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Milcheiweißallergie versus Laktoseintoleranz

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Nächste Aktualisierung von Till von Bracht • Medizinredakteur

Eine Milcheiweißallergie (auch Kuhmilchallergie genannt) ist nicht zu verwechseln mit einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit). Beide Formen einer Nahrungsmittelunverträglichkeit bereiten aber ähnliche Symptome und lassen sich nicht immer einfach voneinander abgrenzen. Die Laktoseintoleranz kommt häufiger vor als die Milcheiweißallergie. Bei der Milcheiweißallergie sind hingegen die Beschwerden oft stärker ausgeprägt.

Allgemeines

Anders als bei einer Kuhmilchallergie ist es nicht möglich, einer Laktoseintoleranz vorzubeugen oder das Risiko zu senken, da die Laktoseintoleranz angeboren oder im Rahmen einer Krankheit erworben ist. Indem Sie Ihr Kind mindestens vier Monate lang voll stillen oder allergiegefährdete Kinder mit hydrolysierter Säuglingsnahrung füttern, können Sie aber das Risiko für eine Milcheiweißallergie drastisch senken. Führen Sie Beikost außerdem frühestens nach vier Monaten ein und verzichten Sie im ersten Lebensjahr auf Kuhmilch in der Ernährung Ihres Kindes.

Beide Erkrankungen bereiten jedoch ähnliche Symptome: Sowohl die Milcheiweißallergie als auch eine stark ausgeprägte Laktoseintoleranz können sich durch starke und anhaltende Magen-Darm-Beschwerden äußern. Anders als bei der Laktoseintoleranz kann eine Milcheiweißallergie aber auch Atemwegsbeschwerden und selten Kreislaufprobleme verursachen. Hautprobleme als Reaktion auf den Kontakt mit Kuhmilch können auf beide Erkrankungen hinweisen, treten aber häufiger bei einer Milcheiweißallergie auf.

Wenn die Erkrankung bereits besteht (sowohl Kuhmilchallergie als auch Laktoseintoleranz), können Sie den Symptomen vorbeugen, indem Sie eine kuhmilchfreie Diät einhalten. Bei einer leichten Laktoseintoleranz kann es allerdings ausreichen, wenn Sie auf Produkte mit niedrigem Laktosegehalt zurückgreifen, wohingegen Sie bei einer Milcheiweißallergie vollständig auf Kuhmilchprodukte verzichten müssen. Eine Kuhmilchallergie aber vergeht in den meisten Fällen bis zum Schulalter, sodass die Kinder sich im späteren Leben normal ernähren können. Eine Laktoseintoleranz hingegen besteht ein Leben lang.

Unterschiedliche Ursachen

Als Laktoseintoleranz wird die Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktose) bezeichnet. Der Milchzucker kann nicht verdaut werden, da ein bestimmtes Enzym (Laktase) kaum oder gar nicht gebildet wird. Die Laktoseintoleranz kann angeboren sein oder im späteren Leben, ausgelöst durch andere Erkrankungen, erworben werden.

Als Kuhmilchallergie wird die allergische Reaktion auf Eiweiße in Kuhmilch bezeichnet. Die Milcheiweißallergie wird meistens im Säuglingsalter erworben, in selteneren Fällen tritt sie im späteren Leben erstmals auf. Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Ein häufiger Grund ist jedoch der zu frühe Kontakt zum Allergen, beispielsweise wenn allergiegefährdete Kinder mit normaler Säuglingsersatznahrung anstelle von hydrolysierter Ersatznahrung gefüttert werden oder bei zu früher Beikostgabe.



Ähnliche Symptome

Die Symptome von Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) und Kuhmilchallergie (Milcheiweißallergie) sind sich sehr ähnlich, weshalb beide Erkrankungen anhand ihrer Beschwerden nicht immer ohne Weiteres voneinander abgegrenzt werden können.

Die Laktoseintoleranz bereitet Beschwerden wie

Es gibt verschieden starke Ausprägungen der Laktoseintoleranz, je nachdem, ob das Enzym Laktase gar nicht oder nur vermindert produziert wird. Ist das Enzym gar nicht vorhanden, können die Beschwerden bei Kontakt mit Milchprodukten ähnlich stark wie bei der Kuhmilchallergie ausfallen. Seltener verursacht eine Laktoseintoleranz auch Hautbeschwerden ähnlich einer Milcheiweißallergie.

Eine Kuhmilchallergie äußert sich bei Säuglingen und Kleinkindern durch:


Ähnliche Therapie

Weder für die Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) noch für die Milcheiweißallergie (Kuhmilchallergie) gibt es eine ursächliche Therapie, beide können also nicht geheilt werden. Um die Beschwerden zu lindern beziehungsweise die Symptome zu vermeiden, ist bei beiden Erkrankungen eine kuhmilchfreie Diät zu empfehlen.

