Brigatinib

Allgemeines

Brigatinib wird als alleiniger Wirkstoff bei erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Wirkung der Tyrosinkinase(anaplastische Lymphomkinase) hemmen
  • Wachstum und Vermehrung der Krebszellen mit anaplastischer Lymphomkinase verhindern
  • Krebszellen abtöten, gegen die Crizotinib nicht wirksam war

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Brigatinib im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Brigatinib nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Brigatinib nicht eingesetzt werden.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf der Wirkstoff bei älteren Patienten eingesetzt werden oder bei weniger als sieben Tagen Abstand zu einer Crizotinib-Therapie, weil in beiden Fällen ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen an der Lunge besteht.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die Anwendung des Wirkstoffs bei schwangeren Frauen kann Schäden beim Ungeborenen verursachen. Er darf während der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden, es sei denn, der Arzt hält die Therapie für unbedingt erforderlich.

Frauen im gebärfähigen Alter, die mit Brigatinib behandelt werden, dürfen nicht schwanger werden. Männer, die den Wirkstoff einnehmen, dürfen während der Behandlung kein Kind zeugen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen daher während der Behandlung mit Brigatinib und mindestens vier Monate nach der letzten Dosis auf eine zuverlässige, nicht-hormonelle Verhütungsmethode (Pessar) achten. Männer mit Partnerinnen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Brigatinib und mindestens drei Monate nach der letzten Einnahme eine zuverlässige Verhütungsmethode (Kondom) anwenden.

Es ist nicht bekannt, ob Brigatinib in die Muttermilch übergeht. Aufgrund der Tierexperimente kann kann das allerdings nicht ausgeschlossen werden. Das Stillen ist während der Behandlung zu unterbrechen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Für die Sicherheit und Wirksamkeit von Brigatinib bei Patienten unter 18 Jahren gibt es keine Daten aus klinischen Studien.

Welche Nebenwirkungen kann Brigatinib haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Brigatinib. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Lungenentzündung, Infektion der oberen Atemwege, Blutarmut, verzögerte Blutgerinnung, verminderte Blutzellenzahl (Lymphzellen, Weiße Blutkörperchen, Neutrophile, Blutplättchen), Blutzucker-Überschuss, vermehrte Insulinausschüttung, verminderter Appetit, Mangel an Blutmineralien (Phosphat, Kalium, Magnesium, Natrium) Calcium-Überschuss im Blut, Schlaflosigkeit, Kopfschmerz, Nervenstörungen, Schwindelgefühl, Sehstörungen, Bluthochdruck, Husten, Atemnot, Lipase erhöht Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerz, trockener Mund, Mundschleimhautentzündung, erhöhter Amylase-Wert im Blut, erhöhte Leberwerte (ASAT, ALAT, alkalische Phosphatase), ausschlag, Juckreiz, CPK im Blut erhöht, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Schmerzen der Muskeln und Knochen in der Brust, Kreatinkinase-Wert im Blut erhöht, Kreatinin-Wert im Blut erhöht, erschöpfung, Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme), Fieber.

Häufige Nebenwirkungen:
Eingeschränktes Erinnerungsvermögen, Geschmacksstörung, Herzrasen, Störung der Reizleitung am Herzen (QT-Verlängerung), verlangsamter Herzschlag, Herzklopfen, Verauungsstörungen, Blähungen, erhöhte Werte an Laktatdehydrogenase und Bilirubin im Blut, trockene Haut, Lichtempfindlichkeitsreaktion, Arm- und Beinschmerzen, Steifigkeit, nicht herzbedingter Brustschmerz, Beschwerden im Brustkorb, Gewichtsabnahme.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Besonderheiten:
Da der Blutdruck durch die Behandlung mit dem Medikament steigen kann, muss er sorgfältig überwacht werden. Bei starkem Blutdruckanstieg wir der Arzt die Therapie gegebenenfalls unterbrechen.

Verlangsamt sich der Herzschlag, wird der Arzt die Therapie ebenfalls unterbrechen und nach eventuell anderen herzschlag-verlangsamenden Behandlungen fragen.

Bei Auftreten neuer oder Verschlechterung bestehender Sehbeschwerden müss die Patienten einen Augenarzt befragen. Möglicherweise muss die Brigatinib-Dosis vermindert werden.

Erhöhte Kreatinkinase-Werte im Blut sind oft mit unerklärlichen Muskelschmerzen, -verhärtungen oder -schwäche verbunden. Solche Beschwerden müssen sofort dem Arzt berichtet werden.

Der Arzt wird die Leberfunktion vor Beginn der Behandlung mit Brigatinib und dann während der ersten drei Behandlungsmonate alle zwei Wochen kontrollieren. Auch später sind regelmäßige ärztliche Kontrollen wichtig, da bei Verschlechterung eine Dosisverminderung oder auch ein Therapie-Ende erwogen werden muss.

