Sertindol

Allgemeines

Der Wirkstoff wird bei Schizophrenie (Spaltungsirresein) eingesetzt, einer psychischen Störung, bei der es zu Wahnvorstellungen kommt. Die Patienten meinen Stimmen zu hören, sehen nicht vorhandene Gestalten und bilden sich ein, selbst andere Personen zu sein.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Wirkung des Nervenbotenstoffes Dopamin teilweise aufheben
  • Wirkung des Nervenbotenstoffes Serotonin teilweise aufheben
  • Wahnvorstellungen unterdrücken

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Sertindol im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Sertindol nicht verwendet werden?

Der Wirkstoff darf nicht angewendet werden bei:
  • Überempfindlichkeit gegen Sertindol
  • Patienten mit unbehandeltem Kaliummangel (Hypokaliämie) und Patienten mit unbehandeltem Magnesiummangel (Hypomagnesiämie), da beides zusammen mit Sertindol zu einem hohen Risiko für Herzrhythmusstörungen führen kann
  • Patienten mit Herz- und Kreislauf-Beschwerden, Beschwerden-verursachender Herzmuskelschwäche, Herzvergrößerung, schnelle und langsame (unter 50 Schläge pro Minute) Herzrhythmusstörungen
  • Patienten mit angeborener oder krankheitsbedingter Herzrhythmusstörung, bei der eine bestimmte Herschlagphase (QT-Intervall) verlängert ist (QTc-Intervall über 450 Millisekunden bei Männern und über 470 Millisekunden bei Frauen) oder bei denen diese Störung in der Familie liegt. Erhalten diese Patienten Wirkstoffe, die ebenfalls die QT-Zeit verlängern, darf Sertindol nicht gegeben werden. Zu diesen Wirkstoffen gehören
  • Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz.
Da Sertindol in der Leber unter anderem durch das Leber-Enzym Cytochrom P450 3A abgebaut wird, darf es nicht zusammen mit anderen Wirkstoffen eingenommen werden, die dieses Leberenzym hemmen. Zu diesen Wirkstoffen gehören:
  • eingenommene oder gespritzte Pilz-Mittel wie Ketoconazol und Itraconazol
  • einige Makrolid-Antibiotika wie Erythromycin und Clarithromycin
  • HIV-Proteasehemmer wie Indinavir gegen AIDS
  • einige Calciumkanalblocker wie Diltiazem und Verapamil
  • das Magenmittel Cimetidin.
  • Nur mit Vorsicht und unter ärztlicher Nutzen-Risisko-Abwägung sollte Sertindol in folgenden Fällen gegeben werden:
    • bei Parkinson-Krankheit. Neuroleptika können die Wirkungen von Wirkstoffen aus der Gruppe der Dopamin-Agonisten hemmen, die zur Behandlung von Parkinson verwendet werden.
    • bei Patienten, bei denen das Leber-Enzym CYP2D6 nur langsam arbeitet, weil höhere Konzentrationen von Sertindol im Blut und damit mehr Nebenwirkungen entstehen können.
    • bei älteren Menschen, weil diese häufiger schwere Erkrankungen von Herz und Gefäßen haben. Herz und Blutgefäße sollten daher bei dieser Patientengruppe vor einer Sertindol-Behandlung erst gründlich untersucht werden.
    • bei Patienten mit schon einmal aufgetretenen Krampfanfällen, weil Sertindol unter Umständen solche bei Empfindlichen auch auslösen kann.

    Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

    Es gibt keine klinischen Studien am Menschen, die die Sicherheit der Anwendung von Sertindol während der Schwangerschaft erwiesen haben. Im Tierexperiment ergaben sich keine Mißbildungen. Doch die Jungen der Tiere, welche mit vergleichbaren Sertindol-Dosierungen behandelt wurden, waren später weniger fruchtbar. Daher darf Sertindol nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden.

    Mütter, die im letzten Schwangerschaftsdrittel den Wirkstoff einnehmen, gefährden ihre Neugeborenen durch Nebenwirkungen wie Bewegungsstörungen und Entzugserscheinungen. Diese können sich in Aufregung, Muskelverspannungen oder -schlaffheit, Zittern, Schläfrigkeit, Atemnot oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme äußern. Solche Neugeborene müssen sorgfältig ärztlich überwacht werden.

