Ein kleiner Junge sitzt auf dem Rasen und beobachtet einen Bagger.
© iStock

Asperger-Syndrom

Menschen mit Asperger-Syndrom sind kaum in der Lage, Beziehungen zu knüpfen, geschweige denn, Freundschaften zu schließen. Sie können weder Gestik, Mimik, Tonfall und Blickkontakt ihres Gegenübers einordnen noch die dahinter stehenden Gefühle nachempfinden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Asperger-Syndrom

Wann spricht man laut, wann leise – und wann lieber gar nicht? Woran erkenne ich, dass jemand verärgert ist? Und warum sollte man manchmal mit seiner Meinung lieber hinter dem Berg halten? Für Menschen mit Asperger-Syndrom ist es nicht leicht, diese Fragen zu beantworten – trotz normaler oder sogar überdurchschnittlicher Intelligenz. Sie können sich von klein auf nicht in andere Menschen hineinversetzen und wissen nicht, wie man sich in sozialen Situationen angemessen verhält. Betroffene mit Asperger-Syndrom haben häufig sehr spezielle Interessen, mit denen sie sich exzessiv befassen.

Was ist das Asperger-Syndrom?

Das Asperger-Syndrom (auch: Asperger-Autismus) ist eine sogenannte tiefgreifende Entwicklungsstörung aus dem autistischen Formenkreis.

Menschen mit Asperger-Syndrom leiden, ähnlich wie beim sogenannten frühkindlichen Autismus, an einer ausgeprägten Kommunikations- und Kontaktstörung. Benannt ist das Asperger-Syndrom nach dem österreichischen Kinderarzt Hans Asperger. Asperger beschrieb 1943 das Syndrom zum ersten Mal.

Das Spektrum autistischer Störungen ist breit gestreut. Nicht immer ist es leicht, einzelne Formen voneinander abzugrenzen. Mediziner verwenden heute auch den Oberbegriff "Autismus-Spektrum-Störung" (ASS), welcher inhaltlich alle Formen von Autismus umfasst.

Zu den Autimus-Spektrum-Störungen zählen neben dem Asperger-Syndrom insbesondere:

  • frühkindlicher Autismus (Kanner-Syndrom): Wenn man im allgemeinen Sprachgebrauch das Wort "Autismus" verwendet, ist meist der frühkindliche Autismus gemeint. Er macht sich bei den Betroffenen schon als Baby bemerkbar und die Beeinträchtigungen sind schwerer als beim Asperger-Syndrom. Viele Menschen mit frühkindlichem Autismus sind geistig eingeschränkt und benötigen lebenslange Unterstützung. Die Symptome des Asperger-Autismus ähneln zum Teil dem frühkindlichen Autismus, sind jedoch schwächer ausgeprägt.
  • Rett-Syndrom: Bei dieser nur bei Mädchen auftretenden Erkrankung bilden sich bereits erworbene Fähigkeiten wieder zurück.
  • atypischer Autismus: Der atypische Autismus ähnelt dem frühkindlichen Autismus. Menschen mit atypischem Autismus zeigen jedoch nicht alle Symptome des frühkindlichen Autismus oder aber die Erkrankung tritt erst nach dem dritten Lebensjahr auf.

Alle tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zeichnen sich durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und eingeschränkte, sich wiederholende Interessen und Verhaltensmuster der Betroffenen aus.

Wie häufig ist das Asperger-Syndrom?

Das Asperger-Syndrom tritt vorwiegend beim männlichen Geschlecht auf. Jungen und Männer leiden achtmal häufiger darunter als Mädchen und Frauen. Allerdings werden Symptome bei Mädchen seltener und später erkannt, sodass Experten mittlerweile davon ausgehen, dass die Dunkelziffer bei Mädchen hoch ist. Schätzungen zufolge sind etwa 2 bis 3 von 10.000 aller Kinder betroffen.

Asperger-Syndrom: Symptome

Die Symptome des Asperger-Syndroms lassen sich in drei Bereiche unterteilen:

Bei sehr kleinen Kindern sind häufig noch keine Symptome sichtbar – lediglich eine verzögerte motorische Entwicklung kann einen ersten Hinweis auf das Asperger-Syndrom geben. In der Regel zeigen sich die ersten Symptome bei Kindern nach dem dritten Lebensjahr in ganz unterschiedlicher Ausprägung.

