Ein Paar hält sich im Arm und lacht.
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Sterilisation

Sterilisation bedeutet, beim Mann oder bei der Frau mithilfe chirurgischer Maßnahmen eine Unfruchtbarkeit herbeizuführen. Sich sterilisieren zu lassen ist somit eine langfristige Form der Empfängnisverhütung.

Allgemeines zur Sterilisation bei Frau und Mann

Je nachdem, ob die Sterilisation bei der Frau oder beim Mann stattfindet, spricht man von:

  • Tubensterilisation (Sterilisation bei der Frau) oder
  • Vasektomie (Sterilisation beim Mann)

Bei der Sterilisation der Frau klemmt der Arzt die Eileiter ab und/oder verödet sie: Auf diese Weise kann ein Eisprung zwar noch stattfinden – da die Eileiter unterbrochen sind, gelangt die Eizelle aber nicht mehr bis in die Gebärmutter und kann daher auch nicht befruchtet werden.

Bei der Sterilisation des Mannes durchtrennt der Arzt die Samenleiter: Dadurch können keine Spermien mehr ins Ejakulat (Sperma) gelangen, sodass eine Befruchtung unmöglich ist.

Theoretisch besteht die Möglichkeit, eine Sterilisation durch chirurgische Maßnahmen wieder rückgängig zu machen und somit die Fruchtbarkeit wiederherzustellen. Wie erfolgreich solch eine Refertilisierung ist, lässt sich jedoch nicht mit Sicherheit vorhersagen.

Ob sich eine Sterilisation als Verhütungsmethode eignet, ist daher individuell gut abzuwägen. Idealerweise sollte sich nur sterilisieren lassen, wer seine Kinderplanung bereits abgeschlossen hat beziehungsweise wer sich hinsichtlich seines Kinderwunsches vollkommen im Klaren ist.

Gesetzliche Vorschriften
Unter welchen Voraussetzungen eine Sterilisation erfolgen darf, regeln gesetzliche Vorschriften. Eine Zwangssterilisation ist in Deutschland nach den Artikeln 1 und 2 des Grundgesetzes unzulässig und gilt nach § 225 StGB (Strafgesetzbuch) als beabsichtigte schwere Körperverletzung. Die freiwillige Sterilisation ist nach Ansicht des Bundesgerichtshofs in der Bundesrepublik Deutschland zulässig, wenn für den Arzt medizinische, genetische oder soziale Gründe vorliegen. Nicht sterilisieren darf man Minderjährige oder nicht einwilligungsfähige Personen (§ 1631 c BGB und § 1905 BGB).

Heutzutage muss der Ehepartner nicht mehr in die Sterilisation einwilligen.

Sterilisation der Frau (Tubensterilisation)

Die Sterilisation der Frau (Tubensterilisation) findet unter Vollnarkose statt: Wenn die Frau das Bewusstsein verloren hat und keine Schmerzen mehr verspüren kann, beginnt die Operation. Dabei verschafft sich der Chirurg Zugang zu den Eileitern (Tuben), um sie zu unterbrechen.

Für die Sterilisation der Frau gibt es verschiedene Methoden: Der Arzt kann die Eileiter ...

  • mit einem Clip abklemmen,
  • durch Hitze verschweißen (Thermokoagulation) oder
  • durchtrennen.

In den meisten Fällen erfolgt die Sterilisation der Frau als minimal-invasiver Eingriff im Rahmen einer Laparoskopie (Bauchspiegelung). Wer sich sterilisieren lassen möchte, kann dies aber auch – nach vorheriger Absprache – mit einer anderen Bauchoperation kombinieren – zum Beispiel mit einem Kaiserschnitt.

Die Sterilisation der Frau ist stationär oder auch ambulant möglich. Es empfiehlt sich, den Eingriff in der ersten Zyklushälfte vorzunehmen.

Folgen und Risiken einer Sterilisation

Die Sterilisation hat keine Folgen für den Hormonhaushalt und die Sexualität der FrauengesundheitFrau: Ihre Hormone, ihr Menstruationszyklus und ihr Sexualtrieb bleiben durch den Eingriff unverändert. Um die Eizellen, die nach der Sterilisation nicht mehr bis in die Gebärmutter (Uterus) wandern können, "kümmert" sich das Gewebe der Eileiter: Es nimmt die Eizellen auf und baut sie ab.

Allerdings haben Frauen, die sich sterilisieren lassen, ein erhöhtes Risiko für eine Bauchhöhlen- oder Eileiterschwangerschaft. Außerdem kann es bei der Sterilisation zur Schädigung des sogenannten Ligamentum latum der Frau kommen: Dies ist eine quer verlaufende Bauchfellfalte, die sich beidseits von der Gebärmutter zur seitlichen Beckenwand erstreckt. Das Ligamentum latum enthält – neben Haltebändern, Eileiter und Eierstock – auch Blutgefäße und Nerven, die Gebärmutter, Eileiter und Eierstock (Ovar) versorgen. Wenn der Chirurg diese bei der Sterilisation beidseitig verletzt,

  • kann dies eine verminderte Blutversorgung zur Folge haben,
  • wodurch eine Funktionseinschränkung der Eierstöcke (Ovarialinsuffizienz) entstehen kann,
  • die wiederum zu einem vorzeitigen Eintritt in die Wechseljahre (Klimakterium) führen kann.

