Rhagaden an den Füßen
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Rhagaden: Wenn die Haut an Händen und Füßen reißt

Rhagaden sind schmerzhafte Hautrisse. Meist ist eine trockene Haut ursächlich – aber auch Erkrankungen können sie auslösen. Wie sich Rhagaden vorbeugen lassen und wie sie behandelt werden, wenn sie entzündet sind, lesen Sie hier.

Was sind Rhagaden?

Bei Rhagaden (auch Schrunden genannt) handelt es sich um feine, spaltförmige Einrisse in der oberen Hautschicht. In erster Linie sind Hautstellen betroffen, die starker Reibung ausgesetzt sind, beispielsweise Füße, Hände, Ellenbogen, Fersen oder Mundwinkel. Besonders anfällig sind diese Körperregionen, wenn die Haut ausgetrocknet ist und dadurch an Elastizität verliert. Werden diese Hautstellen überdehnt, reißt die Haut und Rhagaden entstehen. Rhagaden an Lippen, Händen, Ellbogen und Füßen lassen sich oft durch regelmäßiges Cremen vorbeugen.

Welche Symptome treten bei Rhagaden auf?

Ist die Haut an Zehen, Fersen oder den Händen sehr trocken, entwickeln sich hier kleine, sehr feine Hautrisse. Oft spannt die Haut an diesen Stellen oder juckt, manchmal ist auch ein Druckgefühl vorhanden. Die Hautrisse sind meist schmerzhaft, jedoch ist dies auch von der Körperstelle und der Tiefe der Rhagaden abhängig. Reichen sie bis in die Lederhaut (Dermis), können die Hautrisse bereits bei einfachen Tätigkeiten wie Blusen zuknöpfen und Schuhe binden schmerzen. Auch empfinden viele Betroffene die Rhagaden als optisch störend, besonders, wenn die Einrisse an den Händen oder Lippen auftreten oder sich gelblich verfärben.

Rhagaden stellen eine Eintrittspforte in den Körper dar. Dringen Pilzen oder Bakterien ein, rufen sie hier Entzündungen hervor.

Was verursacht Rhagaden?

Für eine gesunde Haut ist es wichtig, dass der Fett- und Feuchtigkeitsgehalt ausgeglichen sind. Dafür wirken fettliebende (lipophile) und wasserliebende (hydrophile) Substanzen in der Haut zusammen. Die Hautbarriere, die aus dem Säureschutzmantel (einem aus Wasser und Fetten bestehenden Film), wasserspeichernden Substanzen und intakten Zell-Zell-Verbindungen besteht, schützt die Haut davor, Fett und Feuchtigkeit zu verlieren. Alle Faktoren zusammen sorgen dafür, dass die Haut elastisch und verformbar ist und damit einen Schutz vor mechanischen Einwirkungen bietet.

Durch verschiedene innere und äußere Einflüsse jedoch kann die Hautbarriere ihre Schutzfunktion verlieren. In der Folge trocknet sie aus, verliert an Elastizität und Rhagaden können leichter auftreten.

Folgende Einflüsse begünstigen Risse in der Haut:

Innerliche (endogene) Faktoren

  • Hauterkrankungen, wie beispielsweise Psoriasis, chronische Ekzeme
  • Alter
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Hormonhaushalt
  • Genetische Faktoren (Neurodermitis)
  • Stress
  • Nährstoffmangel
  • Erkrankungen wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)

Am häufigsten jedoch werden Rhagaden von äußerlichen (exogenen) Faktoren verursacht:

  • Schädigende Substanzen, wie beispielsweise scharfe Reinigungsmittel oder Dusch- und Waschgele, die die Haut entfetten und damit austrocknen
  • Häufiger Kontakt mit Wasser
  • Krankmachende Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze
  • Sonneneinstrahlung (UV-Licht)
  • Mechanische Hautbelastungen, wie beispielsweise durch zu weite Schuhe (Schäden entstehen durch Scheuern) oder durch zu enge, die die Entwicklung von dicker Hornhaut fördern
  • Mangelnde Pflege der Hornhaut oder zu starker Einsatz des Hornhauthobels
  • Berufliche Tätigkeiten (beispielsweise im Friseursalon)
  • Klimatische Bedingungen wie Kälte und Heizungsluft

Daneben sind Menschen, die generell trockene bis sehr trockene Haut haben, durch den geringeren Feuchtigkeits- und Fettgehalt der Haut anfälliger für Risse. Auch ältere Menschen sind häufig betroffen, denn typischerweise wird die Haut im Laufe des Lebens dünner und produziert weniger Hautfette. Dadurch kann sie die Feuchtigkeit nicht mehr ausreichend halten und wird spröde.