Bei Patienten, die mit Brigatinib behandelt werden, kann der Blutzuckerwert so weit ansteigen, dass die Einnahme blutzuckersenkender Medikamente erforderlich ist. Der Blutzucker sollte daher vor Beginn der Behandlung bestimmt werden und ist danach regelmäßig zu überwachen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Brigatinib?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Brigatinib wird von einem leicht beeinflussbaren Enzym-System abgebaut. Bei Kombination mit Wirkstoffen, die es hemmen, kann es leicht zu Überdosierungen und mehr Nebenwirkungen kommen. Solche Wirkstoffe sind beispielsweise die Pilzmittel Itraconazol, Ketoconazol und Voriconazol, die Virenhemmer Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir und Saquinavir, Makrolid-Antibiotika wie Clarithromycin, Telithromycin und Troleandomycin, das Antidepressivum Nefazodon sowie die Blutdrucksenker Mibefradil, Diltiazem und Verapamil. Aber auch Grapefruits enthalten einen Stoff, der Brigatinib unverträglicher macht. Daher darf Brigatibin nicht zusammen mit Grapefruits eingenommen werden.

Ein Wirkungsverlust von Brigatinib tritt hingegen ein, wenn andere Wirkstoffe seinen Abbau beschleunigen. Das ist der Fall beispielsweise bei den Tuberkulose-Mitteln Rifampicin und Rifabutin, den Antiepileptika Carbamazepin, Phenytoin und Phenobarbital sowie bei Johanniskraut (gegen Depressionen).

Brigatinib kann auch die Verstoffwechselung anderer Wirkstoffe verändern. So vermindert es möglicherweise die Wirkung der opioiden Schmerzmittel Alfentanil und Fentanyl, des Antiarrhythmikums Chinidin sowie der Immunologika Cyclosporin, Sirolimus und Tacrolimus.

Bestimmte Arzneimittel können die Wirkung und Nebenwirkungen von Brigatinib steigern. Dazu zählen das Herzglykosid Digoxin, der Blutverdünner Dabigatran, das Gichtmittel Colchicin, die Blutfettsenker Pravastatin und Rosuvastatin, der Entzündungshemmer Sulfasalazin und das Rheuma- und Krebsmittel Methotrexat. Bei allen diesen wird der Arzt nur mit Vorsicht Brigatinib verschreiben.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Kommt es während der Behandlung mit dem Medikament zu Husten oder Atemproblemen, muss sofort ein Arzt befragt werden.
  • Treten während der Therapie Sehstörungen auf, muss ein Arzt aufgesucht werden.
  • Der Arzt wird die Leberfunktion vor Beginn der Behandlung und dann während der ersten drei Behandlungsmonate alle zwei Wochen untersuchen.
  • Während der Einnehme des Medikaments und mindestens vier Monate nach der letzten Einnahme ist eine zuverlässige, nicht-hormonelle Verhütungsmethode anzuwenden.
  • Männer dürfen während der Behandlung mit dem Medikament und mindestens drei Monate nach der letzten Einnahme kein Kind zeugen.
  • Der Genuss von Grapefruit oder Grapefruitsaft kann die Nebenwirkungen der Behandlung verstärken und sollte vermieden werden.
  • Die Anwendung des Medikaments darf nur unter der Aufsicht eines erfahrenen Krebs-Arztes erfolgen.
  • Unerklärliche Muskelschmerzen, -verhärtungen oder -schwäche müssen sofort dem Arzt berichtet werden.
  • Vor Beginn der Behandlung mit dem Medikament wird der Blutzucker gemessen und ist auch danach regelmäßig zu überwachen.
  • Es kann zu Sehstörungen, Schwindelgefühl oder Müdigkeit kommen, die Autofahren oder das Führen von Maschinen gefährlich machen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Brigatinib?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Brigatinib enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Filmtablette A, Filmtablette B

So wirkt Brigatinib

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Brigatinib. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Brigatinib gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Brigatinib

Brigatinib wird als alleiniger Wirkstoff bei erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt.

Allerdings müssen die Krebszellen ein bestimmtes Merkmal aufweisen (das Enzym anaplastische Lymphomkinase) und die Patienten müssen zuvor mit dem Zytostatikum Crizotinib behandelt worden sein.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Brigatinib sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Brigatinib

Brigatinib ist ein sogenannter Tyrosinkinase-Hemmer und gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostika.

Der Wirkstoff richtet sich gegen eine spezielle Tyrosinkinase (anaplastische Lymphomkinase). Dieses Enzym ist bei den betroffenen Lungenkrebspatienten überaktiv: Es ist dafür verantwortlich, dass die Krebszellen wachsen und sich vermehren. Bei drei bis fünf Prozent aller Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, meist jüngeren Menschen, lässt sich das Enzym feststellen. Wichtig ist, dass dieses Merkmal vor Behandlungsbeginn mit einem Labortest nachgewiesen wurde.

Manche Krebszellen stellen veränderte Formen der anaplastischen Lymphomkinase her, die die Zellen widerstandsfähig gegen andere Tyrosin-Kinase-Hemmer machen. Brigatinib hemmt auch die Lebensfähigkeit dieser Zellen. Daher kann Brigatinib bei Patienten wirksam sein, deren Krebs durch Crizotinib nicht ausreichend bekämpft werden konnte.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.