Die Sterilisation der Frau hat eine dauerhafte Unfruchtbarkeit zur Folge. Wünscht sich eine sterilisierte Frau doch wieder ein Kind, kann sie versuchen, die Sterilisation wieder rückgängig machen zu lassen. Die Erfolgsaussichten einer solchen Refertilisierung ("Wiederfruchtbarmachung") sind allerdings ungewiss: Je nach angewendeter Behandlungsmethode liegt der Anteil der Frauen, die wieder schwanger werden, bei 54 bis 75 Prozent. Zudem ist – wie auch bei der Sterilisation selbst – eine Operation nötig, um die Eileiter wieder durchgängig zu machen. Dies bedeutet ebenfalls Operationsrisiken (wie Verletzungen, Infektionen oder Störungen der Wundheilung).

Jede Frau sollte also gut abwägen, ob sie mit ihrer Familienplanung wirklich bereits abgeschlossen hat, bevor sie sich sterilisieren lässt. Die Kosten für die Refertilisierung sind selbst zu tragen.

Eine intensive Aufklärung und Beratung durch den Frauenarzt ist daher wesentliche Voraussetzung für den Entschluss, sich sterilisieren zu lassen: So kann die Frau Folgen der Sterilisation für die eigene Lebens- und Familienplanung realistisch einschätzen. Kurzfristige Entscheidungen ziehen später unter Umständen psychische Probleme nach sich.

Die Sterilisation bietet einer Frau, die keinen Kinderwunsch hat und über ein entsprechendes Alter verfügt, eine sichere Möglichkeit der Schwangerschaftsverhütung.

Sicherheit

Die Sterilisation der Frau ist eine sehr sichere Art der Empfängnisverhütung. Der Pearl-Index, der die Sicherheit und Zuverlässigkeit einer Verhütungsmethode angibt, beträgt für die Tubensterilisation 0,1: Das heißt, dass nur 1 von 1.000 Frauen, die sich sterilisieren lassen, anschließend doch noch schwanger werden.

Vasektomie (Sterilisation beim Mann)

Die Vasektomie (Sterilisation beim Mann) ist eine dauerhaft wirksame Form der Empfängnisverhütung: Der Arzt führt die gewünschte Unfruchtbarkeit herbei, indem er die Samenleiter des Mannes durchtrennt. Vor dem chirurgischen Eingriff erhält der Mann eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie).

In Deutschland lassen sich jedes Jahr etwa 30.000 bis 50.000 Männer sterilisieren.

In der Regel findet die Sterilisation beim Mann ambulant (in einer Praxis der Urologie) statt. Wer sich ohne medizinische Gründe für eine Vasektomie entscheidet, muss die Kosten für den Eingriff selbst tragen.

Schwanger trotz Sterilisation des Mannes – geht das?

Die Antwort lautet ja, denn: Die Zeugungsfähigkeit bleibt noch etwa drei Monate nach der Sterilisation bestehen, da sich beim Mann noch etliche befruchtungsfähige Samenfäden in dem Gangsystem und in der Samenblase halten können. Wer eine Schwangerschaft sicher verhindern möchte, muss in dieser Zeit also unbedingt weiterhin normal verhüten. Mit einer Nachuntersuchung stellt der Arzt später fest, ob noch Spermien austreten – erst bei negativem Befund gilt der Mann nach der Vasektomie als unfruchtbar.

Folgen der Vasektomie

Auch die Sterilisation beim Mann hat keine direkten Folgen für die Qualität der Sexualität oder für den Hormonhaushalt: Ein sterilisierter Mann kann nach wie vor ganz normal Lust empfinden, Erektionen bekommen und beim Orgasmus eine Ejakulation haben. Nur die Zusammensetzung des Spermas verändert sich, wenn ein Mann sich sterilisieren lässt: Nach der Vasektomie enthält das Sperma keinen Samen mehr. Das Ejakulat besteht dann aus der Flüssigkeit, die sich in der Prostata (Vorsteherdrüse) bildet.

Zudem ist es – anders als bei einer sterilisierten Frau – einfacher, eine Sterilisation beim Mann rückgängig zu machen und die Samenleiter mikrochirurgisch irgendwann wieder zu vereinigen. Allerdings sinkt die Erfolgsaussicht dieser sogenannten Refertilisierung ("Wiederfruchtbarmachung"), je länger die Vasektomie zurückliegt:

  • Findet die Refertilisierung innerhalb von 3 Jahren nach der Vasektomie statt, können etwa 50 Prozent der Männer anschließend ein Kind zeugen.
  • Lässt ein Mann seine Sterilisation nach 10 Jahren oder später rückgängig machen, sinken seine Chancen, noch ein Kind zu zeugen, auf unter 30 Prozent.
Die Entscheidung für eine Sterilisation sollte jeder Mann daher gründlich durchdenken: Schätzungen zufolge wünschen sich etwa 5 bis 10 Prozent der Männer nach einer Vasektomie doch noch einmal Kinder.

Für wen kommt eine Vasektomie infrage?

Die Frage, für wen die Vasektomie infrage kommt, lässt sich nur individuell beantworten. Da die Sterilisation beim Mann in der Regel endgültig ist, geht dem Eingriff zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt voraus.

Bei Männern, die unter 30 Jahre alt sind und noch keine Kinder haben, rät der Arzt in der Regel von der Vasektomie ab, da sich der Kinderwunsch im Lauf des Lebens noch stark verändern kann.

Sicherheit

Die Sterilisation beim Mann gilt als sehr sichere Methode der Empfängnisverhütung. Der Pearl-Index, der die Sicherheit und Zuverlässigkeit einer Verhütungsmethode angibt, beträgt für die Vasektomie 0,1. Das bedeutet, dass nur 1 von 1.000 Frauen, deren Partner sich haben sterilisieren lassen, schwanger wird.