Wie lassen sich Rhagaden diagnostizieren?

Hautrisse sind klassische Symptome einer trockenen Haut. Allerdings sind sie oft auch die Folge einer Erkrankung oder Hautverletzung. Hilft regelmäßiges Eincremen nicht, sind die Rhagaden entzündet oder treten sie trotz Pflege immer wieder auf, ist es sinnvoll, für die Behandlung eine haus- oder hautärztliche Praxis aufzusuchen.

Der Arzt oder die Ärztin untersucht zunächst die betroffenen Stellen und prüft, ob hier Druck Schmerzen auslöst. Sind die Rhagaden in den Mundwinkeln, kann dies ein Hinweis auf eine zugrundeliegende Diabetes-Erkrankung sein. Es kommen aber auch ein Vitamin- oder Eisenmangel infrage. Um diese Ursachen auszuschließen, ist eine Blutentnahme nötig.

Bei Verdacht auf eine Infektion werden in der Praxis möglicherweise auch Abstriche an den Rhagaden vorgenommen, um entweder einen Bakterien- oder Pilzbefall auszuschließen oder die Erreger zu bestimmen.

Behandlung von Rhagaden

Oberflächliche Rhagaden lassen sich oft bereits vor einem Besuch in der ärztlichen Praxis durch regelmäßiges Pflegen mit einer Hand- oder Fußcreme behandeln. Diese sollten aus einer Wasser-in-Öl-Emulsion bestehen und Wirkstoffe wie Panthenol (Provitamin B5) oder Harnstoff (Urea) enthalten – beides Wirkstoffe, die die Haut dabei unterstützen, Feuchtigkeit zurückzuhalten und elastischer zu werden.

Sind die Hautrisse bereits tief, sind reichhaltige Schrunden-Salben nötig. Oft sind Rhagaden sehr hartnäckig, daher ist es wichtig, die rissigen Hautstellen geduldig und konsequent zu pflegen. Damit die Creme gut einwirken kann, hilft es oft, über die eingecremte Hand beispielsweise einen Kosmetikhandschuh aus Baumwolle zu ziehen.

Bei entzündeten Rhagaden verschreibt der Arzt Medikamente: Kortison gegen die Entzündung, Antibiotika oder Antimykotika bei einer nachgewiesenen Bakterien- oder Pilzinfektion.

Rhagaden: Verlauf

Bei guter und konsequenter Pflege mit speziellen Salben und Meiden der Auslöser heilen Rhagaden in der Regel mit der Zeit ab. Werden sie nicht behandelt, können sie hingegen bis in die tieferen Hautschichten vordringen. Damit ist es Erregern wie Streptokokken möglich, tiefer in den Körper einzudringen und beispielsweise eine Wundrose (Erysipel) auszulösen. Diese zeichnet sich durch eine scharf begrenzte Rötung aus, zudem treten Fieber, Erschöpfung, schmerzhafte Schwellung und Überwärmung der betroffenen Stelle auf. Für eine Behandlung sind Antibiotika notwendig.

Wie lassen sich Rhagaden vorbeugen?

Um Rhagaden vorzubeugen, ist es wichtig, die Haut regelmäßig zu pflegen und vor schädigenden Einflüssen zu schützen. Sinnvoll ist es beim Spülen oder Hausputz, vor dem Kontakt mit dem Handspül- oder Reinigungsmittel Gummihandschuhe anzuziehen. Im Winter trocknet die Haut in der Regel schneller aus, weshalb sie in dieser Zeit besonders gepflegt werden sollte. Liegt den Rhagaden eine Erkrankung zugrunde, dann lässt sich diesen nur begrenzt vorbeugen – dennoch ist eine konsequente Hautpflege möglicherweise hilfreich.