Das Bild zeigt ein Paar beim Liebesspiel.
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Orgasmus

Der Orgasmus (auch Klimax genannt) bezeichnet den Höhepunkt des sexuellen Lustempfindens von Mann und Frau. Dem Orgasmus schließt sich das Gefühl einer besonders angenehmen körperlichen und geistigen Entspannung an, die als Befriedigung empfunden wird. Die Bezeichnung "Orgasmus" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Leidenschaft" oder "Trieb".

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Allgemeines

Der Orgasmus ist mit unwillkürlichen Muskelkontraktionen verbunden, die besonders im Genitalbereich, aber auch an anderen Körperpartien auftreten können. Erreichbar ist ein Orgasmus beim Geschlechtsverkehr, beim Masturbieren (Selbstbefriedigung) oder bei anderen sexuellen Handlungen.

Was ist ein Orgasmus?

Beim Orgasmus wirken körperliche und seelische Faktoren zusammen. Die sexuelle Erregung steigert sich bis zu einem bestimmten Punkt, ab dem ein Reflex ausgelöst wird, der Muskeln im Becken und teils im Bauch rhythmisch zusammenziehen lässt. Die körperliche Spannung lässt daraufhin nach – gefolgt von der emotionalen.

Einen Orgasmus zu erreichen ist für viele Menschen entscheidend für ein glückliches und erfülltes Sexualleben. Wie jemand einen Orgasmus erlebt und wie er abläuft, unterscheidet sich bei Mann und Frau. Zudem kann die Intensität von Mal zu Mal variieren. Auch als Ursache für Störungen beim Orgasmus oder wenn er ganz ausbleibt, kommen organische wie psychische Faktoren infrage.

Viele Frauen brauchen in der Regel etwas länger, um zum Orgasmus zu kommen, als Männer. Dies gilt jedoch vor allem für den Orgasmus durch Geschlechtsverkehr und nicht für die Masturbation. Da der Orgasmus der Frau auf vielfältigere Weise zu erreichen ist als beim Mann, lernen manche Frauen erst nach einiger Zeit (manchmal erst nach Jahren), wie sie ihren individuellen Weg zum Orgasmus finden.

Etwa 25 Prozent der Frauen haben beim Geschlechtsverkehr nur sehr selten einen Orgasmus, 4 Prozent sogar nie. Viele Frauen empfinden den Geschlechtsverkehr jedoch auch ohne Orgasmus als befriedigend und erfüllend.

Erregung

Der Orgasmus stellt den Höhepunkt der sexuellen Erregung dar. Was genau beim Menschen eine sexuelle Erregung hervorruft, ist individuell sehr verschieden. Das können Sinneswahrnehmungen sein, die erotische Assoziationen oder sexuelle Reaktionen auslösen. Bei anderen Menschen sind es vor allem Düfte, erotische Bilder, Gedichte, Musik, Träume oder Gegenstände. Um einen Orgasmus zu erreichen, sind allerdings meist zusätzlich körperliche Reize notwendig, wie die Berührung erogener Zonen.

Als erogene Zonen gelten alle Körperpartien, deren Berührung eine sexuelle Erregung auslöst. Zu den erogenen Zonen gehören zum Beispiel der Mund, der Hals, die Brust oder der Genitalbereich.

Um einen Orgasmus zu erleben, ist der Koitus – also der Geschlechtsverkehr – nicht zwingend erforderlich: Auch beim Petting (d.h. beim gegenseitigen Berühren und Streicheln erogener Zonen), bei der Masturbation (Selbstbefriedigung, Onanie) oder dem Oralverkehr kann sich die sexuelle Erregung bis zum Höhepunkt steigern. Bei der Selbstbefriedigung reizt die Frau die Klitoris und/oder die Vagina, der Mann den Penis so lange, bis ein Orgasmus eintritt.

Klitoraler oder vaginaler Orgasmus?

Lange Zeit stand zur Debatte, welche Art des weiblichen Höhepunkts der lustvollere ist: wenn die Klitoris gereizt wird (klitoraler Orgasmus) oder wenn das männliche Glied in der Vagina einen Orgasmus (vaginaler Orgasmus) auslöst. Auch stand zur Diskussion, ob es einen vaginalen Orgasmus überhaupt gibt.

Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Gewebe der Klitoris sich nicht nur auf den außen sichtbaren Teil beschränkt, sondern sehr viel größer ist und weiter in die Scheide hineinragt, als man lange annahm. Insofern ist auch ein vaginaler Orgasmus im Grunde indirekt ein klitoraler Orgasmus.

Die vier Phasen des Orgasmus

Die sexuelle Erregung, die im Orgasmus gipfelt, verläuft in vier aufeinanderfolgenden Phasen:

  1. Erregungsphase
  2. Plateauphase
  3. Orgasmusphase
  4. Entspannungsphase

Bei Frauen und Männern gibt es innerhalb dieser vier Phasen Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede.

