Man sieht eine grafische Darstellung von Rotaviren und Darmzotten.
© iStock

Rotaviren

Eine Ansteckung mit Rotaviren führt vor allem bei Kleinkindern innerhalb kurzer Zeit zu Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall. Für Säuglinge gibt es eine Schluckimpfung.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Rotaviren: Häufigste Ursache für Magen-Darm-Infekte bei Kleinkindern

Rotaviren kommen weltweit vor und werden vor allem über Schmierinfektionen übertragen. Das bedeutet, die Erreger können von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, wenn kleinste Stuhlreste an die Hände und dann an den Mund gelangen.

Aber auch eine Übertragung über verunreinigte Gegenstände (wie Spielzeug oder Türklinken) oder Lebensmittel ist möglich – ebenso wie über verunreinigtes Wasser. In der Umwelt können Rotaviren mehrere Tage überleben, im Wasser sogar noch länger.

Was sind Rotaviren?

Rotaviren gehören zur Familie der Reoviren. Wie alle Viren dieser Familie besitzen sie kein Erbmaterial aus DNA, sondern aus RNA. Rotaviren haben insbesondere als Erreger von Durchfallerkrankungen bei Kindern bis drei Jahren Bedeutung.

Nachdem Rotaviren den Magen passiert haben, gelangen sie in den Dünndarm. Dort vermehren sie sich in speziellen Zellen der Dünndarmzotten und können diese dadurch schädigen. Etwa ein bis drei Tage nach der Aufnahme der Rotaviren zeigen sich die Folgen dieser Zellschädigungen: Es treten Symptome wie Durchfälle, Erbrechen und Fieber auf. Bei Kindern im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren können Rotavirus-Infektionen einen sehr schweren, lebensbedrohlichen Verlauf nehmen, da die Gefahr einer Austrocknung durch den starken Wasserverlust sehr hoch ist.

Nach etwa sechs bis acht Tagen heilt die Rotavirus-Infektion im Allgemeinen von selbst aus. Während dieser Zeit ist die Ansteckungsgefahr sehr hoch, denn über den Stuhl scheiden Erkrankte große Mengen an Erregern aus: mehr als eine Milliarde Viren pro Gramm Stuhl. Bereits zehn Viruspartikel reichen aus, um bei einem Kind eine Rotavirus-Infektion auszulösen.

Bei älteren Kindern ab drei Jahren oder Erwachsenen verlaufen Infektionen mit Rotaviren eher unauffällig oder sogar unbemerkt. Nach einer Infektion mit Rotaviren ist man nicht dauerhaft immun. Es ist daher möglich, sich erneut mit Rotaviren anzustecken.

Vor allem in Ländern mit schlechten wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen führen Rotavirus-Infektionen zu einer erhöhten Kindersterblichkeit, da mit der Durchfallerkrankung durch den hohen Wasserverlust eine lebensbedrohliche Austrocknung des Körpers einhergehen kann. In Afrika, Asien und Lateinamerika kommt es Schätzungen zufolge pro Jahr zu mehr als 100 Millionen Rotavirus-Infektionen bei Kindern – bis zu 600.000 davon nehmen einen tödlichen Verlauf.

Um einer Infektion durch Rotaviren vorzubeugen, sind besonders in Kinderkliniken, Säuglingsstationen, Alten- und Pflegeheimen sowie Einrichtungen mit immungeschwächten Patienten strenge Hygienemaßnahmen wichtig. Für Säuglinge im ersten Lebensjahr gibt es einen Impfstoff, der im Allgemeinen in zwei bis drei Dosen als Schluckimpfung verabreicht wird.