Paliperidon

Allgemeines

Paliperidon ist für die Therapie von Psychosen (Schizophrenie) bei erwachsenen Patienten gedacht, die schon auf das mit diesem Wirkstoff verwandte Risperidon eingestellt wurden. Paliperidon kann sowohl in Form von Tabletten wie auch als Injektion mit Langzeit (Depot)-Wirkung verabreicht werden.

Welchem Zweck dient dieser Wirkstoff?

  • Wahnvorstellungen unterdrücken

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Paliperidon im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Paliperidon nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder gegen das verwandte Risperidon darf Paliperidon nicht angewendet werden. Ist der Wirkstoff in einer Depot-Form mit Langzeitwirkung verarbeitet, darf er auch nicht bei akuten erregten oder hochgradig psychotischen Zuständen eingesetzt werden, wenn eine unmittelbare Wirkung erforderlich ist.

Auch Bei Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance unter 50 Milliliter/Minute) wird die Anwendung von Paliperidon nicht empfohlen.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und unter Kontrolle eines Arztes darf der Wirkstoff angewendet werden bei
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzmuskelschwäche, Herzinfarkt, Durchblutungsstörungen des Gehirns, niedriger Blutdruck) sowie mit EKG-Veränderungen (QT-Zeit-Verlängerung) in der Familie
  • Patienten mit Zuckerkrankheit und Patienten mit Risikofaktoren für das Entstehen eines Diabetes mellitus (Übergewicht, Rauchen)
  • leichter Nierenfunktionsstörung, weil sie die Konzentrationen von Paliperidon im Blut erhöhen können
  • Patienten mit überhöhten Blutkonzentrationen des Hormons Prolactin, weil Paliperidon dessen Ansteigen fördern kann
  • Epilepsie oder Krampfanfällen in der Vorgeschichte
  • Einschränkung der Leberfunktion
  • älteren Patienten mit Demenz, die Risikofaktoren für einen Schlaganfall haben
  • Patienten mit Parkinson-Krankheit oder Demenz mit Lewy-Körperchen
  • Patienten, bei denen es umständehalber zu einem Anstieg der Körpertemperatur kommen kann, beispielsweise durch intensive körperliche Betätigung oder extreme Hitzeeinwirkung, weil Paliperidon die Regulation der Körpertemperatur beeinträchtigen kann
  • Risikofaktoren für Venenverstopfungen oder solchen in der Vorgeschichte.
Hinweis:
Bei Patienten mit einer Einschränkung der Nierenfunktion wird eine Dosisanpassung empfohlen, um Überdosierungen des Wirkstoffs zu vermeiden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es wurden bisher keine ausreichenden Studien zur Verwendung von Paliperidon während der Schwangerschaft durchgeführt. Weder eingespritztes noch eingenommenes Paliperidon erwiesen sich im Tierversuch als missbildungsfördernd, es kam aber zu einer Verminderung des Geburtsgewichts, des Lernvermögens und der Bewegungunsfähigkeit der Nachkommen. Die Anwendung von Antipsychotika wie Paliperidon während des letzten Schwangerschaftsdrittels führt beim Säugling zu lang anhaltenden, aber wieder abnehmenden Nervenstörungen wie unwillkürlichen Bewegungen von Zunge und Mund. Daher soll Paliperidon nicht während der Schwangerschaft angewendet werden, es sei denn, der Arzt hält dies für eindeutig erforderlich.

Paliperidon wird in einem solchen Ausmaß in die Muttermilch ausgeschieden, dass im Falle einer Anwendung therapeutischer Dosen bei stillenden Müttern mit Auswirkungen auf den gestillten Säugling zu rechnen ist. Daher soll der Wirkstoff während der Stillzeit nicht angewendet werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Zu Wirkung und Nebenwirkungen von Paliperidon bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gibt es keine Studien. Daher ist die Anwendung in dieser Altersgruppe nicht erlaubt.

Welche Nebenwirkungen kann Paliperidon haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Paliperidon. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen.

