Eine glückliche Frau im Regen.
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Manie

Eine Manie ist mit einem schier unbändigen Tatendrang verbunden: Wer manisch ist, fühlt sich permanent hochaktiv, vital und leistungsfähig – Schlaf ist hier nur Zeitverschwendung. Die Stimmung ist meist exzellent, auch, wenn es eigentlich keinen Grund dafür gibt. Was auf den ersten Blick positiv erscheinen mag, kann unangenehme Folgen haben – denn wer manisch ist, neigt zu extremer Selbstüberschätzung.

Das Gegenteil der Depression

Man ist euphorisch und hat das Gefühl, alles erreichen zu können: Solche Phasen kennt wohl jeder von uns und sie gehören zum Leben dazu. Viele frisch Verliebte etwa sehen alles durch die berühmte rosarote Brille, sind in bester Laune und fühlen sich besonders selbstbewusst.

Anders sieht es aus, wenn die Stimmungslage in keinem Verhältnis zur aktuellen Lebenssituation steht. So bei einer Manie: Es gibt aus objektiver Sicht keinen Grund für die gehobene Stimmung.

Menschen mit einer ausgeprägten Manie neigen dazu, sich zu überschätzen. Sie verhalten sich entsprechend leichtsinnig und verschwenderisch. Personen, die manisch sind, nehmen sich selbst als außerordentlich leistungsfähig und kreativ wahr. Sie trauen sich nahezu alles zu – selbst, wenn es noch so unrealistisch ist. Darüber hinaus fühlen sind sie übertrieben gut gelaunt, manchmal aber auch gereizt.

Sie verspüren keinerlei Bedürfnis nach Schlaf oder Erholung. Im Gegenteil: Eine Pause würde sie aus ihrer Sicht nur unnötig von ihrem oft ziellosen Tatendrang abhalten. Nichtstun – das ist schier unmöglich, wenn man an einer Manie erkrankt ist.

Wer manisch ist, ist voller Ideen: Im Gespräch springen Menschen mit Manie von einem Thema zum anderen, sodass andere ihren Gedankengängen manchmal gar nicht folgen können. Und auch in ihren Handlungen zeigen sich die Betroffenen sprunghaft. Viele – zumeist unrealistische – Projekte beginnen sie gleichzeitig und führen diese nicht zu Ende. Der Alltag ist durch die Manie deutlich beeinträchtigt, auch, wenn sich die Person nicht krank fühlt. Es kann vorkommen, dass angesichts der vielen Ideen Körperpflege und Ernährung vernachlässigt werden.

Manisch: Mögliche Symptome

Viele Menschen mit Manie

  • sind in einer unangemessenen, gehobenen oder gereizten Stimmung
  • haben einen deutlich gesteigerten Antrieb
  • sind besonders leistungsfähig und kreativ
  • überschätzen sich
  • verhalten sich rücksichtlos, enthemmt und leichtsinnig
  • sind leicht ablenkbar und haben viele, ständig wechselnde Ideen (sog. Ideenflucht)
  • haben ein reduziertes Schlafbedürfnis
  • reden viel, verlieren den Zusammenhang beim Sprechen
  • haben eine gesteigerte Libido und sind sexuell enthemmt
  • sind sprunghaft

Häufig entwickeln sich die Symptome einer Manie langsam über mehrere Tage hinweg. Die Manie hält in der Regel mindestens eine Woche lang an. Sie kann einmalig, aber auch mehrmals im Leben auftreten.

Gefährliche Selbstüberschätzung

Eine ausgeprägte Manie kann den Betroffenen erheblich schaden: Zum Beispiel geben sie unbesonnen viel zu viel Geld aus und machen Schulden, etwa weil sie glauben, eine geniale Geschäftsidee entdeckt zu haben. Oder aber sie überziehen ihr Konto, weil sie Dinge einkaufen, die sie sich eigentlich gar nicht leisten können und die sie nicht benötigen. Wildfremden Menschen erzählen sie etwa private Dinge und auch im sexuellen Bereich verhalten sie sich enthemmt.

