Hydroxycarbamid

Allgemeines

Hydroxycarbamid dient der Behandlung von Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML), einer besonderen Form des Blutkrebses. Der Wirkstoff wird sowohl in der andauernden wie der Phase zunehmender Erkrankung angewendet.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Biosynthese des Erbguts hemmen
  • Zellteilung hemmen
  • Besondere Blutkrebs-Form bekämpfen.

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Hydroxycarbamid im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Hydroxycarbamid nicht verwendet werden?

Hydroxycarbamid darf nicht eingesetzt werden bei:
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • schweren Störungen der Blutbildung im Knochenmark
  • Mangel an weißen Blutkörperchen
  • Blutplättchenmangel
  • Blutarmut.
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Hydroxycarbamid eingesetzt werden bei:
  • vorhergegangener gleichartiger Therapie
  • ausgeprägter Nierenfunktionsstörung
  • Leberfunktionsstörung
  • Kombination mit Zytostatika aus der Untergruppe der Antimetabolite wie Cladribin, Fludarabin, Mercaptopurin, Tioguanin, Pentostatin, Cytarabin, Fluorouracil und Gemcitabin.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die Anwendung von Hydroxycarbamid bei Schwangeren kann Missbildungen des Ungeborenen hervorrufen, daher ist die Anwendung des Wirkstoffs in der Schwangerschaft nicht erlaubt. Falls bei einem Paar einer der Partner mit Hydroxycarbamid behandelt wird, sollten geeignete empfängnisverhütende Maßnahmen getroffen werden.

Bei Kinderwunsch nach einer Therapie mit Hydroxycarbamid sollten Paare sich vorher von einem Arzt beraten lassen.

Da Hydroxycarbamid in die Muttermilch gelangt, ist die Anwendung in der
Stillzeit ebenfalls verboten. Hält ein Arzt die Anwendung von Hydroxycabamid in der Stillzeit für unbedingt notwendig, muss abgestillt werden.


Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Behandlung von Kindern mit Hydroxycarbamid ist grundsätzlich möglich. Da die meisten Erkrankungen, die mit Hydroxycarbamid behandelt werden, bei Kindern nur selten vorkommen, können für diese Altersgruppe keine Dosierungsempfehlungen festgelegt werden.

Eine Ausnahme ist die Behandlung von Patienten mit Sichelzellanämie. Hier kann der Wirkstoff schon bei Kindern ab zwei Jahren eingesetzt werden. Sie erhalten die Dosierung, die auch bei Erwachsenen angewendet wird.

Welche Nebenwirkungen kann Hydroxycarbamid haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Hydroxycarbamid. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Knochenmarksbildungstörung, Weiße-Blutkörperchenmangel, Megaloblasten-Bildung, Verstopfung, Durchfall.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Blutplättchenmangel, Blutarmut, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Mundentzündung, Arzneimittel-Fieber, Schüttelfrost, Unwohlsein, fleckig-blasiger Ausschlag, Gesichtsrötung, Hautrötung an Armen und Beinen, Leberenzymwerterhöhung, Blut-Bilirubin-Werterhöhung, Blutharnsäurewerterhöhung, Blutharnstoffwerterhöhung, Blut-Kreatinin-Werterhöhung.

Seltene Nebenwirkungen:
Haarausfall, Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrung, Wahnvorstellungen, Wasseransammlungen in der Lunge, Fieber, Atemnot, allergische Lungenbläschenentzündung, Harnverhalten.
Hohe Dosen:
Mäßige Schläfrigkeit.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Eingeschränkte Nierenfunktion.
In Einzelfällen nach mehrjähriger Erhaltungstherapie mit täglicher Einnahme von Hydroxycarbamid:
Autoimmunerkrankung der Haut, Hautdunkelfärbung, Nageldunkelfärbung, Hautabbau, Nagelabbau, Unterschenkelgeschwüre, Juckreiz, "weißer" Hautkrebs (Basaliom), violette Papeln, Hautaufweichung.

Welche Wechselwirkungen zeigt Hydroxycarbamid?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Hydroxycarbamid sollte bei Patienten, die eine begleitende Behandlung mit Zytostatika oder eine Strahlentherapie erhalten oder erhalten haben, vorsichtig angewendet werden. In einem solchen Fall könnten Nebenwirkungen häufiger und stärker auftreten.

