Anwendung von Solifenacin schwanger. Tierexperimente lassen nicht auf direkte schädigende
Wirkungen auf die Fruchtbarkeit, die Nachkommen-Entwicklung oder den Geburtsverlauf schließen. Das mögliche Risiko für den Menschen ist aber nicht bekannt. Daher wird der Arzt den Wirkstoff einer Schwangeren nur verschreiben, wenn er es für unumgänglich hält.

Bei Mäusen ging Solifenacin und / oder dessen Abbauprodukte in die Muttermilch über. Das führte bei neugeborenen Mäusen zu einer dosisabhängigen Wachstumsstörung. Ob Gleiches auch beim Menschen erfolgt, ist nicht bekannt. Die Anwendung des Wirkstoffs in der Stillzeit ist daher nicht empfohlen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und die Wirksamkeit von Solifenacin bei Kindern wurden noch nicht in Studien untersucht. Der Wirkstoff darf daher bei Kindern nicht angewendet werden.

Welche Nebenwirkungen kann Solifenacin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Solifenacin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Mundtrockenheit.

Häufige Nebenwirkungen:
Verstopfung, Übelkeit, Verdauungsbeschwerden, Bauchschmerzen, verschwommenes Sehen

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Harnwegsinfektion, Harnblasenentzündung, Benommenheit, Schmeckstörungen, Augentrockenheit, Trockenheit der Nase, Reflux-Krankheit, trockene Kehle, trockene Haut, erschwertes Wasserlassen, Müdigkeit, Wasseransammlungen in Armen und Beinen

Seltene Nebenwirkungen:
Schwindel, Kopfschmerzen, Verlegung des Dickdarms, Kotstau, Erbrechen, Juckreiz, Ausschlag, Harnverhaltung

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Wahnvorstellungen, Verwirrtheitszustand, schwere vielfältige Hautrötungen, Nesselfieber, Gesichtsschwellung

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
allergischer Schock, verminderter Appetit, Kaliummangel im Blut, Delirium, Grüner Star, Herzrhythmusstörungen (Torsade de Pointes, QT-Verlängerung), Sprachstörung, Dünndarmverschluss, Bauchbeschwerden, Lebererkrankungen, unnormaler Leberfunktionstest, schwere Hautabschälung, Muskelschwäche, Nierenfunktionsstörung

Besonderheiten:
Kommt es während dem Einsatz von Solifenacin zu einem allergischen Schock oder Gesichtsschwellungen mit einer Verengung der Atemwege, muss die Therapie mit dem Wirkstoff sofort beendet werden. Suchen Sie in diesem Fall umgehend den Arzt auf.

Welche Wechselwirkungen zeigt Solifenacin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die gleichzeitige Gabe anderer Wirkstoffe, die die Effekte des Nervenbotenstoffs Acetylcholin hemmen, kann sowohl die erwünschte Wirkung als auch die Nebenwirkungen von Solifenacin verstärken. Der Arzt wird nach dem Ende der Therapie mit Solifenacin mindestens eine Woche abwarten, bevor er eine andere Therapie beginnt, die Acetylcholin beeinflusst.

Die gleichzeitige Gabe von Wirkstoffen, die an den Acteylcholin-Rezeptor binden (cholinerge Rezeptoragonisten) kann die therapeutische Wirkung von Solifenacin vermindern.

Solifenacin kann die Wirkung von Substanzen, die anregend auf die Bewegung des Magen-Darm-Kanals wirken, wie Metoclopramid und Cisaprid, vermindern.

Solifenacin wird von einem bestimmten Enzym-System in der Leber abgebaut. Wird dieses durch Gabe anderer Wirkstoffe gehemmt, erhöht sich die Solifenacin-Konzentration im Körper, sodass auch und mehr Nebenwirkungen auftreten können. Dies ist beispielsweise bei gleichzeitiger Einnahme von Solifenacin und den Pilzmitteln Ketoconazol und Itraconazol, aber auch den Virenhemmern Ritonavir und Nelfinavir der Fall. Bei der Kombination dieser Wirkstoffe mit Solifenacin ist letzteres nur in einer Dosierung von fünf Milligamm / Tag erlaubt. Besonders gefährlich sind die Nebenwirkungen für Patienten mit einer stark eingeschränkten Nierenfunktion oder mit mäßig eingeschränkter Leberfunktion. Hier ist die Kombination verboten.

Auch andere Wirkstoffe wie die Blutdrucksenker Verapamil und Diltiazem können die Blutkonzentration von Solifenacin erhöhen. Vermindert wird die Wirksamkeit dagegen möglicherweise durch Substanzen wie dem Tuberkulose-Mittel Rifampicin oder die Antiepileptika Phenytoin und Carbamazepin.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Das Medikament kann zu verschwommenem Sehen und – gelegentlich – zu Benommenheit und Müdigkeit führen, was Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich macht.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Solifenacin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Solifenacin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Solifenacin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Solifenacin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Muscarinrezeptor-Antagonisten, zu welcher der Wirkstoff Solifenacin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Solifenacin

Solifenacin soll die Beschwerden von Patienten mit überaktiver Blase lindern. Bei einer überaktiven Blasen bestehen Symptome wie krankhafter Harndrang und / oder vermehrtes Wasserlassen mit unbeherrschbarem Harndrang.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Solifenacin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Solifenacin

Die Tätigkeit der Harnblase wird von einem Teil des vegetativen Nervensystems gesteuert, dem Parasympathikus. Der entsprechende Nervenbotenstoff, der die Reize in diesem Teil des unbewußten Nervensystems weiterleitet, heißt Acetylcholin. Acetylcholin (auch Muskarin genannt) bindet sich an spezielle Stellen der Nervenzellen, die Muskarin-Rezeptoren.

Wenn sich Acetylcholin an den sogenannten Muskarinrezeptor vom Typ M3 bindet, bewirkt dies in der Blase, dass sich der Muskel, der die Blasenentleerung auslöst, zusammenzieht. Der Wirkstoff Solifenacin blockiert diesen Rezeptor, ohne selbst die Muskelreaktion hervorzurufen. So zieht sich der Blasenmuskel nicht mehr unwillentlich auch bei geringer Füllmenge der Blase zusammen; der unfreiwillige Urinverlust endet.

Solifenacin hat einen äußerst gezielten Effekt, da er an keinem anderen Rezeptortyp angreift und somit auch wenig Nebenwirkungen zeigt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.