Während einige Betroffene kaum auffällig sind und auf Außenstehende allenfalls ein wenig skurril oder sonderlich wirken, sind andere in ihrem Alltag stark eingeschränkt und auch später nicht in der Lage, einem Beruf nachzugehen.

Kinder mit Asperger-Syndrom sind meist normal oder sogar überdurchschnittlich intelligent, sie können häufig gut logisch denken und abstrahieren. Es gibt unter ihnen sogar manchmal sogenannte Inselbegabungen (Savants) mit besonderen selektiven Leistungen. Die Kinder weisen jedoch in bestimmten anderen Bereichen Defizite und spezifische Symptome auf.

Trotz ihrer Intelligenz sind viele Asperger-Kinder eher schlechte Schüler, denn ihre Aufmerksamkeit ist gestört. Sie sind vor allem mit sich selbst beschäftigt und werden sozusagen durch sich selbst abgelenkt.

Bei Kindern mit Asperger-Syndrom fällt auf, dass diese häufig introvertiert, humorlos und egozentrisch wirken. Sie haben meist schon in der Schule Probleme, sich zu integrieren. Auch im Erwachsenenalter bleiben die Symptome von Asperger bestehen, allerdings häufig weniger ausgeprägt als im Kindesalter.

Manche Menschen mit Asperger-Syndrom fallen durch Symptome wie motorische Ungeschicktheit und mangelnde Koordinationsfähigkeit auf. Das Asperger-Syndrom tritt häufig zusammen mit Zwängen, ADHS oder Tics auf.

Auf einen Blick: Menschen mit Asperger-Syndrom …

  • … sind meist durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich intelligent
  • … können sich nur schwer oder gar nicht in andere Menschen hineinversetzen
  • … können Gestik, Mimik und Tonfall anderer Menschen nicht intuitiv richtig deuten
  • … sprechen monoton und zeigen nur wenig Mimik, sind aber oft sehr wortgewandt
  • … entwickeln oft sehr spezielle oder seltsam erscheinende Interessen, mit denen sie sich intensiv und lange befassen
  • … bevorzugen regelmäßige, starre Abläufe und Tagesgewohnheiten
  • … haben häufig motorische Probleme

Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion

Menschen mit Asperger-Syndrom fällt es schwer, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Sie zeigen deutlich weniger Mimik und Gestik als andere Menschen und nehmen selten Blickkontakt auf.

Auch wenn es für Außenstehende so wirkt: Menschen mit Asperger-Syndrom wollen nicht unbedingt zurückgezogen leben – sie sind aber nicht in der Lage, soziale Situationen und Signale einschätzen zu können und sich entsprechend zu verhalten, sodass sie nur schwer Beziehungen aufbauen. Allerdings haben sie nur wenig Freude daran, ihre Interessen mit anderen zu teilen. Asperger-Betroffene können sich nicht in andere Menschen hineinversetzen. Die Emotionen anderer – zum Beispiel Wut, Trauer, Ärger – können sie nicht nachvollziehen. Es fehlt ihnen die Fähigkeit, die Gefühle anderer zu erfassen, also Empathie zu zeigen und Mitgefühl zu entwickeln. Dadurch machen sie oft einen rücksichts- und distanzlosen Eindruck und verhalten sich unangepasst.

Personen mit Asperger-Syndrom versuchen – im Gegensatz zu Menschen mit frühkindlichem Autismus – durchaus, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Allerdings können sie nicht einschätzen, ob sie sich einer Situation angemessen verhalten oder wie jemand auf eine Äußerung reagieren wird. Tiefe Freundschaften entwickeln sie in der Regel nicht.

Auffälligkeiten in Kommunikation und Sprache

Während beim frühkindlichen Autismus – einer Entwicklungsstörung, die dem Asperger-Syndrom ähnelt – die Sprachentwicklung stark verzögert ist, fangen Kinder mit Asperger-Syndrom häufig schon sehr früh an zu sprechen. Oft ertönen bereits die ersten Worte, bevor das Kind laufen kann. Asperger-Betroffene verfügen häufig über einen großen Wortschatz und eine wandlungsfähige Sprache. Die Stimme wirkt dabei allerdings eher monoton. Das Sprechen ist nicht an die Situation angepasst: Die Betroffenen können die Reaktionen ihrer Mitmenschen nicht deuten und wissen auch nicht, in welchen Situationen sie laut, leise, ruhig oder zum Beispiel gar nicht sprechen sollten. Vielmehr reden sie, wenn sie gerade dazu Lust haben, anstatt sich nach ihrem Gegenüber zu richten. Häufig führen sie auch Selbstgespräche. Nonverbale Signale können sie nicht richtig interpretieren: Die Mimik und Gestik oder der Tonfall ihres Gegenübers ist für sie ein Buch mit sieben Siegeln.