Häufige Nebenwirkungen:
Infektion der oberen Atemwege, Husten, Halsschmerz, verstopfte Nase, Gewichtszunahme, erhöhter Blutzuckerspiegel, erhöhte Blutfette (Triglyceride), Aufregung, Verstimmung, Parkinson-ähnliche Beschwerden, Sitzunruhe, Bewegungsstörungen, Gelenkschmerzen, unwillkürliche Bewegungen, Zittern, Schwindel, Schläfrigkeit, Herzrasen, Bluthochdruck, Übelkeit und Erbrechen, Bauchbeschwerden, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Durchfall, Verstopfung, Zahnschmerzen, Hautausschlag, Rückenschmerzen, Gliederschmerzen, Schwäche, Abgeschlagenheit.
bei Injektion: Verhärtungen und Schmerzen an der Injektionsstelle.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeit, Anstieg der Prolaktin-Konzentration im Blut, Ansteigen des Blutzuckerspiegels, Ansteigen der Insulin-Ausschüttung, gesteigerter Appetit, verminderter Appetit, Blähungen, erhöhte Blutfette (Cholesterin), Albträume, Ohnmacht, Krämpfe, Bewegungsverzögerung, Sprechstörung, Überaktivität, Schlafstörungen, Schwindel nach dem Urinieren, Harnwegsinfektion, Harnverhalten, Antriebsschwäche, verschwommenes Sehen, Drehschwindel, Herzrasen (vom Sinusknoten ausgehend), Reizleitungsstörungen am Herzen, AV-Block ersten Grades, Herzschlagverlangsamung, Herzrasen nach dem Urinieren, Herzklopfen, EKG-Veränderung (QT-Verlängerung), Blutdruckabfall bei Körperlageveränderung, Mundtrockenheit, Nesselsucht, Juckreiz, Muskelschmerzen, Gelenksteifigkeit, krankhafte Brustschwellung, Erektionsstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, krankhafter Milchfluss, unregelmäßige Menstruation, Ausfall der Regelblutung, Menstruationsstörungen, verzögerte Menstruation.
bei Injektion: Juckreiz an der Injektionsstelle.

Seltene Nebenwirkungen:
malignes neuroleptisches Syndrom, Schlaganfall, Augenrollen, Störungen der Augenbewegung, Arzneimittelausschlag, Gesichtsschwellung, blasiger Hautausschlag, Absonderungen aus der Brustdrüse, Brustschmerzen, Brustspannen, Dünndarmverschluss, Harninkontinenz, Wasseransammlungen im Gewebe (Ödem).
bei Injektion: Schmerzen, Reaktionen oder Knotenbildung an der Injektionsstelle.

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Lungenentzündung durch Einatmen von Magensaft, Gliedversteifung (Priapismus).

Besonderheiten:
Wenn ein Patient Anzeichen eines malignen neuroleptischen Syndroms zeigt (Überwärmung, Muskelsteifigkeit, Bewusstseinsstörung), sollen alle Antipsychotika, einschließlich Paliperidon, abgesetzt werden.

Treten unwillkürliche, rhythmische Bewegungen vor allem der Zunge und/oder des Gesichts auf, sollte die Behandlung mit dem Wirkstoff sofort eingestellt werden.

Stellt sich eine dauerhafte Versteifung des männlichen Gliedes ein (Priapismus), ist sofort ärztlicher Rat einzuholen.

Um eine Überwärmung des Körpers und einen Blutdruckabfall zu vermeiden, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr während der Behandlung nötig.

Risperidon kann während Operationen zum Ersatz getrübter Linsen im Auge (Staroperation) zu Komplikationen führen, da es den Halteapparat der Iris schwächt. So kann es zu Pupillenverengungen oder auch Irisvorfall kommen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Paliperidon?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Vorsicht ist geboten, wenn Paliperidon zusammen mit Wirkstoffen verordnet wird, die bekanntermaßen den Herzrhythmus verändern (das QT-Intervall verlängern). Dies ist der Fall bei Antiarrhythmika wie Chinidin, Disopyramid, Amiodaron und Sotalol), bei einigen H1-Antihistaminika, einigen anderen Antipsychotika und einigen Antimalaria-Wirkstoffen wie beispielsweise Mefloquin.