    Es wurden auch keine Studien mit Sertindol bei stillenden Müttern durchgeführt. Allerdings ist zu erwarten, dass der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht. Wenn eine Behandlung mit Sertindol vom Arzt für zwingend notwendig gehalten wird, sollte abgestillt werden.

    Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

    Die Sicherheit und Wirksamkeit von Sertindol wurde in klinischen Studien nicht bei Kindern und Jugendlichen untersucht. Die Anwendung des Wirkstoffes bei dieser Altersgruppe ist daher untersagt.

    Welche Nebenwirkungen kann Sertindol haben?

    Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Sertindol. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

    Sehr häufige Nebenwirkungen:
    Schnupfen, Nasenverstopfung.

    Häufige Nebenwirkungen:
    Schwindel, nervliche Mißempfindungen, Wassereinlagerungen in das Gewebe von Armen und Beinen, Blutdruckabfall bei Körperlageveränderung, Atembeschwerden, Mundtrockenheit, Ejakulationsstörungen (verminderte Ejakulat-Menge), Gewichtszunahme, Herzrhythmusstörung (QT-Verlängerung), rote Blutkörperchen im Urin, weiße Blukörperchen im Urin.

    Gelegentliche Nebenwirkungen:
    Überzuckerung, kurzer Bewußtseinsverlust, Krämpfe, Bewegungsstörungen (vor allem verzögert einsetzend), anfallsweises Kammerflattern (Torsade de Pointes).

    Seltene Nebenwirkungen:
    Bösartiges (malignes) neuroleptisches Syndrom (MNS) mit unter anderem Bewegungsunfähigkeit, Muskelsteife, Blickkrampf, Fieber, Herzrasen, Bewußtseinsverlust, Verwirrtheit, Weiße-Blutkörperchen-Überschuss im Blut, metabolischer Azidose.

    Besonderheiten:
    In klinischen Studien stellte sich heraus, dass die EKG-Veränderung (QT-Intervall-Verlängerung) durch Sertindol stärker ausgeprägt ist als bei einigen anderen Neuroleptika. Die Veränderung ist besonders stark in den oberen Dosierungsbereichen. Sertindol sollte nur bei Patienten angewendet werden, die zumindest ein anderes Neuroleptikum nicht vertragen haben.

    Welche Wechselwirkungen zeigt Sertindol?

    Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

    Sertindol kann eine bestimmte Form der Herzrhythmusstörung hervorrufen. Dabei ist das so genannte QT-Intervall im EKG verlängert. Erhalten diese Patienten Wirkstoffe, die ebenfalls die QT-Zeit verlängern, darf Sertindol nicht gegeben werden. Zu diesen Wirkstoffen gehören:
    • Antiarrhythmika wie Chinidin, Amiodaron, Sotalol, Dofetilid
    • einige andere Neuroleptika wie zum Beispiel Thioridazin
    • einige Makrolid-Antibiotika wie Erythromycin
    • einige H1-Antihistaminika wie Terfenadin und Astemizol
    • einige Gyrasehemmer wie Gatifloxacin und Moxifloxacin
    • das Magenmittel Cisaprid
    • Lithium gegen Depressionen.
    Da Sertindol in der Leber unter anderem durch das Leber-Enzym Cytochrom P450 3A abgebaut wird, darf es nicht zusammen mit anderen Wirkstoffen eingenommen werden, die dieses Leberenzym hemmen. Zu diesen Wirkstoffen gehören:
  • eingenommene oder gespritzte Pilz-Mittel wie Ketoconazol und Itraconazol
  • einige Makrolid-Antibiotika wie Erythromycin und Clarithromycin
  • HIV-Proteasehemmer wie Indinavir gegen AIDS
  • einige Calciumkanalblocker wie Diltiazem und Verapamil
  • das Magenmittel Cimetidin.
  • Sertindol wird auch von dem Leberenzym Cytochrom P 2D6 abgebaut. Daher sollte es mit Wirkstoffen wie Fluoxetin oder Paroxetin (beide gegen Depressionen), die dieses Enzym hemmen, nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Denn im Zusammenwirken kann die Blutkonzentration an Sertindol um das Zwei- bis Dreifache ansteigen und zu starken Nebenwirkungen führen.