Zu diesen Nebenwirkungen gehören eine Störung der Funktion des Knochenmarks, Magen-Darm-Reizungen und Verschleimungen. Eine Verstärkung von entzündlichen Rötungen der Haut, die durch vorhergehende oder gleichzeitige Strahlentherapie verursacht werden, ist möglich.

Bei der Kombination von Hydroxycarbamid mit virenhemmenden Mitteln kann es zu Bauchspeicheldrüsenentzündung und Leberschädigungen kommen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Treten während der Behandlung mit dem Medikament auffällige Hautveränderungen auf, sollte die Therapie abgebrochen werden.
  • Während der Therapie mit dem Medikament sollte eine regelmäßige ärztliche Kontrolle des Blutbildes erfolgen.
  • Das Medikament sollte nur unter der Aufsicht eines erfahrenen Krebsarztes (Onkologen) oder Blutspezialisten (Hämatologen) verwendet werden.
  • Das Medikament kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass Autofahren oder das Bedienen von Maschinen gefährlich sind. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Hydroxycarbamid?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Hydroxycarbamid enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Kapseln

So wirkt Hydroxycarbamid

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Hydroxycarbamid. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Hydroxycarbamid gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Hydroxycarbamid

Hydroxycarbamid dient der Behandlung von Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML), einer besonderen Form des Blutkrebses. Der Wirkstoff wird sowohl in der andauernden wie der Phase zunehmender Erkrankung angewendet.

Auch eine lebensbedrohliche Erhöhung der Blutplättchenzahl oder der Zahl roter Blutkörperchen im Blut kann mit Hydroxycarbamid behandelt werden.

Des weiteren dient der Wirkstoff der Vorbeugung schmerzhafter Gefäßverstopfungen bei Patienten mit Sichelzellanämie. Bei dieser Krankheit leiden die Patienten an einer erblichen Erkrankung der roten Blutkörperchen. Die Betroffenen bilden unnormalen Blutfarbstoff, der bei Sauerstoffmangel zur Bildung von Eiweißfasern neigt. Dabei verformen sich die roten Blutzellen durch diese Fasern zu sichelförmigen Gebilden, verklumpen miteinander und verstopfen kleine Blutgefäße. Behandelt werden können Erwachsene, Jugendliche und Kinder über zwei Jahre.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Hydroxycarbamid sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Hydroxycarbamid

Der genaue Wirkmechanismus von Hydoxycarbamid ist bisher nicht vollständig geklärt. Der Wirkstoff verhindert die Zellvermehrung, indem er in die Produktion der Erbsubstanz, der so genannten DNA eingreift. Um diesen Vorgang zu verstehen, muss man mehr über die Gestalt der DNA wissen.

Bei der DNA handelt es sich um ein sehr langes, strickleiterförmiges Molekül, das aus Millionen von Kettengliedern, den so genannten Nukleotiden besteht. Von diesen gibt es allerdings nur vier Sorten und sie sind immer aus den gleichen drei Teilen aufgebaut:
  • Einem Zuckermolekül (die so genannte Desoxyribose), die durch Enzyme aus dem Zucker Ribose hergestellt wird
  • je einem von vier verschiedenen ringförmigen organischen Molekülen. Ihre Namen sind: Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin; an ihnen lassen sich die Nukleotide unterscheiden
  • Phosphorsäure.
Man vermutet, dass Hydroxycarbamid schon den Aufbau der einzelnen Nukleotide stört. Einerseits scheint der Wirkstoff das Enzym zu blockieren, das Ribose in Desoxyribose umwandelt. Möglicherweise unterbindet Hydroxycarbamid zusätzlich die Eingliederung von Thymin-Nukleotiden in die DNA-Kette.

Wie Hydroxycarbamid bei Sichelzellanämie wirkt, ist noch nicht völlig geklärt. Anscheinend erhöht der Wirkstoff die Konzentration von Blutfarbstoff in der Gestalt, wie er bei Ungeborenen vorkommt (fetales Hämoglobin, HbF). Diese Form des Blutfarbstoffs behindert bei Sichelzell-Patienten die Faserbildung ihres unnormalen Blutfarbstoffs und damit die sichelförmige Verkrümmung der roten Blutkörperchen. Das Blut bleibt flüssiger und es kommt nicht zu Verklumpungen, die die kleinen Blutgefäße verschließen.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.