Lapatinib

Allgemeines

Lapatinib wird zur Behandlung von Patienten mit Brustkrebs eingesetzt, der ein spezielles Merkmal hat. Er weist eine Bindungsstelle (Rezeptor) für einen Wachstumsfaktor auf, der die Zellvermehrung fördert und den programmierten Zelltod (Apoptose) ausschaltet. Etwa 20 Prozent aller bösartigen Brustkrebsformen weisen besonders viele Rezeptoren für diesen auch Her2 genannten Faktor auf. Damit ist seine Wirkung vervielfältigt; weniger Patienten überleben die Krankheit oder haben einen vergleichsweise schlechteren Krankheitsverlauf.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Wachstum von Krebszellen hemmen
  • Schutz vor dem programmierten Zelltod von Krebszellen abschalten
  • Brustkrebs bekämpfen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Lapatinib im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Lapatinib nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Lapatinib nicht eingesetzt werden.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Aufsicht darf Lapatinib angewendet werden bei
  • Einschränkung der Funktion der linken Herzkammer (einschließlich einer gemeinsamen Gabe von Wirkstoffen mit einem solchen Effekt)
  • mittelschwerer und schwerer Leberfunktionsstörung, weil Lapatinib diese verstärken kann
  • schweren Nierenfunktionsstörungen
  • bestimmten EKG-Veränderungen (QT-Verlängerung), weil Lapatinib diese verstärken kann. Besondere ärztliche Vorsicht ist geboten bei begünstigenden Umständen wie Mangel an Kalium oder Magnesium im Blut, angeborener EKG-Veränderung und Einnahme von Wirkstoffen mit Einfluss auf die Herzfunktion.
Hinweise:
Vor Beginn der Behandlung sollte bei allen Patienten ein Arzt die Herzfunktion einschließlich der Pumpleistung der linken Herzkammer überprüfen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es gibt keine hinreichenden Studien für die Verwendung von Lapatinib bei Schwangeren. Tierexperimente haben jedoch Schäden an den Nachkommen ergeben. Weil das mögliche Risiko für den Menschen nicht bekannt ist, darf der Wirkstoff nicht während der Schwangerschaft verwendet werden, es sei denn, der Arzt hält dies für eindeutig erforderlich. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden, um eine Schwangerschaft zu vermeiden.

Es ist nicht bekannt, ob Lapatinib in die Muttermilch übergeht. Bei Ratten wurde eine Verzögerung des Wachstums von Jungtieren, die Lapatinib über die Muttermilch aufnahmen, beobachtet. Daher müssen Frauen, die eine Therapie mit Lapatinib erhalten, abstillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Lapatinib wird nicht für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen empfohlen, da es keine ausreichenden Studien zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit in dieser Altersgruppe gibt.

Welche Nebenwirkungen kann Lapatinib haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Lapatinib. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Durchfall (bis zur Austrocknung), Übelkeit und Erbrechen, Hautausschlag (einschließlich Akne-artiger Hautentzündung), Erschöpfung, Essensverweigerung.

Häufige Nebenwirkungen:
Bilirubin-Überschuss im Blut, Leberschäden, Nagelveränderungen (einschließlich Umlauf), verringerte Pumpleistung der linken Herzkammer.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Interstitielle Lungenerkrankung, Lungenentzündung.

Seltene Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktionen (einschließlich Schock).

Besonderheiten:
Diese Nebenwirkungen wurden bei Gabe von Lapatinib in Kombination mit Capecitabin beobachtet:
Sehr häufig: Verdauungsstörungen, Mundschleimhautentzündung, Verstopfung, Bauchschmerzen, trockene Haut, Missempfindungen in den Hand- und Fußflächen, Arm- und Beinschmerzen, Rückenschmerzen, Schleimhautentzündung, Schlaflosigkeit.
Häufig: Kopfschmerzen.