Aufgrund der Wirkungen von Paliperidon auf das Gehirn muss bei Kombination mit anderen gehirnwirksamen Substanzen wie Angstlösern, den meisten Antipsychotika, Schlafmitteln, opioiden Schmerzmitteln oder Alkohol große Vorsicht walten.

Paliperidon kann die Wirkung von Levodopa und anderen Dopamin-Rezeptor-Agonisten (Parkinsonmitteln) aufheben. Wird eine solche Kombination vom Arzt als notwendig erachtet, insbesondere im Endstadium der Parkinson-Krankheit, so wird im Allgemeinen die niedrigste wirksame Dosierung der jeweiligen Therapie verordnet.

Weil Paliperidon zu einem plötzlichen Blutdruckabfall führen kann, ist die Kombination mit Wirkstoffen mit demselben Effekt (andere Antipsychotika, trizyklische Antidepressiva) gefährlich.

Paliperidon führt schneller zu epileptischen Anfällen, wenn es mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern, trizyklischen Antidepressiva oder Phenothiazinen oder Butyrophenonen, mit dem Schmerzmittel Tramadol oder dem Malaria-Mittel Mefloquin kombiniert wird.

Muss Paliperidon zusammen mit dem Antiepileptikum Carbamazepin verabreicht werden, sollte der Arzt die Dosis von Paliperidon neu beurteilen und, falls erforderlich, erhöhen. Im umgekehrten Fall sollte bei Ende einer Carbamazepin-Therapie die Dosis von Paliperidon neu beurteilt und, falls erforderlich, vermindert werden.

Weil Risperidon im Körper zu Paliperidon umgewandelt wird, muss der Arzt bei Kombination der beiden die Dosis von der Wirkung abhängig neu bestimmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei dauerhafter Versteifung des männlichen Gliedes (Priapismus) ist sofort ärztlicher Rat einzuholen.
  • Um eine Überwärmung des Körpers und einen Blutdruckabfall zu vermeiden, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr während der Behandlung nötig.
  • Während der Behandlung mit dem Medikament sollte kein Alkohol getrunken werden.
  • Das Medikament kann zu Benommenheit, Schläfrigkeit, Ohnmachten und Verschwommensehen führen, die Autofahren und da Führen von Maschinen gefährlich machen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Paliperidon?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Paliperidon enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Paliperidon

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Paliperidon. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Dopaminrezeptor-Agonisten, Neuroleptika, zu welcher der Wirkstoff Paliperidon gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Paliperidon

Paliperidon ist für die Therapie von Psychosen (Schizophrenie) bei erwachsenen Patienten gedacht, die schon auf das mit diesem Wirkstoff verwandte Risperidon eingestellt wurden. Paliperidon kann sowohl in Form von Tabletten wie auch als Injektion mit Langzeit (Depot)-Wirkung verabreicht werden.

Bei bestimmten erwachsenen Patienten mit Schizophrenie, die früher schon gut auf eine Gabe von Risperidon oder Paliperidon zur Einnahme reagierten, kann Paliperidon gleich in Form eine Depot-Injektion angewendet werden, wenn die psychotischen Beschwerden leicht bis mittelschwer sind und eine Behandlung mit einem Depot-Antipsychotikum erforderlich ist.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Paliperidon sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Paliperidon

Paliperidon hemmt gezielt die Wirkung von Nervenbotenstoffen wie Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin, Serotonin und Histamin. Insofern unterscheidet es sich von den übrigen Substanzen seiner Wirkstoffgruppe der Neuroleptika. Die Wirkungshemmung kommt dadurch zustande, dass Paliperidon an die entsprechenden Rezeptoren im Gehirn bindet.

Paliperidon bindet nicht an Rezeptoren für den Nervenbotenstoff Acetylcholin. Damit führt es in geringerem Maße zu einer Gliederstarre und Verminderung der Bewegungsfunktion als klassische Neuroleptika. Außerdem kommt es bei Paliperidon seltener zu unwillkürlichen und wiederholten Bewegungen von Zunge und Mund (den sogenannten extrapyramidalen Nebenwirkungen) wie bei den klassischen Neuroleptika.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.