Das Bild zeigt eine Frau, die Schmerzen im Mund hat.
© Jupiterimages/Stockbyte

Mundwinkelrhagaden (Faulecken)

Mundwinkelrhagaden sind weit verbreitet und können in jedem Alter aus unterschiedlichsten Gründen auftreten. Oft erweisen sie sich als besonders hartnäckig.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Mundwinkelrhagaden

Was sind Mundwinkelrhagaden?

Mundwinkelrhagaden sind schmerzhafte, teils recht hartnäckige und schlecht heilende entzündliche Veränderungen im Mundwinkel. Sie machen sich durch rote, entzündete, schuppige und eingerissene Mundwinkel bemerkbar (Rhagaden = Einrisse in die Haut). Mundwinkelrhagaden nennt man auch Faulecken, Cheilitis angularis, Angulus infectiosus (oris) oder Perlèche.

Mundwinkelrhagaden (Faulecken) können sehr hartnäckig sein. Insbesondere, wenn chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus die Ursache sind, kann es sehr lange dauern, bis Mundwinkelrhagaden vollständig abheilen. Die Entzündung heilt dann schlecht ab und kehrt häufig wieder. Auch bei einem geschwächten Immunsystem oder einer Erregerquelle im Körper treten die Mundwinkelrhagaden oft erneut auf.

Mundwinkelrhagaden: Ursachen

Mundwinkelrhagaden (Faulecken) haben viele verschiedene Ursachen.

Vor allem in den Herbst- und Wintermonaten ist der Bereich um die Lippen herum rasch rau und rissig. Dann können bereits leichte Mundbewegungen dazu führen, dass die Mundwinkel einreißen und sich entzünden. Aber auch ständig feuchte Mundwinkel können Faulecken begünstigen, etwa durch häufiges Lippenbefeuchten.

Oft verursachen Infektionen die Mundwinkelrhagaden. Die Mundwinkel sind "feuchte Kammern" und bilden einen idealen Nährboden für alle möglichen Krankheitserreger. Eine ausgeprägte Faltenbildung in den Mundwinkeln verstärkt diese Wirkung. Häufige Auslöser sind:

Weitere Auslöser oder begünstigende Faktoren von Mundwinkelrhagaden sind

  • mechanische Irritationen, etwa durch eine schlecht sitzende Zahnprothese oder zu viel Speichelfluss
  • Lippenekzem
  • Allergien, z.B. gegen Kosmetika oder Nickel
  • Nährstoffmangel (z.B. Eisen, Zink, Vitamin B 12)
  • Antibiotika oder
  • bestimmte chronische Erkrankungen, z.B. Diabetes mellitus, Schuppenflechte, Morbus Parkinson (wenn durch zunehmenden Speichelfluss die Mundwinkel ständig feucht sind).

Mundwinkelrhagaden: Symptome

Mundwinkelrhagaden (Faulecken) können ein- oder beidseitig auftreten. Erstes Symptom ist meist eine gerötete Stelle, an der die Haut einreißt. Im weiteren Verlauf schuppt der betroffene Bereich. Es können sich Beläge oder Verkrustungen bilden.

Viele Betroffene berichten über Spannungsgefühle und Schmerzen im Mundwinkel. Mundwinkelrhagaden schmerzen besonders beim Essen, wenn sie in Kontakt mit sauren Speisen kommen. Auch morgens, wenn man nach dem Aufstehen das erste Mal den Mund bewegt und dadurch neue kleine Risse entstehen, können die Schmerzen stärker sein.