Eingeschränkte Interessen und stereotype Verhaltensmuster

Viele Menschen mit Asperger-Syndrom entwickeln Interessen, mit denen sie sich sehr intensiv, nahezu besessen beschäftigen oder die besonders außergewöhnlich und speziell sind. Manche lernen zum Beispiel Fahrpläne auswendig, andere beschäftigen sich mit mathematischen Aufgaben, wieder andere faszinieren geschichtliche Fragen oder Daten. Asperger-Kinder beschäftigen sich möglicherweise durchaus auch mit Dingen, die Gleichaltrige interessieren – etwa Dinosaurier oder eine Zeichentrickfigur –, jedoch in einem viel stärkerem Ausmaß als andere Kinder. Oder sie spezialisieren sich auf einzelne Details.

Durch diese Spezialisierung und ihren Drang, ihrem Hobby in besonderem Ausmaß nachzugehen, können Personen mit Asperger-Syndrom bisweilen herausragende Leistungen auf ihrem Gebiet hervorbringen. Die Kehrseite: Trotz manchmal erstaunlicher Fähigkeiten oder Wissenspotenziale können Asperger-Autisten ihre Fertigkeiten nicht in einem sozialen Kontext nutzen, also nicht in größere Zusammenhänge einbetten. So können einige Betroffene zwar große Datenmengen abrufen, diese aber nicht sinnvoll verwenden. Ihre Interessen nehmen einen so großen Raum ein, dass Alltagsaktivitäten bisweilen unmöglich werden.

Asperger-Autisten neigen zu Stereotypien, das heißt, sie verspüren den Drang, bestimmte Tätigkeiten immer nach dem gleichen Muster auszuführen. So halten sie etwa schon als Kind an bestimmten Ritualen fest, richten sich nach festgelegten Abläufen oder Uhrzeiten oder fahren stets denselben Weg. Plötzliche Veränderungen überfordern sie und werfen ihren Alltag aus der Bahn – sie brauchen Routine.

Unterschied zum frühkindlichen Autismus

Die Symptome beim Asperger-Syndrom ähneln zum Teil dem frühkindlichen Autismus, sind jedoch schwächer ausgeprägt. Während sich der frühkindliche Autismus bereits in der frühesten Kindheit bemerkbar macht, fallen Kinder mit Asperger-Syndrom meist erst im Kindergarten- oder Schulalter auf.

Auch wenn Asperger-Betroffene einige Ähnlichkeiten zu Autisten aufweisen, gibt es doch deutliche Unterschiede dazwischen.

Unterschiede zwischen Asperger-Syndrom und frühkindlichem Autismus

Menschen mit Asperger-Syndrom … Menschen mit frühkindlichem Autismus …
… sind durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent … sind unterdurchschnittlich intelligent
… fallen meist erst im Kindergarten oder Schulalter auf … fallen schon in der frühesten Kindheit auf
… lernen schon früh das Sprechen und verfügen oft über eine besonders wandlungsfähige Sprache … haben erhebliche sprachliche Defizite und können oft gar nicht sprechen
… empfinden ihre Umgebung als störend … empfinden die Umgebung als nicht existent

Asperger-Syndrom: Ursachen

Man nimmt an, dass mehrere Faktoren ein Asperger-Syndrom begünstigen. Die genauen Ursachen sind jedoch bislang nicht abschließend geklärt.

Eine große Rolle spielt eine genetische Komponente: Das Asperger-Syndrom tritt in einigen Familien gehäuft auf. Darüber hinaus haben wahrscheinlich noch andere Faktoren Einfluss an der Entstehung des Asperger-Syndroms, so insbesondere hirnorganische und biochemische Auffälligkeiten, die das Verhalten von Asperger-Betroffenen teilweise erklären.

Asperger-Syndrom: Diagnose

In der Regel fallen die ersten Anzeichen eines Asperger-Syndroms etwa nach dem dritten Lebensjahr auf. Die Symptome treten besonders dann zutage, wenn es darum geht, dass sich das Kind sozial integrieren muss, etwa im Kindergarten oder in der Schule.