    Der Abbau von Sertindol kann durch Substanzen, die die Enzyme der Cytochrom-Gruppe vermehren, erheblich verstärkt werden, was die Wirkung des Sertindol schwächt. Vor allem das Tuberkulose-Antibiotikum Rifampicin und die Epilepsie-Mittel Carbamazepin, Phenytoin und Phenobarbital können die Sertindol-Konzentration im Blut halbieren oder sogar dritteln, was eine Erhöhung der Sertindol-Dosis notwendig macht.


    Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

    • Bei plötzlicher Beendigung der Behandlung mit dem Wirkstoff kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen und Schlaflosigkeit kommen. Medikamente mit Sertindol sollten daher zum Absetzen langsam in der Dosis vermindert werden.
    • Patienten mit leichten bis mittelschweren Leberfunktionsstörungen sollten zur Dauertherapie geringere Dosen des Wirkstoffes erhalten als ansonsten gesunde Personen.
    • Aufgrund seiner Nebenwirkungen am Herzen sollte der Wirkstoff nur bei Patienten angewendet werden, die zumindest ein anderes Neuroleptikum nicht vertragen haben.
    • Bei Auftreten von Bewegungsunfähigkeit, Muskelsteife, Blickkrampf, Fieber, Herzrasen, Bewußtseinsverlust oder Verwirrtheit ist sofort der Arzt aufzusuchen.
    • Das Medikament macht nicht müde. Dennoch sollten Patienten nicht Autofahren oder Maschinen bedienen, bis ihre individuelle Reaktion auf den Wirkstoff bekannt ist.

    Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

    Welche Medikamente beinhalten Sertindol?

    Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Sertindol enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

    Medikament
    Darreichungsform
    Filmtabletten
    Filmtabletten
    Filmtabletten
    Filmtabletten

    So wirkt Sertindol

    Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Sertindol. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Neuroleptika, zu welcher der Wirkstoff Sertindol gehört.

    Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Sertindol

    Der Wirkstoff wird bei Schizophrenie (Spaltungsirresein) eingesetzt, einer psychischen Störung, bei der es zu Wahnvorstellungen kommt. Die Patienten meinen Stimmen zu hören, sehen nicht vorhandene Gestalten und bilden sich ein, selbst andere Personen zu sein.

    Zu folgenden Anwendungsgebieten von Sertindol sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Sertindol

    Sertindol gehört zu der Wirkstoffgruppe der Neuroleptika und dort zur Untergruppe der atypischen Neuroleptika. Charakteristisch für diese Untergruppe und somit auch für Sertindol, ist, dass sie vor allem auf die in der Hirnmitte liegenden so genannten mesolimbischen Hirnteile wirken, die die Gefühlswelt regulieren. Dort hemmt Sertindol die Nervensignale, die durch den Botenstoff Dopamin vermittelt werden. Diese Wirkung ist relativ gezielt, die Dopamin-Effekte in anderen Hirnteilen bleiben dadurch fast unberührt. Das hat den Vorteil, dass Sertindol wie alle atypischen Neuroleptika im Vergleich zu den typischen Neuroleptika weniger Bewegungsstörungen (Dyskinesien) auslöst.

    Neben der Hemmung der Dopamin-Effekte stellt Sertindol im Hirnzentrum auch einen Gegenspieler dar für die Botenstoffe Serotonin und Adrenalin. So kommt eine vielfältige Wirkung zustande, die sowohl die positiven Schizophrenie-Symptome (Wahnvorstellungen, Stimmenhören) wie die negativen (Erstarrung, Empfindungslosigkeit) bessert.

    Sertindol hat wenig Einfluss auf die Rezeptoren für die Nervenbotenstoffe Muskarin und Histamin. Dadurch ruft es praktisch keine Unruhe und Erregung, aber auch kaum Müdigkeit hervor.

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.