Typische Symptome von Mundwinkelrhagaden:

  • gerötete Haut am Mundwinkel
  • eingerissene Mundwinkel
  • Spannungsgefühl am Mundwinkel
  • Schmerzen beim Sprechen oder Essen
  • weißliche Beläge oder gelbliche Krusten

Mundwinkelrhagaden: Diagnose

Mundwinkelrhagaden (Faulecken) erkennt der Arzt meist auf einen Blick. Die Schilderungen seines Patienten geben ihm Hinweise auf die mögliche Ursache. So wird der Arzt zum Beispiel wissen wollen, ob

  • sein Patient weitere Beschwerden hat
  • bestimmte Vorerkrankungen bekannt sind, z.B. Diabetes mellitus
  • ob der Patient vor Kurzem Antibiotika genommen hat oder ob
  • möglicherweise ein schlecht sitzender Zahnersatz für die Probleme verantwortlich sein könnte.

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung prüft der Arzt unter anderem,

  • wie weit sich die Entzündung am Mundwinkel ausgedehnt hat und
  • ob es Hinweise auf eine bestimmte Erkrankung gibt, z.B. Herpesbläschen am Mund oder eine Pilzinfektion der Mundhöhle.

Gegebenenfalls können weitere Untersuchungen nötig sein, so etwa:

  • ein Abstrich, um festzustellen, ob und welche Erreger die Faulecken hervorgerufen haben
  • eine Blutuntersuchung, z.B. um einen Eisen- oder Vitaminmangel festzustellen
  • ein Allergietest, wenn der Arzt eine Überempfindlichkeitsreaktion vermutet
  • Blutzuckertests bei Verdacht auf Diabetes mellitus.

Bei schlecht sitzendem Zahnersatz wird der Hausarzt seinen Patienten an den Zahnarzt verweisen.

Mundwinkelrhagaden: Therapie

Die Therapie von Mundwinkelrhagaden (Faulecken) richtet sich nach der Ursache.

Allgemein gilt:

  • Mit einer fetthaltige Salbe oder Creme können Sie die Beschwerden lindern.
  • Halten Sie die Mundwinkel möglichst trocken. Achten Sie darauf, sich nicht über die Lippen zu lecken.
  • Versuchen Sie, die Mundwinkel nicht mechanisch (durch weites Öffnen des Mundes, Kratzen oder Reiben) zu reizen, noch durch Kosmetika, Zahnpasta oder scharfe und heiße Speisen zu irritieren, solange die Mundwinkelrhagaden bestehen.

Eine vom Arzt verschriebene Paste kann überflüssige Flüssigkeit aufsaugen und so ein keimfeindliches, trockenes Klima schaffen.

Um Mundwinkelrhagaden erfolgreich zu behandeln, ist es wichtig, die Ursache zu kennen. Einige Beispiele:

  • Ist eine Allergie für die Faulecken verantwortlich, ist es wichtig, den auslösenden Stoff soweit wie möglich zu meiden.
  • Findet der Arzt in einem Abstrich Krankheitserreger, kann man er eine Paste mit Zusätzen verschreiben, die gegen Bakterien, Viren oder Pilze wirken.
  • Wenn ein Nährstoffmangel (z.B. Vitamin-12 oder Eisen) die Faulecken verursacht hat, wird der Arzt die fehlenden Substanzen gezielt ergänzen.

Video: Eingerissene Mundwinkel – Tipps, die helfen

Mundwinkelrhagaden: Vorbeugen

Sie können Mundwinkelrhagaden (Faulecken) teilweise vorbeugen. Einige Tipps:

  • Besonders wichtig ist es, die Mundwinkel möglichst trocken zu halten und Kontakte mit irritierenden Substanzen sowie mechanische Reizungen zu vermeiden.
  • Fetten Sie Lippen und Mundwinkel regelmäßig mit Vaseline oder fetthaltigen Salben.
  • Falls eine Kontaktallergie Ursache der Mundwinkelrhagaden ist, sollten Sie den Hautkontakt zu den auslösenden Stoffen meiden.
  • Auch schlecht sitzender Zahnersatz kann für Faulecken verantwortlich sein. Wenn Sie herausnehmbaren Zahnersatz tragen, lassen Sie daher am besten regelmäßig überprüfen, ob die Zahnprothese (noch) gut sitzt.