Es gibt keine körperlichen Auffälligkeiten, anhand denen man ein Asperger-Syndrom nachweisen könnte. Bei Verdacht auf Asperger-Syndrom verweist der Kinderarzt die Eltern häufig an einen Kinder- und Jugendpsychiater. Insbesondere die Vorgeschichte, aber auch die Beobachtung des Kindes in verschiedenen Situationen helfen dem Experten dabei, eine Diagnose stellen zu können.

Der Arzt ermittelt, auf welchem Entwicklungsstand sich das Kind befindet und welche intellektuellen Fähigkeiten es aufweist. Dabei verwendet er unter anderem spezielle Beurteilungsskalen (z.B. Marburger Beurteilungsskala, MBAS).

Bestimmte Erkrankungen können mit ähnlichen Symptomen einhergehen, so zum Beispiel Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Bindungsstörungen, Schizophrenie, ADHS, aber auch andere tiefgreifende Entwicklungsstörungen wie der atypische Autismus. Daher ist es wichtig, dass der Arzt andere Krankheiten ausschließt, bevor er eine endgültige Diagnose stellt.

Asperger-Syndrom bei Erwachsenen

Es kann vorkommen, dass eine Person erst als Erwachsener mit der Diagnose Asperger-Syndrom konfrontiert wird, obwohl die Symptome bereits seit der Kindheit bestehen. Ein möglicher Grund: Viele Betroffene sind überdurchschnittlich intelligent und schaffen es, ihre Defizite jahrelang zu überspielen. Hinzu kommt, dass das öffentliche Interesse an Störungen aus dem autistischem Formenkreis zugenommen hat, sodass die typischen Symptome sowohl von Betroffenen als auch von Angehörigen oder Ärzten eher auch als "autistisch" erkannt werden.

Erwachsene mit Asperger-Syndrom haben oft ein hohes Bildungsniveau. Dennoch haben viele Schwierigkeiten in ihrem Beruf oder sind arbeitslos. Auch fällt es ihnen schwer, Freundschaften zu schließen.

Erwachsene Asperger-Autisten leiden häufig zusätzlich unter psychischen Erkrankungen, so etwa unter Depressionen oder Angststörungen. Dies kann die Diagnose erschweren.

Um herauszufinden, ob ein Erwachsener am Asperger-Syndrom leidet, gibt es spezielle Fragebögen für Erwachsene (z.B. "Adult Asperger Assessment" (AAA), Autismus-Spektrum-Quotient (AQ)). Darüber hinaus wird der Arzt den Patienten ausführlich untersuchen und nach seiner Krankengeschichte fragen. Geschwister und Eltern können Auskunft über die Kindheit des Betroffenen geben, denn häufig kann sich dieser nur lückenhaft an diese Zeit erinnern. Der Arzt kann auch anhand des Verhaltens auf eine mögliche Asperger-Erkrankung schließen: Asperger-Patienten meiden meist den Blickkontakt und haben in ihren Erzählungen Probleme damit, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Humor oder ein Lächeln erwidern sie oft nicht.

Asperger-Syndrom: Therapie

Nicht jede Person mit der Diagnose Asperger-Syndrom muss in Therapie. Viele Asperger-Autisten sind auch ohne Behandlung in der Lage, später einem Beruf nachzugehen und sich sozial anzupassen. Sie mögen für Außenstehende vielleicht sonderbar erscheinen, haben jedoch keine Probleme damit, ihren Alltag zu meistern.

Sind die Symptome jedoch sehr ausgeprägt, ist eine frühe Therapie besonders wichtig – am besten bereits im Kindesalter. In der Regel handelt es sich dann um eine Langzeittherapie.

Das Asperger-Syndrom ist nicht heilbar. Jedoch ist es möglich, vorhandene Defizite mithilfe einer Therapie in gewissen Grenzen zu kompensieren.

Eine verhaltenstherapeutische Maßnahme bietet die Möglichkeit, die individuellen Fähigkeiten des Kindes gezielt zu fördern und bestehende Defizite zu verringern. Der Therapeut berücksichtigt bei seiner Arbeit den Entwicklungsstand und die bereits vorhandenen Kompetenzen des Kindes und baut darauf auf. So lernt das Kind in der Therapie Schritt für Schritt, seine sozialen, kommunikativen und lebenspraktischen Fähigkeiten zu verbessern und die soziale Wahrnehmung zu trainieren.