In zwei Punkten unterscheidet sich die Art der Ernährung bei Laktoseintoleranz und Milcheiweißallergie jedoch:

Dauer: Die kuhmilchfreie Ernährung sollte besonders bei Säuglingen und Kleinkindern mit Kuhmilchallergie zunächst nur für 6-18 Monate eingehalten werden. Da die Milcheiweißallergie häufig bis zum Schulalter wieder vergeht, sollte die Diagnose in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Bei einer Laktoseintoleranz ist das nicht nötig, da sie ein Leben lang bestehen bleibt.

Intensität: Die kuhmilchfreie Ernährung sieht bei einer Milcheiweißallergie und einer starken Laktoseintoleranz (wenn der Körper keine Laktase herstellen kann) sehr ähnlich aus. Ist die Laktoseintoleranz hingegen nur schwach ausgeprägt, genügt es häufig schon, auf Lebensmittel mit hohem Laktosegehalt zu verzichten. Alternativ können dann beispielsweise laktosearme Milchprodukte verwendet werden – wohingegen Milchallergiker vollständig auf Milchprodukte verzichten müssen.

Unterschiedlicher Verlauf

Bis auf eine sehr seltene Form ist die Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) nicht gefährlich oder lebensbedrohlich. Wer einmal eine Laktoseintoleranz hat, wird diese aber in der Regel nicht mehr los, sie bleibt ein Leben lang erhalten.

Anders bei der Milcheiweißallergie (Kuhmilchallergie): Wird die kuhmilchfreie Diät nicht eingehalten, können die Beschwerden mitunter lebensbedrohlich werden, da die Allergene einen anaphylaktischen Schock auslösen können.

Die Milcheiweißallergie heilt allerdings in den meisten Fällen spontan ab – besonders, wenn sie im Säuglings- oder Kleinkindalter zum ersten Mal aufgetreten ist.

Laktoseintoleranz oder Kuhmilchallergie?

Wenn Säuglinge oder Kinder anhaltende Magen-Darm-Beschwerden haben und bereits Kontakt zu Kuhmilch hatten, liegt der Verdacht nahe, dass sie eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) oder eine Milcheiweißallergie (Kuhmilchallergie) haben. Um herauszufinden, ob die Reaktion überhaupt von der Kuhmilch hervorgerufen wird, sollte das betroffene Kind über zwei Wochen eine kuhmilchfreie Diät einhalten. Bessern sich die Beschwerden in dieser Zeit, ist es ziemlich sicher, dass die Kuhmilch beziehungsweise Milchprodukte der Auslöser waren.

Achtung: Eine Diät bei Säuglingen und Kleinkindern sollte immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind allergisch auf Lebensmittel reagiert, sprechen Sie daher immer zunächst mit Ihrem Kinderarzt.

Anschließend ist es nötig, die Ursachen genauer abzugrenzen: Handelt es sich um Laktoseintoleranz oder Kuhmilchallergie?

Da eine Laktoseintoleranz bei Babys und Kindern seltener vorkommt als eine Milchallergie, kann der der Arzt zunächst Allergietests und eine orale Milchprovokation durchführen. Sind diese negativ, folgen Tests auf Laktoseintoleranz.

Laktosetoleranztest und H2-Atemtest geben Aufschluss darüber, ob Milchzucker vom Darm abgebaut und aufgenommen werden kann oder nicht. Diese Tests können eine Laktoseintoleranz diagnostizieren, sagen aber nichts über eine Milcheiweißallergie aus.

Außerdem kann ein Gentest durchgeführt werden, der abklären kann, ob der entsprechende Gendefekt vorliegt, der ursächlich für eine Laktoseintoleranz ist.

Allergietests wie der Prick-Test und Intrakutan-Test hingegen treffen eine Aussage darüber, ob die Reaktion auf Kuhmilch einen allergischen Hintergrund hat. Allerdings werden hiermit nur die IgE-vermittelten Sofortreaktionen diagnostiziert. Die Spätreaktionen werden mit diesen Tests nicht erfasst. Als sicherste Diagnose für alle Kinder gilt eine kuhmilchfreie Eliminationsdiät mit Milchersatznahrung (z.B. auf Basis non-allergener Aminosäuren) mit anschließender Provokation mit Milch.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.kindergesundheit.de (Abrufdatum: 30.3.2016)

Online-Informationen des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e.V. (DAAB): www.daab.de (Abrufdatum: 30.3.2016)

Online-Informationen des aid Infodienstes, Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V.: www.aid.de (Abrufdatum: 30.3.2016)

Leitlinie der Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI): Allergieprävention. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/016 (Stand: 31.7.2014)

Leitlinie der Deutschen Adipositas-Gesellschaft: Prävention und Therapie der Adipositas. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 050/001 (Stand: 30.4.2014)

Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F. C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012

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Reinhardt, D., Reinhardt, G.: Kinderkrankheiten. Hirzel, Stuttgart 2009

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Jäger, L., Wüthrich, B. et al.: Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen. Urban & Fischer, München 2008

Letzte inhaltliche Prüfung: 30.03.2016
Letzte Änderung: 30.03.2016