1. Erregungsphase

Nimmt die körperliche Erregung an Fahrt auf, beschleunigt sich der Puls, der Atem wird schneller und der Blutdruck steigt. Diese Erregungsphase kann bei beiden Geschlechtern relativ plötzlich einsetzen und sich rasch steigern. Sie kann zwischen wenigen Minuten bis zu Stunden dauern. Normalerweise lassen sich Frauen aus der Erregungsphase leichter ablenken als Männer. Zudem benötigen Frauen eher eine direkte Stimulierung der Klitoris, während Männer auch stark auf rein visuelle Reize reagieren.

Bei der Frau:

Bei der Frau schwellen in der Erregungsphase Klitoris und Schamlippen an und färben sich zunehmend rot. In der Scheide (Vagina) sondert sich in der Scheidenschleimhaut vermehrt Flüssigkeit ab (sog. Transsudation). Dass die Scheide feucht wird – auch Lubrikation genannt – erleichtert dem Penis, einzudringen. Die Scheide wird außerdem länger und weiter, die Gebärmutter erhebt sich leicht. Die Brüste können leicht anschwellen und die Brustwarzen richten sich auf. Bei einigen Frauen zeigt sich ein sogenannter Sex flush (engl. flush = Erröten), bei dem sich die Haut in bestimmten Bereichen (wie Gesicht, Brust, Rücken) rötet.

Beim Mann:

Beim Mann fließt in der Erregungsphase mehr Blut in die Schwellkörper des Penis, der dadurch nicht nur dicker, sondern auch länger wird. Der Penis richtet sich auf und wird steif. Den gesamten Vorgang bezeichnet man als Erektion (von lat. erectio = Aufrichten). Die Hoden und der Hodensack (Skrotum) ziehen sich zusammen.

2. Plateauphase

In der Plateauphase vor dem Orgasmus nimmt bei Mann und Frau die körperliche Erregung zu, die Muskelspannung steigt und die Kontrolle über den Körper lässt immer mehr nach. Die Erregung hat in dieser Phase eine bestimmte Höhe (Plateau) erreicht und steigt nur noch langsam an. Puls und Blutdruck steigen weiter an, die Atmung beschleunigt sich. In der Regel dauert diese Phase nicht länger als einige Minuten.

 

 

 

Bei der Frau:

Bei der Frau färben sich in der Plateauphase die kleinen Schamlippen noch intensiver und schwellen weiter an. Die sogenannten Bartholin-Drüsen, die im Scheidenvorhof zwischen den beiden kleinen Schamlippen liegen, geben ein Sekret ab, welches das Eindringen und Gleiten des Penis in die Scheide erleichtert. Die Brüste erreichen den größten Umfang.

 

 

 

Beim Mann:

Beim Mann nimmt der Penis in der Plateauphase weiter an Größe zu, vor allem im Bereich der Eichel. Diese verfärbt sich rötlich-violett. Aus der Harnröhrenöffnung tritt eventuell ein wenig Flüssigkeit hervor, der sogenannte Lusttropfen oder Sehnsuchtstropfen, der bereits einige Samenzellen (Spermien) enthalten kann. Die Hoden schwellen an.

3. Orgasmusphase

Der Orgasmus stellt den Höhepunkt der körperlichen Erregung dar: Die Orgasmusphase geht mit einer allgemeinen Muskeln: Bizeps, Trizeps & Co. Muskelanspannung und mit (individuell unterschiedlich stark ausgeprägten) Veränderungen des Bewusstseins einher, das viele Menschen als "Schweben" beschreiben. Atemfrequenz, Blutdruck und Puls haben ihr Maximum erreicht. Die Intensität des Orgasmus kann variieren. Sie ist von vielen Faktoren abhängig, so zum Beispiel von Grad und Dauer der vorher bestehenden Erregung. In der Regel dauert diese Phase bei Männern nicht länger als ein paar Sekunden, bei Frauen bis zu einer Minute.

Bei der Frau:

Beim Orgasmus der Frau zieht sich die Muskulatur von Scheide, Gebärmutter und Beckenboden mehrfach rhythmisch zusammen. Das untere Scheidendrittel verengt sich zur sogenannten orgastischen Manschette. Frauen können ihren Orgasmus über einen verhältnismäßig langen Zeitraum von 20 bis zu 60 Sekunden aufrechterhalten.

Beim Mann:

Der Orgasmus ist beim Mann deutlich kürzer als bei der Frau und durch die Ejakulation, also sowie ein rhythmisches Zusammenziehen der Beckenbodenmuskulatur gekennzeichnet. Beim Samenerguss wird Sperma aus der Harnröhre geschleudert.

