Eine Frau reibt sich die Augen
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Muskelzucken (Muskelzuckungen)

Muskelzucken in den Beinen, Armen oder Augen lässt sich meist nicht auf eine körperliche Ursache zurückführen. Bei vielen Betroffenen tritt es vor allem bei psychischer Belastung auf, zum Beispiel durch Stress oder Angst. In diesem Fall ist das Zucken vermutlich psychosomatisch bedingt. Eine Erkrankung wie ALS steckt nur selten dahinter. Hier erfahren Sie, wann man mit dem Problem zum Arzt gehen sollte.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Muskelzucken (Muskelzuckungen)

Muskelzucken tritt typischerweise in Ruhe auf: Obwohl man den Muskel nicht bewusst anspannt, zieht er sich wiederholt leicht zusammen. Die feinen, unwillkürlichen Bewegungen sind meist kaum spürbar und nur beim genauen Hinschauen als Zucken unter der Haut zu sehen. Ärztinnen und Ärzte bezeichnen sie auch als Faszikulationen.

Mögliche Ursachen von Muskelzucken sind zum Beispiel

Außerdem gibt es Medikamente (z.B. Diuretika, Kortikoide, Hormone) und Drogen (z.B. Amphetamine), deren Einnahme zu Muskelzucken führen kann.

Seltener ist eine Erkrankung oder Verletzung Ursache der Zuckungen, etwa:

Die Zuckungen sind bei diesen Erkrankungen ein Anzeichen für Nervenschäden: Das Gehirn ist über Nervenbahnen mit der Muskulatur verbunden. Es steuert die Aktivität der Muskeln, indem es ihnen über die Nerven Signale schickt. Wenn ein Nerv geschädigt ist, funktioniert die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskel unter Umständen nicht mehr richtig.

Das kann sich unter anderem in Muskelzucken äußern – aber nicht nur. Meist verspüren die Betroffenen noch weitere Beschwerden. ALS zum Beispiel macht sich häufig bereits zu Beginn durch Muskelschwäche, Sprechstörungen und Krämpfe bemerkbar. Eine durch Diabetes bedingte Polyneuropathie ruft Kribbeln und Missempfindungen hervor.

Stress & Angst: Kann Muskelzucken psychosomatisch bedingt sein?

Oft lässt sich Muskelzucken nicht auf eine körperliche Erkrankung zurückführen. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann auch von benignen Faszikulationen, also gutartigen Zuckungen. Bei vielen Betroffenen treten diese nur oder vor allem dann auf, wenn sie Stress oder Angst haben.

Deshalb vermutet man, dass das Phänomen psychosomatisch bedingt ist. Das heißt: Es beruht offenbar auf Wechselwirkungen zwischen Psyche und Körper. Durch die psychische Anspannung werden einzelne Nerven leichter erregbar.

Warum, ist noch nicht geklärt. Wie bei vielen psychosomatischen Phänomenen ist die genaue Ursache bislang nicht bekannt. Klar ist, dass das Zucken meist wieder abklingt, sobald der Stress nachlässt.

Muskelzucken am Auge

Muskelzucken am Auge ist ein recht verbreitetes Phänomen. Viele Menschen werden davon geplagt – etwa, wenn sie Stress haben oder zu viel Alkohol oder Kaffee getrunken haben.Meist handelt es sich um sogenannte benigne Faszikulationen, also gutartige Zuckungen. Das bedeutet, es steckt keine Krankheit dahinter.

Die genaue Ursache von Augenzucken ist noch nicht geklärt. Grund zur Sorge besteht aber meist nicht. Zwar gibt es Nervenerkrankungen, die sich durch Zuckungen äußern können. Dazu zählt etwa die amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Die Zuckungen treten dabei aber in der Regel an den Armen, Beinen, Füßen und Händen auf, nicht an den Augen.

Muskelzucken im Bein (Oberschenkel, Wade)

Muskelzucken kann überall im Körper auftreten. Gutartige Muskelzuckungen, die sich nicht auf körperliche Ursachen zurückführen lassen, kommen besonders häufig in den Beinen (Waden und Oberschenkeln), Armen und Augen vor. Warum, ist nicht bekannt.

In der Regel lässt das Zucken in den Beinen von selbst wieder nach. Zur Ärztin oder zum Arzt sollte man gehen, wenn die Zuckungen nicht mehr aufhören oder immer wieder auftreten. Oder, wenn weitere Beschwerden wie zum Beispiel Muskelschwäche oder Krämpfe hinzukommen. In diesem Fall könnte eine Erkrankung die Ursache sein, zum Beispiel die amyotrophe Lateralsklerose (ALS).

Krankhaftes Muskelzucken kommt jedoch weitaus seltener vor als die sogenannten benignen Faszikulationen, also gutartige Zuckungen, die auch bei vielen Gesunden zu beobachten sind. Daher ist das Zucken in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge.

Muskelzucken: Behandlung

Andauernde Zuckungen sollte man in jedem Fall ärztlich abklären lassen. Sie rufen zwar im Gegensatz zu Muskelkrämpfen in der Regel keine Schmerzen hervor. Aber je nach Ausprägung kann Muskelzucken auf Nervenerkrankungen hindeuten und zu Unfällen und Verletzungen führen.

Ist das Muskelzucken Nebenwirkung eines Medikaments, kann die Ärztin oder der Arzt möglicherweise ein anderes Präparat verschreiben. Eigenständig absetzen sollte man das Medikament jedoch nicht.

Wenn eine Nervenerkrankung die Ursache der Muskelzuckungen ist, richtet sich die Behandlung nach der Art der Erkrankung. In den meisten Fällen sind sowohl Medikamente als auch andere Maßnahmen wie Physiotherapie und Ergotherapie notwendig.

Die gute Nachricht: Oft lässt Muskelzucken von selbst nach, wenn der Stress vorüber ist, man eine Trainingspause eingelegt hat, beziehungsweise der Körper wieder ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt ist. Wird der Stress zum Dauerproblem, können Entspannungstechniken, autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder auch eine Psychotherapie helfen.