Diese Nebenwirkungen wurden bei Gabe von Lapatinib in Kombination mit Letrozol beobachtet:
Sehr häufig: Nasenbluten, Husten, Atembeschwerden, trockene Haut, Haarausfall, Juckreiz, Arm- und Beinschmerzen, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Schwäche, Kopfschmerzen, Hitzewallungen.
Häufig: Verstopfung.

Lapatinib scheint in manchen Fällen die Lunge zu schädigen. Daher wird der Arzt die Patienten bei Atembeschwerden, Husten und Fieber sorgfältig überwachen und die Behandlung gegebenenfalls abbrechen.

Um eine mögliche Schädigung der Leberfunktion zu erkennen, werden entsprechende Laborwerte wie Transaminasen, Bilirubin und alkalische Phosphatase vor Beginn der Behandlung und danach monatlich ärztlich kontrolliert. Bei schweren Leberfunktionsstörungen wird die Therapie beendet werden.

Der Wirkstoff kann die Herzleistung mindern. Daher wird der Arzt bei allen Patienten vor Beginn der Behandlung die Herzfunktion einschließlich der Pumpleistung der linken Herzkammer überprüfen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Lapatinib kann Durchfälle auch schweren Grades verursachen. Zu Beginn der Therapie wird der Arzt daher bei den Patienten das Darmverhalten und andere Beschwerden wie Fieber, krampfartige Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel und Durst abfragen, um Veränderungen während der Behandlung und Patienten mit erhöhtem Risiko erkennen zu können. Jede Änderung im Stuhlverhalten ist unverzüglich dem Arzt mitzuteilen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Lapatinib?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die gemeinsame Gabe von Lapatinib mit Wirkstoffen, die das Enzym stark hemmen, welches im Körper am Abbau von Lapatinib beteiligt ist, sollte vermieden werden. Es könnte ansonsten zu Überdosierungen und mehr Nebenwirkungen kommen. Zu den entsprechenden Substanzen gehören die AIDS-Mittel Ritonavir und Saquinavir, die Pilzmittel Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol und Posaconazol, das Antibiotikum Telithromycin sowie das Antidepressivum Nefazodon. Im Gegenzug hemmt Lapatinib das gleiche und weitere Enzyme und somit den Abbau anderer Wirkstoffe, woraufhin diese mehr Nebenwirkungen zeigen können. Das ist besonders bei Cisaprid (Magenmittel), Pimozid (Neuroleptikum), Repaglinid (zur Blutzuckersenkung), Paclitaxel, Docetaxel und Irinotecan (Zytostatika), Digoxin (gegen Herzmuskelschwäche) und Chinidin (Antiarrhythmikum) der Fall.

Wird Lapatinib zusammen mit Wirkstoffen gegeben, die die Aktivität des obengenannten Enzyms stark fördern, kann dies hingegen die Wirkung vermindern. Zu diesen Stoffen gehören die Tuberkulose-Mittel Rifampicin und Rifabutin, die Antiepileptika Carbamazepin und Phenytoin sowie Johanniskraut, das gegen Depressionen eingesetzt wird.

Auch Verapamil (Calciumkanalblocker), Ciclosporin (gegen Organabstoßungen nach Transplantationen) und das Makrolid-Antibiotikum Erythromycin können die Aufnahme und/oder Verteilung von Lapatinib im Körper verändern.

Die Löslichkeit von Lapatinib hängt vom Säuregrad der Umgebung ab. Eine gleichzeitige Behandlung mit säurebindenden Mitteln (Antazida) sollte daher vermieden werden. Sie kann die Löslichkeit von Lapatinib im Magen und damit die Aufnahme in den Körper verringern.