4. Entspannungsphase

Nach dem Orgasmus beginnt die Entspannungs- oder Rückbildungsphase, in der sich Atmung, Blutdruck und Puls normalisieren. Die Muskelanspannung lässt nach. Vor allem Männer empfinden in dieser Phase ein ausgeprägtes Schlafbedürfnis.

In der Rückbildungsphase unterscheiden sich beide Geschlechter durch die unterschiedlich lange Erholungsphase. Männer sind in diesem Stadium gegenüber sexuellen Reizen weniger empfänglich. Einige Frauen dagegen können in kurzer Abfolge, sogar während eines Geschlechtsverkehrs, mehrere Orgasmen erleben (sog. multipler Orgasmus). Aber auch hier tritt irgendwann eine Rückbildungsphase ein.

Bei der Frau:

Bei der Frau schwellen in der Rückbildungsphase Klitoris und Schamlippen langsam ab, die Scheide verkürzt sich wieder und die Gebärmutter senkt sich. Die Rückbildung der Scheide ist bereits nach etwa 15 Minuten abgeschlossen, wohingegen das vollständige Abschwellen der Schamlippen bis zu drei Stunden dauern kann.

Beim Mann:

Beim Mann verkleinert sich der Penis nach dem Orgasmus verhältnismäßig rasch wieder auf den normalen, erschlafften Zustand. Die Hoden schwellen ebenfalls ab und treten wieder tiefer.

Orgasmusstörung

Der Orgasmus kann auf unterschiedliche Weise gestört sein. Eine Orgasmusstörung liegt vor, wenn:

  • der Orgasmus vorzeitig eintritt,
  • der Orgasmus verzögert eintritt oder
  • der Orgasmus ganz ausbleibt.

Dabei unterscheiden sich Orgasmusstörungen nach Geschlecht. Für viele Männer ist eher die Frage problematisch, wann der Orgasmus eintritt: In den Industrieländern leidet bis zu jeder vierte erwachsene Mann an einem vorzeitigen Orgasmus (auch als vorzeitiger Samenerguss bzw. vorzeitige Ejakulation bezeichnet). Die Betroffenen erreichen ihren sexuellen Höhepunkt immer wieder schon vor oder kurz nach dem Eindringen des Penis, ohne dies kontrollieren zu können – und das Gefühl der Befriedigung bleibt typischerweise aus.

Bei Frauen besteht eine Orgasmusstörung hingegen häufiger darin, dass es sehr lange dauert, bis sie zum Höhepunkt kommen beziehungsweise dass sie ihn überhaupt nicht erreichen – selbst wenn sexuelles Verlangen (Libido), Lustempfinden und körperliche Reizung der erogenen Zonen ausreichend vorhanden sind (dann spricht man von Hypoorgasmie = seltene Orgasmen bzw. Anorgasmie = völlig ausbleibende Orgasmen). Gerade bei Frauen ist das Erreichen des Orgasmus häufig an einen sehr individuellen Ablauf der sexuellen Reaktionsphasen gebunden, die stärker störungsanfällig sind als bei Männern.

Störend kann auch der sogenannte Coitus interruptus sein, also der unterbrochene Beischlaf, bei dem der Mann den Penis kurz vor der Ejakulation aus der Scheide zieht. Dasselbe gilt für den sehr kurzen Koitus, der durch eine äußerst rasche Erregungsphase beim Mann mit unmittelbarem Übergang in die Orgasmusphase gekennzeichnet ist. In beiden Fällen stagniert die Erregung bei der Frau häufig auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau und ein Orgasmus bleibt aus. Allerdings kann auch das Gegenteil der Fall sein: Wenn der männliche Partner sich bewusst zurückhalten kann, ist die Frau durchaus in der Lage, mehrere Orgasmen zu erleben, bevor auch er einen Orgasmus erreicht.

Ab wann eine Orgasmusstörung vorliegt, ist zunächst eine sehr individuelle Empfindung. Auch ein Liebesspiel ohne Orgasmus kann sexuell befriedigend sein. Außerdem ist zu bedenken, dass sich viele Menschen auch durch die Medien beeinflussten Klischeebildern unterwerfen und sich selbst unter Leistungsdruck setzen, was die Orgasmusfähigkeit und -häufigkeit angeht. Wenn man diesen Klischeebildern nicht enstpricht, gilt dies dann oft fälschlicherweise als Orgasmusstörung.

Erst wenn man das Ausbleiben des Orgasmus als Störung empfindet, ist dies als Problem anzusehen: Dann ist es ratsam, der Orgasmusstörung auf den Grund zu gehen.

Die Ursachen für einen gestörten Orgasmus sind vielfältig. So kann eine Orgasmusstörung zum Beispiel entstehen durch:

Die Behandlung von Störungen des Orgasmus richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Ist die Orgasmusstörung nicht organisch bedingt, kann eine psychotherapeutische Unterstützung helfen.