Ein Bestandteil der Therapie könnte beispielsweise sein, dass ein Kind auf Fotos erkennen lernt, wie sich die dort abgebildete Person fühlt. Wichtiges Element der Therapie ist, dass das Kind oder der Jugendliche in der Lage ist, sich an soziale Situationen anzupassen. Dies ist beispielsweise wichtig, um einen Schulbesuch zu ermöglichen oder eine Ausbildung machen zu können. Meist ist eine länger andauernde sozialpädagogische Betreuung erforderlich.

Die Eltern/Betreuer spielen in der Therapie eine wichtige Rolle, denn sie können das Kind in seiner Entwicklung gezielt fördern. Daher sollten auch die Erziehungsberechtigen während der Therapie entsprechend begleitet und betreut werden.

Medikamente kommen zur Therapie des Asperger-Syndroms nur in seltenen Fällen zum Einsatz. Einige Kinder leiden im Rahmen des Asperger-Syndroms auch an Störungen der Aufmerksamkeit (ADHS). In diesem Fall kann der Arzt entsprechende Medikamente verordnen.

Asperger-Syndrom: Verlauf

Ein Asperger-Syndrom kann sehr unterschiedlich verlaufen: Einige Asperger-Autisten finden als Erwachsener eine berufliche Nische, in der sie ihre speziellen Interessen anwenden können und lernen, wie man Kontakt zu anderen Menschen aufbaut. Insbesondere bei hoher Intelligenz können Betroffene ihre Defizite gut kompensieren. Andere hingegen haben am Arbeitsplatz Probleme, weil sie beim Kontakt mit Kollegen oder Kunden nicht angemessen reagieren können und bisweilen unhöflich wirken. Wieder andere sind nicht in der Lage, einer Arbeit nachzugehen. Obwohl das Bildungsniveau von Menschen mit Asperger-Syndrom hoch ist, ist ein großer Teil von ihnen arbeitslos.

Der Verlauf der Erkrankung hängt unter anderem davon ab,

  • wie ausgeprägt das Syndrom ist,
  • wie gut sich die Person trotz ihrer Defizite sozial anpassen kann,
  • welche Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und
  • wie intelligent der Betroffene ist.

Aber auch die Bereitschaft des Umfelds, die Betroffenen zu integrieren, spielt eine Rolle.

Mit dem Alter lernen die Betroffenen, sich besser an Situationen anzupassen. Dennoch bleiben die Kommunikationsprobleme, die eingeschränkte Kontaktfähigkeit und die eingeschränkten Interessen lebenslang bestehen. Die meisten Menschen mit Asperger-Syndrom haben weniger soziale Kontakte als andere Menschen und gehen auch seltener eine Partnerbeziehung ein. Häufig schaffen sie es nicht, einen Partner zu finden, da sie nicht in der Lage sind, in angemessener Weise Kontakte zu knüpfen. Viele von ihnen leben zurückgezogen. In einer Partnerschaft haben die Betroffenen häufig Probleme, da es ihnen schwerfällt, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen. Zudem empfinden sie es häufig als anstrengend, sich intensiv mit einer Person auseinanderzusetzen und Anteilnahme zu zeigen. Sie wirken auf den Partner bisweilen egoistisch und distanziert.

Die Wahrscheinlichkeit für psychotische Störungen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen oder Tic-Störungen ist bei Asperger-Autisten leicht erhöht. In der Pubertät wird sich der Betroffene zunehmend darüber bewusst, dass er anders ist als andere Menschen. Daher ist das Risiko erhöht, im Jugendlichen- und Erwachsenenalter eine Depression zu entwickeln.

Asperger-Syndrom: Vorbeugen

Vorbeugen kann man einem Asperger-Syndrom nicht. Aber: Durch eine frühzeitige Therapie können Betroffene lernen, besser mit der Erkrankung umzugehen und ihre Kommunikationsdefizite auszugleichen.

Die ersten Symptome von Asperger zeigen sich in der Regel nach dem dritten Lebensjahr. Sollten Sie bei Ihrem Kind mögliche Anzeichen von Asperger entdecken, scheuen Sie sich nicht, einen Arzt aufzusuchen. Er kann mit Ihnen besprechen, ob und inwiefern eine Therapie erforderlich ist.

Bereits erwachsene Menschen mit Asperger-Syndrom können durch eine Therapie möglichen Folgeerkrankungen vorbeugen, so insbesondere einer Depression. Daher gilt auch für Erwachsene: Wenn Sie vermuten, am Asperger-Syndrom zu leiden, wenden Sie sich an einen Arzt.