In Abhängigkeit beispielsweise vom Fettgehalt in der Mahlzeit wird die Aufnahme von Lapatinib aus der Nahrung bis um das Vierfache erhöht. Auch Grapefruitsaft verstärkt die Aufnahme von Lapatinib in den Körper und sollte daher während der Behandlung gemieden werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Jede Änderung im Stuhlverhalten ist unverzüglich dem Arzt mitzuteilen.
  • Während der Behandlung ist eine Schwangerschaft zuverlässig zu verhüten.
  • Während der Behandlung sind fettreiche Mahlzeiten und Grapefruitsaft zu meiden.
  • Eine Behandlung mit dem Medikament sollte nur durch einen Arzt erfolgen, der erfahren im Umgang mit Krebsmitteln und -erkrankungen ist.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Lapatinib?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Lapatinib enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Lapatinib

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Lapatinib. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Lapatinib gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Lapatinib

Lapatinib wird zur Behandlung von Patienten mit Brustkrebs eingesetzt, der ein spezielles Merkmal hat. Er weist eine Bindungsstelle (Rezeptor) für einen Wachstumsfaktor auf, der die Zellvermehrung fördert und den programmierten Zelltod (Apoptose) ausschaltet. Etwa 20 Prozent aller bösartigen Brustkrebsformen weisen besonders viele Rezeptoren für diesen auch Her2 genannten Faktor auf. Damit ist seine Wirkung vervielfältigt; weniger Patienten überleben die Krankheit oder haben einen vergleichsweise schlechteren Krankheitsverlauf.

Lapatinib wird insbesondere eingesetzt, wenn der Brustkrebs schon fortgeschritten ist oder Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hat und durch eine Therapie mit Anthrazyklinen (Daunorubizin, Doxorubizin, Epirubizin, Idarubizin) und Taxanen (Paclitaxel, Docetaxel) sowie (bei Tochtergeschwulsten) Trastuzumab nicht aufzuhalten war. Dann kommt der Wirkstoff in Kombination mit Capecitabin zum Einsatz.

Bei Frauen nach den Wechseljahren, deren Krebs Her2-Bindungsstellen aufweist und schon Tochtergeschwulste gebildet hat, kommt Lapatinib in Kombination mit einem Aromatasehemmer zum Einsatz, wenn ansonsten keine Chemotherapie vorgesehen ist. Im Vergleich mit einer Kombi-Therapie aus Trastuzumab zusammen mit einem Aromatasehemmer hat sich Lapatinib und Aromatasehemmer in der Zulassungsstudie nicht als wirksamer erwiesen. Die Enbtscheidung für eine Solche Kombination liegt also im Ermessen des Arztes.

Weisen die Krebszellen das HER2-Merkmal nicht auf, kommt Lapatinib
in Kombination mit Trastuzumab nur zum Einsatz, wenn die Krankheit durch vorangegangene Therapien mit Trastuzumab in Kombination mit anderen Zytostatika nicht aufzuhalten war.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Lapatinib sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Lapatinib

Alle Zellen, so auch Krebszellen, werden durch Wachstumsfaktoren wie beispielsweise dem epidermalen Wachstumsfaktor (EGF) zur Vermehrung angeregt. Dies geschieht, indem sich der Wachstumsfaktor an einen auf der Zelle befindlichen Rezeptor (HER2) bindet. Diese Bindung führt in der Zelle durch das Enzym Tyrosin-Kinase zu einer Veränderung des Rezeptors und nachfolgender Aktivierung von Wachstums- und Vermehrungsvorgängen. Brustkrebszellen weisen vermehrt oder veränderte HER2-Rezeptoren auf. Das führt dazu, dass Tumorzellen unkontrolliert wachsen und sich vermehren.

Lapatinib gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika und hemmt das Enzym Tyrosin-Kinase. Fehlt Tyrosin-Kinase, löst die Anheftung des Wachstumsfaktors HER2 an die Bindungsstellen an der Oberfläche der Krebszellen kein Signal mehr aus. Damit entfällt eine wesentliche Voraussetzung für deren Wachstum und den Schutz vor dem programmierten Zelltod (Apoptose).

Die wachstumshemmende Wirkung von Lapatinib wurde an Zelllinien geprüft, die vorher mit Trastuzumab behandelt waren. Lapatinib war in diesen Studien auch gegen Krebszellen wirksam, die von Trastuzumab nicht am Wachstum gehindert werden konnten.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.