In manchen Fällen kann eine Manie auch mit wahnhaften Symptomen und Halluzinationen einhergehen – etwa mit Größenwahn. Ein Beispiel: Eine Person glaubt, im Lotto gewonnen zu haben oder ein wichtiger Politiker zu sein, obwohl dies nicht der Fall ist. Andere hören Stimmen oder sehen Dinge, die nicht real sind.

Erst, wenn die Manie abgeklungen ist, können die Betroffenen ihre Handlungen realistisch einschätzen. Häufig schämen sie sich für ihr Verhalten während der Manie, denn meist stehen ihre Handlungen im Widerspruch zu ihren normalen Grundsätzen.

Beispiel für eine Manie

Herr M. steht nach nur zwei Stunden wieder auf. Zum Schlafen ist jetzt keine Zeit, und es gibt noch so viel zu erledigen – schließlich winkt ihm ein wichtiger Posten im Kanzleramt. Die Zeiten als Maurer sind dann endgültig vorbei! Erstmal gönnt er sich aber endlich den Porsche, von dem er immer geträumt hat. Der Kredit sollte kein Problem sein. Die Verkäuferin im Autohaus ist sehr attraktiv. Er fragt sie spontan nach einem Schäferstündchen. Auf ihren verwunderten Blick hin schlägt seine gute Laune in Gereiztheit um …

So oder ähnlich konnte der Tag eines Menschen aussehen, der an einer Manie erkrankt ist.

Von manisch zu depressiv

Der Manie folgt meist eine Depression: Oft wechseln sich manische Phasen mit depressiven Episoden ab. Dazwischen liegen häufig Phasen, in denen die Stimmung ausgeglichen ist. Mediziner sprechen auch von einer bipolaren affektiven Störung. Eine Manie ohne depressive Phasen kommt nur sehr selten vor.

Nach einer Depression erleben die Betroffenen eine anschließende manische Phase geradezu als Befreiung.

Wie eine bipolare affektive Störung entsteht, ist nicht abschließend geklärt. Man vermutet, dass mehrere Faktoren daran beteiligt sind, darunter genetische, biologische und psychosoziale Einflüsse. In manchen Familien kommen bipolare affektive Störungen mit Depression und Manie gehäuft vor, was auf eine genetische Komponente schließen lässt.

Die kleine Schwester der Manie

Eine abgeschwächte Form der Manie ist die Hypomanie: Die manischen Symptome sind dann nur leicht ausgeprägt. Die Person ist zum Beispiel sehr gesprächig und gesellig und deutlich aktiver als normal. Der Alltag ist nicht beeinträchtigt.

Durch den besonderen Ideenreichtum und ihre Kreativität können manche Menschen auch von der Hypomanie profitieren.

Manisch: Was tun?

Wer manisch ist, sieht häufig nicht ein, dass er krank ist – er reagiert bisweilen gereizt und aggressiv, wenn er auf eine mögliche Erkrankung angesprochen wird.

Bei einer schwer ausgeprägten Manie ist eine Behandlung in der Psychiatrie sinnvoll, denn manische Personen können eine Gefahr für sich und andere darstellen. Der Betroffene bekommt Psychopharmaka, so zum Beispiel Lithiumsalze, Neuroleptika wie Olanzapin oder Risperidon oder auch Beruhigungsmittel.

Manchmal ist eine Einweisung gegen den Willen des Kranken nötig. Der Aufenthalt in der geschlossenen Psychiatrie schützt den Patienten vor schädlichen Verhaltensweisen wie zum Beispiel exzessiven Geldausgaben oder sozialer Enthemmung. Im Umfeld der Psychiatrie kann er vor äußeren Reizen geschützt werden, bis die manische Phase vorüber ist.

Nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie ist eine stützende Psychotherapie ratsam. Bei wiederkehrenden manischen Phasen kann es notwendig sein, längerfristig Medikamente einzunehmen.